PD Dr. med. Frank Martetschläger im Gespräch: Schulter und Ellenbogen

21.02.2020
Matthias Kühn
Redakteur

PD Dr. med. Frank Martetschläger hat sich als Spezialist für Schulterchirurgie, Ellenbogenchirurgie und Schulterendoprothetik weit über München hinaus einen Namen gemacht. Kein Wunder also, dass sich auf seiner Patientenliste renommierte und vor allem erfolgreiche Athleten aus den unterschiedlichsten Sportarten befinden! Wenn es darum geht, aktuelle Informationen zum Stand der hochentwickelten Gelenkchirurgie zu erhalten, ist der beliebte Facharzt natürlich der optimale Gesprächspartner.

„Durch ein hohes Maß an Spezialisierung, mit modernsten Techniken und wissenschaftlichem Austausch zur erfolgreichen Therapie“

Der Leading Medicine Guide sprach mit PD Dr. med. Frank Martetschläger vom Deutschen Schulterzentrum in München über Chirurgie, Operationstechniken und Pathologien, über Gelenkerhalt, schaftfreie Prothesen – und über den wissenschaftlichen Austausch unter internationalen Spezialisten. Schließlich ist PD Dr. med. Frank Martetschläger auch gern gesehener Gast bei Fachtagungen, Kongressen und anderen Formen des theoretischen wie praktischen weltweiten Wissenstransfers.

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PD Dr. med. Frank Martetschläger vom Deutschen Schulterzentrum in München

Leading Medicine Guide: Als angesehener Spezialist für Schulter- und Ellenbogenchirurgie haben Sie einen besonders guten Überblick. Verraten Sie uns die häufigsten Krankheitsprofile, mit denen Sie es in Ihrer chirurgischen Arbeit zu tun haben?

PD Dr. med. Frank Martetschläger: Erkrankungen des Schulter- und Ellenbogengelenks sind vielfältig und können alle Altersklassen betreffen. Während bei jungen Patienten vor allem Instabilitäten der Gelenke oder Knochenbrüche im Vordergrund stehen, kommt es bei Patienten über fünfzig gehäuft zu Erkrankungen mit Verschleiß der Knorpeloberflächen oder Rissbildungen im Bereich der Sehnen. Das gesamte Spektrum der möglichen Pathologien im Bereich Schulter- und Ellenbogen ist wie bereits erwähnt allerdings sehr breit. Daher bedarf es in jedem einzelnen Fall einer exakten klinischen und radiologischen Diagnostik, um die korrekte Diagnose zu stellen.

Leading Medicine Guide: Sie behandeln viele Sportler, auch zahlreiche Profis wenden sich vertrauensvoll an Sie. Welche Sportarten sind denn nach Ihren Erfahrungen besonders gelenkangreifend?

PD Dr. med. Frank Martetschläger: Die meisten Sportler, gerade Profis, wissen sehr gut mit ihrem Körper umzugehen und genießen eine perfekte medizinische Betreuung durch erfahrene Ärzte und Physiotherapeuten. Allerdings sind akute Verletzungen durch Sportunfälle schwer zu vermeiden. Zu traumatischen Gelenkverletzungen kommt es überwiegend bei Risikosportarten wie Mountainbike- oder Skifahren. Neben Unfällen sind Überlastungsreaktionen die häufigste Ursache für Gelenkverletzungen. Diese können akut oder chronisch auftreten, etwa bei immer wiederkehrenden Bewegungsabläufen des Gelenkes ohne das notwendige Trainings- bzw. Dehnungsprogramm.

Leading Medicine Guide: Und wie beugt man da am besten vor?

PD Dr. med. Frank Martetschläger: Überlastungsprobleme treten eher bei Überkopfsportarten wie Handball, Tennis, Golf, Baseball, Speerwerfen oder beim Schwimmen auf. Durch ein gezieltes Kräftigungs- und Dehnungsprogramm können solche Überlastungsreaktionen häufig gut therapiert oder noch besser, vermieden werden.

Leading Medicine Guide: Wenn es ums Operieren geht – was sind denn die aktuellen Herausforderungen in der Schulterchirurgie?

PD Dr. med. Frank Martetschläger: Die großen Herausforderung in der Schulterchirurgie stellen vor allem komplexe Fälle dar, bei denen junge Patienten bereits fortgeschrittenen Gelenkverschleiß oder nicht rekonstruierbare Abrisse der Sehnen in der Schulter haben. Diese Erkrankungen können dann auch beim jungen Patienten zu massiven Einschränkung der Schulterfunktion und zu starken Schmerzen führen. Und natürlich möchte man bei diesen jungen Patienten nicht gleich eine Schulterprothese implantieren.

Leading Medicine Guide: Wie lässt sich diese enorme Herausforderung lösen?

PD Dr. med. Frank Martetschläger: Dank der modernen arthroskopischen Chirurgie gibt es heute Möglichkeiten wie die sogenannte CAM-Operation, bei der mit einem kleinen Eingriff das Gelenk wieder beweglicher gemacht und Schmerzen reduziert werden können. Damit kann der Zeitpunkt für die Notwendigkeit einer Protheseimplantation häufig hinausgezögert werden. Für die nicht mehr rekonstruierbaren Sehnen kommen heute Techniken wie die „Superiore Kapselrekonstruktion“ oder der „Subacromiale Balloon-Spacer“ zum Einsatz. Die können helfen, das Gelenk wieder besser zu zentrieren und somit Funktion und Schmerz positiv beeinflussen. Aber auch die bewährten Sehnentransferoperationen, bei denen eine andere Muskel-Sehnen-Einheit zur Defektdeckung verpflanzt wird, finden hier natürlich noch Anwendung.

Leading Medicine Guide: Und wenn sich das Gelenk nicht erhalten lässt?

PD Dr. med. Frank Martetschläger: Bei den gelenkersetzenden Techniken, also bei den Prothesenimplantationen, gibt es längst nicht mehr nur die Standard-Implantate. Seit Jahren stehen moderne, schaftfreie und konvertierbare Implantate zur Verfügung, die vor allem bei jüngeren Patienten Vorteile aufweisen und hier als Ultima Ratio eingesetzt werden können.

Leading Medicine Guide: Die sind aber bestimmt auch anspruchsvoller, oder?

PD Dr. med. Frank Martetschläger: Sicher. Die Anforderungen an Implantat und Operateur sind nicht zuletzt aufgrund der stetig steigenden Lebenserwartung der Bevölkerung heute um ein Vielfaches höher. Die Ansprüche haben sich damit natürlich auch verändert: Patienten möchten heute bis ins hohe Alter mobil und auch aktiv bleiben, was mittels Gelenkersatzoperation auch bei schweren Gelenkdestruktionen problemlos möglich ist. Gerade bei den jüngeren oder sich noch sehr jung fühlenden Patienten (lacht) mit noch hohem Anspruch an die Schulter müssen den Patienten die höhere Belastung und der damit verbundene schnellere Verschleiß der Implantates deutlich gemacht werden.

Leading Medicine Guide: Sie haben die modernen arthroskopischen Techniken bei der Chirurgie des Schulter- und Ellenbogengelenks bereits erwähnt. So zählt die Schlüsselloch-Technik heute zu Ihren Schwerpunkten.

PD Dr. med. Frank Martetschläger: Das ist richtig. Wie vorhin erwähnt, handelt es sich dabei um ein sehr gewebeschonendes Verfahren, das ohne große Hautschnitte und Eröffnung des Gelenkes auskommt. Mit einer winzigen Kamera und sehr kleinen Instrumenten, die über minimale Punktionen in der Haut eingebracht werden, können heute viele Verletzungen sozusagen von innen mit Blick auf den Bildschirm operiert werden. Alle Rekonstruktionen der Rotatorenmanschette, aber auch Stabilisierungsoperationen nach Luxation der Schulter lassen sich mit dieser Technik durchführen. Das Gleiche gilt für die Behandlung von Verletzungen am Ellenbogen. Auch hier kommt die Arthroskopie zur Diagnostik und Therapie standardmäßig zum Einsatz. Sie ist aus unserem chirurgischen Alltag nicht mehr wegzudenken.

Leading Medicine Guide: Wird die ATOS Klinik München Ihren Ansprüchen an die Behandlung von Verletzungen und Erkrankungen der Schulter und des Ellenbogens auf höchstem Niveau gerecht?

PD Dr. med. Frank Martetschläger: Wie man auf der Homepage des Deutschen Schulterzentrums lesen kann, bietet die ATOS Klinik München Spitzenmedizin mit First-Class-Hotel-Ambiente. Sowohl die Patientenzimmer als auch die restlichen Räumlichkeiten der Klinik sind sehr freundlich, hell und modern gestaltet und mit allen Annehmlichkeiten ausgestattet. Dieses exklusive, moderne und gleichzeitig entspannte Umfeld ermöglicht es unseren Patienten, sich voll und ganz zu entspannen und auf das Wichtigste zu konzentrieren – auf die Genesung.

Leading Medicine Guide: Entspannte Patienten sind ja leider noch immer eher die Ausnahme in der heutigen Medizin.

PD Dr. med. Frank Martetschläger: Das muss man verstehen. Für die meisten Patienten ist ein Besuch beim Arzt eine Ausnahmesituation, die mitunter Stress auslösen kann – eine Operation sowieso. In erster Linie ist es mir wichtig, dass sich die Patienten bei uns wohlfühlen und ihre Probleme in ruhiger und stressfreier Atmosphäre besprechen können.

Leading Medicine Guide: Und wie gelingt Ihnen das?

PD Dr. med. Frank Martetschläger: Entscheidend ist, dass die Patienten im Verlauf des Beratungsgespräches nach der Diagnosestellung genau verstehen, was ihr Problem auslöst. Erst im nächsten Schritt werden die Möglichkeiten der Therapie ausführlich besprochen. Wenn dann die für den jeweiligen Patienten beste Therapie initiiert wird, ist neben der korrekten klinischen und radiologischen Diagnostik vor allem ein Punkt besonders wichtig: zuhören. Denn nur durch genaues Zuhören lassen sich alle Fragen und auch Ängste des Patienten klären beziehungsweise ausräumen. Das ist mir das Wichtigste.

PD Dr. Frank Martetschläger mit Olympia-Medaillengewinnerin Ramona Hofmeister (Bronze)

PD Dr. Frank Martetschläger mit Olympia-Medaillengewinnerin Ramona Hofmeister (Bronze)

Leading Medicine Guide: Sie gelten als gerngesehener Gast auf nationalen wie internationalen Fachkongressen und sind als Mitglied zahlreicher Fachgesellschaften mit Ihren wissenschaftlichen Vorträgen auch ein begehrter Redner. Welchen Stellenwert nimmt die Forschung in Ihrer Arbeit ein – und wie verbinden Sie Forschung und Praxis?

PD Dr. med. Frank Martetschläger: Auch nach meinem Weggang von der Universitätsklinik, dem Klinikum rechts der Isar, bin ich der Universität für die Bereiche Forschung und Lehre eng verbunden. Was die Forschung betrifft, so stellen sich im Rahmen der modernen Möglichkeiten immer wieder interessante Fragen, etwa bezüglich der Verbesserung oder Weiterentwicklung von Operationstechniken. Da kommen Forschungsergebnisse direkt in unsere OP-Säle – und umgekehrt. Außerdem müssen die Ergebnisse nach Anwendung einer bestimmten Therapie oder OP-Technik natürlich im Rahmen von Studien überprüft werden. So können wir sichergehen, dass die Therapie das gewünschte Ergebnis bringt – und wir haben die Möglichkeit, dass sie stetig besser wird. Daher ist für mich eine Patientenbehandlung auf höchstem Niveau nur im engen Verbund mit Forschungstätigkeiten möglich. Natürlich ist dieser Ansatz zeit- und kostenintensiv, was sich allerdings für den Patienten doppelt auszahlt.

Leading Medicine Guide: Da profitieren Sie sicher auch von Ihrer guten internationalen Vernetzung, oder?

PD Dr. med. Frank Martetschläger: Ja, natürlich. Als Vorsitzender des Wissenschaftskomitees der Europäischen Schultergemeinschaft (ESA) und Mitglied des Schulterkomitees der Gesellschaft für Arthroskopie und Gelenkchirurgie habe ich Einblick in die aktuellsten Entwicklungen der Schulterchirurgie im gesamten deutschen und europäischen Raum, was ich persönlich als großen Vorteil empfinde. So bleibt man nicht nur immer auf dem aktuellen Stand der Wissenschaft, sondern kann schwierige Fälle mit international renommierten Kollegen diskutieren. Davon profitieren wir alle.

Wir bedanken uns für das interessante Gespräch. Sie möchten PD Dr. Martetschläger kennenlernen oder einen Termin bei dem Spezialisten vereinbaren? Dann besuchen Sie das Profil des Schulter- und Ellenbogen-Spezialisten PD Dr. Martetschläger im Leading Medicine Guide!

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