Handpilz (Tinea manum) - Ursachen, Symptome, Behandlung

17.05.2018
Leading Medicine Guide Redaktion
Autor des Fachartikels
Leading Medicine Guide Redaktion

Eine Pilzerkrankung der Hand, medizinisch Tinea manuum oder Tinea manus genannt, ist ein kosmetisches Problem und kann auch zu ernsthaften Funktionseinschränkungen der Hand führen. Symptome bei einem Handpilz können Rötungen, Juckreiz, Schuppung und Bläschen auf der Hand sein. Ein Handpilz tritt insgesamt zum Glück recht selten auf. Dennoch sollte man Tinea manuum als Differentialdiagnose immer auf dem Schirm haben und gegebenenfalls entschlossen behandeln.

ICD-Codes für diese Krankheit: B35.2

Artikelübersicht

Definition: Was ist Tinea manuum?

Tinea manuum (auch Tinea manus) bezeichnet eine Pilzerkrankung der Hand. Um sich den Begriff besser geläufig zu machen, kann es hilfreich sein, die Einzelbedeutung der Wörter und Silben aufzuschlüsseln: „Tinea“ ist dabei der Begriff, der immer dann herhalten muss, wenn es um eine Infektionen durch Dermatophyten, also Hautpilzerreger, geht. Neben der Tinea manuum gibt es genauso auch die Tinea pedis, den klassischen Fußpilz, oder die Tinea capitis, wenn der Hautpilz die behaarte Kopfhaut betrifft. „Manus“ ist der lateinische Begriff für die Hand und kommt auch in allgemeinsprachlichen Worten wie „manuell“ zur Anwendung.

Die Tinea manus wird also durch Dermatophyten ausgelöst. Zwei Arten dieser Fadenpilze machen den absoluten Großteil der Infektionen unter sich aus: Vor allem ist dies Trichophyton rubrum, des Weiteren Trichophyton mentagrophytes. Etwas seltener ist die Infektion ausgelöst durch den Pilz Epidermophyton floccosum.

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Häufigkeit von Tinea manus

Hautpilz insgesamt ist eine sehr häufige Problematik; je nach Quelle sind bis zu 75 Prozent aller Menschen zeitweise betroffen. Vor allem der Fußpilz und der Nagelpilz machen einen Großteil dieser gewaltigen Prävalenz aus, die Tinea manuum ist deutlich seltener. Genaue Zahlen gibt es daher nicht.

Ursachen eines Handpilz

Eine klare Pathogenese der Tinea manuum gibt es eigentlich nicht. Klar ist nur, dass Dermatophyten überall in der Umwelt und Zivilisation vorkommen. Sie können von Mensch zu Mensch, von Tier zu Mensch, durch den Kontakt mit Erdböden, oder auch durch die Weitergabe in sanitären Einrichtungen wie öffentlichen Duschen, Schwimmbädern, Turnhallen, Sportmatten, Fitnessstudios und so weiter übertragen werden.

Auf gesunder Haut kommt es derweil normalerweise trotz Erregerkontaktes nicht zur Infektion; weitere prädestinierende Faktoren sind nötig. Dies kann im Falle des „Athletenfußes“ das feuchte, warme Milieu eines Sportschuhes sein, bei Kindern ein nicht ausgereiftes Immunsystem und bei älteren Menschen chronische Erkrankungen oder eine periphere arterielle Verschlusskrankheit mit Durchblutungsstörungen.

An dieser Stelle kommt der Handpilz ins Spiel: Diabetes und pAVK können ebenso die Abwehrlage an der Hand schädigen und Pilzinfektionen der Hand begünstigen. Des Weiteren ist auffallend oft die Arbeitshand bzw. bei Sportlern die Sporthand von Tinea manuum betroffen, da sie einerseits den größten „Feindkontakt“ mit Pilzen in der Umwelt hat und andererseits durch mechanische Einflüsse am meisten geschädigt wird. Eintrittspforten können auch Schädigungen der Hautbarriere sein.

Sehr oft ist eine Tinea manus auch mit einem Fußpilz oder einem Nagelpilz vergesellschaftet: Der Fuß, deutlich häufiger betroffen, ist dann meist das zuerst betroffene Körperteil, die Ausbreitung zur Hand geschieht durch direkten Hautkontakt.

Symptome bei einem Handpilz

Tinea manuum tritt meist einseitig auf. Grundsätzliche Zeichen einer Hautentzündung sind immer Rötung, Ausschlag, Juckreiz, manchmal Schuppung. Speziell unterscheidet man eine dyshidrosiforme Tinea manus mit unangenehm juckenden Pusteln und Bläschen an den Handtellern und Fingerkuppen von einer hyperkeratotisch rhagadiformen Verlaufsvariante mit rötlicher Schuppung und Rhagaden der Handflächen und Fingerkuppen. Rhagaden sind Einrisse der Haut, welche äußerst unangenehm sein und Eintrittspforte für Superinfektionen durch Bakterien darstellen können.

Ist der Handrücken von Tinea manus betroffen, so bilden sich meist rötliche Herde mit Randbetonung, wie dies bei der Tinea superficialis (dem allgemeinen Hautpilz) üblich ist. Wenn bei länger dauerndem Verlauf irgendwann die gesamte Handfläche von dichten Schuppen bedeckt ist und diese von Rhagaden unterbrochen werden, so ist zudem die Funktion der Hand (insbesondere das Greifen von Gegenständen) stark beeinträchtigt. Zudem ist jede Berührung eines anderen Menschen oder die Weitergabe eines Gegenstandes eine mögliche Kontamination (wenngleich die meisten Menschen bei normaler Abwehrlage gegen eine Infektion gefeit sein müssten). Eine Vorstellung beim Hausarzt oder Hautarzt ist in jedem Fall zu empfehlen.

Wie wird ein Handpilz diagnostiziert?

Neben der Inspektion der Tinea manuum, also dem Äußerlichen betrachten, kann ein Hautarzt auch einen Abstrich nehmen und die Pilzinfektion auf diese Art unter dem Mikroskop nachweisen. Dies wird nicht immer nötig sein, da ein Handpilz unter Umständen bei passender Vorgeschichte und zum Beispiel gleichzeitigem Vorliegen eines schweren Fußpilzes auch eine Blickdiagnose ist.

Die Erhebung der Vorgeschichte ist bei einem Hautpilz aber dennoch wichtig, da erstens prädestinierende Vorerkrankungen wie pAVK oder Diabetes mellitus erkannt und berücksichtigt (und bei Neudiagnose auch behandelt) werden müssen, und zweitens auch eine Reihe von Differentialdiagnosen für die Rötung der Hand und den Juckreiz in Frage kommen. Dazu gehören in jedem Fall das atopische Ekzem (Neurodermitis) mit allgemeiner Neigung zu Hauteffloreszenzen, die Psoriasis der Hände (Schuppenflechte) und das allergische Kontaktekzem, bei dem die Identifizierung eines Auslösers der allergischen Hautreaktion bestenfalls rasch gelingen sollte (um ihn danach meiden zu können). Des Weiteren gibt es seltene Hauterkrankungen wie die Dishydrose oder erbliche Palmoplantarkeratosen, die nur von einem Facharzt für Hautkrankheiten (Dermatologen) umfassend erkannt und behandelt werden können.

Ist die Diagnose unklar oder scheitert ein erster Therapieversuch, so kann übrigens umfassend weiteruntersucht werden: Neben Mikroskopie steht auch die Erregerkultur zur Verfügung, bei der die Pilze in einem Labor dabei herangezüchtet werden. Nur auf diese Art kann der genaue Stamm, also die Pilzart näher klassifiziert werden. Eine Kultur kann jedoch drei bis sechs Wochen Zeit in Anspruch nehmen. Ein weiterer Vorteil der Anzucht ist jedoch, dass in einem weiteren Arbeitsschritt die Sensibilität des Stammes auf verschiedene Pilzmedikamente (Antimykotika) unter Laborbedingungen getestet werden kann und eventuelle Resistenzen erkannt und im Einsatz auf der Haut dann vermieden werden können.

Der Hautarzt hat weitere Utensilien wie beispielsweise das Wood-Licht zur Verfügung, welches ein UV-Licht erzeugt, unter dem man bestimmte Pilzbesiedelungen der Haut sichtbar machen kann.

Die Behandlung der Tinea manuum

Eine Pilzinfektion der Haut wird allgemein mit Antimykotika behandelt. Dies sind Medikamente analog der Antibiotika, die sich gegen Pilze richten und diese an ihrer Vermehrung hindern oder, je nach Wirkstoff, auch abtöten können. Die besondere Schwierigkeit in der Therapie von Hautpilzen ist, dass die Haut von Natur aus eine schwer zu durchdringende Barriere ist, in deren Innerem sich Pilze gut als umweltresistente Sporen verstecken können, weshalb sie dann relativ schwer abzutöten sind. Beim Nagelpilz ist diese Situation noch prekärer.

Eine länger dauernde kontinuierliche und konsequente Therapie ist daher meist nötig, um einen Handpilz sicher behandeln zu können. Erst nach drei bis vier Wochen haben sich die obersten Hautschichten einmal komplett abgestoßen und erneuert. Wird über diesen Zeitraum die Pilzvermehrung und das Pilzwachstum mit lokaler Applikation eines Antikmykotikums verhindert, so ist man die Tinea manuum danach los.

In den meisten Fällen ist eine solche lokale Darreichung, medizinisch auch als „topische Therapie“ (also „am Ort“) bezeichnet, völlig ausreichend. Sie kann mit verschiedenen Mitteln wie den Azolderivaten (z. B. Bifonazol, Clotrimazol, Econazol, Sertaconazol, Tioconazol), Hydroxypyridonen (Ciclopirox), Allylaminen (z. B. Naftifin, Terbinafin) oder Morpholinen (Amorolfin) durchgeführt werden, es handelt sich jeweils um Lösungen oder Cremes, die teilweise mehrmals täglich aufgetragen werden müssen.

Nicht täuschen lassen sollte man sich von einer schnellen Linderung der Beschwerden einer Tinea manuum: Diese ist zwar bereits ein Erfolg und zeigt das Anschlagen des Medikamentes - da aber immer noch Pilzsporen in den unteren Hautschichten übrig sein können, muss die Anwendung unbedingt über den gesamten Zeitraum konsequent durchgeführt werden. Nur dann ist eine dauerhafte Heilung der Tinea manus möglich.

Schlägt die lokale Therapie nicht an, so muss zu „härteren Mitteln“ gegriffen werden. Dies ist besonders häufig bei Infektionen tieferer Hautschichten und bei der hyperkeratotischen Form der Tinea manus der Fall. Als systemische Therapie mit Tabletten empfehlen sich unter anderem wieder die Azole, das Terbinafin oder das Griseofulvin. Letzteres wird eigentlich kaum noch verwendet, ist aber gleichzeitig das einzige pilztötende Medikament seiner Art, welches für die Therapie von Kindern zugelassen ist. Nur wenn es keine Alternative gibt, kann auch Fluconazol bei Kindern (älter als ein Jahr) eingesetzt werden.

Die systemische Gabe der meisten Antimykotika hat den Nachteil, dass die Mittel relativ leberschädigend sind. Neben einer gesunden Leber als Grundvoraussetzung sollte daher auch wenigstens einmal im Laufe der Therapie eine Blutentnahme erfolgen.

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Vorbeugung: Wie lässt sich ein Handpilz verhindern?

Da Dermatophyten ubiquitär, also überall, in der Umwelt vorkommen und häufig von Tier zu Mensch oder Mensch zu Mensch weitergegeben werden, ist eine vollständige Vermeidung der Kontamination mit Pilzen eigentlich nicht möglich. Gewisse hygienische Maßnahmen können aber, regelmäßig konsequent durchgeführt, das Risiko einer Infektion stark senken. So sind zum Beispiel fast alle Dermatophyten mit herkömmlichen Desinfektionsmitteln gut zu erreichen, sprich abzutöten. Die Verwendung in der Badeanstalt oder nach dem Duschen in öffentlichen Fitnesstudios lohnt sich also allemal.

Des Weiteren sollte natürlich eine regelmäßige Reinigung des gesamten Körpers erfolgen, feuchte, warme Milieus insbesondere in Sportschuhen über längere Zeit sollten vermieden werden. Da dies nicht einfach ist, kommt es dennoch immer wieder zu Fußpilzinfektionen, über welche sich dann auch ein Handpilz entwickeln kann. Um dies zu verhindern, ist es sinnvoll, jeden Fußpilz mit lokalen Maßnahmen seitens des Hautarztes oder gegebenenfalls auch mit Tabletten zu behandeln.

Auf Hygiene ist insbesondere auch bei Kindern zu achten, die manchmal noch anfälliger für Hautpilzerkrankungen sind. Auch der enge Hautkontakt mit anderen Tinea manus-Patienten sollte dann vermieden werden. Dasselbe gilt für Personen mit Immundefekten oder den eingangs erwähnten Erkrankungen Diabetes mellitus und der peripher arteriellen Verschlusskrankheit (pAVK). Der optimale Fall einer gelungenen, umfassenden Prophylaxe vor Tinea manuum wäre es natürlich, diesen Erkrankungen ihrerseits von vornherein vorzubeugen und sie gar nicht erst zu bekommen.

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