Gamma Knife - Medizinische Experten

Die Gamma Knife-Therapie ist eine fortgeschrittene Art der Strahlentherapie. Die Behandlung ist nicht invasiv, das heißt, es findet keine Inzision (kein Einschnitt) statt. Bei einer solchen radiochirurgischen Behandlung wirken Hunderte von niedrig dosierten Gammastrahlen aus verschiedenen Richtungen auf die zu behandelnde Stelle (z. B. auf einen Tumor). Die Einzelstrahlen vereinigen sich in diesem Zentrum und entfalten dort ihre Wirkung mit hoher Strahlendosis. Die umliegenden gesunden Gewebe erfahren dabei nur eine minimale Belastung. Bei der Gamma Knife-Therapie handelt es daher um eine relativ sichere Technik mit hoher Präzision.

Im Vergleich zu anderen Arten der Strahlentherapie, erfordert die Gamma Knife-Therapie in der Regel nur eine einzige Behandlung. Die Bestrahlung ist häufig nach einem Tag abgeschlossen, kann auch ambulant erfolgen und die Patienten werden danach nach Hause entlassen, wenn keine weiteren Hinderungsgründe bestehen. Interessieren Sie sich für die Gamma Knife-Therapie, finden Sie in den folgenden Abschnitten weitere Informationen über die Anwendung und den Ablauf der Behandlung.

Empfohlene Spezialisten

Artikelübersicht

Gamma Knife - Weitere Informationen

Für welche Erkrankungen ist die Behandlung geeignet?

Mit der Gamma Knife-Therapie behandeln Spezialisten der Radioonkologie, Neuroonkologie oder Radiochirurgie Erkrankungen speziell des Gehirns, wie Hirntumore oder Gefäßmissbildungen. Die Behandlung gilt als sehr sicher und kommt dann infrage, wenn der Arzt durch die konventionelle Neurochirurgie die zu behandelnde Stelle nicht erreichen kann. Weiterhin ist die Bestrahlung indiziert, wenn Patienten nicht stabil genug sind für längere Operationen. Natürlich können Sie als Patient die Therapie auch selbst wählen, wenn Sie weniger invasive Techniken bevorzugen.

Bei folgenden Erkrankungen kommt die Gamma Knife-Therapie häufig zum Einsatz:

Hirntumor und Hirnmetastasen

Eine radiochirurgische Behandlung ist sowohl bei gutartigen als auch bei bösartigen Tumoren möglich. Die Gammastrahlung zerstört die DNA (Erbsubstanz) in den Tumorzellen, sodass keine weitere Vervielfältigung und damit kein weiteres Wachstum mehr stattfindet. Der Tumor nimmt nach der Bestrahlungstherapie mit der Zeit an Volumen ab. Das Ziel ist hier häufig nicht die komplette Tumorentfernung, sondern die Verhinderung des weiteren Wachstums.

Epiphysentumore

Die Epiphyse ist eine Drüse an der Basis des Gehirns, die bei der Hormonregulation eine wichtige Rolle spielt. Tumore der Epiphyse führen zu Stoffwechselstörungen und einer verminderten oder vermehrten Hormonproduktion. Das Schrumpfen solcher Tumore ist mit der Gamma Knife-Therapie möglich.

Schwannome

Schwannome sind gutartige Zubildungen, die den Gehör- und Gleichgewichtsnerv beeinträchtigen. Durch Druck auf den Nerv kommt es zu Schwindel, Hörverlusten oder Tinnitus. Auch das Empfindungsvermögen des Gesichts oder die Gesichtsmuskulatur sind oft betroffen. Die Ausbreitung solcher Neurome kann mit der Gamma Knife-Therapie erfolgreich gestoppt werden.

Missbildungen der Hirngefäße

Es handelt sich um abnorme Formierungen der Gefäße (Arterien und Venen) im Gehirn, sogenannte Hirngefäßerkrankungen. Zum Beispiel führen zusätzliche Verbindungen zwischen Arterien und Venen dazu, dass kleinere Gefäße nicht ausreichend mit Blut versorgt werden. Die Gamma Knife-Therapie zerstört solche Gefäßverbindungen und stellt den normalen Blutfluss wieder her.

Neuralgien

Die Neuralgie des Trigeminusnervs (Trigeminusneuralgie) kann eine oder beide Gesichtshälften betreffen. Betroffene leiden unter stechenden Schmerzen im Bereich der Stirn, der Wangen oder des Kieferbereichs. Durch die Bestrahlung erfahren die Patienten eine Linderung innerhalb von wenigen Tagen bis Monaten.

Ablauf der Behandlung

Um den Kopf während der Behandlung zu stabilisieren und die Einzelstrahlen präzise zu fokussieren, befestigt der Onkologe einen leichten, stereotaktischen Rahmen. Dieser wird mit vier Pins unter Lokalanästhesie angebracht. Eine Allgemeinanästhesie ist bei Erwachsenen für die Behandlung normalerweise nicht nötig. Sie erhalten aber ein mildes Beruhigungsmittel, wenn Sie dies wünschen. Zunächst erfolgt dann eine Röntgenkontrolle des Tumors oder der missgebildeten Gefäße, um die radiochirurgische Behandlung zu planen. Dabei handelt es sich entweder um eine Computertomografie (CT) oder um eine Magnetresonanztomografie (MRT). Wird ein Kontrastmittel benötigt, wird dies über einen Venenkatheter injiziert.

Mit den Resultaten dieser Untersuchungen berechnen die Radioonkologen die nötige Strahlendosis, bestimmen die zu behandelnden Gehirnbereiche und die Ausrichtung der Einzelstrahlen. Dies erfolgt alles computergesteuert und die Daten übermittelt der Arzt direkt an die Bestrahlungseinheit. Die Bestrahlung wird im Liegen durchgeführt. Der Patient fährt auf einer Liege oder mit einem Bett in das Bestrahlungsgerät und der Kopfrahmen verbindet sich mit dem Gerät. Die Behandlungsdauer variiert zwischen ein und fünf Stunden. Bei einer längeren Dauer verabreicht der Arzt Infusionen, um den Kreislauf stabilisieren.

Während der Prozedur ist es möglich mit den Ärzten über ein Mikrofon zu kommunizieren. Die Behandlung ist geräuschlos und schmerzfrei.

Gamma Knife-Therapie und die Nachsorge

Treten direkt nach der Bestrahlungstherapie Kopfschmerzen, Übelkeit oder Erbrechen auf, wird der Arzt oder die Ärztin diese mit entsprechenden Medikamenten behandeln. Zudem kann es sein, dass an den Stellen, an denen der Kopfrahmen befestigt wurde, leichte Blutungen auftreten. Für das Trinken oder Essen nach der Prozedur bestehen keine Einschränkungen. Ansonsten sind regelmäßige Kontrolltermine zur Evaluierung des Behandlungserfolges und des Krankheitsverlaufs notwendig.

Prognose und Risiken der Gamma Knife-Therapie

Da die Gamma Knife-Therapie eine nicht invasive Behandlungsmethode darstellt, sind die Risiken geringer als bei einer offenen Gehirnoperation. Nebenwirkungen durch die niedrig dosierte Strahlung, die direkt nach der Behandlung auftreten können, sind im Allgemeinen zeitlich begrenzt und verschwinden nach einigen Tagen bis Wochen. Zu häufigen Beschwerden zählen:

  • Übelkeit oder Erbrechen
  • Kopfschmerzen
  • Müdigkeit
  • Ein juckendes Gefühl auf der Kopfhaut
  • Schwellungen des bestrahlten Gehirngewebes
  • Schwellungen oder Rötungen der Kopfhaut
  • Geringgradiger Haarverlust an den bestrahlten Stellen

In sehr seltenen Fällen werden neurologische Symptome als Spätfolge verzeichnet.

Die Prognose bei der Gamma Knife-Bestrahlung hängt, wie auch bei anderen Formen der Therapie, von der zugrunde liegenden Erkrankung sowie vom allgemeinen Gesundheitszustand des Patienten ab. In der Regel können mit der Gamma Knife Therapie aber gute Erfolge erzielt werden. Das Volumen gutartiger Tumore schrumpft innerhalb von ein bis zwei Jahren. Bei bösartigen Tumoren ist oft ein schnellerer Rückgang zu beobachten. Der Verschluss abnormaler Hirngefäße durch die Gammastrahlen dauert ebenfalls bis zu zwei Jahre oder länger. Die Schmerzbehandlung bei Neuralgie zeigt innerhalb von wenigen Monaten Resultate.

Fazit

Bei der Gamma Knife-Therapie handelt es sich um eine sichere und präzise Methode der Strahlentherapie, die derzeit für Hirntumore eingesetzt wird. Im Vergleich zu offenen Hirnoperationen sind die Risiken gering. Die Gammastrahlung wird computergesteuert mit einem Linearbeschleuniger generiert. Die neuesten Geräte werden als Cyberknife bezeichnet und basieren auf Robotertechnik. Mit ihnen können Tumore des gesamten Körpers bestrahlt werden. Allein in Deutschland existieren inzwischen über zehn solcher Anlagen in onkologischen Zentren.

Whatsapp Twitter E-Mail Facebook