Experteninterviews

Wenn Knochen und Gelenke stark schmerzen, hilft manchmal nur noch eine medikamentiöse Behandlung oder eine Operation. Bei einer Arthose etwa, dem so genannten "Gelenkverschleiß", leiden die Betroffenen besonders stark: Knie, Hüfte, Schulter, ja sogar Finger und Zehen können versteifen. Sie werden unbeweglich und schlechter durchblutet. Eine Arthrose kann alle Gelenke betreffen und zählt damit zu den häufigsten Gelenkerkrankungen. 
Ein derartiger Verschleiß (Degeneration) kann durch stark beanspruchte Gelenke entstehen oder durch diese beschleunigt werden: Schweres Heben, Übergewicht, altersbedingter Verschleiß, genetische Veranlagung, Fehlstellungen/ falsch verteilte Belastung und  andere Krankheiten (z.B. Stoffwechselerkrankungen, Gicht, Rheuma und andere Entzündungen).
 Die meisten Betroffenen beginnen ihre Schmerzzonen zu "schonen". Der Schmerz kommt zudem schubweise und schränkt den Alltag stark ein.  Allein in Deutschland sind etwa 8 Mio. Menschen von Arthrose betroffen. Denn Arthose ist nicht heilbar, kann jedoch mittels einer Operation (bei fortgeschrittener Arthose) durch den Ersatz eines Kunstgelenks/ einer Prothese, gemildert werden. 
So ein Eingriff macht den meisten Betroffenen Angst. Es ist daher sehr wichtig, sich hier an einen Fachexperten zu wenden, der sich bestens damit auskennt. Wir haben unseren kürzlich erneut ausgezeichneten Leading Medicine Guide Experten PD Dr. Baums gefragt. Der Mediziner ist Knie- und Schulterchirurg am St. Elisabeth-Krankenhaus Dorsten - an der Klinik für Orthopädie, Unfallchirurgie und Sporttraumatologie - und erklärt uns, wie Arthose speziell am Knie entsteht, wie man Arthrose richtig diagnostiziert, therapiert und wann zu einer Operation geraten wird. Herr Dr. Baums, wie entsteht Arthrose am Knie. Was sind die Ursachen? Beginnen wir zunächst mit dem gesunden Knie: Das Kniegelenk trägt unser gesamtes Körpergewicht und muss je nach Bewegung sogar ein Vielfaches des Gewichtes aufnehmen. Der Mensch macht jährlich ungefähr 1,5 Millionen Schritte und noch eine Vielzahl anderer Bewegungen. Um uns diese Vielzahl von Bewegungen zu ermöglichen, ist das Kniegelenk ein „offenes“ - nur durch Bänder und Muskeln stabilisiertes - Gelenk.Das Kniegelenk setzt sich aus dem langen Oberschenkelknochen (Femur) und dem Schienbein (Tibia) zusammen. Am vorderen Teil des Kniegelenks befindet sich die Kniescheibe (Patella). Sie ist ein relativ kleiner, flacher Knochen. Das Femur liegt mit zwei rundlichen, parallel zueinander stehenden Strukturen (Femurrollen), auf dem mit einer Knorpelschicht überzogenen Tibiakopf auf. Die Femurrollen sind ebenfalls mit Knorpel überzogen. Getränkt mit einer zähen Flüssigkeit, der so genannten Gelenkschmiere, funktioniert der Knorpel wie ein gut geschmiertes Lager. Er hält die beiden Knochen des Kniegelenks voneinander getrennt und sorgt so für eine nahezu reibungslose Bewegung ohne Schmerzen.Femur und Tibia sind durch vier kräftige, flexible Bänder miteinander verbunden. Sie wirken wie Schnüre, welche die beiden Enden des Gelenks zusammenhalten und bei Bewegung sichern. Durch die Bewegung wiederum gelangt die Gelenkflüssigkeit mit ihren Nährstoffen in den Knorpel. 
Der Knorpel ist ein anpassungsfähiges, elastisches und kräftiges Bindegewebe und und bedeckt die Knochenenden unserer Gelenke. Doch wussten Sie, dass auch unser Ohr (die äußere Ohrmuschel), der Kehlkopf und unsere Nase ebenfalls eine Knorbelart sind?
 Wie verhält es sich beim "kranken" Knie? Und, wie bemerke ich das?Das Kniegelenk kann von verschiedenen Krankheiten betroffen sein. Spürbares Merkmal ist immer der starke Schmerz bei jeder Bewegung. Je mehr die Bewegung zur Qual wird, desto weniger bewegt man sich. Doch diese Bewegungspausen können, je nach Krankheit, die Schmerzen verstärken. Denn das Gelenk wird durch den Bewegungsmangel nicht mehr ausreichend mit Nährstoffen versorgt. 
"Die häufigste Kniegelenkerkrankung ist die Arthrose, deren Ursache noch ungeklärt ist. Bei einer Arthrose verschleißt der Gelenkknorpel oder verschwindet an manchen Stellen sogar ganz. Das hat zur Folge, dass die Knochen im Gelenk direkt aufeinanderreiben. Die Gelenkbeweglichkeit wird eingeschränkt."
 Schon kleine Bewegungen können starke Schmerzen verursachen, denn anders als der Knorpel sind die Knochen mit Nerven durchzogen. Ohne schützende Knorpelschicht nutzen die Knochen ab und kann sich unter Umständen verformen. Frühzeitiger Verschleiß der Gelenkflächen kann außerdem durch angeborene oder anlagebedingte Fehlbildungen verursacht werden. Die häufigsten Formen sind bekannt als O-Beine (Varus-Stellung) oder X-Beine (Valgus-Stellung). Probleme treten auch durch einen Drehfehler auf, der äußerlich durch eine nach innen oder nach außen deutende Fußfehlstellung sichtbar wird.Oft leidet das Knie auch unter Erkrankungen des Hüftgelenks, die dann das Knie in seinem reibungslosen Bewegungsablauf behindern. Als entzündliche Erkrankung sei hier noch die rheumatoide Arthritis erwähnt, eine Autoimmunkrankheit, die alle Gelenke des Menschen befallen kann. 
Wie diagnostiziert man Arthrose?Das kann man schon mit normalen Röntgenbildern feststellen. Denn ein MRT (Kernspintomographie) ist für die Diagnose einer Arthrose nicht entscheidend. In frühen Stadien kann dies jedoch zur Detektion von Begleiterkrankungen (Meniskus) beitragen. Eine Computertomographie (CT) ist nur notwendig in Fällen mit einer ausgeprägten Zerstörung des Knochens.  Wann raten Sie zu einer Operation?Wenn konservative Maßnahmen keine Besserung erreichen können, ist es ratsam, über ein künstliches Gelenk nachzudenken. Eine Operation kommt in Frage, wenn der Leidensdruck des Patienten nicht mehr anders (z.B. medikamentös) behoben werden kann. Deshlab sollte in den meisten Fällen der Patient den Zeitpunkt der Operation individuell bestimmen und der Arzt beratend tätig sein. In Fällen einer erheblichen Gelenkzerstörung sollte hingegen zeitnah operiert werden. 
Vor der OP gilt:
  • Ausführlich beraten lassen
  • Vorausschauend Termine vereinbaren
  • Häusliche Versorgung sicherstellen
  • Körper und Knie auf Operation vorbereiten
  • Voruntersuchungen absolvieren
  • Fragen stellen, bis alles verstanden ist
  • Empfehlungen abwägen

 Wie wird operiert?So gewebeschonend wie möglich. Grundsätzlich gilt: soviel wie möglich eigene Knochensubstanz erhalten. Unter einem Speziellen Teilgelenkersatz versteht man einen minimalinvasiv, gewebeschonenden und kleinen Zugang, ohne jedoch die Muskulatur abzulösen. Gibt es Besonderheiten der operativen Therapie im St. Elisabeth-Krankenhaus, die wir unbedingt erwähnen sollten?Beim künstlichen Kniegelenk orientieren wir uns an der individuell vorhandenen Bandspannung jedes Patienten, um ein ausgewogenes Stabilitätsverhältnis zu erhalten. Die Planung erfolgt computergestützt anhand der individuell angefertigten Röntgenbilder jedes Patienten.Patienten, die lediglich eine Arthrose des innenseitigen Gelenkspaltes am Kniegelenk haben profitieren von einem Teilgelenkersatz, einer so genannten Schlittenprothese. 
"Wir nehmen als Pilot-Klinik am Endoprothesenregister Deutschland teil, um den Einbau künstlicher Gelenke fortlaufend zu verbessern und die Sicherheit für die Patienten zu erhöhen. Durch die ständige Rückmeldung wird die Versorgung mit künstlichen Gelenken fortlaufend verbessert."
 Ich selbst bin zertifizierter Fachexperte für Endoprothesenzentren, Mitglied speziell endoprothetischer Fachgesellschaften und strebe die Zertifizierung der Abteilung als Endoprothesenzentrum an. Bereits jetzt arbeiten wir deshalb nach national und international gültigen Standards und unterliegen einer kontinuierlichen Qualitätskontrolle. Auch sind wir bereits als Ausbildungszentrum für Gelenkeingriffe durch eine Fachgesellschaft zertifiziert, um unser Wissen auch an jungen Kollegen weiterzugeben.  
Vielen Dank für das sehr informative Gespräch, Herr Dr. Baums! Wollen Sie mehr erfahren? Dann besuchen Sie sein Arztprofil auf Leading Medicine Guide und nehmen Sie direkt Kontakt zum Experten auf.