Wer eine nuklearmedizinische Therapie erhält, durchläuft eigentlich nichts anders als eine Strahlentherapie – nur eben von innen. Denn die Nuklearmedizin nutzt sogenannte Radionuklide für die Diagnose und für die Therapie von Erkrankungen. Diese radioaktiven Teilchen helfen dabei, Tumoren oder Metastasen aufzuspüren.

Nuklearmedizinische Medikamente dringen direkt zu den krankhaften Zellen vor. Mit ihren typischen Eigenschaften zerstören radioaktive Teilchen diese dann durch entsprechende Strahlen. Der Vorteil: Das gesunde Gewebe wird nur punktuell belastet – und bei weitem nicht in dem Ausmaß, in dem es bei einer herkömmlichen Strahlentherapie geschieht.

Fachärzte für Nuklearmedizin sind eine eigene Facharztgruppe. Sie beschäftigen sich vor allem mit radioaktiven Bildgebungs- und Therapieverfahren. Somit sind Fachärzte für Nuklearmedizin wichtige Partner innerhalb interdisziplinärer Teams, um beispielsweise Tumorpatienten eine maßgeschneiderte Radiotherapie zukommen lassen zu können. Die Nuklearmedizin ist derzeit auch Geburtsstätte vieler neuer Anwendungsmöglichkeiten radioaktiver Substanzen und Bildgebungsverfahren.

Übersicht

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Nuklearmedizin - Weitere Informationen

Schilddrüsendiagnostik und vieles mehr

Die Geschichte der Nuklearmedizin beginnt um das Jahr 1938, als erstmals radioaktives Jod eingesetzt wurde, um Schilddrüsenerkrankungen zu diagnostizieren. Vier Jahre später stand mit Einführung von Jod-131 eine erste Therapiemöglichkeit zur Verfügung.

Seit jenen Tagen hat sich in der Nuklearmedizin vieles geändert, doch eines ist nach wie vor geblieben: die Schilddrüsendiagnostik und -therapie nimmt auch heute noch einen wichtigen Teil der Arbeitszeit in der Nuklearmedizin ein.

Darüber hinaus arbeiten Fachärzte für Nuklearmedizin aber auch im Bereich Tumordiagnostik und -behandlung, in der Gefäß- und Herzdiagnostik sowie in der Darstellung von Knochen- und Demenzerkrankungen. Die Nuklearmedizin ist aufgrund dieser breiten Palette an Möglichkeiten in Diagnostik und Therapie ein weit vernetztes Fachgebiet mit einem Höchstmaß an Interdisziplinarität.

Tumorbehandlung in der Nuklearmedizin

Heutzutage setzen Fachärzte für Nuklearmedizin sogenannte Radioisotope ein, um Krebszellen im Körper gezielt zu bekämpfen. Je nach Anwendung werden diese Radiopharmaka gespritzt oder über Infusionen verabreicht und gehen dann zumeist zielgenau in die Krebszellen oder z. B. in Bereiche von Knochenmetastasen. Die eingesetzten Radioisotope sind meist Kurzstrahler, das heißt, dass sie nur auf sehr engem Raum radioaktiv sind und somit zwar Krebszellen schädigen, aber weniger stark auf weiter entfernt liegende gesunde Körperzellen einwirken.

Damit sind radiologische Behandlungsverfahren aus der Nuklearmedizin in einigen Fällen auch zielgerichteter als beispielsweise die klassische Chemotherapie mit ihren systemisch verabreichten Zytostatika. Weniger schädliche Auswirkungen der Radiopharmaka auf gesunde Körperzellen sorgen zudem in der Nuklearmedizin für weniger Nebenwirkungen, was die Therapie für die Patienten besser verträglich macht und die Lebensqualität trotz lebensbedrohender Erkrankung auf einem gewissen Niveau erhält.

Körperbilder in 3D

Ein weiteres innovatives Anwendungsgebiet der Nuklearmedizin ist die dreidimensionale Bildgebung mittels Positronen-Emissions-Tomographie (PET) oder auch im Kernspin- oder Computertomographen (MRT + CT). Hier kann je nach Indikation der gesamte menschliche Körper „scheibchenweise“ dargestellt werden. Spezielle Radio-Tracer ermöglichen es, bestimmte Strukturen und Zielgewebe aufgrund deren besonderer Stoffwechselsituationen radiologisch „anzufärben“ und so noch besser sichtbar zu machen. Die Aufnahmen sind hochauflösend und lassen selbst kleinste Veränderungen hervortreten.

Besonders in der Diagnostik von Gefäßerkrankungen, Tumoren und Demenzerkrankungen bieten diese neuen Methoden der Nuklearmedizin große Vorteile. Allerdings sind diese Methoden auch deutlich teurer als z. B. klassische bildgebende Verfahren, wie das Röntgen. Deshalb finden sich Tomographen meist auch in spezialisierten Radiokliniken oder Behandlungszentren.

Facharzt für Nuklearmedizin

Um nach einem Medizinstudium als Facharzt für Nuklearmedizin arbeiten zu dürfen, bedarf es eines fünfjährigen Facharztstudiums für Nuklearmedizin. Dieses wird am Ende mit der Facharztprüfung abgeschlossen. Darüber hinaus schreibt die Weiterbildungsordnung für das Fach Nuklearmedizin eine bestimmte Mindestanzahl von nuklearmedizinischen Untersuchungen und Behandlungen vor, um den Titel Facharzt für Nuklearmedizin führen zu dürfen. Auch eine Qualifikation im Bereich Strahlenschutz ist für die Berufsausübung notwendig.

  • https://www.berufsverband-nuklearmedizin.de/ueber-uns/