Prostatakrebs - Symptome, Behandlung, Vorsorge | Finden Sie den richtigen Arzt

Dr. Claus  Puhlmann
Medizinischer Fachautor

Prostatakrebs, auch Prostatakarzinom genannt, ist eine bösartige Tumorerkrankung der Vorsteherdrüse (Prostata) des Mannes. In Deutschland erkranken jedes Jahr mehr als 60.000 Männer daran. Mehr als 80 Prozent der Betroffenen sind zum Zeitpunkt der Diagnose älter als 60 Jahre. Die Behandlung erfolgt abhängig vom Erkrankungsstadium entweder operativ oder mittels Strahlen-, Hormon- oder Chemotherapie.

Hier finden Sie alle Informationen sowie empfohlene Spezialisten für die Behandlung von Prostatakrebs.

ICD-Codes für diese Krankheit: C61

Empfohlene Prostatakrebs-Spezialisten

Kurzübersicht:

  • Anatomie: Die Prostata ist eine etwa vier Zentimeter große männliche Geschlechtsdrüse, die direkt unterhalb der Harnblase sitzt und die Harnröhre umschließt.
  • Was ist Prostatakrebs? Prostatakrebs ist eine bösartige Tumorerkrankung der Prostata. Über 80 % aller Betroffenen sind über 60 Jahre alt, wenn Prostatakrebs bei ihnen diagnostiziert wird.
  • Häufigkeit: Prostatakrebs gehört zu den häufigsten Krebserkrankungen des Mannes. In Deutschland treten jährlich mehr als 60.000 Neuerkrankungen auf.
  • Risikofaktoren: Ein höheres Lebensalter sowie eine genetische Veranlagung sind die wichtigsten Risikofaktoren, doch auch das männliche Geschlechtshormon Testosteron, Vitamin-D-Mangel, das Sexualverhalten, Virusinfektionen und weitere Faktoren können das Wachstum der Krebszellen begünstigen.
  • Symptome: Im Frühstadium treten keine Beschwerden auf. Erst im Krankheitsverlauf macht sich die Erkrankung bemerkbar, etwa durch Probleme beim Wasserlassen und Schmerzen bei der Ejakulation. Weitere Symptome kommen hinzu, wenn sich der Tumor ausbreiten kann.
  • Diagnose: Bei Verdacht können verschiedene Untersuchungen Aufschluss bieten, u.a. Ultraschall, MRT, eine Biopsie und Röntgenuntersuchungen.
  • Behandlung: Je nach Stadium der Krebserkrankung kommen derzeit eine OP, die Strahlentherapie und die Hormon- oder Chemotherapie infrage. In manchen Fällen kann eine aktive Überwachung des Tumorwachstums ausreichen.
  • Prostata-OP: Verschiedene offene oder mininmal-invasive Verfahren können bei der Prostata-OP zum Einsatz kommen. Die Methode ist u.a. abhängig vom Tumorstadium sowie vom Alter und Zustand des Patienten.

Artikelübersicht

Häufigkeit von Prostatakrebs

Prostatakrebs gehört zu den häufigsten Krebserkrankungen des Mannes. Jährlich erkranken in Deutschland mehr als 60.000 Männer an einem Prostatakarzinom. Von 100 Männern sterben jedes Jahr etwa drei an Prostatakrebs, das entspricht etwa 10 Prozent aller Todesfälle infolge einer bösartigen Tumorerkrankung. Damit stellt das Prostatakarzinom die dritthäufigste tödliche Krebserkrankung nach Lungenkrebs und Darmkrebs dar. Mehr als 80 Prozent der betroffenen Männer sind zum Zeitpunkt der Diagnose älter als 60 Jahre. Das durchschnittliche Erkrankungsalter liegt bei 69 Jahren.

Älterer Mann

Betroffen sind vor allem Männer über 60 © Sergii Mostovyi / AdobeStock

Allgemeine Informationen zu Prostatakrebs

Je früher ein Prostatakarzinom entdeckt wird, umso besser lässt es sich behandeln. Früherkennungsuntersuchungen der Prostatadiagnostik kommen deshalb bei Prostatakrebs eine besondere Bedeutung zu. Diese können Männer ab 45 Jahren einmal jährlich kostenlos in Anspruch nehmen. Prostatakrebs-Spezialisten stehen dabei zur Früherkennung und Diagnose eines Prostatakarzinoms verschiedene diagnostische Verfahren zur Verfügung, darunter

Da Prostatakrebs in den Anfangsstadien keine Beschwerden verursacht, ist die Prostatakrebs-Früherkennung zur rechtzeitigen Erkennung eines Prostatakarzinoms von großer Bedeutung. Wird Prostatakrebs frühzeitig erkannt, sind die Heilungschancen sehr gut. Dann kann der Chirurg den Tumor beispielsweise durch eine Prostatakrebs-Operation vollständig entfernen. Befindet sich der Prostatakrebs in einem fortgeschrittenen Stadium, kann es zum Beispiel

  • zu Schwierigkeiten beim Wasserlassen,
  • zu Blut im Urin sowie
  • zu Schmerzen bei der Ejakulation oder
  • zu Knochenschmerzen

kommen. Bei einem lokal begrenzten Prostatakarzinom ist die radikale Prostatakrebs-Operation (radikale Prostatektomie) die operative Therapie der Wahl. Weitere therapeutische Möglichkeiten sind

  • kontrolliertes Abwarten,
  • Strahlentherapie,
  • Hormontherapie sowie
  • Chemotherapie.

Anatomie: Was ist die Prostata?

Die etwa vier Zentimeter große, walnussförmige Prostata  - auch Vorsteherdrüse genannt - befindet sich direkt unterhalb der Harnblase. Sie umschließt die Harnröhre, die den Harn von der Harnblase nach außen ableitet.

Die Lage der Prostata

Die Lage der Prostata © Henrie / Fotolia

Die Prostata und die ihr von außen aufliegenden Samenblasen produzieren Flüssigkeiten, die für die Beweglichkeit der Spermien wichtig sind. Während einer Ejakulation (Samenerguss) werden die Flüssigkeiten zusammen mit den in den Hoden gebildeten Spermien als Samenflüssigkeit ausgeschleudert.

In den Hoden und den Nebennieren wird das männliche Geschlechtshormon Testosteron gebildet. Es reguliert das Wachstum und die Funktion der Prostata (Vorsteherdrüse). Im Rahmen einer Hormontherapie machen sich Ärzte die Wirkung von Testosteron auf das Wachstum der Vorsteherdrüse zunutze.

Was sind die Ursachen und Risikofaktoren für Prostatakrebs?

Die Gründe, warum sich Prostatakrebs entwickelt, sind noch weitestgehend unbekannt. Es wurden jedoch Umstände identifiziert, die das Prostatakarzinom-Risiko erhöhen. Zu diesen Risikofaktoren gehören

  • das Alter und
  • die genetische Veranlagung.

Darüber hinaus gibt es weitere Faktoren, die möglicherweise das Risiko für die Entstehung von Prostatakrebs erhöhen. Hierzu gehören beispielsweise

  • Hormone
  • Vitamin-D-Mangel.

Das Alter als Risikofaktor für Prostatakrebs

Der wichtigste Faktor für die Entstehung eines Prostatakarzinoms ist das Alter:

  • Unter 40 Jahren kommt das Prostatakarzinom praktisch nicht vor.
  • Über 80 Prozent der Männer sind bei Diagnose des Prostatakarzinoms älter als 60 Jahre.
  • Zwischen dem 50. und 85. Lebensjahr erhöht sich die Wahrscheinlichkeit, an Prostatakrebs zu erkranken, auf das 40-Fache.

Untersuchungen an Verstorbenen zufolge haben etwa 30 Prozent aller Männer über 50 Jahren und etwa 60 Prozent aller 60-Jährigen ein stummes (latentes) Prostatakarzinom. Das sind kleine Krebszellansammlungen, die zu Lebzeiten keine Beschwerden verursachen. Nur bei einem Teil dieser Männer entwickelt sich daraus ein behandlungsbedürftiges Prostatakarzinom.

Genetische Veranlagung für die Entstehung von Prostatakrebs

Prostatakrebs tritt in manchen Familien gehäuft auf. Deshalb gehen Mediziner davon aus, dass das Prostatakarzinom zumindest teilweise auf eine genetische Veranlagung zurückzuführen ist. Männer aus Familien, in denen es keine Prostatakrebs-Fälle gibt, haben ein Erkrankungsrisiko von etwa 13 Prozent. Männer, deren Vater oder Bruder an einem Prostatakarzinom leidet, haben dagegen ein zweifach höheres Risiko, selbst auch zu erkranken. Das Erkrankungsrisiko kann sogar auf über 50 Prozent steigen, wenn weitere Verwandte an Prostatakrebs leiden.

Einfluss von Hormonen bei der Entstehung von Prostatakrebs

Das Hormon Testosteron ist am Wachstum der Prostatazellen und an der Funktion der Prostata beteiligt. Ohne Testosteron, das hauptsächlich in den Hoden gebildet wird, kann kein Prostatakarzinom entstehen. Männer, die in jungen Jahren ihre Hoden verlieren, erkranken nur sehr selten an einem Prostatakarzinom.  Dies zeigt, dass Testosteron das Wachstum der Prostatakrebszellen fördert.

Testosteron-Test

Ein hoher Testosteronspiegel fördert die Enstehung von Prostatakrebs © jarun011 / AdobeStock

Vitamin-D-Mangel als Risikofaktor für Prostatakrebs

Vitamin D ist ein Hormon, dem Mediziner wachstumshemmende Eigenschaften bei Krebs zuschreiben. Auch gibt es Untersuchungen, die darauf schließen lassen, dass der Vitamin-D-Spiegel eine Rolle bei der Entwicklung von Prostatakrebs spielt. Allerdings sind weitere Untersuchungen erforderlich, um diese Annahme zu bestätigen. 

Weitere mögliche Risikofaktoren

Es liegen unterschiedliche Studienergebnisse zum Einfluss der Ernährung, der Lebensweise und berufsbedingter Faktoren vor. Deshalb lassen sich daraus keine Folgerungen hinsichtlich des Risikos für ein Prostatakarzinom ziehen. Nach neuesten Erkenntnissen scheinen jedoch die folgenden Faktoren keinen Einfluss auf das Risiko für Prostatakrebs zu haben:

  • Sexualverhalten
  • Virusinfektion
  • gutartige Vergrößerung der Vorsteherdrüse
  • sozioökonomische Faktoren
  • Sterilisation nach Vasektomie (Durchtrennung der Samenstränge).

Symptome: Wie macht sich Prostatakrebs bemerkbar?

Typische Beschwerden und Frühsymptome gibt es leider nicht. Betroffene bemerken daher zunächst nichts von dem wachsenden Tumor in der Prostata (Vorsteherdrüse). Erst wenn die Erkrankung fortschreitet, treten Prostatakrebs-Symptome auf. Sie lassen sich häufig auf eine eingeengte Harnröhre bzw. Blockade des Harnabflusses als Folge der vergrößerten Vorsteherdrüse zurückzuführen. Zu diesen Miktionsstörungen (Probleme beim Wasserlassen) gehören

  • verzögerter Beginn der Miktion (Urinieren)
  • verlängerte Miktion mit schwachem Strahl
  • Nachtropfen
  • Unterbrechung des Harnstrahls
  • verbleibender Restharn in der Harnblase
  • Harnverhalt (Unfähigkeit zu Urinieren).

Daneben können folgende Symptome bei Prostatakrebs auftreten:

  • vermehrter, insbesondere nächtlicher Harndrang
  • erschwerts Wasserlassen
  • häufiger Abgang geringer Urinmengen
  • Schmerzen beim Wasserlassen
  • schmerzhafte Ejakulation
  • verminderter Samenerguss

Wächst der Tumor außerhalb der Prostata weiter, empfinden Betroffene Schmerzen im Genitalbereich. Bei Nervenschädigung sind Erektionsstörungen möglich. Selten kommt es beim fortgeschrittenen Prostatakarzinom auch zu sichtbaren Blutbeimengungen in Urin oder Samenflüssigkeit. Wie bei jeder Krebserkrankung kann es darüber hinaus zu Allgemeinsymptomen wie

  • Fieber,
  • Nachtschweiß,
  • Abgeschlagenheit,
  • Leistungsschwäche,
  • Anämie und
  • ungewolltem Gewichtsverlust

kommen. Beschwerden können aber auch auf Metastasen zurückzuführen sein. Je nach Lokalisation der Metastasen können beispielsweise folgende Symptome auftreten:

  • Schmerzen an der Wirbelsäule und im Becken bei Knochenmetastasen
  • spontane Knochenbrüche bei Knochenmetastasen
  • neurologische Ausfälle durch Rückenmarkverletzung bei Metastasen im Rückenmark oder Wirbelsäule
  • Lymphödemen der Beine oder des Hodensacks bei Metastasen in den Lymphknoten

Mann beim Urologen

Männer, die charakteristische Symptome für Prostatakrebs bemerken, sollten sich von einem Urologen untersuchen lassen © New Africa / AdobeStock

Vorsorge von Prostatakrebs: Welche Früherkennungsuntersuchungen gibt es?

Prostatakrebs verläuft zu Beginn nahezu immer symptomlos, ist aber im Frühstadium sehr gut behandelbar. Früherkennungsuntersuchungen haben deshalb eine sehr große Bedeutung. Die aktuellen deutschen Leitlinien empfehlen die folgenden Früherkennungsuntersuchungen zur Vorsorge von Prostatakrebs:

  • digital-rektale Untersuchung
  • PSA-Test

Tastuntersuchung der Prostata

Die digital-rektale Untersuchung ist Teil des gesetzlichen Früherkennungsprogramms, das Männer ab 45 Jahren einmal jährlich in Anspruch nehmen können. Der Arzt tastet dabei die Prostata mit dem Finger über den After ab. Mit dieser Tastuntersuchung kann der Arzt nur oberflächlich gelegene und größere Prostatakarzinome entdecken. Als alleinige Früherkennungsuntersuchung zur Prostatakrebs-Vorsorge ist die digital-rektale Untersuchung der Prostata nicht ausreichend.

Bestimmung des PSA-Wertes

Der PSA-Test ist ein Bluttest, mit dem sich das sogenannte Prostataspezifische Antigen (PSA) im Blut nachweisen lässt. Bei einem Krebsbefall zeigen sich im Blut meist erhöhte PSA-Werte. Der PSA-Test kann also bereits früh einen Hinweis auf ein Tumorwachstum geben. Allerdings ist der Nutzen eines flächendeckenden PSA-Screenings noch umstritten, da auch falsch positive (d.h. der PSA-Wert ist hoch, obwohl kein Prostatakrebs vorliegt) und falsch negative (d.h. der PSA-Wert ist niedrig, obwohl ein Prostatakrebs vorhanden ist) Resultate vorkommen können. Laut einer aktuellen Langzeitstudie scheint aber das PSA-Screening das Sterberisiko zu senken.

PSA-Test

Bestimmung des PSA-Wertes © jarun011 / AdobeStock

Diagnose: Wie wird Prostatakrebs erkannt?

Besteht nach den Früherkennungsuntersuchungen oder aufgrund der Symptome der Verdacht auf Prostatakrebs, leitet der Arzt weitere Untersuchungen ein. Die folgenden Untersuchungen zur Diagnose von Prostatakrebs geben über das Vorliegen eines Tumors, die Bösartigkeit und das Ausmaß der Krebserkrankung Aufschluss:

  • Bei der schmerzfreien transrektalen Ultraschall-Untersuchung (TRUS) führt der Arzt eine Ultraschall-Sonde über den After in den Enddarm ein. So untersucht er die Prostata und das umliegende Gewebe. Die TRUS gibt erste Hinweise darauf, ob ein Tumor vorliegt und ob er sich bereits über die Prostata hinaus ausgedehnt hat.

TRUS

Transrektaler Ultraschall © bilderzwerg / Fotolia

  • Über die Untersuchung der Nieren per Ultraschall kann ein Nephrologe feststellen, ob das Prostatakarzinom bereits den Urinabfluss behindert.
  • Über die Magnetresonanztomographie (MRT) lässt sich das Prostatakarzinom sehr gut darstellen. Sie gibt genauere Informationen zur Ausdehnung der Prostata bzw. des Tumors und zur Lokalisation des Prostatakarzinoms. Darüber hinaus kann der Arzt auch abschätzen, ob und in welchem Ausmaß eine Prostatakrebs-Operation sinnvoll ist.
  • Bei der Prostatabiopsie, die unter örtlicher Betäubung erfolgt, entnimmt der Arzt mit einer dünnen Nadel und unter Ultraschall-Kontrolle Gewebeproben aus der Prostata. Finden sich in der mikroskopischen Untersuchung Krebszellen, besteht Gewissheit, dass ein Prostatakrebs vorliegt.
  • Mit Hilfe der Ausscheidungsurographie (Röntgenuntersuchung mit Kontrastmittel) untersucht der Arzt die ableitenden Harnwege. Ziel ist es, festzustellen, ob die Harnleiter, die Harnblase oder die Harnröhre befallen sind.
  • Die Skelettszintigraphie (Knochenszintigraphie) dient der Untersuchung der Knochen bzw. das gesamten Skelettsystems auf Metastasen. Dafür spritzt der Arzt eine radioaktiv markierte Substanz in die Blutbahn, die sich in den Metastasen anreichert. Über eine spezielle Kamera lassen sich die Metastasen dann sichtbar machen.
  • Mit Hilfe einer Röntgenaufnahme des Brustkorbs lassen sich bei fortgeschrittenem Prostatakarzinom Metastasen in der Lunge aufspüren.

Behandlung: Welche die Therapien kommen bei Prostatakrebs zum Einsatz?

Für die Therapie des Prostatakarzinoms stehen Prostatakrebs-Spezialisten verschiedene Behandlungsoptionen zur Auswahl. Diese können sie miteinander kombinieren und auf die individuellen Bedürfnisse des jeweiligen Patienten abstimmen. Je nach Stadium des Prostatakarzinoms gibt es dabei verschiedene Optionen zur Behandlung von Prostatakrebs. Welche Behandlungsmethode zum Einsatz kommt, hängt davon ab, ob der Tumor noch auf die Prostata beschränkt ist oder schon benachbartes Gewebe befallen oder gar Metastasen gebildet hat.

So gehören unter anderem operative Behandlungsmethoden wie die radikale Prostatektomie zum therapeutischen Leistungsspektrum von Prostatakrebs-Spezialisten. Dabei handelt es sich um die vollständige operative Entfernung der Prostata. Als nicht-operative Therapien stehen die Strahlentherapie, die Hormontherapie und die Chemotherapie zur Verfügung. Bei älteren Patienten mit nicht weit fortgeschrittenem und langsam wachsendem Tumor können Prostatakrebs-Spezialisten auch abwarten und sich auf ein aktives Monitoring des Tumors beschränken.

Strahlentherapie

Medizinischer Linearbeschleuniger zur onkologischen Strahlentherapie © Thomas Hecker / Fotolia

Die verschiedenen Behandlungsoptionen im Überblick

  • kontrolliertes Abwarten (aktive Überwachung) bei kleinen, weniger bösartigen Tumoren und älteren Patienten. Da das Prostatakarzinom meist nur langsam wächst, muss es sich nicht immer zu einer lebensbedrohlichen Krebserkrankung entwickeln. Daher kann es sinnvoll sein, zunächst auf eine Therapie zu verzichten. Stattdessen beobachtet der Arzt das Wachstum des Prostatakarzinoms durch regelmäßige PSA-Messungen, Abtasten der Prostata und Prostatabiopsien. Stellt der Arzt ein Wachstum fest, wird er eine geeignete Therapie (z. B. Prostatakrebs-OP) vorschlagen.
  • Operation bei Prostatakrebs, der noch auf die Prostata beschränkt ist. Nähere Informationen zur Prostatakrebs-Operation finden Sie weiter unten im Text.
  • Strahlentherapie als Alternative zur Operation bei Prostatakrebs im Frühstadium. Bei der Strahlentherapie (Radiotherapie) werden die Tumorzellen durch radioaktive Strahlung so stark geschädigt, dass sie sich nicht mehr teilen können. Erfolgt die Bestrahlung von außen, sprechen Mediziner von perkutaner Strahlentherapie. Wird die Strahlungsquelle in den Körper gebracht, nennen Mediziner das Brachytherapie. Durch moderne Bestrahlungstechniken werden die Nachbarorgane zwar weitgehend geschont. Dennoch können vorübergehende Beschwerden wie Entzündungen der Blase und des Darms auftreten. Allerdings kommt es bei 30 bis 40 Prozent der Männer zu einer Impotenz.

  • Hormontherapie oder Chemotherapie zusätzlich zur Prostatakrebs-Operation bzw. zur Strahlentherapie bei fortgeschrittenem Prostatakrebs. Bei der Hormontherapie wird über den Entzug des männlichen Geschlechtshormons Testosteron versucht, das Tumorwachstum zum Stillstand bringen. Dies kann zum einen über eine Unterdrückung der Testosteronbildung (z. B. durch Entfernung der Hoden oder durch die Gabe von Arzneimitteln) und zum anderen über die Gabe von Anti-Androgenen erreicht werden. Dagegen werden bei der Chemotherapie Arzneimittel verabreicht, die die Krebszellen so schädigen sollen, dass sie sich nicht mehr teilen und damit der Tumor nicht mehr wachsen kann.

Operation bei Prostatakrebs

Die Operation ist eine sehr wirksame Therapie, wenn der Krebs ausschließlich auf die Prostata begrenzt ist. Die sogenannte radikale Prostatektomie, d.h. die vollständige operative Entfernung der mit Krebszellen befallenen Prostata mitsamt Prostatakapsel, Samenblasen und Endstücken der Samenleiter, ist die Prostatakarzinom-Therapie der ersten Wahl. Die Heilungs- und Überlebenschancen sind danach am größten. 

Verfahren der Prostatakrebs-Operation

Um die Prostata zu entfernen, sind prinzipiell die folgenden offenen oder minimal-invasiven Operations-Techniken möglich:

  • Bei der radikalen retropubischen Prostatektomie (RRP), einer offenen Prostatakarzinom-Operation, erfolgt der Zugang in Rücklage des Patienten. Der Operateur entfernt die Prostata über einen Schnitt zwischen Schambeinfuge und Bauchnabel.
  • Bei der radikalen perinealen Prostatektomie (RPP), ebenfalls einer offenen Operation, liegt der Patient auch auf dem Rücken. Seine Beine sind aber im Hüftgelenk um etwa 90 Grad angewinkelt. Über einen Schnitt zwischen Skrotum und Anus (Perineum) kann der Operateur die Prostata entfernen.
  • Die laparoskopische (transperitoneale) radikale Prostatektomie (LRPE) ist eine minimal-invasive Prostatakrebs-OP, bei der sich der Patient in Rücklage befindet. Der  Zugang erfolgt minimal-invasiv über die Bauchdecke durch das Peritoneum (Bauchfell).
  • Auch die endoskopische extraperitoneale radikale Prostatektomie (EERPE) ist eine minimal-invasive Operationsmethode. Dabei erfolgt der Zugang bei dem auf dem Rücken liegenden Patienten ebenfalls durch die Bauchdecke. Allerdings geht der Operateur nicht wie bei der LRPE durch das Peritoneum. Stattdessen wird außerhalb des Peritoneums durch Einblasen von Kohlendioxid ein Hohlraum geschaffen, über den der Operateur die Prostata erreicht.
  • Die hochmoderne, minimal-invasive Roboter-assistierte radikale Prostatektomie (RARP) stellt eine Weiterentwicklung der konventionellen laparoskopischen Methoden dar. Sie kombiniert die Vorteile der laparoskopischen Prostatektomie mit jenen der offenen retropubischen Prostatektomie. Allerdings wird der Operateur während der Prostatakarzinom-OP durch einen Roboter bei der Orientierung und Bewegung im Körper unterstützt.

Ziele der Prostatakrebs-Operation

Bei allen Techniken werden drei Ziele verfolgt:

  • vollständige Entfernung des Tumors
  • Erhaltung der Kontinenz
  • Erhaltung der Potenz

Die ersten beiden Ziele sind vorrangig. Der Erhalt der Potenz ist nur sinnvoll, wenn der Mann vor der Operation potent ist. Beim Potenzerhalt werden die dicht an der Prostata entlanglaufenden Potenznerven geschont. Hat das Prostatakarzinom jedoch schon die Kapsel der Prostata durchbrochen, ist ein Nerverhalt nicht mehr möglich.

Komplikationen einer radikalen Prostatakarzinom-Operation

Trotz Fortschritte bei den Operationstechniken lassen sich bei einer radikalen Prostatektomie Komplikationen nicht immer vermeiden. Mögliche Komplikationen sind

  • der Verlust der Erektionsfähigkeit (Impotenz), die auf eine Beschädigung der Nerven während der Prostatakarzinom-OP zurückzuführen ist, und
  • ungewolltes Wasserlassen (Harninkontinenz).

Allerdings kommt es nur bei etwa 1 bis 10 Prozent der operierten Männer zu einer bleibenden Harninkontinenz. Abhängig vom Alter des Patienten und der Ausdehnung des Tumors kann die Potenz bei der Hälfte bis zwei Drittel der Männer nach der Prostatakrebs-Operation erhalten werden.

Nachsorge nach der Behandlung von Prostatakrebs

Ziel der Nachsorge ist die Früherkennung von behandelbaren Rückfällen und von Behandlungsfolgen. In den ersten beiden Jahren erfolgen Nachsorgeuntersuchungen alle drei Monate, beim fortgeschrittenen Prostatakrebs danach alle sechs Monate, beim mit heilender Absicht behandelten Prostatakrebs jährlich. Wichtigste Untersuchungen sind PSA-Bestimmung und die Austastung des Enddarms.

Prostatauntersuchung

Regelmäßige Prostatauntersuchungen zur Nachsorge © peterjunaidy / AdobeStock

Behandlung von Prostatakrebs im Falle eines Krankheitsrückfalls

Kommt es nach zunächst erfolgreicher Behandlung durch Operation oder Bestrahlung zu einem Krankheitsrückfall und zur Metastasierung, erfolgt eine Behandlung wie beim fortgeschrittenen Prostatakrebs. Die Erhaltung bzw. Wiederherstellung der Lebensqualität unter Einschluss einer wirksamen Schmerztherapie stehen in dieser Situation im Vordergrund. Bei einem lokalen Rückfall nach operativer Prostataentfernung ist mit einer Bestrahlung eine Heilung noch zu erreichen.

Heilungsaussichten und Lebenserwartung bei Prostatakrebs

Wird der Prostatakrebs in einem frühen Stadium durch Operation oder Bestrahlung behandelt, überleben über 80 Prozent der Patienten 10 Jahre und mehr, die meisten können als geheilt gelten. Aber auch in fortgeschrittenen Stadien ist es möglich, die Erkrankung manchmal über Jahre unter Kontrolle zu bringen und ein Fortschreiten zu verzögern.

Prostatakrebs-Spezialisten verschiedener medizinischer Fachbereiche

An der Früherkennung, Diagnose, Behandlung und Nachsorge von Prostatakrebs sind in der Regel mehrere Spezialisten aus den unterschiedlichsten medizinischen Fachbereichen beteiligt. So handelt es sich bei Prostatakrebs-Spezialisten insbesondere um Fachärzte für Urologie sowie Fachärzte für Onkologie. Aber auch Strahlentherapeuten, Pathologen, Radiologen und Nuklearmediziner beschäftigen sich oftmals als Prostatakrebs-Spezialisten mit der Betreuung von Prostatakarzinom-Patienten.

Um betroffenen Patienten eine bestmögliche individuelle Therapie und eine optimale Betreuung in allen Phasen ihrer Erkrankung gewährleisten zu können, arbeiten all diese Prostatakrebs-Spezialisten oftmals interdisziplinär in zertifizierten Prostatakrebszentren zusammen. Dies sind von der Deutschen Krebsgesellschaft (DKG) zertifizierte medizinische Einrichtungen, in denen Prostatakrebs-Patienten in allen Phasen ihrer Erkrankung interdisziplinär und auf modernstem medizinischem Niveau betreut werden. Die dort tätigen Prostatakrebs-Spezialisten verfügen nachweislich über eine umfangreiche fachliche Expertise, hohe Qualifikationen und langjährige Erfahrung auf diesem Gebiet.

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Die Qualitätssicherung des Leading Medicine Guide wird durch 10 Aufnahmekriterien sichergestellt. Jeder Arzt muss mindestens 7 davon erfüllen.

  • Mindestens 10 Jahre Operations- und Behandlungserfahrung
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  • Leitende berufliche Position
  • Aktive Teilnahme an Fachveranstaltungen (z.B. Vorträge)
  • Aktiv in Forschung und Lehre
  • Ärzte- und Kollegenakzeptanz
  • evaluatives Qualitätsmanagement (z.B. Zertifizierung)
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