Nierenbiopsie

20.03.2017
Leading Medicine Guide Redaktion
Autor des Fachartikels
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Eine Nierenbiopsie ist ein medizinischer Eingriff, bei dem der Niere zu diagnostischen Zwecken eine kleine Gewebeprobe entnommen wird. Die Nierenbiopsie wird nur bei begründetem Verdacht auf schwere Nierenerkrankungen durchgeführt, und normalerweise nur dann, wenn andere, weniger invasive Diagnoseverfahren keine eindeutigen Informationen liefern. Das biopsierte Gewebe wird mikroskopisch untersucht, um nähere Hinweise auf die Art der Erkrankung zu erhalten.

Artikelübersicht

Gründe für eine Nierenbiopsie

Die Entscheidung, ob in einem konkreten Fall eine Nierenbiopsie sinnvoll ist, trifft der Nephrologe (Facharzt für Nierenerkrankungen). Zu den häufigsten Gründen für den diagnostischen Eingriff gehören:

  • Hämaturie (Blut im Urin), sofern sie mit Symptomen einer fortschreitenden Nierenerkrankung einhergeht (Eiweiß im Urin, hoher Blutdruck, geringer Urin-Output)
  • Proteinurie (Eiweiß im Urin), sofern die Werte hoch sind oder gleichzeitig andere Symptome einer Nierenerkrankung auftreten (Wasseransammlungen im Körpergewebe, auffällige Blutwerte)
  • Allgemeine Anzeichen von akutem oder chronischem Nierenversagen bei unklarer Ursache (Wasseransammlungen im Gewebe, erhöhter Kreatininwert, anderweitig auffällige Blutwerte, Anämie/Blutarmut)
  • Durch Ultraschall oder Computertomographie entdeckte auffällige Veränderungen in oder an der Niere, bei denen Verdacht auf eine Krebserkrankung besteht
  • Probleme mit der Funktion eines Nierentransplantats

Eine Ausnahme von der Regel, dass der Eingriff nur bei begründetem Verdacht auf eine schwere Nierenerkrankung vorgenommen wird, bildet die sogenannte Protokollbiopsie einer transplantierten Niere. Sie wird an vielen Transplantationszentren an einem oder mehreren festen Terminen nach der Transplantations-OP durchgeführt – auch dann, wenn das Nierentransplantat keine Anzeichen von Problemen erkennen lässt. Die Protokollbiopsie kann unentdeckte Erkrankungen des Transplantats, Medikamentenunverträglichkeiten oder Abstoßungsprozesse im Frühstadium aufdecken. Daneben dient sie der Informationsgewinnung zu Forschungszwecken. Die Protokollbiopsie ist unter Nephrologen nicht unumstritten.

Was spricht gegen eine Nierenbiopsie?

In manchen Fällen darf eine Nierenbiopsie nicht durchgeführt werden. Absolute Kontraindikationen für eine Nierenbiopsie sind:

  • eine krankhaft gesteigerte Blutungsneigung durch Blutgerinnungsstörungen, Thrombozytenmangel (Mangel an für die Gerinnung wichtigen Blutplättchen) oder Erkrankungen der Blutgefäßwände
  • unkontrollierter schwerer Bluthochdruck
  • Harnwegsinfekte
  • Vorhandensein von nur einer Niere

Bei starkem Übergewicht, Schwangerschaft, vorhandenen Nierenschäden oder Einnahme blutverdünnender Medikamente erhöht sich das Komplikationsrisiko einer Nierenbiopsie. Je nach Fall sind diagnostische Alternativen in Erwägung zu ziehen.

Ablauf einer Nierenbiopsie

Vor der Biopsie werden Blutuntersuchungen zum Ausschluss von Infektionen oder Blutgerinnungsstörungen angesetzt, ebenso eine Ultraschalluntersuchung der Niere. Blutverdünnende Medikamente wie Warfarin oder Heparin sollten zwei Wochen vor dem Biopsietermin zeitweise abgesetzt werden.

Die Nierenbiopsie wird unter lokaler Betäubung durchgeführt, in Ausnahmefällen auch in Kurznarkose. Die Biopsie einer eigenen Niere erfolgt vom Rücken aus (dabei liegt der Patient auf dem Bauch), die einer Transplantatniere vom Bauch aus (in Rückenlage). Der Verlauf der Nierenbiopsie wird mit Ultraschall-Sonographie kontrolliert.

Nach Lokalisation eines geeigneten Punktionsortes wird auf die desinfizierte Stelle die halbautomatische Biopsiepistole mit der Biopsienadel aufgesetzt. Grundsätzlich ist es unwesentlich, wo genau die Nierenbiopsie vorgenommen wird, da sich die zu diagnostizierenden Erkrankungen überall im Nierengewebe manifestieren. Eine Ausnahme bildet die Diagnostik tumorverdächtiger Raumforderungen: Hier ist selbstverständlich die exakte Punktion der betroffenen Stelle nötig.

Die Biopsienadel wird vorsichtig bis zu der die Niere umhüllende Bindegewebskapsel vorgeschoben. Nun muss der Patient einen Moment den Atem anhalten, während der Arzt den Federmechanismus der Biopsiepistole auslöst. Dadurch schnellt die Biopsienadel in das Nierengewebe. Dies ist nicht schmerzhaft. Die nun in der Nadel enthaltene zylinderförmige Gewebeprobe wird herausgezogen und in ein vorbereitetes Gefäß mit einer Fixierlösung gelegt. Häufig werden rasch hintereinander zwei Proben entnommen, um eine zweifelsfreie Diagnostik zu ermöglichen. Abschließend erfolgt eine sonographische Kontrolle des gesamten Organs auf Blutungen.

Nach der Nierenbiopsie

Ein histologisches Labor nimmt nun die mikroskopische Untersuchung der Gewebeprobe vor.

Im Anschluss an die Nierenbiopsie verbringen Patienten einen Tag stationär im Krankenhaus, damit schnell auf eventuelle Komplikationen reagiert werden kann. Es müssen 24 Stunden Bettruhe in Rückenlage eingehalten werden. Um den Punktionskanal zusammenzudrücken, liegt währenddessen ein Sandsack unter der Einstichstelle. Am nächsten Tag folgen eine Kontrolle von Urin und Blutbild und eine erneute Ultraschalluntersuchung der Niere.

Gibt es keine Anzeichen von Komplikationen, werden Patienten nach Hause entlassen. Während der ersten zwei Wochen nach der Nierenbiopsie muss der Patient körperliche Anstrengungen und schweres Heben vermeiden. Die Behandlung mit Blutverdünnern sollte er möglichst erst ein bis zwei Wochen nach der Biopsie wiederaufnehmen.

Risiken der Nierenbiopsie

Eine Nierenbiopsie ist mit einem gewissen Komplikationsrisiko verbunden:

  • Fast immer bildet sich aufgrund der Blutung an der Niere ein mehr oder weniger deutliches Hämatom (Bluterguss) in der Nierengegend und Spuren von Blut im Urin
  • Kurzfristige leichte Blutarmut bei jedem zweiten Eingriff
  • Zeitweise ausgeprägte Hämaturie bei drei von hundert Eingriffen
  • Schocksymptome oder Blutarmut bei etwa einem Prozent der Fälle. Hier ist dann eine Bluttransfusion nötig
  • Aufgrund fortschreitender Blutungen ist bei etwa einem von zehntausend Fällen ein chirurgischer Folgeeingriff erforderlich
  • Blockade des Harnleiters durch einen Blutpfropf (selten)

Komplikationen treten zu 90 Prozent während der ersten 12 Stunden nach dem Eingriff auf. Haben Patienten das Krankenhaus komplikationsfrei verlassen, ist das Restrisiko also nur noch sehr klein.

Alternativen zur Nierenbiopsie

Für Patienten mit erhöhtem Komplikationsrisiko beziehungsweise nur noch einer verbliebenen Niere stehen schonendere Biopsiemethoden zur Verfügung:

  • Herkömmliche Biopsie unter CT-Kontrolle (Im CT lässt sich der Weg der Biopsienadel noch besser verfolgen.)
  • Laparoskopische Biopsie unter Narkose (im Rahmen einer Bauchspiegelung, besonders blutungsarm)
  • Transjugulare Nierenbiopsie (Eingriff über die Halsvene), auch geeignet für Patienten mit Blutgerinnungsstörungen
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