Aortenklappenstenose - Medizinische Experten

10.07.2020
Leading Medicine Guide Redaktion
Autor des Fachartikels
Leading Medicine Guide Redaktion

Die Aortenklappenstenose ist die an der häufigsten vorkommenden Form eines Herzklappenfehlers. Sie entsteht durch Entzündungen oder Verschleiß-Prozesse im Laufe des Lebens. Welche Folgen diese Erkrankung für den Patienten hat und welches die Besten Behandlungsmöglichkeiten sind, beschreiben wir hier.

Außerdem finden Sie ausgewählte Spezialisten für die Behandlung der Aortenklappenstenose.

ICD-Codes für diese Krankheit: I06.0, I35.0, Q23.0

Empfohlene Spezialisten

Kurzübersicht:

  • Was ist eine Aortenklappenstenose? Eine Verengung (Stenose) der Aortenklappe, die dazu führt, dass der Herzmuskel immer mehr Kraft aufwenden muss, um noch ausreichend Blut durch diese Verengung in den Körper zu fördern. Dies führt im fortgeschrittenen Stadium zu einer krankhaften Verdickung des Herzmuskels, zum Rückstau des Blutes in die Lunge und zum Herzversagen.
  • Ursachen: Eine erworbene Aortenklappenstenose entsteht durch eine über Jahre zunehmende Versteifung und Verkalkungen der Aortenklappen-Taschen; sie entstehen hierzulande häufiger auf dem Boden rheumatischer Entzündungen, bei Patienten mit bikuspiden Herzklappen, genetischer Veranlagung, Nierenerkrankungen, bei Rauchern, Patienten mit Bluthochdruck und Diabetes.
  • Symptome: Beschwerden treten häufig erst nach Jahren auf, wenn die noch verbliebene Öffnungsfläche die kritische Schwelle von 1 cm2 unterschreitet. Typische Symptome sind kurzeitige Bewusstlosigkeit (Synkope), Herzschmerzen (Angina pectoris) und Luftnot (Dyspnoe).
  • Diagnose: Ungewöhnliche Herzgeräusche, die durch die erhöhten Blutfluss-Geschwindigkeiten und Turbulenzen über der Stenose entstehen, können bereits bei einer Routine-Untersuchung mit dem Stethoskop wahrgenommen werden. Bei einer Ultraschalluntersuchung des Herzens kann die Schwere der Erkrankung durch die Höhe der Flussgeschwindigkeit, die verblieben Restöffnung und das Ausmaß der Veränderungen des Herzmuskels bestimmt werden.
  • Behandlung: Bei hochgradigen Stenosen (<1qm2) wird ein Herzklappenersatz empfohlen. Dies kann chirurgisch-operativ, oder im Herzkatheter erfolgen.
  • Prognose: Wird die Erkrankung rechtzeitig erkannt, ist die Prognose sehr gut.

Artikelübersicht

Was ist eine Aortenstenose?

Die Aortenklappe bildet den Übergang von der linken Herzkammer zur Hauptschlagader (Abb.1). Das in der Lunge mit Sauerstoff angereicherte Blut wird durch Kontraktion der linken Herzkammer mit hohem Druck in den Körper gepumpt und strömt – bei einer gesunden Aortenklappe- gleichmäßig durch diese. Nach jedem Auswurf (Systole) -der als Pulswelle zu tasten ist - schließt sich die Aortenklappe wieder (Diastole). Die Aortenklappe besteht aus drei zarten segelförmigen Taschen (Abb. 2). Die Öffnungsfläche einer gesunden Aortenklappe beträgt 3–4 cm². Bei einem erwachsenen fließen in Ruhe, je nach Körpergröße und Gewicht ca. 4-5 L/Minute durch die Aortenklappe.

Anatomie HerzAbb. 1: Schema des menschlichen Herzens

Wenn sich Taschen der Aortenklappen nicht mehr vollständig öffnen, spricht man von einer Aortenklappenstenose. Sie ist eine Folge von Versteifungen und Verkalkungen der Taschen (Abb 3). Die linke Herzkammer muss zunehmend höheren Druck erzeugen, um die gleiche Menge an Blut - mit höherer Geschwindigkeit - durch die Verengung zu pumpen. Eine Aortenklappenstenose gilt als schwer, wenn die verbliebe Öffnungsfläche weniger als 1 cm² beträgt. Je geringer die verblieben Öffnungsfläche, desto höher die Blutfluss-Geschwindigkeit und der Druckunterschied vor und nach der Aortenklappe (mittlerer Druckgradient). Das Herz reagiert auf die Druckbelastung zunächst mit einer Verstärkung des Herzmuskels (Hypertrophie). Wenn die Aortenklappenstenose lange besteht, kann neben der Hypertrophie auch eine Vergrößerung des linken Ventrikels (Dilatation) entstehen.

AortenklappeAbb. 2: Aortenklappe mit den 3 zarten Taschen, in geöffnetem Zustand (Aufnahme von Prof. Dr. med. Alexander Albert während einer Aortenklappenrekonstruktion nach DAVID)

Stenostische AortenklappeAbb. 3: Stenostische Aortenklappe mit 3 Taschen, die durch Kalkeinlagerungen und Verdickung steif geworden sind und sich nicht mehr richtig öffnen.

Welche Ursachen hat eine Aortenstenose?

Für eine Aortenstenose können verschiedene Ursachen verantwortlich sein – je nachdem, ob sie angeboren oder erworben ist. Nur zehn Prozent aller Aortenstenosen bestehen bereits bei der Geburt. In den meisten Fällen entwickelt sich die Herzerkrankung erst im Laufe des Lebens. Aortenklappenstenosen treten am häufigsten bei älteren Menschen nach dem 60. Lebensjahr auf. Verschiedene Faktoren begünstigen altersbedingte Verschleißprozesse, die zu bindegewebigem Umbau und Verkalkung der Klappentaschen führen. Begünstigend für ein schnelleres Fortschreiten dieses nicht gänzlich geklärten Prozesses sind

  • Bluthochdruck,
  • Diabetes,
  • Rauchen,
  • Niereninsuffizienz,
  • zu hohe Kalziumkonzentrationen im Blut, aber auch
  • genetische Faktoren.

Welche Symptome treten bei einer Aortenstenose auf?

Eine Aortenklappenstenose entwickelt sich schleichend und bleibt in der ersten Phase meist symptomfrei. Deshalb ist es nicht ungewöhnlich, dass Aortenstenosen über Jahre hinweg unbemerkt bleiben und erst im Rahmen von Routineuntersuchungen auffallen.

Im frühen Stadium treten Beschwerden nur bei körperlicher Belastung auf. Das Herz ist bei stärkerer Anstrengung wie z.B. beim Treppensteigen oder beim Sport nicht mehr in der Lage, auseichend Blut durch die Stenose zu pumpen. Wenn im Gehirn zu wenig Blut ankommt, kommt es zu Schwindel und Benommenheit – dies kann sogar zu einem kurzzeitigen Bewusstseinsverlust (Synkope) führen.

Die zunehmende Verdickung des Herzmuskels führt zu einem muskulären und bindegewebigen Umbau des Herzens (negatives Remodeling). Ab einer gewissen Dicke des Muskels kann dieser nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff versorgt werden. Dies führt ähnlich wie bei der koronaren Herzerkrankung zu Druckgefühlen in der Brust, Beklemmung oder starken Schmerzen (Angina pectoris). Zudem wird das Herz steifer und weniger dehnbar (verminderte Compliance). Daher muss der Vorhof einen immer höheren Druck aufbringen, um die linke Herzkammer zu dehnen und zu füllen. Dies führt zu einer krankhaften Vergrößerung (Dilatation) sowie zu muskulären und bindegewebigem Umbau des Vorhofs. Das ruft Herzrhythmusstörungen - insbesondere das Vorhofflimmern - hervor. Neben den Rythmusstörungen aus dem Vorhof erhöht sich durch den Umbau des gesamten Herzens auch das Risiko ventrikulärer (maligner) Rythmusstörungen. Diese wiederum können Synkopen bedingen.

Im späteren Stadium vergrößert sich das gesamte Herz und die Herzleistung nimmt ab; dann staut sich das Blut auch in die Lunge zurück, was zu Luftnot führt, bis hin zum Lungenödem. Die Dyspnoe als Symptom einer Herzinsuffizienz geht unbehandelt mit einer sehr schlechten Prognose einher.

Wie wird eine Aortenstenose diagnostiziert?

Aortenstenosen erzeugen ein charakteristisches Herzgeräusch, welches bereits bei einer Routine-Untersuchung beim Hausarzt oder Kardiologen mit dem Stethoskop gehört werden kann. Die Diagnose wird durch eine Ultraschalluntersuchung des Herzens (Echokardiographie) gestellt.
Die Schwere der Aortenklappenstenose wird folgendermaßen eingeteilt:


Aortenklappen-stenose Leichte Stenose Mittlere Stenose Hochgradige Stenose
Max. Fluss-geschwindigkeit, m/sec <2,5 2,5-3 3-4 >4
Mittlerer Druckgradient, mmHG Kein Gradient <20 20-40 >40
Öffnungsfläche der Aortenklappe 3-4 cm² >1,5 1-1,5 <1

Für die Prognose ist auch die Herzfunktion von Bedeutung (Auswurffraktion des linken Herzens Ejektionsfraktion (EF)

  • Normal ≥ 55%
  • Mittelgradig eingeschränkt 30-55%,
  • Hochgradig eingeschränkt < 30%

Operationen bei Aortenklappenstenose

Herzklappenersatz: der Standard bei Herzklappen-Stenosen

Eine Faustregel für die Operationen an der Aorten- Mitral- oder Trikuspidalklappe lautet: Undichtigkeiten (Insuffizienzen) können repariert (rekonstruiert) werden, während bei Verengungen (Stenosen) ein Herzklappenersatz erfolgt. Das liegt daran, das bei den Insuffizienzen der Aortenklappe die Beschaffenheit der Taschen meist intakt ist. So beruhen beispielsweise Insuffizienzen der Mitralklappe auf einer mangelnden Koadaption der Segel bedingt durch Pathologien des Mitralklappen-Ringes und des Aufhänge-Apparates, und die Insuffizienzen der Aortenklappe auf einer Aufweitung des Aortenklappenringes. In beiden Fällen zielt die Rekonstruktion darauf ab, die Koadaption der Segel bzw. der Taschen wiederherzustellen.
Bei den Stenosen allerdings sind typischerweise die Segel bzw. Taschen selbst durch Entzündung und Degeneration zerstört und öffnen sich nicht mehr adäquat. Demnach ist bei einer (erworbenen) Aortenstenose immer ein Ersatz der Herzklappe notwendig.

Zu welchem Zeitpunkt sollte der Herzklappenersatz erfolgen

Grundsätzlich wird empfohlen, einen Herzklappenersatz bei einer schweren Aortenklappenstenose durchzuführen, wenn der Patient zusätzlich typische Symptome hat, die eindeutig auf eine Aortenklappenstenose zurückzuführen sind. Dies können auch Symptome sein, die erst bei Belastung auftreten.
Manchmal hat der Patient wenige oder keine Symptome, aber das Herz zeigt bereits deutliche Schäden, als Folge der Aortenklappenstenose (EF<50%). Dann sollte man ebenfalls operieren.
Manchmal ist es nicht einfach festzustellen, ob die Aortenklappenstenose wirklich schwer ist, z. B. wenn die Herzfunktion deutlich eigeschränkt ist; dann sind Spezialuntersuchungen beim Kardiologen notwendig, um die schwere der Aortenklappenstenose zu bestimmen.

Welche Verfahren gibt es: Chirurgisch-offen, Chirurgisch- Minimal-invasiv oder TAVI?

Klassischerweise erfolgt der Aortenklappenersatz durch eine Operation am offenen Herzen.
1.a. Der Zugang zum Herzen erfolgt dabei über eine Längst-Öffnung des Brustbeins [Abb. 6 Sternotomie]. Mit Hilfe der Herz-Lungen-Maschine operiert der Chirurg am still-stehenden Herz; der Vorteil ist, dass der Operateur eine direkte und klare Sicht auf die Aortenklappe hat. Erst wenn alle alten erkrankten Bestandteile der Aortenklappe säuberlich entfernt wurden, wird dort eine neue Prothese händisch eingenäht.

1.b. Dieselbe Operation - unter direkter Sicht des Operateurs und Entfernung der alten Aortenklappe- kann in spezialisierten Zentren auch minimal-invasiv erfolgen. Hiermit ist entweder nur die Teildurchtrennung des Brustbeins gemeint [Abb 7 partielle Sternotomie], oder – von uns klar bevorzugt- ein setlicher Zugang durch Spreizung der Rippen, d.h. , ohne Sternotomie [Abb 8 antero-laterale Mini-Thorakotomie].

2. Heutzutage erfolgt der Ersatz der Aortenklappe zunehmend minimal-invasiv, ohne Herz-Lungen-Maschine, durch nicht-chirurgische, sogenannte Katheter-basierte Verfahren [TAVI). Hierbei wird die neue Herzklappen-Prothese über die Leiste [Abb 9 transfemorale TAVI] oder zwischen den Rippen durch die Herzspitze [Abb 10 transapikale TAVI] implantiert. Der Aortenklappenersatz mittels transfemoraler TAVI kann am wachen Patienten durchgeführt werden.

Wann TAVI, wann nicht?

TAVI werden derzeit für ältere Patienten (>75 Jahre) und/oder solche mit mehreren Begleiterkankungen und/oder erhöhtem OP-Risiko empfohlen. Für jüngere Patienten liegen noch zu wenige Erfahrungen vor. Darüber hinaus wird das Heart Team noch verschiedene technische Aspekte berücksichtigen, die für (Voroperationen am Herzen, verkalkte Gefäße, etc.) oder gegen TAVI sprechen (Anatomie der Aortenklappe, der Aortenwurzel und der Herzkranzgefäße). Da die TAVI -Prothesen immer biologische Prothesen sind, wird man bei Patienten unter 50 bis 60 Jahre sowieso eine mechanische Prothese oder die Ross-Operation chirurgisch durchführen.

Biologische oder Mechanische Prothesen?

Der Patient kann zwischen biologischen und mechanischen Prothesen entscheiden (s. Abb. 4 und 5). Diese TAVI-Prothesen sind immer biologische Prothesen. Biologische Prothesen werden aus den Herzklappen oder Herzbeuteln vom Schwein oder Rind hergestellt. Das Material wird im Rahmen des Herstellungsprozesses durch diverse Verfahren so verändert, dass es vom Immunsystems des Körpers akzeptiert und sehr gut angenommen wird.

Der Nachteil dieser Prothesen ist, es, dass sie insbesondere bei jüngeren Patienten wieder sehr schnell verschleißen. Sie sind ideal für Patienten über 70 Jahre, wo sie voraussichtlich über 20 Jahre halten werden. Allerdings hat man heutzutage die Möglichkeit, bei einem Verschleiß und Auftreten einer neuen Aortenklappenstenose, diese -ohne erneute Operation - als TAVI zu behandeln, mit dem sog. Valve-in-Valve Verfahren.

Mit der Perspektive, eine erneute Operation zu vermeiden, werden heutzutage biologische Prothesen sogar bei Patienten zwischen 50 und 60 Jahren empfohlen, obwohl sie hier möglicherweise nur 10 Jahre halten. Mit jeder neuen TAVI wird die Öffnungsfläche allerdings immer kleiner, so dass man diese Valve-in-Valve Prozedur in der Regel nur einmal durchführen kann.

Biologische Herzklappe

Abb. 4: Biologische Herzklappe aus Material vom Rind (mit freundlicher Überlassung der Fa. Edwards)

Mechanische HerzklappeAbb. 5: Mechanische Herzklappe (mit freundlicher Überlassung der Fa. Medtronic)

 

Für Patienten < 50 bis 65 Jahre werden mechanische Prothesen empfohlen. Diese sind auf robusten Carbon-haltigem Material und halten theoretisch ewig. Auf dieser künstlichen Oberfläche bilden sich aber leicht Blutgerinnsel, die zu Verstopfungen der Prothese und Schlaganfällen führen können.

Daher müssen die Patienten lebenslang eine Blutverdünnung - in der Regel Marcumar bzw. Warfarin – einnehmen. Das Problem der Marcumar-Therapie ist, dass es bereits bei leichten Verletzungen zu schweren Blutungen kommen kann. Gefürchtet sind hier vor Allem Hirnblutungen.

Das Risiko schwerer Blutungen ist zwar mit 1-2 % pro Jahr nicht so hoch, aber insbesondere bei jüngeren Patienten kumuliert das Risiko über die Jahrzehnte. Insbesondere für sportliche Patienten oder solche mit körperlich anspruchsvollen oder riskanten Berufen kann diese Marcumar-Therapie zu deutlichen Einschränkungen der Lebensqualität führen.

Mechanische Prothesen können bei entsprechender Erfahrung auch minimal-invasiv über die Rippen (antero-laterale Minithorakotomie) eingesetzt werden. Verständlicherweise geschieht das nie als TAVI, weil sie nicht gefaltet werden können.

Eine (wirklich) biologische Lösung für junge Leute: die Ross-Operation?

Dies bedeutet für jüngere Patienten, dass weder die biologische noch die mechanische Prothese eine wirklich gute Lösung darstellt. Als Alternative bietet sich die Ross-Operation an [Abb11 Ross-Operation]. Bei dieser wird die Aortenklappe durch einen Körpereigene Herzklappe, die Pulmonal Klappe ersetzt. Diese liegt zwischen dem rechten Herz und den Lungenkreislauf und ist in diesem Niederdruckkreislauf deutlich weniger Blutdruck und Belastungen ausgesetzt als die Aortenklappe und daher etwas zarter.

Ansonsten ist sie anatomisch wie die Aortenklappe aufgebaut. Sie wird während der Operation herauspräpariert und da eingenäht, wo zuvor die erkrankte Aortenklappe entfernt wurde.

Die Pulmonal-Klappe (pulmonaler Autograft) besitz alle Eigenschaften einer natürlichen Herzklappe. Sie braucht daher keine Blutverdünnung und unterliegt keinem Verschleiß. Sie ist somit eine wirkliche biologische Prothese.

Die Operation wird auch bei Kindern mit Aortenstenose durchgeführt, wo sie dann sogar mitwächst. Dort, wo die Pulmonalklappe entnommen wurde, wird ein sog. Homograft eingesetzt. Dieser stammt von einem verstorbenen Menschen und wird vor der Operation von spezialisierten Homograft-Banken zur Verfügung gestellt.

Dadurch, dass dieser Homograft im Pulmonalis-Stromgebiet weniger Belastung ausgesetzt ist, halten sie dort wesentlich länger, als wenn man sie direkt in die Position der Aortenklappe einsetzten würde. Die Operation ist recht kompliziert und wird nur von wenigen Operateuren mit jahrelanger Erfahrung darin angeboten.

Operationsverfahren im Einzelnen

1. Die klassische (komplette) Sternotomie

Für welche Patienten?
Die komplette Sternotomie ist das Standardverfahren für die Fälle, die für eine TAVI nicht in Frage kommen, also jüngere Patienten ohne wesentlich erhöhtes Operationsrisiko. In den meisten Fällen käme bei diesen Patienten alternativ auch eine minimal-invasive Operation als anterolaterale Mini-Thorakotomie in Frage (s.u.).

Klassische Sternotomie

Abb. 6: Klassische Sternotomie, Bildquelle [https://adultct.surgery.ucsf.edu/conditions--procedures/minimally-invasive-aortic-valve-surgery.aspx]: “Minimally-invasive Cardiac Surgery” von Tobias Deuse, M.D.

2. Chirurgische minimal-invasive Operation

1. Die partielle Sternotomie

Für welche Patienten?
Viele Chirurgen führen dieses Verfahren nicht mehr durch. Dadurch, dass das Sternum zwar nur teilweise aber dennoch eröffnet wird, besteht auch hier das Risiko von Instabilitäten und Problemen in diesem Bereich. Als wirklich minimal-invasive Alternative zur Operation über eine Sternotomie bevorzugen Chirurgen die antero-laterale Mini-Thorakotomie ganz ohne Öffnung des Brustbeins (s.u.).

 

partielle StenotomieAbb. 7: Die partielle Stenotomie, Bildquelle [https://adultct.surgery.ucsf.edu/conditions--procedures/minimally-invasive-aortic-valve-surgery.aspx]: “Minimally-invasive Cardiac Surgery” von Tobias Deuse, M.D.

2. Die anterolaterale Mini-Thorakotomie

Die anterolaterale Mini-Thorakotomie bedeutet die Öffnung des Brustkorbs Nahe des Brustbeins zwischen der zweiten und dritten Rippe. Im Gegensatz zur konventionellen Methode gelangt der Operateur bei der MIC-Operation über einen kleinen seitlichen Schnitt von wenigen Zentimetern zwischen den Rippen (anterolaterale Minithorakotomie) zum Herzen, ohne das Brustbein zu eröffnen. Die Herz-Lungen-Maschine wird über die Femoralgefäße (Beinarterien und -venen) durch eine Punktion (ohne Schnitt) angeschlossen.

Für welche Patienten?
In der Hand des Erfahrenen können nahezu alle Aortenklappenoperationen über diesen Zugang durchgeführt werden – d.h. dann, wenn einen TAVI Prozedur nicht in Frage kommt (s.u.).

anterolaterale Mini-ThorakotomieAbb. 8: Die anterolaterale Mini-Thorakotomie, Bildquelle [https://adultct.surgery.ucsf.edu/conditions--procedures/minimally-invasive-aortic-valve-surgery.aspx]: “Minimally-invasive Cardiac Surgery” von Tobias Deuse, M.D.

 

3. Die Transkatheter-Klappenimplantation (TAVI)

3.1. Transfemorale TAVI

Bei der TAVI-Operation wird eine biologische Aortenklappe auf auf einer Katheterspitze befestigt. So schiebt der Operateur sie bis zum Herzen vor und befestigt sie mittels Dehnung in der Aortenklappenposition. Das TAVI-Verfahren wurde für Patienten mit einer hochgradigen Aortenklappenstenose entwickelt, die einen Herzklappenersatz benötigen, bei denen jedoch das Risiko eines klassischen Aortenklappenersatzes zu hoch ist. Der Eingriff erfolgt in einem sogenannten Hybrid-Operationssaal, welcher die Möglichkeiten eines Herzkatheterlabors (bewegliche Röntgenanlage) und die Ausstattung eines Operationssaals vereint.
Bei einem TAVI-Verfahren wird auf das Durchtrennen des Brustbeines und die Herz-Lungen-Maschine verzichtet. Der Katheter wird meist über die Leistenarterie bis ins Herz vorgeschoben (transfemoral).

Für welche Patienten?
Die transfemorale TAVI ist mittlerweile der Gold-Standard der Behandlung der Aortenklappenstenose bei älteren Patienten oder solchen mit erhöhtem Operationsrisiko. Der Eingriff kann unter Narkose oder am wachen Patienten durchgeführt werden.

3.2. Transapikale TAVI
Transkapital bedeutet, dass die Klappe über die Herzspitze eingeführt wird. Diese Methode ist eine Option, wenn Leistenarterien zu klein oder die Hauptschlagadern schwer verkalkt sind. Dabei wird an der linken Brustwandhälfte unterhalb der Brustwarze ein wenige Zentimeter langer Hautschnitt vorgenommen. Der Katheter wird dann direkt über die Herzspitze eingeführt.

Über den Katheter wird eine zusammengefaltete biologische Herzklappenprothese an die Stelle der kranken Aortenklappe vorgeschoben und aufgedehnt. Die kranke Herzklappe wird dadurch in die Wand der Aorta gedrückt und ersetzt. Dieses Verfahren ist mittlerweile beim Ersatz der Aortenklappe Standard, während es in bestimmten Fällen auch möglich ist, die Mitralklappe so zu ersetzten (TMVI).

Für welche Patienten?
Wie die transfemorale TAVI ist der transapikale Aortenklappenersatz für alle Patienten, die älter sind oder ein erhöhtes OP Risiko haben, möglich. Da die transfemorale TAVI noch weniger invasiv ist und auch am wachen Patienten erfolgen kann, wird diese heutzutage der transapikalen TAVI vorgezogen. Ausnahmen bilden Patienten mit schweren atherosklerostischen Veränderungen der Beingefäße oder sehr keinem Gefäßdurchmessern, wo man die TAVI-Prothesen nicht durchschieben kann.

Bei Vorliegen einer koronaren Herzerkrankung wird auch die Kombination aus TAVI und 1-fach koronarem Bypass auf die Vorderwand des Herzens durchgeführt (TAVI & MIDCAB), auch als Hybrid-Verfahren mit anschließendem PCI (Stent-Versorgung) der Seiten und/oder Hinterwand des Herzens.

4. Ross-Operation

Für welche Patienten?
Geeignet ist die Ross-Operation bei jüngeren und aktiven Patienten zwischen 11 und 55 Jahren, und solchen, die Berufe mit hohem Verletzungs-Risiko haben und kein Marcumar einnehmen möchten. Ebenso ist sie für Frauen mit Kinderwunsch geeignet. Es müssen gewisse anatomische Kriterien erfüllt sein, die zumeist präoperativ durch entsprechende Untersuchung wie CT oder MRT geklärt werden können. So sollten besonders die Größen der Pulmonal- und der Aortenklappe nicht zu sehr voneinander abweichen.

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