Enddarmerkrankungen: Informationen & Ärzte für Enddarmerkrankungen

01.11.2021
Prof. Dr. med. Waldemar Uhl
Medizinischer Fachautor
Bei Enddarmerkrankungen handelt es sich um proktologische Krankheitsbilder, also um Erkrankungen des Mastdarms und des Afters. Die häufigsten Enddarmerkrankungen sind Hämorrhoiden, Analabszesse und Analfisteln, eine Analfissur und Defäkationsprobleme. Enddarmerkrankungen können häufig medikamentös mit Zäpfchen und Salben behandelt werden. Manchmal ist aber auch eine Operation notwendig. Hier finden Sie weiterführende Informationen sowie ausgewählte Ärzte für Enddarmerkrankungen.

Empfohlene Spezialisten

Kurzübersicht:

  • Anatomie: Der Enddarm dient als Stuhlspeicher und kontrolliert durch den Schließmuskel an seinem unteren Ende den Stuhlgang und Darmwinde.
  • Was sind Enddarmerkrankungen? Dazu zählen etwa Hämorrhoiden, Analabszesse, Analfisteln, Analfissuren und Defäkationsprobleme. Sie können sehr schmerzhaft und belastend sein.
  • Diagnose: Nach dem Patientengespräch unternimmt der Arzt verschiedene Untersuchungen, darunter u.a. eine Tastuntersuchung, eine Enddarmspiegelung, eine rektale Endosonographie und eine Schließmuskelfunktionsmessung.
  • Behandlung: Die Therapie richtet sich nach der genauen Erkrankung. Oftmals helfen schon eine örtliche medikamentöse Behandlung mittels Salben und Zäpfchen. Weitere Informationen erhalten Sie im nachfolgenden Text.

Artikelübersicht

Welche Bedeutung hat der Enddarm?

Der Enddarm (Mastdarm) dient als Stuhlspeicher. Er ist der untere Anteil des Dickdarms und geht in den After über. Im unteren Teil des Enddarms liegt der Schließmuskel. Dieser trägt eine wichtige Funktion bei der Kontrolle des Stuhlgangs. Er ermöglicht es, Stuhl und Darmwinde zu halten.

Enddarmerkrankungen betreffen oft den After und den untersten Teil des Enddarms einschließlich des Schließmuskels. Diese Erkrankungen können sehr schmerzhaft und belastend für den Patienten sein.

Häufig sprechen Enddarmerkrankungen gut auf eine örtliche und medikamentöse Behandlung mit Zäpfchen und Salben an. In einigen Fällen ist eine Operation erforderlich.

Anatomie des Darms

Die Anatomie des Darms © bilderzwerg | AdobeStock

Welche Enddarmerkrankungen sind die häufigsten?

Im Folgenden sind die häufigsten Enddarmerkrankungen aufgeführt:

Hämorrhoiden

Jeder Mensch hat Hämorrhoiden. Hämorrhoiden sind Polster, die aus Blutgefäßen bestehen und den unteren Teil des Enddarms von innen auskleiden. Sie unterstützen den Schließmuskel in seiner Funktion.

Leidet man unter Hämorrhoiden, ist oft eine entzündliche Schwellung und Vergrößerung dieser Polster entstanden.

Die typischen Beschwerden sind

  • Blutungen,
  • Juckreiz und
  • Schmerzen.

Bei sehr starker Vergrößerung können Hämorrhoiden auch nach außen vor den After vorfallen (sogenannte Prolaps).

Hämorrhoiden
Vergrößerte Hämorrhoiden können sehr schmerzhaft sein © Sagittaria | AdobeStock

Analabszesse und Analfisteln

Analabszesse sind eitrige Entzündungen um den After. Sie liegen häufig dicht unter der Haut. Dann ist eine entzündliche Schwellung neben dem After tast- und sichtbar, die sehr schmerzhaft ist. O

ft werden die Abszesse durch sogenannte Fisteln verursacht und unterhalten. Dabei handelt es sich um kleine Gänge, die nur die Haut und das Fettgewebe um den After herum betreffen können, aber auch bis in den Enddarm reichen können.

Dadurch gelangen immer wieder Keime aus dem Darm ins Unterhautfettgewebe.

Analfissur

Eine Fissur ist ein Schleimhauteinriss am After. Diese Enddarmerkrankung ist oft Folge von hartem Stuhl und führt zu starken Schmerzen und Blutabgängen beim Stuhlgang.

Heilt eine frische Fissur nicht richtig aus, kann sie chronisch werden und zu dauerhaften Beschwerden führen.

Defäkationsprobleme (Stuhlentleerungsprobleme)

Patienten mit Stuhlentleerungsproblemen können den Stuhl nicht halten (Stuhlinkontinenz) oder den Darm trotz Stuhldrangs nicht komplett entleeren.

Die Ursachen für diese Enddarmerkrankungen sind komplex. So könnte der Schließmuskel nicht mehr richtig funktionieren. Dann kann er dünnflüssigen oder festen Stuhl nicht mehr halten. Diese Schwäche des Schließmuskels kann Folge von

sein.

Die Patienten leiden unter

  • ungewolltem Stuhlgang,
  • unvollständiger Stuhlentleerung sowie
  • Jucken, Brennen und Nässen im Afterbereich.

Dauerhaft kommt es zu einer starken Beeinträchtigung des gesellschaftlichen Lebens.

Diagnose von Enddarmerkrankungen

Nach einem ausführlichen Gespräch über die Beschwerden erfolgt die Untersuchung des Enddarms in mehreren Schritten.

Zunächst wird der After von außen angeschaut und untersucht, dann folgt eine Austastung mit dem Finger.

Vor jeder Untersuchung, die ca. 3 bis 5 Minuten dauert, ist eine Reinigung des Enddarms mit einem Einlauf unbedingt erforderlich.

Die Untersuchung ist durch das Einführen der Geräte über den After zwar unangenehm, aber durch das Einreiben mit einem schmerzdämpfenden Gleitgel nicht schmerzhaft.

Sie findet in einem ruhigen und abgeschlossenen Raum statt, um die Privatsphäre des Patienten zu wahren.

Enddarmspiegelung (Prokto- und Rektoskopie)

Bei beiden Untersuchungen wird ein gerades Instrument in den Enddarm eingeführt. Mit einem Proktoskop lassen sich die unteren 5 cm des Enddarms beurteilen. Es wird zur Untersuchung von Hämorrhoiden, Fisteln und Fissuren benutzt.

Mit einem Rektoskop lässt sich der gesamte Enddarm auf seiner Länge von ca. 15 cm untersuchen. Damit es sich dieser bei der Untersuchung gut entfaltet, wird mit einem Blasebalg Luft in den Enddarm gepumpt.

Darmspiegelung
Hier ist eine Dickdarmspiegelung zu sehen. Die Enddarmspiegelung funktioniert auf die gleiche Weise © bilderzwerg | AdobeStock

Schließmuskelfunktionsmessung

Zur Untersuchung der Schließmuskelfunktion wird eine ca. 5 cm lange Drucksonde in den After eingeführt. Hiermit lassen sich der Ruhedruck, der maximale Kneifdruck und der Dauerdruck messen.

Ultraschall des Enddarms (Rektale Endosonographie)

Bei besonderen Fragestellungen ist eine direkte Ultraschalluntersuchung des Enddarms erforderlich. Hierzu wird eine spezielle Sonde in den Enddarm eingeführt.

Mit Hilfe dieser Untersuchung kann

  • der Schließmuskel in seiner Gesamtheit beurteilt,
  • der Verlauf von Fistelgängen erkannt und
  • die Ausdehnung von Tumoren vor einer Operation bestimmt werden.

Behandlungsmethoden bei Enddarmerkrankungen

Je nach Enddarmerkrankung unterscheiden sich die Behandlungsmethoden.

Behandlung von Hämorrhoiden

Die Symptome von Hämorrhoiden lassen sich kurzfristig mit Salben, Zäpfchen und Sitzbädern gut behandeln. Langfristig können mäßig vergrößerte Hämorrhoiden verödet oder mit einer Gummibandligatur behandelt werden.

Stark vergrößerte und vorfallende Hämorrhoiden müssen operativ versorgt werden. Moderne Operationstechniken mit speziellen Klammergeräten (Hämorrhoiden-Stapler) und eine begleitende Schmerztherapie haben der Operation ihren Schrecken genommen.

Behandlung von Analabszessen und Analfisteln

Analabszesse müssen in einer Kurznarkose eröffnet und ausgeschnitten werden. Es folgt eine Wundbehandlung mit regelmäßigem Ausduschen der Wunde, bis diese von innen nach außen zugeheilt ist.

Die Behandlung von Analfisteln erfordert viel Erfahrung, da häufig der Schließmuskel mit betroffen ist. Ohne Operation heilen sie nur selten ab. Die Behandlungsmethoden reichen vom Ausschneiden der Fistel bis zur Fadeneinlage in den Fistelgang.

Behandlung von Analfissuren

Bei einer Analfissur kommt es als Reflex auf den Schmerz zu einer Anspannung des Schließmuskels. Das verstärkt die Beschwerden weiter.

Die Therapie reicht von einer Spezialsalbe zur Schließmuskelentspannung bis zur Behandlung mit sogenannten Analdehnern. Zusätzlich sollte der Stuhlgang weich gehalten werden.

Wird eine Fissur chronisch, ist eine Operation erforderlich.

Behandlung von Defäkationsproblemen

Bei Schließmuskelschwäche gibt es verschiedene Möglichkeiten des Schließmuskeltrainings. Dazu gehören

  • Beckenbodengymnastik,
  • Biofeedback,
  • elektronische Muskelstimulation.

Liegt eine organische Ursache wie z.B. ein Vorfall des Enddarms vor, so ist ein chirurgischer Eingriff indiziert.

Da es sich bei dieser Enddarmerkrankung um ein komplexes Krankheitsbild handelt, erfolgt die Abklärung im Rahmen eines stationären Aufenthaltes.

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