Die Venerologie ist ein Teilgebiet der Dermatologie (Hautkrankheiten), das sich mit Geschlechtskrankheiten beschäftigt. Der Begriff Geschlechtskrankheiten ist aus der falschen Annahme heraus entstanden, dass die Krankheiten nur durch Geschlechtsverkehr übertragen werden. Vielmehr sprechen heute die Mediziner von sexuell übertragbaren Infektionen oder genitalen Kontaktinfektionen. Im englischen Sprachraum werden diese Erkrankungen STI („sexually transmitted infections“) beziehungsweise STD („sexually transmitted diseases“) genannt. Die einzelnen Begriffe und Abkürzungen werden häufig synonym benutzt.

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Die häufigsten sexuell übertragbaren Erkrankungen

Die Gruppe der sexuell übertragbaren Infektionen ist hinsichtlich Übertragungsweg, Erreger, betroffenen Personengruppen und Erkrankungsschwere äußerst heterogen. Wie der Name schon verrät, sind STI Krankheiten, die vorwiegend sexuell übertragen werden. Dazu gehört aber nicht nur der Geschlechtsverkehr im eigentlichen Sinne, auch beim Küssen ist eine Infektion möglich. Ferner kann bei einigen STI auch eine Ansteckung über den Kontakt mit infiziertem Blut oder von der Mutter auf ihr Kind während der Schwangerschaft, der Geburt oder des Stillens erfolgen. Manche Personengruppen, wie zum Beispiel MSM (Männer, die mit Männern Sex haben), können ein erhöhtes Risiko für bestimmte STI haben.

Zu den häufigsten sexuell bakteriell übertragbaren Erkrankungen gehören, weltweit betrachtet, die Trichomonadeninfektion (Trichomoniasis; Erreger ist das Protozoon Trichomonas vaginalis) sowie die Chlamydieninfektion. Diese können sich zum Beispiel durch Juckreiz im Intimbereich sowie durch Ausfluss bemerkbar machen. Auch die Gonorrhoe wird zu den häufigen STI gezählt.

Nicht nur Bakterien, auch Viren können für eine STI verantwortlich sein. So sind die Erreger von Feigwarzen humane Papillomaviren, abgekürzt HPV genannt. Die Infektion mit Humanen Papillomaviren ist mir Abstand die häufigste STI, die vermutliche Durchseuchung der Bevölkerung liegt bei fast 100%. Doch natürlich hat nicht jeder Patient die entsprechenden Hautveränderungen im Genitalbereich. Mediziner sprechen dabei von intraepithelialen Neoplasien, also Neubildungen von Körpergewebe an der Vulva (VIN), dem Gebärmutterhals (CIN) oder dem Penis (PIN) oder auch Genitalwarzen. Die Viren sind häufig und überall verbreitet, auch wenn Patienten keine Symptome zeigen.

Auch Herpes genitalis ist eine Erkrankung, die durch Viren ausgelöst wird. Ebenso wie die virale Infektion gehören auch die Pilzinfektion der Genitalien sowie der Befall mit Filzläusen und Krätzmilben (Skabies) zu den STI. Weitere sexuell übertragbare Infektionen sind beispielsweise HIV und Hepatitis B.

Zu den „klassischen“ Geschlechtskrankheiten wurden ursprünglich nur die folgenden gezählt:

  • Syphilis (Lues venerea; Erreger ist das Bakterium Treponema pallidum) - hier ist aktuell leider ein massiver Anstieg an Infektionen zu verzeichnen (so berichtet das Robert-Koch-Institut).
  • Gonorrhoe (Tripper; Erreger ist das Bakterium Neisseria gonorrhoeae) - nicht nur die Häufigkeit der Erkrankung ist problematisch, sondern auch die bestehenden Antiobiotikaresistenten, die eine Behandlung erschweren.
  • Ulcus molle (Weicher Schanker, Chancroid; Erreger ist das Bakterium Haemophilus ducreyi)
  • Lymphogranuloma inguinale (Lymphogranuloma venereum, Chlamydieninfektion; Erreger ist das Bakterium Chlamydia trachomatis)
  • Granuloma venereum (Granuloma inguinale; Wucherbeule; Erreger ist das Bakterium Klebsiella granulomatis)

Durch die Entdeckung neuer Erreger wie auch durch Aufdeckung der genitalen Übertragung bei altbekannten Infektionen hat sich heute die Liste auf über 30 STI erweitert.

Die Diagnose von Geschlechtserkrankungen

Bei Verdacht auf eine Geschlechtskrankheit führt der Facharzt zunächst ein Gespräch mit dem Patienten. Der Arzt erfragt zum Beispiel, ob der Patient ungeschützten Geschlechtsverkehr hatte und lässt sich die Symptome genau beschreiben. Die anschließende körperliche Untersuchung richtet sich nach dem Beschwerdebild, dem Geschlecht und den sexuellen Praktiken. Insbesondere der Urogenitaltrakt inklusive Genitalien, die Analregion und der Mund-Rachen-Raum, aber auch die übrige Haut werden genau untersucht, und es wird auf Hautauffälligkeiten geachtet. Die Leistenregion wird abgetastet.

Um eine Infektion auszuschließen bzw. zu bestätigen wird ein Abstrich durchgeführt. Untersucht werden Scheidensekret, infektiöses Sekret wie Ausfluss aus der Harnröhre oder auch Hautmaterial. Durch eine mikrobiologische Aufarbeitung kann im Labor ein Erregerstamm isoliert werden. So kann der behandelnde Arzt dann eine sichere Diagnose stellen. Bei einigen STI, wie beispielsweise HIV oder Hepatitis B, lassen sich die Erreger auch im Blut nachweisen. Der direkte Nachweis der Erreger im Blut erfolgt eher selten, auch aus Kostengründen. Aktuelle HIV- und Hepatitis B- Screening Tests funktionieren hingegen so, dass die Antikörper gegen das jeweilige Virus indirekt  nachgewiesen werden. 

Unabhängig vom Auftreten von Beschwerden sollte aber auch eine Untersuchung auf STI bei Personen mit einem erhöhten Ansteckungsrisiko (dazu gehören MSM und SexarbeiterInnen) in regelmäßigen Abständen stattfinden. Welche Untersuchungsintervalle individuell sinnvoll sind, kann der behandelnde Arzt bestimmen.

Die Behandlung von sexuell übertragbaren Erkrankungen

Die Behandlung hängt immer von der Infektionsart und der Infektionsschwere ab. Therapie der Wahl bei einer bakteriellen Infektion sind Antibiotika. Bei einer viralen Erkrankung helfen Antibiotika nicht - hier kommen antivirale Medikamente, sogenannte Virostatika zum Einsatz. Für parasitäre STI stehen außerdem lokale Therapien mit Salben zur Verfügung. Chirurgische Eingriffe sind bei Hautveränderungen durch das Humane Papillomavirus (z.B. Genitalwarzen und Krebsvorstufen) unter Umständen angezeigt.

Wichtig ist die Information, Untersuchung und gegebenenfalls die Behandlung der aktuellen und auch der vergangenen Sexualpartner. Wird nur ein Partner gegen die Geschlechtskrankheit behandelt, besteht immer das Risiko einer Reinfektion (sogenannter Ping-Pong-Effekt).

Der behandelnde Arzt führt zudem bestenfalls eine Beratung zum Thema Safer Sex durch. Während ungewollten Schwangerschaften durch die Pille und andere hormonelle Verhütungsmittel vorgebeugt werden kann, ist bei bestimmten Geschlechtskrankheiten die Verwendung eines Kondoms ein wirkungsvoller Schutz. Gegen HPV und Hepatitis-A- und -B-Viren gibt es Impfungen.

Wenn Sie den Verdacht haben, unter einer Geschlechtskrankheit zu leiden, sollten Sie den Arztbesuch keinesfalls aus falscher Scham hinauszögern. 

Spezialisten für Geschlechtskrankheiten

Einen "Facharzt für Geschlechtskrankheiten" gibt es streng genommen nicht. Spezialisten für die Diagnose und Behandlung von Geschlechtskrankheiten sind Gynäkologen, Urologen und Venerologen. Diese können eine Diagnose schnell und sicher stellen und so auch rasch die erforderliche Therapie einleiten.

Für die Betreuung von Patienten mit sexuell übertragbaren Infektionen ist der Dermatologe in der Regel der erste Ansprechpartner, weil sich die STI in vielen Fällen im Bereich der Haut zeigen. Der Spezialist für Geschlechtskrankheiten bei beiden Geschlechtern wird daher auch Venerologe genannt, wobei der offizielle Titel in Deutschland Facharzt für Haut- und Geschlechtskrankheiten (Hautarzt) lautet. Ein Venerologe ist also ein Hautarzt, der sich auf den Bereich der Geschlechtskrankheiten spezialisiert hat.

Aber auch Spezialisten anderer medizinischer Richtungen behandeln Patienten mit Geschlechtskrankheiten, wie zum Beispiel:

  • Frauenärzte (Gynäkologen) beschäftigen sich vor allem mit den weiblichen Geschlechtsorganen. Betreffen die Beschwerden den weiblichen Intimbereich, ist ein Frauenarzt ein möglicher Ansprechpartner.
  • Männliche Patienten mit Symptomen am männlichen Geschlechtsorgan können sich an einen Urologen wenden.
  • Bei Symptomen im Bereich des Afters kann auch ein Facharzt mit der Zusatzbezeichnung Proktologie der richtige behandelnde Arzt sein, also zum Beispiel auch ein Dermatologe mit proktologischer Zusatzbezeichung.

Quellen

  • Bundesärztekammer (2013) (Muster-)Weiterbildungsordnung 2003 in der Fassung vom 28.06.2013. https://www.bundesaerztekammer.de/fileadmin/user_upload/downloads/20130628-MWBO_V6.pdf
  • Bundesministerium für Gesundheit (2019) Sexuell übertragbare Infektionen (STI). https://www.bundesgesundheitsministerium.de/service/begriffe-von-a-z/s/sexuell-uebertragbare-infektionen-sti.html
  • Bremer V et al. (2017) Sexuell übertragbare Infektionen in Deutschland. Bundesgesundheitsbl 60:948–957. https://link.springer.com/epdf/10.1007/s00103-017-2590-1?shared_access_token=AJCmwjoszYkKBfLM3LmW5ve4RwlQNchNByi7wbcMAY52nAkVKKYt1mYLeTeNpEby4lwDE080dYSCHyn08vhTG7dCfANucGC5j6DrdwqhmDNpZW02CTkWS0h_1sfNp8-cQX7ncTG-qvGWbpQaCEyErU4Pe2rSgQwrpBau-1CXYvE%3D
  • Deutsche STI-Gesellschaft (DSTIG) - Gesellschaft zur Förderung der Sexuellen Gesundheit (2014) Leitfaden STI-Therapie. http://dstig.de/images/DSTIG-Flyer/Leitfaden/sti-leitfaden_version%202.1_web.pdf
  • Deutsche STI-Gesellschaft (DSTIG) - Gesellschaft zur Förderung der Sexuellen Gesundheit (2018) Sexuell übertragbare Infektionen (STI) - Beratung, Diagnostik, Therapie. S2k-Leitlinie. AWMF-Register-Nr.: 059-006. https://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/059-006l_S2k_Sexuell-uebertragbare-Infektionen-Beratung-Diagnostik-Therapie-STI_2019-03.pdf
  • Robert Koch-Institut (2017) Sexuell übertragbare Infektionen (STI). https://www.rki.de/DE/Content/InfAZ/S/STI/STD.html
  • Zangerle R (2018) Venerologie. In Fritsch P, Schwarz (Hrsg) Dermatologie Venerologie. Springer, Berlin