Phlebographie

Leading Medicine Guide Redaktion
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Die Phlebographie ist eine Röntgendarstellung der Venen an Armen und Beinen. Sie ermöglicht dem Arzt die Beurteilung des oberflächlichen und tiefen Venensystems hinsichtlich Verlauf und eventueller Erkrankungen.

Artikelübersicht

Welcher Arzt führt Phlebographien durch?

Die „Phlebologie" ist die „Lehre von den Erkrankungen der Venen". „Phlebologe" ist eine Zusatzbezeichnung der Weiterbildung in Phlebologie, die ein Arzt zusätzlich zu seiner fachärztlichen Bezeichnung als Allgemeinmediziner, Chirurg oder Hautarzt (Dermatologe) führt.

Wie läuft eine Phlebographie ab?

Eine herkömmliche Röntgenaufnahme grenzt Venen nicht deutlich genug vom umgebenden Gewebe ab. Erst ein in die Vene gespritztes jodhaltiges Kontrastmittel zeigt den Zustand der Vene im bildgebenden Verfahren der Phlebographie. Die Untersuchung findet im Liegen statt. Das Kontrastmittel gelangt mittels einer feinen Nadel über den Hand- beziehungsweise Fußrücken in die Vene. Ein angebrachter Stauschlauch, Druckverband oder eine Manschette stellt sicher, dass sich das langsam eingeführte Kontrastmittel zunächst in den tieferen Venenbereichen sammelt, bevor es sich in der Vene weiter verteilt. Dabei verfolgt der Arzt über sein Röntgengerät den Kontrastmittelfluss.

Die Untersuchung ist kaum schmerzhaft und in diesem Punkt vergleichbar mit Injektionen allgemein. Es können Spannungen oder leichte Schmerzen auftreten, die rasch wieder abklingen.

Während der Phlebographie bittet der Arzt außerdem seinen Patienten um bestimmte Atemübungen, um so mögliche Venenklappenfehler zu entdecken. Den Phlebographieverlauf erfasst der Arzt über mehrere Röntgenaufnahmen – in zeitlicher Reihenfolge und aus verschiedenen Richtungen. Insbesondere erweiterte oder verengte Venenbereiche sowie Venenverschlüsse stellt eine Phlebographie deutlich dar. Das Untersuchungsverfahren eignet sich außerdem gut zur Dokumentation der Extremität in verschiedenen Bewegungsstadien und unterschiedlichen Positionen des Untersuchten.

Eine Phlebographie dauert im Durchschnitt 5 bis 10 Minuten, kann aber auch mal 15 bis 20 Minuten dauern. Die letzte Nahrungsaufnahme einschließlich Trinken soll 2 bis 4 Stunden zurückliegen.

Welche Gründe für eine Phlebographie gibt es?

Anlass zur Durchführung einer Phlebographie ist eine vermute Venenerkrankung oder eine Durchflussbehinderung. Klassische Untersuchungsanlässe sind Krampfadern (Varizen) oder der Verdacht auf Blutgerinnsel (Thrombosen). Die Röntgenuntersuchung gibt Aufschluss über Vorhandensein und Ausprägung des vermuteten gesundheitlichen Problems sowie dessen möglicher gefäßbedingter Ursache.

Venenerkrankungen beruhen vor allem auf angeborenen oder erworbenen Fehlbildungen der Venen wie Ausstülpung oder Einengung der Gefäßwand sowie unzureichend funktionierenden oder ausgebildeten Venenklappen. Darüber hinaus kann eine Phlebographie auch Tumore aufdecken.

Eine Phlebographie der Armvenen kann außerdem vorbereitend für die Implantation eines Herzschrittmachers sowie eines Dialyse-Shunts erfolgen, um die Abflussverhältnisse der Venen zu klären.

Gelegentlich kann das Ergebnis der bildgebenden Venenuntersuchung weitere Diagnostikverfahren erfordern. Genannt sei hier zum Beispiel eine Blutuntersuchung im Labor. Wenn sich keine venenbedingte Erklärung für ein Blutgerinnsel findet, können bestimmte Bluteigenschaften dafür verantwortlich sein. Ebenso kann eine ergänzende Computertomographie ratsam sein, beispielsweise zur Darstellung anschließender Venenbereiche wie der Beckenvenen.

Wie geht es nach der Phlebographie weiter?

Die Durchführung einer Phlebographie läuft ambulant ab. Im Anschluss sollte der Patient die untersuchte Extremität – Arm oder Bein – ausgiebig bewegen und zudem extra viel trinken. Das beschleunigt Abtransport und Ausscheidung des verabreichten Kontrastmittels. Ob und inwieweit eine Folgeuntersuchung notwendig ist, wird Ihr Arzt Ihnen mitteilen.

Welche Risiken bestehen bei einer Phlebographie?

Die Phlebographie zählt zu den ärztlichen Routineuntersuchungen. Entsprechend erprobt ist die Anwendung. Dennoch ist die Untersuchung mit ein paar Nebenwirkungen und Risiken verbunden:

  • An der Einstichstelle können Blutungen oder später eine Narbe auftreten.
  • Es kann – selten – zu einer Infektion kommen.
  • Bei der Injektion kann der Arzt versehentlich die Venenwand durchstechen.
  • Das eingespritzte Kontrastmittel kann im Körper ein kurzzeitiges Wärmegefühl auslösen.
  • Wie bei allen Röntgenuntersuchungen besteht auch hier eine Strahlenbelastung.
  • Außerdem belastet das Kontrastmittel die Nieren.

Bei einigen Patienten ist die Phlebographie kontraindiziert aufgrund besonderer körperlicher Eigenschaften oder bei bestimmten Vorerkrankungen. Eine phlebographische Untersuchung kommt nicht infrage bei Personen mit

  • Kontrastmittelunverträglichkeit beziehungsweise Jodallergie,
  • chronischer Lymphstauung,
  • Schilddrüsenüberfunktion,
  • akuten Entzündungen an Fuß oder Unterschenkel sowie im Schulter-Am-Bereich und
  • bei einer bestehenden oder wahrscheinlichen Schwangerschaft.

Wegen der Nierenbelastung des Kontrastmittels sollten nierenkranke Patienten ihren Hausarzt oder einen Nephrologen (Facharzt für Nierenerkrankungen) fragen, sie sich einer Phlebographie unterziehen dürfen.

Eine ergänzende Blutuntersuchung zwecks Kontrolle der Funktionen von Nieren und Schilddrüse ist empfehlenswert.

In einem Aufklärungsgespräch bespricht der Arzt mit seinem Patienten die Untersuchungsdetails, wozu auch die Erörterung möglicher Risiken gehört. Zu diesem Gespräch sollten Sie sich am besten bereits im Voraus ausführlich Gedanken machen. Bringen Sie zum Gesprächstermin eventuell in Ihrer Obhut befindliche relevante Untersuchungsergebnisse mit sowie die Kontaktdaten weiterer Sie behandelnder Ärzte.

In einem solchen ausführlichen Vorgespräch lassen sich mögliche Risiken weitgehend ausschalten. Inzwischen tritt der früher gelegentlich von einer Kontrastmittelunverträglichkeit verursachte allergische Schock mit Atemnot und Kreislaufproblemen kaum noch auf. Die heutzutage üblichen Röntgenkontrastmittel sind verträglicher. Hinzu kommt, dass für eine aussagekräftige Bildwiedergabe moderner Röntgengeräte eine geringere Kontrastmitteldosis als früher ausreicht.

Gibt es Alternativen zur Phlebographie?

Wer aus gesundheitlichen Gründen auf eine Phlebographie verzichten muss, kann andere, strahlungsfreie Methoden zur Venenuntersuchung in Anspruch nehmen. Gut geeignete Alternativen zur Phlebographie sind

Weil die Voraussetzungen bei Venenuntersuchungen sehr individuell sind, entscheidet der behandelnde Arzt, welche alternative Untersuchungsmethode im jeweiligen Fall am erfolgversprechendsten ist.

Wie stehen die Chancen für einen Behandlungserfolg?

Der Erfolg einer Phlebographie hängt von den aus dieser Venenuntersuchung gewonnenen Erkenntnissen und der sich daran anschließenden Weiterbehandlung ab. So kann die Phlebographie einen Thromboseverdacht bestätigen oder ausräumen. Entsprechend entfernt der Arzt das gefundene Blutgerinnsel oder sucht nach einer anderen Ursache für die Beschwerden. Ebenso kann diese Untersuchungsmethode mehrfach durchgeführt den Fortschritt einer Thrombosebehandlung kontrollieren. Bei einer geplanten Krampfader-OP dokumentiert das Röntgenbild den Venenzustand und erleichtert die Planung der Operation.

Fazit

Die Phlebographie ist ein aussagekräftiges und in der Regel gut verträgliches bildgebendes Verfahren zur Darstellung der Venen in Armen und Beinen. Sie hilft beim Erkennen von Durchflussbehinderungen, zum Beispiel Venenfehlbildungen und Blutgerinnsel. Die Untersuchung dauert nur wenige Minuten und ist nahezu schmerzlos.

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