Nierenkrebs - Medizinische Experten

11.02.2020
Dr. med. Robert Hefty
Medizinischer Fachautor
Nierenkrebs ist eine Krebserkrankung, die vom Nierengewebe ausgeht und die, wenn sie frühzeitig entdeckt und operativ entfernt wird, geheilt werden kann. Andere Begriffe für Nierenkrebs sich auch Nierenkarzinom und Nierenzellkarzinom. Symptome treten meist erst im fortgeschrittenen Stadium auf. Eine Chemotherapie kommt vor allem bei Metastasen in Betracht, die Strahlentherapie hat in der Therapie keine große Bedeutung.


ICD-Codes für diese Krankheit: C64

Empfohlene Spezialisten

Kurzübersicht:

  • Was ist Nierenkrebs? Ein bösartiger Tumor der Nieren, der vor allem ältere Menschen ab 65 Jahren betrifft. Er macht etwa 2 bis 3 Prozent aller Krebsarten bei Erwachsenen aus.
  • Risikofaktoren: Rauchen, die Einnahme bestimmter Schmerzmittel, Nierenerkrankungen, Übergewicht und toxische chemische Substanzen.
  • Symptome: Im Frühstadium gibt es keine Beschwerden. Im späteren Verlauf berichten Patienten über Schmerzen im Nierenbereich und Blutspuren im Urin. Auch Gewichtsverlust, Müdigkeit und weitere Symptome treten auf.
  • Diagnose: Nierenkrebs wird häufig zufällig während einer CT oder MRT-Untersuchung entdeckt. Per Ultraschall kann die Niere gezielt abgesucht werden.
  • Behandlung: Eine OP stellt die einzige Option zur Heilung dar. Bei Metastasen kommt auch eine Chemotherapie zum Einsatz. Eine Strahlentherapie ist nur palliativ zur Schmerzbehandlung sinnvoll, da Nierentumore schlecht auf Bestrahlung anschlagen.
  • Prognose: Die Prognose hängt vom Stadium des Tumors sowie vom gesundheitlichen Zustand des Patienten ab. Die mittlere 5-Jahres-Überlebensrate liegt zwischen 65 und 75 Prozent.

Artikelübersicht

Nierenkrebs (auch Nierenzellkarzinome oder kurz Nierenkarzinom genannt) ist ein bösartiger Tumor der Niere, der etwa 2 bis 3 Prozent aller malignen Tumoren des Erwachsenen ausmacht. Das mittlere Erkrankungsalter für ein Nierenkarzinom liegt bei etwa 65 bis 70 Jahren. Während früher das Nierenzellkarzinom relativ spät entdeckt wurde, werden heute Nierentumoren häufig zufällig durch den Einsatz von bildgebenden Untersuchungen aus anderen Gründen aufgespürt, meist bereits in einem frühen Stadium, was die Heilungschancen erhöht.

Ursachen von Nierenkrebs

Zwar sind die Ursachen für die Entstehung eines bösartigen Tumors in den Nieren noch nicht vollständig geklärt. Es sind aber Faktoren bekannt, die das Risiko für Nierenkrebs erhöhen. Dazu gehören beispielsweise der Tabakkonsum, die Einnahme bestimmter Schmerzmittel, eine bestehende Nierenerkrankung (chronische Niereninsuffizienz), Übergewicht und der Kontakt zu chemischen Substanzen wie z.B. Asbest, Cadmium und Lösungsmitteln. Aber auch erbliche Faktoren können eine wichtige Rolle in der Krebsentstehung spielen.

Symptome von Nierenkrebs

Anfangs macht sich das Nierenkarzinom kaum oder nicht bemerkbar. Ist das Nierenzellkarzinom allerdings schon fortgeschritten, kann es zu Schmerzen in der Nierengegend und sichtbaren Blutspuren im Urin kommen. Zudem können weitere Krankheitssymptome auftreten, wie

  • Gewichtsverlust,
  • Müdigkeit
  • Fieber und
  • Nachtschweiß.

Gelegentlich lässt sich auch eine raumfordernde Struktur im Flankenbereich tasten.

Haben sich Metastasen gebildet, hängt die Symptomatik hauptsächlich vom befallenen Organ ab. Bei Metastasen im Knochen kann es zu Knochenschmerzen, bei Metastasen in der Lunge zu Husten und Atemnot, bei Metastasen in der Leber zu erhöhten Leberwerten mit Ikterus (Gelbsucht) und bei Metastasen im Gehirn zu neurologischen Ausfällen kommen.

Diagnose von Nierenkrebs

Da das Nierenkarzinom anfangs keine Beschwerden verursacht, kommt der erste Verdacht auf einen bösartigen Tumor der Niere häufig zufällig als Folge einer Magnetresonanz- oder Computertomographie oder aber einer Sonographie des Abdomens (Bauch-Ultraschall). Manche Patienten führen allerdings auch Blut im Urin oder Flankenschmerzen zum Arzt. Zur Diagnose gehört neben einer gründlichen Anamnese (Patientenbefragung nach Risikofaktoren) und körperlichen Untersuchung auch der Test auf Blut im Urin. Eine Ultraschallaufnahme der Niere und des Bauchraums und eine kontrastmittelunterstützte Computertomographie (CT) können den Anfangsverdacht bestätigen oder ausschließen. Auch gibt das CT bereits Hinweise darauf, wie weit sich das Nierenzellkarzinom bereits ausgebreitet hat.

Ein MRT wird meist bei Verdacht auf tumorbedingte Gefäßverschlüsse und – neben der Skelettszintigraphie und der CT des Schädels – zur Abschätzung der Tumorausbreitung und zum Aufspüren von Metastasen veranlasst. Anhand der Nierenkrebs-Diagnose und der Ausbreitungsdiagnostik kann der Spezialist für Nierenkrebs das Stadium festlegen. Ein kleinerer Tumor, der lokal begrenzt ist, das heißt noch keine Lymphknoten oder Nachbargewebe befallen hat, befindet sich in einem frühen Stadium. Hat der Tumor bereits Lymphknoten befallen oder/und Metastasen gebildet, besteht ein fortgeschrittenes Stadium. Diese Zuordnung der Krebserkrankung zu einem Stadium spielt für die Therapie und die Prognose eine große Rolle.

Renal cell carcinoma, gross pathology of bisected kidney 20G0029 lores

Therapie von Nierenkrebs

Für die Behandlung stehen drei Optionen zur Verfügung, wobei die Nierenkrebs-Operation die einzige kurative (heilende) Option darstellt:

  • Nierenkrebs-Operation: Bei der Entfernung des Nierenkarzinoms besteht Aussicht auf vollständige Heilung. Ggf. kann es erforderlich sein, dass ein Teil oder gar die ganze Niere entfernt werden muss (sog. Nephrektomie). Die Eingriffe erfolgen offen-chirurgisch oder in Schlüsselloch-Technik mittels Laparoskopie oder Roboter.
  • Medikamentöse Therapie bei Nierenkrebs: Hat das Nierenkarzinom noch nicht gestreut, empfehlen die Spezialisten für Nierenkrebs zurzeit keine Chemotherapie nach der Operation (adjuvante Chemotherapie). Ergebnisse klinischer Studien zur neoadjuvanten Chemotherapie (Chemotherapie vor der Operation) stehen noch aus. Haben sich allerdings Metastasen gebildet, ist eine medikamentöse Therapie erforderlich. Hierfür gibt es verschiedene Medikamente, die nach einem bestimmten Schema gegeben werden müssen.
  • Strahlentherapie bei Nierenkrebs: Da das Nierenzellkarzinom relativ unempfindlich gegenüber einer Strahlentherapie ist, wird die Bestrahlung nicht kurativ, sondern meist nur palliativ eingesetzt, zum Beispiel zur Schmerzbehandlung.
Als alternative oder experimentelle Behandlungsmöglichkeiten für nachgewiesene Nierentumore, können eine Kälte- (Kryotherapie) oder eine Hitzetherapie (Radiofrequenzablation) angeboten werden. Langzeitergebnisse sind derzeit noch nicht vorhanden. Des Weiteren wird vor diesen Therapieformen, eine Gewebeprobe aus dem Tumorgewebe (Biopsie) empfohlen.

Welche Fachärzte und Spezialkliniken behandeln Nierenkrebs?

Spezialisten für Nierenkrebs sind Fachärzte der Onkologie, die im interdisziplinären Team mit Fachärzten anderer Gebiete (z.B. Nephrologen, Chirurgen aus dem Bereich Onkologische Chirurgie sowie Urologen) die Behandlung planen und durchführen. Patienten mit Nierenzellkarzinom sollten sich in spezialisierten Kliniken für Nierenkrebs behandeln lassen, da dort eine hohe Qualität der Nierenkrebs-Behandlung gewährleistet werden kann und sie ggf. durch die Teilnahme an klinischen Studien von den neuesten Therapien profitieren können.

Prognose bei Nierenkrebs

Die Prognose hängt vor allem vom Stadium (I bis IV), das bei der Diagnose festgestellt wurde, und vom histologischen Subtyp ab. Auch das jeweilige Erkankungsalter ider andere Nebenerkrankungen (Komorbiditäten), können begünstigend oder verschlechternd sein. Je fortgeschrittener das Stadium desto schwieriger lässt sich Nierenkrebs behandeln und desto ungünstiger ist die Prognose. In Deutschland liegt die 5-Jahres-Überlebensrate zwischen 65 und 75 Prozent. Liegen bereits Metastasen vor, beträgt die mittlere Lebenserwartung 24 bis 30 Monate.

Nachsorge nach der Nierenkrebs-OP

Grundsätzlich gibt es keine konkreten Empfehlungen für eine Nachsorge nach operativer Tumorentfernung. Nach aktuellen Leitlinien kann von jedem Patienten ein Risiko-Profil erstellt werden (niedrig, mittel, hoch). Dabei wird die Nachsorge je nach Beschwerdesymptomatik und einer Metastasierungswahrscheinlichkeit durchgeführt. In regelmäßigen Abständen werden erneut körperliche Untersuchungen, sowie Laborkontrollen und neue Übersichtsaufnahmen angefertigt.

  • S3-Leitlinie Diagnostik, Therapie und Nachsprge des Nierenzellkarzinoms der Deutschen Gesellschaft für Urologie (DGU) und der Deutschen Gesellschaft für Hämatologie und Onkologie (DGHO): https://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/043-017Ol-l_S3_Nierenzellkarzinom_2017-04-verlaengert.pdf
  • Deutsche Gesellschaft für Urologiee (DGU): https://www.dgu-online.de/
  • Broschüre Nierenkrebs der Deutschen Krebshilfe: https://www.krebshilfe.de/infomaterial/Blaue_Ratgeber/Nierenkrebs_BlaueRatgeber_DeutscheKrebshilfe.pdf
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