Langzeit-pH-Metrie - Medizinische Experten

Dr. med. Ulrich Hügle
Medizinischer Fachautor
Die Langzeit-pH-Metrie kommt zum Einsatz, wenn die Endoskopie bei der Diagnose einer Refluxkrankheit nicht richtungsweisend ist. Die pH-Metrie kann mittels zwei unterschiedlicher Systeme erfolgen, entweder mittels Katheter durch die Nase in die Speiseröhre oder mittels Fixierung einer kleinen pH-Sonde in der unteren Speiseröhre.

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Hintergrundinformationen: Wann kommt die Langzeit-pH-Metrie zum Einsatz?

Bis zu 20 Prozent der Bevölkerung klagen gelegentlich über Sodbrennen. Treten diese Beschwerden in einer Häufigkeit auf, welche das Wohlbefinden erheblich beeinträchtigen, oder ist mit einer Organkomplikation zu rechnen, spricht man von einer Refluxerkrankung. Sodbrennen ist das entscheidende Symptom der Refluxerkrankung, aber auch Heiserkeit, brennender Oberbauchschmerz und Asthma bronchiale können durch einen Säurereflux bedingt sein. Komplikationen einer chronischen Refluxkrankheit sind Geschwüre in der Speiseröhre (Ulcera), Strikturen, Blutungen oder Barrett-Ösophagus.

Die Diagnose einer Refluxerkrankung (GERD) kann in den meisten Fällen mittels der hochauflösenden Gastroskopie (Magenspiegelung) durch die Darstellung typischer Schleimhautschäden gestellt werden. Bei vielen Patienten ist es zusätzlich notwendig, Proben aus dem Magen zu entnehmen.

Ist die Endoskopie nicht richtungweisend bei der Diagnose einer Refluxerkrankung, so kann zusätzlich die so genannte pH-Metrie durchgeführt werden (NERD). Für diese Messung stehen zwei unterschiedliche Systeme zur Verfügung.

Langzeit-pH-Metrie mittels Katheter

Bisher wurde dem Patienten ein Katheter durch die Nase in die Speiseröhre gelegt und 24 Stunden belassen. Vorteile sind die breite Verfügbarkeit und die niedrigen Kosten. Für viele Patienten ist allerdings das Tragen belastend. Sie können keinen normalen Tagesablauf absolvieren. Dies sollte jedoch gerade bei der Objektivierung der Symptome der Fall sein.

Langzeit-pH-Metrie mittels katheterfreiem Bravo-System®

Alternativ kommt seit einigen Jahren ein katheterfreies Bravo-System® zur Anwendung. Bei dieser Untersuchung wird eine kleine pH-Sonde in der unteren Speiseröhre fixiert und drahtlos die gemessenen Säurewerte über 2-4 Tage an einen Decoder übermittelt, der am Körper getragen wird. Der Patient trägt alle wesentlichen Ereignisse wie z.B. Mahlzeit, Liegezeit, Sodbrennen, Aufstoßen usw. in ein Protokoll ein. Anschließend kann eine Software unterstützte Auswertung am Computer erstellt werden.

Was ist vor der Langzeit-pH-Metrie zu beachten?

Der Patient sollte nüchtern sein. Säurehemmende und motilitätswirksame Pharmaka sollten rechtzeitig abgesetzt worden sein (mindestens 5 Tage vorher: Protonenpumpeninhibitoren, 2 Tage vorher: Histamin-H2-Rezeptorantagonisten, Pirenzepin, Kalziumantagonisten, Nitrate, Benzodiazepine, Opiate, Prokinetika), sofern es nicht um eine notwendige Dauermedikation handelt oder die Untersuchung zur Kontrolle des Therapieerfolges geplant ist.

Auswertung der Langzeit-pH-Metrie

Mit der Auswertungssoftware aller Hersteller kann

  • die Gesamtzahl der Refluxepisoden (Episoden mit pH<4),
  • die Zahl der Refluxepisoden mit einer Dauer > 5 min,
  • die Dauer der längsten Refluxepisode,
  • die Gesamtzeit mit pH < 4 und
  • der prozentuelle Anteil der Zeit mit einem pH < 4 an der gesamten Messzeit

festgestellt werden. Diese Parameter werden dabei für den gesamten Messzeitraum sowie für die in aufrechter und in liegender Körperposition verbrachten Perioden berechnet. Ebenfalls kann eine Beurteilung anhand von bestimmten Scores wie zum Beispiel dem Demeester-Score erfolgen. Der befundende Arzt übernimmt Interpretation, Kommentar und ggfs. Therapieempfehlungen.

Die meisten Patienten bemerken nichts. Wenige berichten über ein Fremdkörpergefühl, ernsthafte Nebenwirkungen sind äußerst selten. Einige Tage nach der Messung löst sich die Kapsel selbstständig von der Wand der Speiseröhre und wandert durch den Magen und den Darm nach außen.

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