Phantomschmerzen – Psychisch-physischer Schmerz

22.09.2021
Dr. rer. nat. Marcus Mau
Autor des Fachartikels

Phantomschmerzen sind ein auf geistiger und körperlicher Ebene stattfindendes Schmerzempfinden in einem amputierten, das heißt, nicht mehr vorhandenen Körperteil. Interessanterweise können Betroffene den Schmerz außerhalb des Körpers sehr genau lokalisieren, z. B. im Knie oder Fuß, obwohl diese Teile des Beins amputiert worden sind. Obgleich die Ursachen für Phantomschmerzen noch nicht bis ins Detail bekannt sind, werden diese Schmerzempfindungen genau wie andere akute oder chronische Schmerzen behandelt. Dabei reicht das Spektrum von der physikalischen Bewegungstherapie bis hin zu Opiaten. In jedem Fall empfiehlt es sich, dass Betroffene ärztlichen Rat suchen, um teilweise sehr starke Phantomschmerzen in den Griff zu bekommen. Im Folgenden finden Sie weitere Informationen sowie Spezialisten für die Behandlung von Phantomschmerzen

ICD-Codes für diese Krankheit: G54.6

Empfohlene Spezialisten für Phantomschmerzen

Artikelübersicht

Definiton: Was sind Phantomschmerzen?

Phantomschmerzen werden von Betroffenen in Extremitäten empfunden, die nach Amputation eigentlich nicht mehr vorhanden sind. Dennoch können Patienten sehr genau beschreiben, wo es sie schmerzt und wie stark die empfunden Schmerzen sind. Phantomschmerzen sind auch keinesfalls Einbildungen. Ganz im Gegenteil können Betroffene teils starke Schmerzen empfinden, die sie sogar bis zu einem Suizidversuch bringen. Daran lässt sich bereits gut ablesen, wie wichtig es für Sie ist, einen Arzt zu konsultieren, wenn Sie unter Phantomschmerz leiden.

Ursache von Phantomschmerzen

Die genaue Ursache für Phantomschmerzen ist derzeit noch vollkommen unbekannt. Allerdings sind sowohl psychische als auch physische Prozesse daran beteiligt. Derzeit gibt es in der Wissenschaft drei wesentliche Modelle, wie Phantomschmerzen entstehen könnten:

  1. Periphere Ursachen schließen z. B. Schmerzen im Zuge der Regeneration von Nerven, Neurome sowie die Reizung blind-endender Nerven im Amputationsstumpf ein.
  2. Spinale Ursachen könnten direkt im Rückenmark zu finden sein.
  3. Zentralnervöse Ursachen liegen möglicherweise in einer Umordnung der schmerzwahrnehmenden Strukturen im Gehirn, z. B. im Thalamus und Cortex.

Psychologisch gesehen, scheint der Körper, selbst nach Amputation von Körperteilen, als Gesamtheit im Gehirn weiterzubestehen. Daher bestehen auch bestimmte Reizmuster fort, welche Phantomschmerzen fördern könnten.

Welche Symptome verursachen Phantomschmerzen?

Phantomschmerzen sind ein häufiges Phänomen bei Patienten nach Amputation. Schätzungsweise 50 bis 60 Prozent erfahren nach der Operation Schmerzen im amputierten Körperteil. Bei 85 bis 97 Prozent der Operierten treten Phantomschmerzen innerhalb des ersten Monats nach der OP auf.

Phantomschmerzen werden häufig als Schmerzattacken beschrieben, weniger als kontinuierlicher Schmerz. Die Schmerzqualität wird in der Regel als

  • stechend,
  • schneidend,
  • brennend oder
  • krampfend

bezeichnet. Wie bereits zuvor erwähnt kann es in Einzelfällen sogar zu so starken Schmerzempfindungen kommen, dass die Betroffenen Suizidversuche unternehmen.

Wie werden Phantomschmerzen diagnostiziert?

Phantomschmerzen werden zumeist aufgrund der Beschreibung der Schmerzen durch die Patienten diagnostiziert. Die Ärzte müssen jedoch krankhafte Veränderungen ausschließen, weshalb meist weitere Untersuchungen durchgeführt werden. Es gilt vor allem Entzündungen, Durchblutungsstörungen und Verhärtungen im Bereich des Amputationsstumpfes als Schmerzursachen zu entdecken. Dafür können die Mediziner ebenso bildgebende Verfahren nutzen, z. B. Röntgenaufnahmen, Angiografie oder Magnetresonanztomografie (MRT).

Sind Phantomschmerzen behandelbar?

Die Behandlung bei Phantomschmerz hängt vor allem von der Dauer und der Intensität der Schmerzen ab. Die eingesetzten Therapiemethoden unterscheiden sich dabei nicht von der allgemeinen Schmerzbehandlung im Bereich der Akutschmerzen oder des chronischen Schmerzes.

Folgende Behandlungsmethoden kommen bei Phantomschmerzen unter anderem häufiger zum Einsatz:

  • medikamentöse Schmerztherapie (beispielsweise mittels Ibuprofen, NSAR, Opiate),
  • physikalische/manuelle Therapie,
  • psychosomatische Behandlungsansätze,
  • Thalamusstimulation,
  • Spiegeltherapie,
  • Neuraltherapie sowie
  • weitere alternative Heilverfahren.

In den vergangenen Jahren hat sich auch ein weiterer vielversprechender Therapiezweig entwickelt, die sogenannte myoelektrische Prothese. Dabei werden die Nervenendigungen im Stumpfbereich wieder gereizt, sodass die Funktion des verlorenen Körperteils für das Gehirn wiederhergestellt wird. 

Welche Prognose besteht bei Phantomschmerzen?

Wie bei anderen Schmerzleiden auch, kann die Behandlung des Phantomschmerzes sehr langwierig sein. Selbst bei erfolgreicher Therapie und Schmerzfreiheit können die Phantomschmerzen zudem wiederkehren. 

Dennoch verläuft die Prognose bei Phantomschmerzen im Allgemeinen gut und es kann bei 30 bis 90 Prozent der Betroffenen eine Linderung bis hin zur Schmerzfreiheit erzielt werden.

Welcher Arzt behandelt Phantomschmerzen?

Aufgrund der sehr speziellen Art des Schmerzes sind Patienten mit Phantomschmerzen am besten in einer Schmerzambulanz oder bei einem spezialisierten Schmerzmediziner aufgehoben. Als weitere Fachdisziplin können Fachärzte für Neurologie sowie nicht-ärztliche Versorger, wie z. B. Physiotherapeuten, einbezogen werden.

Quellen

flexikon.doccheck.com/de/Phantomschmerz

schmerzgesellschaft.de/topnavi/patienteninformationen/schmerzerkrankungen/phantomschmerzen

schmerzhilfe.de/phantomschmerzen/

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