Angiom | Spezialisten und Informationen

17.09.2020
Dr. rer. nat. Marcus Mau
Medizinischer Fachautor
Unter dem Begriff „Angiom“ fassen Mediziner ganz allgemein eine Reihe von knäuelartigen Fehlbildungen der Blutgefäße zusammen. Diese können entweder tumorartig entstehen oder sie sind entwicklungsbedingt bzw. bereits bei der Geburt angelegt. Ein Risiko stellen vor allem Angiome im Gehirn dar. Experten für Gefäßmedizin (Angiologie) nutzen jedoch modernste diagnostische und therapeutische Möglichkeiten, um Angiome zu behandeln.

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Kurzübersicht:

  • Was ist ein Angiom? Eine Fehlbildung der Blutgefäße, die entweder entwicklungsbedingt oder tumorartig sein können.
  • Lokalisierung: Angiome treten häufig im Gesicht auf, können jedoch auch an allen anderen wichtigen Organen entstehen. Je nach Lokalisierung werden sie unterschiedlich bezeichnet.
  • Symptome: Meistens treten keine Beschwerden auf. An ungünstigen Stellen können Angiome mechanische Reizungen verursachen. Blutungen im Gehirn oder Krampfanfälle sind selten, aber möglich.
  • Diagnose: Haut-Angiome lassen sich leicht mit dem Auge diagnostizieren. Ansonsten kommen bildgebende Verfahren zum Einsatz, vor allem die Angiographie und die MRT.
  • Behandlung: Da zerebrale Angiome schwerwiegende Blutungen verursachen können, sollten sie behandelt werden. Dazu kommen die Embolisation, ein chirurgischer Eingriff oder eine stereotaktische Bestrahlung infrage.

Artikelübersicht

Was ist ein Angiom?

Beim Angiom handelt es sich im Wesentlichen um eine Fehlentwicklung im Bereich der Blutgefäße, deren genaue Ursache noch nicht bis ins Detail bekannt ist. Häufig sind Angiome jedoch bereits angeboren.

Angiome bestehen aus dem Gefäßknäuel einer Arterie und einer Vene, über deren direkte Verbindung die Arterie Blut in die Vene abgibt. Unterschieden werden entwicklungsbedingte Angiome und tumorartige Angiome.

Entwicklungsbedingte Angiome entstehen in der Regel dort, wo Blut aus einer Arterie direkt in eine Vene einfließt. Dazu zählen z.B. Angiektasien, Varizen, das Kavernom sowie arteriovenöse Malformationen. Auf der anderen Seite gibt es die tumorartigen Angiome, wie das Hämangiom und das Lymphangiom.

Wo kommen Angiome vor?

Häufig treten Angiome – im Volksmund auch als Blutschwämmchen bezeichnet – im Bereich der Haut im Gesicht, an den Augenlidern, an der Nase, der Lippe, am Hals oder verteilt über den Rumpf auf. In der Haut sind Angiome meist als kleine rote, flache bis erhabene Knötchen sichtbar und ungefährlich.

Treten solche Angiome der Haut oberhalb des 40. Lebensjahres auf, handelt es sich zumeist um Altersangiome (Angiom seniles), die vereinzelt bis zahlreich altersbedingt auch neu entstehen können. Kommt es im Inneren dieser Gefäßknäuel zur „Blutgerinnung“ (Thrombosierung), können die Altersangiome eine nahezu schwarze Farbe annehmen und aushärten. Hier sollten Sie in jedem Fall einen Facharzt für Dermatologie (Hautarzt) aufsuchen, um das Angiom zweifelsfrei von einem nodulären, malignen Melanom („schwarzer Hautkrebs“) abzugrenzen.

Prinzipiell können Angiome darüber hinaus jedoch an allen wichtigen Organen des Körpers vorkommen. Innerhalb von Organen, wie z. B. Leber oder Herz, sprechen Ärzte dann vom kavernösen Hämangiom oder kurz vom Kavernom. Im Gehirn können diese Gefäßanomalien sogar schwere gesundheitliche Folgen für die Patienten haben.

Welche Symptome treten auf?

Angiome der Haut sind in der Mehrzahl der Fälle symptomlos. Sie können zwar einige Millimeter bis wenige Zentimeter groß werden, bilden sich dann jedoch meist bereits im Kindesalter wieder zurück. Eine Indikation für die Entfernung der Angiome der Haut besteht in der Regel nur, wenn es zu wiederholten mechanischen Reizungen an ungünstigen Körperstellen kommt.

Bei etwa 2–4% der Hirnangiome (= zerebrale Angiome) können allerdings Blutungen auftreten, die zu neurologischen Ausfällen, Bewusstseinsverlust und/oder akutem Kopfschmerz führen. Je nach Ausmaß solcher Blutungsereignisse besteht sogar Lebensgefahr.

Desweiteren sind Fälle beschrieben worden, in denen es durch Angiome zu Krampfanfällen kam. Dies wird möglicherweise rein mechanisch durch die Nähe der krampfenden Strukturen zum Angiom verursacht, oder aber geht auf einen durch das Angiom hervorgerufenen Sauerstoffmangel zurück.

Zerebrale Angiome führen zudem zu Durchblutungsstörungen im Gehirn, sodass es je nach Lage der Angiome zu einer Vielzahl weiterer Ausfallserscheinungen kommen kann, wie etwa Sehstörungen, Lähmungen oder Sprachstörungen sowie Wesensänderungen.

Wie werden Angiome diagnostiziert?

Während Haut-Angiome aufgrund ihrer Gestalt und der roten Färbung mittels Blickdiagnostik recht leicht erkannt werden können, sind organständige Angiome, wie beispielsweise das zerebrale Angiom im Gehirn, nur mithilfe spezieller bildgebender Verfahren diagnostizierbar.

Klassischerweise werden Angiome in den Organen des Körpers über die Angiographie dargestellt, indem ein Kontrastmittel alle Blutgefäße durchströmt und den Blutfluss sichtbar macht. Heutzutage wird die Angiographie jedoch zunehmend ersetzt durch ein moderneres Verfahren, die Magnet-Resonanz-Tomografie (MRT). Damit lassen sich Aufnahmen z. B. vom Inneren des Kopfes in hoher Auflösung erzielen.

Dennoch sind zerebrale Angiome / Kavernome häufig reine Zufallsbefunde, solange keine Blutungen auftraten, die mit Ausfallserscheinungen einhergingen. In letzterem Fall erfolgt in der Regel im Klinikum ein Notfall-CT, eine sogenannte Computer-Tomografie, die Hirnblutungen sehr schnell erkennen kann.

Gibt es eine Behandlung für Angiome?

Wurde ein symptomloses zerebrales Angiom entdeckt, besteht dennoch ein 50%-iges Risiko, dass es im Leben zu Blutungen kommen könnte. Daher raten Ärzte in der Regel situationsbezogen zu einer Therapie.

Für die Behandlung des zerebralen Angioms gibt es derzeit drei verschiedene Optionen:

  • Bei der Embolisation wird über einen Katheter, der bis in die Hirngefäße vorgeschoben wird, ein Klebemittel eingespritzt, das die Gefäße des Angioms verschließt. Dabei besteht jedoch das Risiko, dass das Mittel in andere feine Hirngefäße gelangt und dort weitere Durchblutungsschäden hervorrufen kann.

  • Ist das Angiom indes gut zu erreichen, sollte es operativ entfernt werden. Dadurch wird das Angiom verkleinert und das Blutungsrisiko verringert. Auch diese Operationsmethode birgt auf der anderen Seite Risiken, z. B. könnte das Blutgefäß verletzt oder Blutgerinnsel freigesetzt werden, was wiederum andere Hirnbereiche schädigen kann.

  • Zerebrale Angiome, die operativ schlecht zugänglich sind, werden stereotaktisch bestrahlt. Dabei löst die Strahlung Wachstum in den Gefäßzellen aus, die sehr langsam – über Jahre hinweg in das Gefäßlumen einwachsen und das Gefäßknäuel des Angioms so von innen verschließen. Nach drei Jahren sind etwa 80% der so behandelten zerebralen Angiome verschlossen.

Welche Ärzte behandeln Angiome?

Angiome sind Gefäßmissbildungen und werden als solche vornehmlich von Fachärzten für Angiologie (Angiologen) behandelt. Die Angiologie ist ein Teilgebiet der Inneren Medizin und auf die Diagnose und Behandlung von Gefäßerkrankungen spezialisiert.

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Die Qualitätssicherung des Leading Medicine Guide wird durch 10 Aufnahmekriterien sichergestellt. Jeder Arzt muss mindestens 7 davon erfüllen.

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  • Ärzte- und Kollegenakzeptanz
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