Enddarmkrebs: Informationen und Enddarmkrebs-Spezialisten

21.10.2021

Enddarmkrebs, auch Mastdarmkrebs oder Rektumkarzinom genannt, ist eine der häufigen bösartigen Tumorerkrankungen der westlichen Welt und betrifft den letzten Darmabschnitt. Bei frühzeitiger Diagnosestellung sind die Heilungschancen gut. Die Therapie gehört jedoch in die Hände eines interdisziplinären Teams und sollte in einem spezialisierten Zentrum erfolgen. Nach erfolgreicher Therapie spielt die Nachsorge eine große Rolle, um ein etwaiges Wiederauftreten des Tumors frühzeitig zu entdecken und behandeln zu können.

Hier finden Sie weiterführende Informationen sowie ausgewählte Spezialisten für die Enddarmkrebs-Therapie.

ICD-Codes für diese Krankheit: C20

Empfohlene Spezialisten für die Enddarmkrebs-Therapie

Kurzübersicht:

  • Was ist Enddarmkrebs? Ein bösartiger Tumor des Enddarms und eine der häufigsten Darmkrebserkrankungen.
  • Ursachen: Neben hohem Alter, Darmpolypen, die bösartig entarten können, genetischer Veranlagung und chronisch entzündlichen Darmerkrankungen können auch Ernährungs- und Lebensgewohnheiten Risikofaktoren sein.
  • Symptome: Zu Beginn keine Symptome, im Verlauf treten Veränderungen der Stuhlgewohnheiten und Blut im Stuhl auf.
  • Diagnosestellung: Die Diagnose wird mittels Darmspiegelung gestellt, zur Bestimmung des Stadiums und zur Therapieplanung gehören aber auch die Computertomographie, die Magnetresonanztomographie sowie der innere Ultraschall. Weiterhin wird zur Höhenbestimmung eine starre Rektoskopie durchgeführt.
  • Behandlung: Die Behandlung ist abhängig vom Stadium sowie der genauen Lokalisation. Hierbei hat die chirurgische Entfernung des Tumors einen hohen Stellenwert, oft in Kombination mit einer Radiochemotherapie. Bei weiter fortgeschrittenen Tumoren oder fortgeschrittener Metastasierung ist evtl. auch nur eine Chemotherapie Therapie der Wahl.
  • Prognose: 60% der Patienten können wir heutzutage heilen, aber auch bei bereits metastasierten Tumoren gibt es inzwischen eine Reihe vielversprechender Behandlungsansätze.

Artikelübersicht

Darmkrebs ist eine der häufigsten Krebsarten der westlichen Welt. Jedes Jahr erkranken

  • in Deutschland gemäß Krebsregisterdaten für 2018 rund 59 000 Menschen
  • in der Schweiz gemäß krebsliga.ch 4500 Menschen

an einem Kolon- oder Rektumkarzinom. Zusammen mit den bösartigen Tumoren des Sigma (Krummdarm) macht das Rektumkarzinom mehr als 60% aller bösartigen Darmtumore aus. Männer sind etwas häufiger betroffen als Frauen. Insgesamt ist der Darmkrebs die dritthäufigste Tumorerkrankung des Mannes sowie die zweithäufigste der Frau.

Durchschnittlich sind die Betroffenen bei Diagnose über 60 Jahre alt. In seltenen Fällen können bei genetischer Vorbelastung jedoch schon deutlich jüngere erkranken.

Mastdarmkrebs

Mögliche Lokalisation eines Enddarmkarzinoms © bilderzwerg | AdobeStock

Wie andere Krebsarten auch wird der Enddarmkrebs in Stadien eingeteilt.

Stadium I steht dabei für die früheste Form, bei der der Tumor nur die oberflächlichen Darmschleimhautschichten betrifft. Höhere Stadien geben das Ausmaß der Ausbreitung wieder. Stadium IV bedeutet, dass der Tumor bereits Ableger (Fernmetastasen) in entfernteren Organen gebildet hat.

Der Tumor wächst in der Regel sehr langsam. Je früher das Stadium, umso besser sind die Heilungschancen. Ziel ist daher eine frühzeitige Diagnose, so dass er noch im Frühstadium behandelt werden kann.

Ursachen und Risikofaktoren für Enddarmkrebs

Bis zu 90% aller Karzinome im Darm sind sogenannte Adenokarzinome. Das bedeutet, dass sie sich aus den Drüsen der Darmschleimhaut entwickeln.

Ebenso wie Dickdarmkrebs entsteht das Rektumkarzinom zumeist aus Darmpolypen, also gutartigen Geschwülsten der Darmwandschleimhaut. Darmpolypen gelten damit als Vorstufe zu einer möglichen späteren Darmkrebserkrankung.

Darmpolypen

Darstellung von Darmpolypen (hier im Dickdarm) © tussik | AdobeStock

Einer der wichtigsten Risikofaktoren für die Entstehung von Darmkrebs ist das Alter. Ist eine Krebserkrankung des Darms im Alter von 30 Jahren noch äußerst selten, steigt das Risiko mit zunehmendem Lebensalter deutlich an. So entstehen mehr als 90 % aller rektalen Karzinome erst nach dem 50 Lebensjahr.

Aber auch die genetische Veranlagung spielt eine wichtige Rolle - sie kann das Darmkrebsrisiko um bis das Dreifache erhöhen. Daher wird im Patientengespräch auch stets nach Darmkrebsfällen bei direkten Verwandten gefragt. Bei seltenen erblichen Erkrankungen besteht bereits in jungen Jahren ein hohes Risiko, an Darmkrebs zu erkranken.

Daneben besteht auch bei chronisch entzündlichen Darmerkrankungen ein etwas erhöhtes Risiko. Dazu gehören etwa

Diese Risikofaktoren lassen sich nicht beeinflussen. Daneben gibt es jedoch auch sogenannte Life-Style Risikofaktoren, die jeder selbst in der Hand hat:

  • Rauchen
  • übermäßiger Alkoholgenuss
  • eine zu fettreiche, ballaststoffarme Ernährung mit hohem Anteil an rotem Fleisch oder verarbeiteten Wurstwaren
  • Bewegungsmangel
  • Übergewicht

Gesunde Ernährung

Gesunde und ausgewogene Ernährung ist ein wichtiger Faktor für gute Gesundheit, auch bei Krebs © sonyakamoz | AdobeStock

Enddarmkrebs-Symptome

Bei den meisten Betroffenen verursacht der Tumor lange Zeit keine oder kaum Beschwerden. In frühen Stadien wird er daher meist zufällig zum Beispiel bei einer Routineuntersuchung entdeckt.

Krebsvorsorgeuntersuchungen haben daher einen hohen Stellenwert in der Krebsfrüherkennung. In Deutschland wird diese ab einem Alter von 50 Jahren von der gesetzlichen Krankenkasse übernommen. In der Schweiz übernimmt ebenfalls die Grundversicherung die Kosten für die Krebsvorsorgeuntersuchungen für Menschen zwischen dem 50. und 69. Lebensjahr.

Kommt es zu Symptomen, sind diese zu Beginn meist wenig charakteristisch. Sie werden von den Betroffenen oft entweder nicht wahrgenommen oder ignoriert. Hierzu zählen Stuhlunregelmässigkeiten wie häufiger Stuhlgang oder der Wechsel von Verstopfung und Durchfall.

Auch sichtbares Blut im Stuhl kann auf eine Krebserkrankung des Enddarms hinweisen. Daneben leiden die Patienten häufig unter

  • Übelkeit,
  • Völlegefühl,
  • Blähungen,
  • Schmerzen beim Stuhlgang oder
  • Krämpfen.

Zu den unspezifischen Allgemeinsymptomen einer Tumorerkrankung gehören

  • Gewichtsverlust,
  • starkes nächtliches Schwitzen,
  • Fieber und
  • verminderte Leistungsfähigkeit.

Später kommt es oft durch schleichenden Blutverlust über den Stuhl zu einer Blutarmut, die sich in

  • Blässe,
  • Müdigkeit und
  • erhöhter Infektanfälligkeit

zeigen kann.

Nachtschweiß

Neben weiteren unspezifischen Symptomen kann bei Enddarmkrebs auch Nachtschweiß auftreten © kolotype | AdobeStock

Ist der Tumor weiter fortgeschritten, engt er den Darm immer weiter ein. Dadurch kann es zu Formveränderungen des Stuhls kommen, sogenannte Bleistiftstühle. Im schlimmsten Fall ist sogar ein Darmverschluss möglich. Dieser geht meist mit starken krampfartigen Schmerzen einher.

Im späteren Stadium kann sich der Tumor auch über den Darm hinausausbreiten und in benachbarte Organe einwachsen.

Auch kann es zur Bildung von Ablegern (Metastasen) in andere Organe kommen. Dabei werden Krebszellen über die Blut- und Lymphbahnen in andere Organe verschleppt. Dort können sie Tochtergeschwülste bilden.

Beim Rektumkarzinom sind

  • bei Tumoren des oberen und mittleren Enddarmdrittels vor allem die Leber,
  • bei Tumoren des unteren Enddarmdrittels vor allem die Lunge

betroffen.

Diagnose von Enddarmkrebs

Auch wenn inzwischen vielfältige technische Untersuchungsmöglichkeiten zur Verfügung stehen, gehört die digitale rektale Untersuchung mit dem Finger zur Diagnostik. Bis zu 10 % der Enddarmtumore werden so entdeckt.

Zur Diagnosesicherung hat die Darmspiegelung den höchsten Stellenwert. Dabei wird Material entnommen und die Diagnose kann gesichert werden. Neben der Mastdarmspiegelung sollte stets auch eine vollständige Dickdarmspiegelung erfolgen, da in bis zu 7 % der Fälle sogenannte Zweittumore vorliegen können.

Sollte sich die Diagnose Enddarmkrebs bestätigen, erfolgt die weitere Abklärung des Tumorstadiums. Damit beurteilen die Mediziner die Ausdehnung des Tumors und die Tumorumgebung.

Dazu gehören

  • die Endosonographie (innerer Ultraschall),
  • die Schnittbildgebung des kleinen Beckens, vorzugsweise mit der Magnetresonanztomographie. Sollte dies nicht möglich sein (zum Beispiel bei Platzangst oder Herzschrittmacher) mittels Computertomographie.

Die Suche nach Fernmetastasen erfolgt mittels Ultraschall der Oberbauchorgane und Röntgen der Lunge oder ebenfalls mittels Computertomographie.

Die Bestimmung der sogenannten Tumormarker (CEA und CA 19-9) sind vor allem für die Nachsorge von Bedeutung. Bei der Erstdiagnose wird daher ein Ausgangwert bestimmt.

Große Bedeutung kommt Untersuchungen im Rahmen der Früherkennung zu. Eine frühzeitige Diagnose verbessert die Heilungschancen signifikant. Hier hat die Vorsorgendarmspiegelung einen hohen Stellenwert. So kann Enddarmkrebs entdeckt werden, bevor er Beschwerden bereitet. Auch Darmpolypen als Krebsvorstufen können bereits entfernt werden, bevor sie entarten.

Darmpolypen entfernen

Entfernung eines Darmpolyps während einer Darmspiegelung © phonlamaiphoto | AdobeStock

Die Therapie von Enddarmkrebs

Heutzutage obliegt die Behandlung des Rektumkarzinoms nicht mehr nur einer Fachdisziplin, sondern sollte interdisziplinär erfolgen. Daher sollte jeder Fall eines Patienten mit Rektumkarzinom in einer interdisziplinären Tumorkonferenz besprochen. Dabei wird unter Berücksichtigung aller Befunde die stadiengerechte Therapie festgelegt.

Nach erfolgter Therapie, sei dies Operation und / oder Chemotherapie erfolgt die Wiedervorstellung und Festlegung des weiteren Vorgehens. So bleibt jeder Patient stets von einem interdisziplinären Team betreut. Dieses Vorgehen ist für alle zertifizierten Darmkrebszentren Pflicht.

Die Therapie des Rektumkarzinoms hängt von dessen Lokalisation, der Eindringtiefe sowie dem Vorliegen von Lymphknoten oder Fernmetastasen ab.

Lokale Maßnahmen

Voraussetzung für die direkte chirurgische Entfernung eines Rektumkarzinoms sind

  • ein sehr frühes Krebsstadium
  • die Ausbreitung unterhalb der oberen Schicht der Submucosa (Schicht direkt unterhalb der Schleimhaut)
  • der Sitz des Karzinoms in den unteren zwei Dritteln des Enddarms

Die Entfernung kann

  • im Rahmen der Dickdarmspiegelung, einer sogenannten endoskopischen Mukosaresektion (EMR),
  • über den After mittels einer transanalen endoskopischen Mikrochirurgie (TEM) oder
  • einer konventionellen transanalen Tumorresektion

erfolgen.

Chirurgische Behandlung

Ein Rektumkarzinom, das zwar eine größere Eindringtiefe als oben genannt, aber noch kein wandüberschreitendes Wachstum oder Lymphknotenmetastasen aufweist, kann direkt radikal operiert werden.

Heutzutage wird dieser Eingriff meist minimal-invasiv durchgeführt, das heißt laparoskopisch mit Hilfe einer Kamera über mehrere kleine Schnitte. Auch ein Operationsroboters kann zum Einsatz kommen. Ob der Schließmuskel erhalten werden kann, hängt auch davon ab, ob dieser bereits vom Tumor befallen ist.

Auch ist bei knapp oberhalb des Schließmuskels liegenden Tumoren zu bedenken, dass sich nach der Operation eine vorbestehende Inkontinenz verschlechtern kann.

Auch bei Erhalt des Schließmuskels musste früher im Rahmen der Operation häufig ein künstlicher Darmausgang gelegt werden. Dieser beeinträchtigt die Lebensqualität der Betroffenen beträchtlich. Heute können moderne Operationsverfahren die Notwendigkeit eines künstlichen Darmausganges oft abwenden.

TME (Totale mesorektale Exzision)

Ziel ist es, den Tumor mitsamt seinen Lymphabstrombahnen und damit seinen Hauptmetastasierungswegen zu entfernen.

Die TME-Technik beschreibt, dass der Enddarmkrebs mitsamt seinem umgebenden Fettgewebe sowie seiner rundum gelegenen Hüllschicht (mesorektale Faszie) entfernt wird. Dies kann minimal-invasiv oder offen mittels Bauchschnitt durchgeführt werden.

Anschließend wird die Darmkontinuität wiederhergestellt. Dies erfolgt mittels eines speziellen Klammergerätes (Stapler) oder Naht. Die Verbindung nennt man auch Anastomose. Bei sehr tief liegenden Anastomosen wird häufig ein vorrübergehender künstlicher Darmausgang angelegt, damit die Darmnaht problemlos ausheilen kann.

Dieser kann in der Regel nach drei Monaten in einer weiteren kleinen Operation verschlossen werden.

Minimal-invasive OP

Unter Umständen wird die Enddarmkrebs-OP minimal-invasiv durchgeführt (Beispielfoto für eine minimal-invasive OP) © Kadmy | AdobeStock

Vorbehandlung mittels Strahlen-Chemotherapie

Ist der Tumor bereits bis in das umgebende Fettgewebe eingewachsen oder zeigt sich bereits eine Vergrößerung der umgebenden Lymphknoten, erfolgt vor der Operation eine Kombination aus Strahlen und Chemotherapie.

Im Anschluss an die Operation wird noch eine Chemotherapie durchgeführt. Dieses Konzept nennt sich neoadjuvante Vorbehandlung. Diese hat zum Ziel, den Tumor vor der Operation zu verkleinern und das Risiko eines Tumorrückfalls (Rezidiv) zu verringern.

Postoperative Behandlung / Fast-Track-Schema

Die postoperative Nachbehandlung im Krankenhaus erfolgt wenn immer möglich anhand eines festgelegten Schemas (Fast-Track-Schema / ERAS-Schema). Ziel ist hier die möglichst schnelle Wiedererlangung der Selbstständigkeit.

Das Schema beinhaltet eine ausreichende Schmerztherapie, einen raschen Kostaufbau sowie eine frühzeitige Mobilisation mit Hilfe der Physiotherapie.

Palliative Chemotherapie

Auch bei lokal inoperablen Tumoren oder weit fortgeschrittener Metastasierung kommt meist eine Chemotherapie zum Einsatz. Sie kann die Tumorerkrankung nicht heilen. Aber sie führt dennoch zu einer Verlängerung des Lebens und zu einer Verbesserung der Lebensqualität.

Nachsorge bei Enddarmkrebs

Nach erfolgreicher Operation und Therapie ist die Nachsorge unerlässlich. Ziel dabei ist, ein etwaiges Wiederauftreten des Tumors oder neu aufgetretene Fernmetastasen frühestmöglich zu entdecken und zu behandeln.

Für das Rektumkarzinom ist die Nachsorge sehr strukturiert und in sogenannten Leitlinien festgelegt. Sie umfasst die

  • klinische Untersuchung,
  • eine Blutuntersuchung,
  • regelmäßige Darmspiegelungen und
  • Bildgebung mittels Sonographie und CT

über einen Zeitraum von fünf Jahren.

Prognose

60% der Patienten mit Enddarmkrebs können wir heutzutage heilen. Aber die Heilungschancen hängen entscheidend vom Tumorstadium ab.

Überleben im Stadium I noch 95 % der Patienen die nächten fünf Jahre, sinkt die Überlebensrate im Stadium IV stark ab. In den letzten Jahren haben sich durch einen Wandel des Therapiekonzeptes die Überlebensschancen auch beim Vorhandensein einzelner Fernmetastasen deutlich verbessert.

Können diese allesamt entfernt werden, besteht heutzutage eine reelle Chance auf Heilung.

Quellen

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