Sportlerleiste - Informationen und Spezialisten

14.12.2021
Leading Medicine Guide Redaktion
Autor des Fachartikels
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Der Begriff Sportlerleiste ist eine Umschreibung für akute oder chronische Leistenschmerzen bei Sportlern. Für Schmerzen in der Leistengegend kommen verschiedene Ursachen infrage. Eine genaue Abklärung ist wichtig, damit die Patienten eine spezifische Therapie erhalten. Unbehandelter Leistenschmerz kann eine starke Belastung darstellen und für Leistungssportler sogar zum Ende der Sportkarriere führen. Im Folgenden finden Sie weiterführende Informationen zu Schmerzen in der Leistengegend sowie Spezialisten für die Behandlung der Sportlerleiste.

ICD-Codes für diese Krankheit: S76

Empfohlene Spezialisten für Sportlerleiste

Artikelübersicht

Ursachen und Risikofaktoren für Leistenschmerzen

Bei der Sportlerleiste handelt es sich um einen Beschwerdekomplex, der unter Medizinern viele Namen hat. Synonyme sind beispielsweise die Begriffe „weiche Leiste“ oder „pubic inguinal pain syndrome“ (PIPS). Vor allem Hochleistungssportler sind von dieser Art der Leistenverletzung betroffen. Als Risikofaktor gilt die starke Belastung der Leiste durch wiederholte abrupte Bewegungen, die Sportler im Rahmen ihrer sportlichen Aktivitäten (zum Beispiel Tennis oder Fußball) ausführen.

Mit der Zeit kommt es zu einer Schwächung der Leistenkanalhinterwand. Die Sportlerleiste ist kein Leistenbruch. Es handelt sich nicht um eine Hernie (Öffnung oder Riss), durch die Bauchorgane hervorfallen können. Bei der Sportlerleiste kommt es zur Vorwölbung der Hinterwand des Leistenkanals. Das passiert bei sportlicher Aktivität und schnellen Richtungswechseln, aber auch bei Erhöhung des intraabdominalen Drucks, zum Beispiel beim Husten oder Pressen. Die Vorwölbung der Leistenfaszie drückt auf benachbarte Nervenstränge, wodurch die Schmerzen entstehen.

Neben der Sportlerleiste können Schmerzen in der Leiste außerdem von Erkrankungen benachbarter anatomischer Strukturen ausgehen. Zu diesen zählen:

Symptome bei einer Sportlerleiste

Auch wenn die Ursachen für Leistenschmerzen vielfältig sind, die Sportlerleiste geht in der Regel mit einem typischen Beschwerdebild einher. Die Sportler berichten von ziehenden oder brennenden Schmerzen im Leistenbereich. Mediziner sprechen von einem Nervenkompressionsschmerz. Durch die Veränderung der anatomischen Strukturen kommt es zu einem Druck auf die Nervenbahnen des Nervus genitofemoralis und des Ramus genitalis. Diese Schmerzen können bis in den unteren Bauchbereich, den Rücken, den Hodensack und die Oberschenkel ausstrahlen.

Bei der weichen Leiste ist durch die Überdehnung auch der Leistenkanal erweitert. Das ermöglicht die Verlagerung sehniger Strukturen, die als Verankerung der Bauchmuskulatur am Knochen dienen. Die Folge ist eine veränderte Zugbeanspruchung des Schambeins, was ebenfalls zu Schmerzempfindungen führen kann.

Häufig verschwinden die Schmerzen in Ruhe oder während einer Schonzeit. Sobald die sportliche Aktivität jedoch wieder aufgenommen wird, kommt auch der Leistenschmerz zurück.

Diagnose der Sportlerleiste

Leiden Sie unter den Symptomen einer Sportlerleiste, sollten Sie für die Diagnose einen erfahrenen Facharzt aufsuchen. Bei Leistungssportlern ist das in der Regel zunächst der betreuende Sportmediziner. Im Vordergrund steht bei der Untersuchung die Abgrenzung der Sportlerleiste von einem Leistenbruch und anderen Ursachen für Leistenschmerzen.

Der Arzt führt zunächst eine umfassende Anamnese (Arzt-Patienten-Gespräch) durch, wobei die Intensität sportlicher Aktivitäten, Art und Schwere des Schmerzes sowie die Krankengeschichte abgefragt werden. Bei einer körperlichen Untersuchung mit Abtasten des Leistenbereichs ist es oft möglich, einen Leistenbruch zu diagnostizieren. Klarheit bei der Sportlerleiste bring jedoch die dynamische Ultraschalluntersuchung (Sonografie). Die veränderten Gewebestrukturen lassen sich mit diesem Verfahren gut darstellen. Dies in Verbindung mit den typischen klinischen Beschwerden lässt eine Diagnose zu.

Schließt der Arzt bei Patienten mit Leistenschmerzen eine Sportlerleiste aus, kommen weitere Untersuchungen zum Einsatz. Dies können zum Beispiel Röntgenaufnahmen zur Darstellung von Knochen- oder Gelenkspathologien sein. Häufig werden Ärzte auch eine Magnetresonanztomografie (MRT) empfehlen.

Behandlung der Sportlerleiste – Therapieoptionen und Prognose

Für die Behandlung einer Sportlerleiste kommen verschiedene Optionen infrage. Nach einer genauen Abklärung der Ursache wird Ihr Facharzt oder Ihre Fachärztin Ihnen das geeignete Verfahren empfehlen. Für die Therapieentscheidung zieht der Arzt folgende Punkte in Erwägung:

  • Ursache für die Leistenschmerzen
  • Art der Schmerzen (akut, chronisch, Schmerzcharakter und Schweregrad)
  • Bedeutung für den Sportler (zum Beispiel schneller Wiedereinstieg in den Berufssport)

Bleibt ein akuter Leistenschmerz unbehandelt, können sich chronische Krankheitsbilder entwickeln. Vor allem Hochleistungssportler sollten beim Verdacht auf eine Sportlerleiste schnell handeln, um einer Verschlimmerung vorzubeugen und die Gefahr für einen Leistenbruch zu minimieren.

Bei geringer Schmerzsymptomatik können Sie zunächst eine konservative Therapie versuchen. Diese erfordert eine Schonzeit, um eine erneute Reizung der betroffenen Strukturen zu vermeiden. Im Anschluss werden Sie mithilfe der Physiotherapie gezielte Stabilitäts- und Kräftigungsübungen durchführen.

Kommt es nicht zu einer Besserung, ist die Entscheidung zu einer Operation sinnvoll. Für die chirurgische Behandlung der Sportlerleiste nutzen Ärzte unterschiedliche Techniken. Welches Verfahren zur Anwendung kommt, richtet sich oft nach dem Schmerzcharakter und den betroffenen Geweben.

Bei einer Nervenkompression lässt sich mit einem Schnitt durch den Nerv oder die Entfernung des geschädigten Nervenbereichs oft Schmerzfreiheit erzielen. Kommen die Schmerzen von einer Verlagerung des muskulären Halteapparates stellt die operative Durchtrennung mit Refixierung eine Therapieoption dar.

Die genannten Verfahren zielen in erster Linie darauf ab, Schmerzfreiheit zu erreichen. Um die Ursache der Sportlerleiste zu therapieren, kombinieren Ärzte die Methoden häufig mit einer operativen Verstärkung der Leistenkanalhinterwand. Durch eine spezielle Nahttechnik, die Mediziner als Fasziendopplung bezeichnen, wird die weiche Leiste stabilisiert. Dies lässt sich mit oder ohne Verstärkung durch ein Netz aus Kunststoff (Prothese) erzielen.

Moderne Operationstechniken für den Beschwerdekomplex der Sportlerleiste sind oft minimalinvasiv. Sie lassen sich bereits unter einer Lokalanästhesie realisieren. Als Sportler können Sie zwei Tage nach dem Eingriff wieder mit einem leichten Training beginnen. Die Erfolgsrate für die Behandlung ist hoch. Etwa 80 Prozent der Betroffenen sind nach zwei Wochen imstande, ihren Sport wieder schmerzfrei und vollumfänglich auszuüben.

Wo finden sich Fachärzte für die Diagnose und Behandlung der Sportlerleiste?

Leiden Sie unter Schmerzen, die auf eine Sportlerleiste oder einen Leistenbruch hindeuten, wird Ihr Hausarzt Sie an einen entsprechenden Facharzt überweisen. Häufig handelt es sich um einen erfahrenen Orthopäden, Chirurgen oder spezialisierten Sportmediziner, Sportchirurgen oder Sportorthopäden. Fachärzte finden Sie zum Beispiel in Gemeinschaftspraxen, medizinischen Zentren oder auch in Ihrem lokalen Krankenhaus. Zusätzlich können Sie sich Informationen oder Empfehlungen von der entsprechenden Fachgesellschaft geben lassen. 

Fazit: Mit der richtigen Therapie zum schnellen Wiedereinstieg in den Sport

Eine Sportlerleiste kann zur Belastung werden und die sportliche Karriere gefährden. Treten Schmerzen auf, sollten Sie daher nicht zögern und sich einer sportmedizinischen Untersuchung unterziehen. Mit einer rechtzeitigen Behandlung beugen Sie chronischen Leistenschmerzen vor. Mit den heutigen Therapieverfahren ist ein schneller Wiedereinstieg in den Sport möglich.

Quellen

www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0949328X17301163
https://link.springer.com/article/10.1007/s00132-014-3073-9
www.dgsp.de
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