Laktatdiagnostik - Spezialisten und Informationen

07.01.2022
Leading Medicine Guide Redaktion
Autor des Fachartikels
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Die Laktatdiagnostik ist eine Methode zur Ermittlung der aeroben Leistungsgrenze – vor allem von Sportlern. Hierbei wird die Konzentration eines Salzes der Milchsäure (Laktat) im Blut gemessen. Erfahren Sie im folgenden mehr über die verschiedenen Einsatzmöglichkeiten und Methoden der Laktatdiagnostik und finden Sie ausgewählte Spezialisten für Laktatdiagnostik.

Empfohlene Spezialisten für Laktatdiagnostik

Artikelübersicht

Was versteht man unter Laktatdiagnostik?

Laktat entsteht, wenn während einer körperlichen Anstrengung nicht (mehr) ausreichend Sauerstoff für die nötige Energie vorhanden ist und stattdessen Glukose aus dem Glykogenspeicher zur Energiegewinnung abgebaut wird. Laktat, das saure Nebenprodukt dieses sauerstoffarmen Stoffwechselvorganges, sammelt sich vor allem in der Muskulatur an. Wird im Körper mehr Laktat angesammelt als der Organismus abbauen kann, dann spricht der Mediziner vom Erreichen der anaeroben Schwelle. Wann diese im Einzelfall erreicht wird, kann mittels der Laktat- oder Laktatleistungsdiagnostik festgestellt werden.

Einsatz der Laktatdiagnostik in der Sportmedizin

Die Laktatdiagnostik zählt als wichtiges Diagnoseverfahren für die individuelle Belastbarkeit vor allem innerhalb der Sportmedizin. Sie kommt zum Einsatz, um die anaerobe Schwelle bei intensiv-körperlicher Beanspruchung, wie sie beispielweise beim Ausdauersport stattfindet, zu ermitteln. Anhand der ermittelten Daten kann das Trainingsprogramm entsprechend angepasst werden, damit es nicht zu einer ständigen Überlastung des Körpers kommt.

Weitere Einsatzmöglichkeiten der Laktatdiagnostik

Bei Bedarf wird die Laktatdiagnostik als Instrument für das Ausschließen einer metabolisch bedingten Myopathie (nicht neuronal bedingter Muskelerkrankung) und anderer Erkrankungen angewandt. Eine Überproduktion von Milchsäure und damit eine Laktatazidose können ebenso bei einem Schock durch massiven Blutverlust auftreten. Auch bei einem kardiogenen oder septisch bedingten Schock kommt es oftmals ebenfalls zum lebensbedrohlichen Sauerstoffmangel und infolgedessen zur Übersäuerung des Gewebes. Krebserkrankungen und weitere Krankheitsbilder sowie auch einige Medikamente können das Auftreten einer metabolischen Azidose ebenfalls begünstigen. Hierbei kann der Blutlaktatspiegel wichtige Hinweise über den Zustand des Patienten und seine weitere Behandlung liefern.

Der Laktatspiegel und seine Rolle für den Ausdauersport

Die vom Sauerstoff unabhängige Energiegewinnung führt nur kurzfristig zu mehr Energie. Mit dem Erreichen der Laktatschwelle geht also eher eine Leistungsminderung einher. Wann dieser Wechsel zur aeroben Schwelle allerdings erreicht wird, ist vor allem vom individuellen Trainingszustand abhängig.

In der Regel spricht der Mediziner ab einem Laktatwert von etwa 4 mmol/l von der Laktatschwelle. Dies ist jedoch nur ein ungefährer Richtwert, der individuellen Schwankungen unterworfen ist. Der Laktatwert eines in Ruhe befindlichen Menschen sollte bei 1-2 mmol/l liegen.

Während ein stark erhöhter Laktatspiegel sogar gesundheitliche Beeinträchtigungen zur Folge haben kann, erweist sich eine Laktatkonzentration im Bereich der aerob-anaeroben Schwelle als günstig für die Leistungsfähigkeit des Ausdauersportlers. Es kommt zu einer Vergrößerung der Mitochondrien und die Fähigkeit der Sauerstoffaufnahme durch das kapillare System der Muskelzellen wird erhöht. Erst wenn durch die Belastung mehr Sauerstoff benötigt wird als zur Verfügung steht, kommt es zur Energiegewinnung durch den Glukosestoffwechsel und zur übermäßigen Laktatbildung.

Der natürliche Abbau von Laktat

Laktat wird in der Regel auf zwei unterschiedlichen Wegen abgebaut, wobei eine moderate Beanspruchung der Muskelzellen den Abbau fördert. Bis zu etwa o,5 mmol/l des im Blut befindlichen Laktats werden pro Minute abgebaut bzw. umgewandelt.

Die zwei Wege des Laktatabbaus sind

  • Eine erhöhte Zellatmung, bei der wieder ausreichend Sauerstoff für die Zellatmung zur Verfügung steht. Denn dadurch erfolgt eine Rück- bzw. Umwandlung des Laktats in Pyruvat, einem wichtigen Zwischenprodukt des aeroben/anaeroben Stoffwechsels. Hier kommt es innerhalb der Mitochondrien im Zellinneren zur Pyruvatoxidation, infolge dessen das Pyruvat in die Atmungskette gelangt.
  • Ebenso gelangt Laktat mit dem Blut in weniger kaum beanspruchte Muskelzellen sowie in verschiedene Organe (beispielsweise in Leber, Nieren oder Herz). Dabei kommt es entweder direkt zur Verbrennung oder das Laktat wird für den Aufbau von Glykogen verwendet, welches in der Leber gespeichert wird (Kohlenhydratspeicher).

Die Durchführung des Laktattests

Beim Sportler wird die Laktatdiagnostik meist zur Bestimmung seiner Ausdauerfähigkeit durchgeführt. Hierfür kommt ein sogenannter Stufentest bzw. Laktatstufentest zur Anwendung, der in der Regel auf einem Laufband oder Fahrradergometer stattfindet. In regelmäßigen Abständen wird dem Sportler zwischen seiner Betätigung auf dem Laufband Blut abgenommen und auf den Laktatgehalt hin untersucht. Hierfür genügen jeweils wenige Tropfen Blut aus dem Ohrläppchen, um den Laktatwert schmerzfrei zu ermitteln.

Der Stufentest als Hilfe im Ausdauersport

Der Stufentest erfolgt bis zur maximalen Leistungsgrenze des Sportlers, um neben der Laktatschwelle zusätzlich den jeweils höchsten Laktatgehalt des Blutes ermitteln zu können. Sowohl die Dauer des Tests als auch die Länge der einzelnen Stufen müssen genau auf den Sportler abgestimmt sein. Hieraus lassen sich wichtige Daten für den optimalen Trainingsablauf erlesen, die gerade im Ausdauer- und Leistungssport von Bedeutung sind. Daher finden solche Untersuchungen üblicherweise bei einem entsprechend ausgebildeten und mit dem benötigten Inventar ausgestatteten Sportarzt statt.

Der Ablauf eines Stufentests

Für einen solchen Stufentest kommen unterschiedliche Modelle in Frage.

Ein gängiges Verfahren ist eine 5%ige Steigung des Laufbandes und bei anfänglich etwa 7-8 km/h. Jeweils nach 3 Minuten wird die Geschwindigkeit des Laufbandes um 2km/h erhöht. Sowohl während als auch nach Beendigung der Belastung wird über das Ohrläppchen Blut entnommen und untersucht.

Der Standardtest wiederum kommt ohne Steigung des Laufbandes aus. Hier läuft der Sportler ganze 5 Minuten bei gleichbleibender Steigung und pausiert im Anschluss, während die Laktatkonzentration des Blutes bestimmt wird. Anfangs beträgt die Laufbandgeschwindigkeit 3,25 m/s und steigert sich mit jeder Stufe um 0,25m/s.

Risiken der Laktatdiagnostik

Ein Laktattest bedeutet stets das Testen der körperlichen Belastungs- und Leistungsgrenze. Herzkreislauf- und Herzlungensystem werden weit über das normale Maß hinaus beansprucht und gefordert. Daher sollte ein Laktattest im Sinne einer sportmedizinischen Diagnose lediglich bei körperlicher Gesundheit durchgeführt werden.

Vor Beginn des Testverfahrens sollte stets eine medizinische Untersuchung und ein Anamnesegespräch stattfinden. Risikopatienten, die beispielsweise unter hohem Blutdruck oder einer koronaren Herzerkrankung leiden sollten besonders sorgfältig betreut werden. Hierfür kann die Kontrolle des Blutdrucks und/oder ein Belastungs-EKG zusätzliche Sicherheit bieten. Am sichersten ist eine Laktatdiagnostik bei einem anerkannten Sport- und Präventivmediziner, der das "DGSP-Qualitätssiegel für Medizinische Laktat-Leistungsdiagnostik" nachweisen kann.

Fazit

Eine dauerhafte Überlastung und Übersäuerung bergen gesundheitliche Risiken. Von einer umfassenden Laktatdiagnostik können daher sowohl Ausdauersportler als auch Anfänger und Sportler mit Herz-Kreislaufproblemen profitieren und das Risiko eines Übertrainings effizient minimieren.

Quellen

https://www.germanjournalsportsmedicine.com/archiv/archiv-2013/heft-12/die-sportmedizinische-laktatdiagnostik-technisches-rahmenbedingungen-und-einsatzbereiche/
https://www.sportdiagnostik.de/laktat/
https://www.dr-gumpert.de/html/laktattest.html#c110698
https://www.dgsp.de/seite/421311/laktat-leitungsdiagnostik.html
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