Histaminintoleranz | Ärzte und Informationen

08.09.2021
Leading Medicine Guide Redaktion
Autor des Fachartikels
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Bemerken Sie Schwindel und eine laufende Nase nach einem Glas Wein, nach dem Genuss von eingelegten Lebensmitteln oder einem Schokoladenriegel? Was auf den ersten Blick wie eine Allergie oder eine Unverträglichkeit bestimmter Nahrungsmittel aussieht, könnte auf eine Histaminintoleranz zurückzuführen sein. Hier finden Sie weiterführende Informationen zu den Ursachen, Symptomen und der Behandlung dieser Erkrankung sowie Spezialisten für die Diagnose und Therapie der Histaminintoleranz.

ICD-Codes für diese Krankheit: T78.1

Empfohlene Spezialisten für Histaminintoleranz

Artikelübersicht

Was versteht man unter Histaminintoleranz?

Histamin ist in erster Linie ein biogenes Amin, das aus der Aminosäure Histidin gebildet wird. Es kommt in menschlichen, tierischen und pflanzlichen Organismen vor. Der Botenstoff hat eine wichtige Funktion und ist für unser Immunsystem unerlässlich. Histamin wird hauptsächlich in Mastzellen gespeichert und ist als Abwehrstoff gegen schädliche Stoffe bekannt. Jeder, der schon einmal mit den Brennhaaren einer Brennnessel in Berührung gekommen ist, weiß um das Abwehrpotenzial von Histamin. Die Hautstelle wird rot, juckt, schmerzt und schwillt an.

Bei manchen Menschen ist der Körper jedoch nicht in der Lage, Histamin schnell genug abzubauen. Gelangt Histamin über Lebensmittel in den Körper, kommt es zu Entzündungen, die zu Symptomen wie Übelkeit, Durchfall, juckenden Augen oder Kopfschmerzen führen. Dies bezeichnen Mediziner als Histaminintoleranz.

Eine Intoleranz gegenüber Histamin tritt auf, wenn der Körper nicht genügend davon im Darm abbauen kann. In der Folge steigt der Histamingehalt im Blut. Dies ist in der Regel auf einen niedrigen Spiegel des Enzyms Diaminoxidase (DAO) zurückzuführen. Dieses Enzym ist für den Abbau von verdautem Histamin verantwortlich.

Eine Histaminintoleranz ist relativ selten und betrifft in Deutschland rund 800.000 Personen.

Zu den Lebensmitteln mit hohem Histamingehalt gehören:

  • gereifter Käse
  • Joghurt
  • Kefir
  • Sauerkraut
  • Hülsenfrüchte
  • Schokolade
  • Nüsse
  • Tomaten
  • Fleischerzeugnisse
  • eingelegte Lebensmittel
  • geräuchertes Fleisch
  • Essig
  • alkoholische Getränke (insbesondere Wein, Champagner und Bier).

Welche Symptome treten häufig bei Histaminintoleranz auf?

Einem Mediziner kann es schwerfallen, eine Histaminintoleranz zu diagnostizieren. Dies kann daran liegen, dass die Symptome in vielen verschiedenen Bereichen des Körpers auftreten können und sich mit denen anderer Erkrankungen überschneiden.

Die Symptome können beispielsweise die Lunge, die Haut und das Gehirn betreffen, wobei Magen-Darm-Symptome am häufigsten auftreten.

Menschen mit Histaminintoleranz leiden häufig unter folgenden Beschwerden:

Wie entsteht Histaminintoleranz und welche Faktoren begünstigen die Erkrankung?

Eine Histaminintoleranz bedeutet, dass der Körper Probleme mit dem Abbau von Histamin hat.

Normalerweise bauen DAO und, in geringerem Maße, ein Enzym namens Histamin-N-Methyltransferase (HNMT) aufgenommenes Histamin ab. Mehrere Faktoren können jedoch die Funktionsweise von DAO und HNMT beeinträchtigen.

Wenn der Körper Histamin aus der Nahrung nicht abbaut, kann Histamin durch die Darmschleimhaut austreten und in den Blutkreislauf gelangen. Dies kann eine Immunreaktion auslösen.

Viele verschreibungspflichtige Medikamente können den DAO- und HNMT-Spiegel im Körper beeinträchtigen. Einige Beispiele für diese Medikamente sind:

  • Schmerzmittel
  • harntreibende Mittel
  • bestimmte Schleimlöser
  • Medikamente gegen Sodbrennen
  • Bestimmte Antibiotika

Darüber hinaus können ein hoher Alkoholkonsum und chronische Erkrankungen des Magen-Darm-Trakts vermutlich zur Entwicklung einer Histaminintoleranz beitragen.

Wie erfolgt die Diagnose einer Histaminintoleranz?

Derzeit gibt es keine bewährten Tests zur Diagnose einer Histaminintoleranz. Es ist möglich, die DAO-Aktivität und den Histaminspiegel im Blut zu messen. Typische Blutallergietests oder Hauttests werden nicht anschlagen, da eine Histaminintoleranz keine Allergie ist.

Wie bei allen gesundheitlichen Problemen sollten Sie am besten zunächst mit Ihrem Hausarzt sprechen, wenn Sie vermuten, dass Sie eine Histaminintoleranz haben. In der Regel lässt sich eine Histaminintoleranz aber nur mit einer Eliminationsdiät diagnostizieren. Dabei meiden Sie alle belastenden Lebensmittel für einen bestimmten Zeitraum und führen sie dann nach und nach wieder ein, um zu sehen, wie Ihr Körper darauf reagiert.

Welche Therapien gibt es und welche Ärzte haben sich auf Histaminintoleranz spezialisiert?

Häufig suchen Menschen bei Verdacht auf eine Histaminintoleranz den Hausarzt auf. Je nach Symptomatik erfolgt anschließend eine Überweisung an Spezialisten für Innere Medizin, Gastroenterologie, Ernährungsmedizin, oder auf Nahrungsmittelunverträglichkeiten spezialisierte Allergologen.

Der wichtigste Schritt in der Therapie der Histaminunverträglichkeit ist eine Reduzierung der Histaminaufnahme. Dies ist durch eine histaminarme Diät erreichbar. Ärzte empfehlen außerdem das Führen eines Symptom- oder Ernährungstagebuchs. Hierdurch lässt sich dokumentieren, wann die Symptome auftreten und ob eine Ernährungsumstellung das Auftreten der Symptome verringert.

Das Ziel der histaminarmen Diät sollte nicht darin bestehen, eine einfache Liste mit verbotenen Lebensmitteln zu erstellen. Vielmehr sollten Sie herausfinden, wie viel Histamin in welchen Lebensmitteln Sie vertragen (individuelle Toleranzgrenze). Darüber hinaus sollten Sie auf die Zusammensetzung der Lebensmittel und auf die Abstände zwischen den Mahlzeiten achten. Es hat sich gezeigt, dass es nicht ausreicht, nur histaminreiche Lebensmittel aus dem Speiseplan zu streichen. Vielmehr wirkt sich eine stärke- und zuckerreduzierte und gleichzeitig pflanzliche, eiweiß- und fettreiche Ernährung besser auf die Symptome aus. Der Histamingehalt von Lebensmitteln allein ist nicht sehr aussagekräftig für die Verträglichkeit.

Wie verläuft die Erkrankung und wie gut wirken die verschiedenen Behandlungsmethoden?

Es gibt Hoffnung für Betroffene, denn die Forschung hat gezeigt, dass ein mehrgleisiger Ansatz zur Bewältigung der Symptome am vielversprechendsten ist. Dazu gehören

  • die Ermittlung der auslösenden Lebensmittel,
  • die Einhaltung einer histaminarmen Ernährung,
  • die Bewältigung des Stresspegels durch Yoga oder Meditation,
  • die Einnahme bestimmter Vitamine und Mineralien und schließlich
  • die Einnahme eines histaminfreundlichen Probiotikums.

Der Verlauf der Erkrankung wird zudem vor allem dadurch beeinflusst, wie schnell es gelingt, auslösende Faktoren zu identifizieren und zu eliminieren. Werden die Symptome der Histaminintoleranz beispielsweise durch die Einnahme bestimmter Medikamente begünstigt, kann die Änderung der Wirkstoffe bereits ausreichen, um die Symptome zu lindern.

Quellen

https://www.infomedizin.de/krankheiten/histaminintoleranz-histaminunvertraeglichkeit/
https://www.mooci.org/allgemeine-dermatologie/histaminintoleranz/
https://www.praxisvita.de/was-ist-histamin-17237.html
https://dasgastroenterologieportal.de/Histaminintoleranz.html
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