Penisverkrümmung - Informationen & Spezialisten

22.11.2021
Dr. med. univ. Franklin Kuehhas
Medizinischer Fachautor

Bei den meisten Männern ist der erigierte Penis nicht komplett gerade, sondern zeigt eine leichte Krümmung nach oben, unten oder zur Seite. Ein gebogener oder krummer Penis ist daher an sich nichts Ungewöhnliches.

Bei einer Penisverkrümmung kommt es aber zu Verkrümmungen und Deformationen, die zu Schmerzen, Problemen beim Geschlechtsverkehr, und in Folge oft auch zu psychosexuellen Belastungen führen kann. Im schlimmen Fällen kann eine Penisverkrümmung schließlich auch einer erektilen Dysfunktion mit sich bringen.

Eine solche Penisdeviation kann entweder von Geburt an bestehen oder sich erst später ausbilden. Je nach dem spricht man von der „angeborenen Penisverkrümmung“ oder der „erworbenen Penisverkrümmung“.

Weitere Informationen zur Penisverkrümmung finden Sie weiter unten.

ICD-Codes für diese Krankheit: Q55.6

Empfohlene Spezialisten für Penisverkrümmung

Artikelübersicht

Die angeborene Penisverkrümmung

Die angeborene Penisverkrümmung besteht, wie der Name bereits sagt, schon von Geburt an. Probleme zeigen sich dann aber meist erst in der Pubertät, wenn betroffene Männer sexuell aktiv werden und merken, dass mit ihrem Glied etwas nicht stimmt. Eine angeborene Penisverkrümmung betrifft Schätzungen zufolge etwa 1 bis 4 Prozent aller Männer.

Die Ursache einer kongenitalen Penisverkrümmung ist in einem Defekt während der embryonalen Entwicklung zu finden: Wird die Länge der Harnröhre (Urethra) nur unzureichend ausgebildet oder kommt es zu Vernarbung in den Bindegewebsschichten des Penis, kann sich dieser nicht regulär entwickeln, was zu einer Asymmetrie der Penisschwellkörper führt.

Die erworbene Penisverkrümmung: Induratio penis plastica

Die erworbene Penisverkrümmung, medizinisch Induratio Penis Plastica, kurz IPP, ist dagegen deutlich häufiger: Bis zu 10 Prozent aller Männer sind im Laufe des Lebens von einer solchen erworbenen Penisverkrümmung betroffen.

Die genaue Ursache für die Ausbildung einer IPP ist nicht endgültig geklärt. Man geht aber davon aus, dass bei genetisch vorbelasteten Personen eine immer wiederkehrende Belastung am Penisschaft mit entsprechenden kleinen Mikroverletzungen zu der Bildung von Narbengewebe, der sogenannten „Plaque“ am Penisschaft, das mit dem Fortschreiten der Erkrankung zunehmend verkalkt.

Von Patienten wird Plaque oft in Form kleiner Knötchen wahrgenommen, die sich im schlaffen Zustand auch ertasten lassen. Die Plaque-Ablagerungen verändern die Elastizität der Schwellkörper und führen so zu den klassischen Symptomen: Es kommt zu

  • Verkrümmungen der Penisachse,
  • Einkerbungen am Penisschaft,
  • einem Verlust an Penislänge und
  • im fortgeschrittenen Stadium auch zu erektiler Dysfunktion.

Eine erworbene Penisverkrümmung verläuft in der Regel in zwei Phasen. Zu Beginn steht die „akute“ Phase der Erkrankung. Hier kommt es zur Ausbildung der Plaque, ebenso beginnt sich der Penis zu verändern und zu krümmen. Es kann zu Einkerbungsdefekten kommen bis hin zu einem so genannten Sanduhrphänomen. Bis zu 80 Prozent der Patienten berichten, dass sie durch die IPP auch deutlich an Penislänge verlieren. Dazu kommen bei etwa 40 Prozent der Betroffenen in der akuten Phase der Erkrankung auch Schmerzen im Penis.

Die zweite Phase der Erkrankung ist die „chronische“ Phase. Hier kommt es zu einer Stabilisierung der Erkrankung und zum Ausbleiben der Schmerzen. Die Penisverkrümmung ändert sich nicht mehr und ist stabil. Wann sich die chronische Phase einstellt ist individuell sehr verschieden. Bei manchen Patienten tritt die chronische Phase schon 3 Monate nach den ersten Anzeichen der Erkrankung auf, bei anderen dauert es 2 Jahre.

Die Unterteilung in eine akute und chronische Phase wird vor allem deswegen getroffen, da sich die Behandlungsoptionen in den beiden Krankheitsphasen unterscheiden.

Wann muss eine Penisverkrümmung behandelt werden?

Medizinische Richtlinien verschiedener Fachgesellschaften empfehlen die Korrektur einer Penisverkrümmung ab einem Verkrümmungsgrad von 30 Grad. Jedoch sollte der Grad der Verkrümmung nicht das einzige Entscheidungskriterium für eine Behandlung darstellen.

In manchen Fällen haben Betroffene mit einer eigentlich stark ausgeprägten Verkrümmung keinerlei Probleme, in anderen Fällen kann bereits ein geringer Verkrümmungsgrad zu Schmerzen, weitreichenden Problemen im Sexualleben und zu einem verminderten Selbstwertgefühl führen. Ein Rückzug aus der Sexualität und Probleme in der Partnerschaft sind dann nicht selten.

Eine Behandlung sollte man daher bereits in Angriff nehmen, wenn der Patient die Verkrümmung als Problem empfindet, auch wenn sie objektiv vielleicht gar nicht so stark ausgeprägt ist.

Patienten mit einer kongenitalen, also angeborenen Verkrümmung gehen in der Regel in der Adoleszenz mit ihrem Problem zum Arzt, von einer Induratio Penis Plastica betroffen sind dagegen eher Männer ab 40 Jahren. Was nicht heißen soll, dass eine erworbenen Verkrümmung nicht auch schon in jüngeren Jahren auftreten kann.

Welche Behandlungsmöglichkeiten für eine Penisverkrümmung gibt es?

Eine angeborene Penisverkrümmung kann nur mit einen operativen Eingriff begradigt werden, für die Behandlung einer erworbenen Verkrümmung aber können mittlerweile je nach Krankheitsstadium unterschiedliche Therapiemöglichkeiten zur Anwendung kommen.

Eine IPP muss abhängig vom Stadium der Krankheit behandelt werden. In der akuten Endzündungs-Phase liegt der Fokus der Therapie primär auf der Schmerzlinderung. Die Behandlung in diesem Krankheitsstadium erfolgt konservativ durch eine medikamentöse und/oder physikalische Therapie.

Neben oraler Medikation kommen hier Injektionen und Iontophorese-Behandlungen zum Einsatz. Auch mittels extrakorporaler Stoßwellentherapie sollen die Plaque-Ablagerungen per Schallwellen zertrümmert werden.

Diese Ansätze haben sich dabei zwar als schmerzlindernd herausgestellt, wissenschaftliche Studien, dass die Ausbildung der Plaque damit aufgehalten oder die Krümmung reduziert werden kann, gibt es jedoch nicht.

Am vielversprechendsten bezüglich einer konservativen Behandlung der Verkrümmung selbst war hier in den letzten Jahren eine Injektionstherapie mit XIAPEX in Verbindung mit Penisstreckapparaten bzw. Vakuumpumpen. Hierbei spritzt der Arzt ein bestimmtes Enzym direkt in die Plaques, um diese aufzuspalten. Leider hat das Pharma-Unternehmen den Vertrieb dieses Medikaments in Europa eingestellt.

Ist die IPP zum Stilstand gekommen ist, liegt der Fokus schließlich auf der Begradigung der Verkrümmung. Momentan gibt es dabei auch hier lediglich den Weg über eine Operation.

Welche Operationsmethoden stehen zur Verfügung?

Zur Begradigung stehen bei einer IPP verschiedene Operationstechniken zur Verfügung, die im Grund in zwei Kategorien eingeteilt werden können.

Zum einen gibt es die „klassischen“ Operationsmethoden, wie die Nesbit Operation oder die STAGE Technik, die durch eine Raffung der gesunden Seite des Penis eine Begradigung der Penisachse erzielen. Dies führt aber unweigerlich zu einem deutlichen Längenverlust des Glieds.

Um dies zu verhindern, haben sich alternative Ansätze herausgebildet, welche als „Graft Operation“ zusammengefasst werden. Dabei wird die Plaque auf der verkürzten Seite des Glieds eingeschnitten und ein künstliches Material (Graft) eingenäht wird, um den Penis ohne Längenverlust zu begradigen Dieses Graft wird im Laufe der Zeit vom Körper meist abgebaut und durch körpereigene Zellen ersetzt.

Da diese Operation eine komplexere Herangehensweise braucht, als eine zum Beispiel eine konventionelle Nesbit-Operation, bedarf sie aber einer entsprechenden Spezialisierung des Arztes. Welche Operationstechnik die „richtige“ ist, kommt natürlich auch immer auf den individuellen Fall an.

In sehr weit fortgeschrittenen Stadien der IPP tritt oft auch eine erektile Dysfunktion auf. Wenn dies der Fall ist, kann eine reine Penisbegradigung das zugrundeliegende Problem meist nicht mehr korrigieren. In solchen Fällen sollte dann über die Implantation eines Schwellkörperimplantats in Form einer Penisprothese nachgedacht werden.

Wann zum Arzt?

Obwohl man davon ausgeht, dass Penisverkrümmungen, insbesondere die Induration Penis Plastica, viele Männer betreffen, ist die Erkrankung im urologischen Alltag aber noch immer "selten". Das ist vor allem darauf zurückzuführen, dass viele betroffene Männer nicht wissen was sie tun sollen, oder sich nicht trauen mit ihrem intimen Problem professionelle Hilfe aufzusuchen. Wichtig ist aber, Penisverkrümmungen frühzeitig richtig zu erkennen und dementsprechend zu behandeln.

Eine Induratio Penis Plastica kann bereits in der akuten Phase erfolgreich behandelt werden. Die konservative Therapie ist ambulant, sodass der Patient nach der Injektion wieder nach Hause gehen kann.

Auch bei Operationen hält sich die Ausfallzeit in Grenzen. Muss eine Penisverkrümmung operativ begradigt werden, muss mit einer sexuellen Karenz von 6 Wochen gerechnet werden. Sport kann oft schon wieder nach 7 bis 10 Tagen betrieben werden, die Zeit im Krankenhaus muss nicht länger als 1 bis 2 Tage dauern.

Weil angeborene Penisverkrümmungen fälschlicherweise oft als IPP diagnostiziert werden, sollten Betroffene sich unbedingt an einen Andrologen oder spezialisierten Urologen wenden.

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