Da-Vinci-Prostatektomie | Spezialisten und Informationen

Prostatakrebs (auch Prostatakarzinom genannt) gehört zu den häufigsten Krebserkrankungen des Mannes. Nach Lungenkrebs und Darmkrebs stellt Prostatakrebs die dritthäufigste tödliche Krebserkrankung dar. Wird Prostatakrebs frühzeitig erkannt, sind die Heilungschancen sehr gut. Im Bereich der Chirurgie steht bei Prostatakrebs die hochmoderne, minimal-invasive Roboter-assistierte radikale Prostatektomie mit dem da-Vinci-System zur Wahl.

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Da Vinci Prostatektomie - Weitere Informationen

Überblick zur Da-Vinci-Prostatektomie

Bei einem lokal begrenzten Prostatakarzinom ist die komplette Entfernung der Prostata (radikale Prostatektomie) die operative Therapie der Wahl.

Bei der radikalen Prostatektomie können je nach Zugangsweg und der Art der Operation mehrere offene und minimal-invasive Verfahren zur Entfernung der Prostata unterschieden werden, so zum Beispiel

  • die radikale retropubische Prostatektomie,
  • die radikale perineale Prostatektomie,
  • die laparoskopische (transperitoneale) radikale Prostatektomie,
  • die endoskopische extraperitoneale radikale Prostatektomie sowie
  • die hochmoderne, minimal-invasive Roboter-assistierte radikale Prostatektomie mit dem Da-Vinci-System.

Die Prostatektomie mit dem Da-Vinci-Operationssystem stellt eine Weiterentwicklung der konventionellen laparoskopischen Methoden im Bereich der Chirurgie dar und kombiniert die Vorteile der laparoskopischen Prostatektomie mit jenen der offenen Prostatektomie.

Während der Da-Vinci-OP wird der Operateur bei der Orientierung und Bewegung am Operationsbereich durch Roboterarme unterstützt.

Hintergrundwissen zu Prostatakrebs

Anatomie Prostata

Die etwa vier Zentimeter große, walnussförmige Prostata (Vorsteherdrüse) befindet sich beim Mann direkt unterhalb der Harnblase und umschließt die Harnröhre, durch die der Harn von der Harnblase nach außen abgeleitet wird.

Das Risiko, dass sich in der Prostata eine Krebserkrankung entwickelt, nimmt mit zunehmendem Alter deutlich zu. So kommt unter 40 Jahren das Prostatakarzinom praktisch nicht vor. Studien haben gezeigt, dass sich zwischen dem 50. und 85. Lebensjahr die Wahrscheinlichkeit, an Prostatakrebs zu erkranken, auf das 40-Fache steigt.

Symptome bei Prostatakrebs

Typische Beschwerden im Frühstadium einer Prostataerkrankung gibt es leider nicht, Betroffene bemerken oft zunächst gar nichts von dem wachsenden Tumor in der Prostata. Erst mit Fortschreiten der Krebserkrankung treten Symptome auf, die häufig auf eine Einengung der Harnröhre bzw. Blockade des Harnabflusses als Folge der vergrößerten Prostata zurückzuführen sind.

Das äußert sich insbesondere durch Probleme beim Wasserlassen, wie beispielsweise

  • verzögerter Beginn der Miktion (Urinieren),
  • Nachtropfen,
  • Harnstottern oder
  • Harnverhalt (Unfähigkeit zu urinieren).

Daneben kann es aber auch zu

  • vermehrtem, insbesondere nächtlichem Harndrang,
  • schmerzhafter Ejakulation und vermindertem Samenerguss sowie
  • zu Schmerzen im Genitalbereich und
  • bei Nervenschädigung auch zu Erektionsstörungen

kommen. Haben sich bereits Metastasen gebildet, treten zunehmend Schmerzen an der Wirbelsäule und im Beckenbereich auf. 

Diagnose einer Prostatakrebserkrankung

Während einer Früherkennungsuntersuchung kann der Arzt trotz fehlender Symptome anhand

  • der digital-rektalen Untersuchung, dem Abtasten der Prostata mit dem Finger über den After, oder
  • aufgrund des Ergebnisses des PSA-Tests, also der Konzentrationsbestimmung des prostataspezifischen Antigens im Blut,

einen ersten Hinweis auf ein Tumorwachstum in der Prostata erkennen.

Dann wird er weitere Untersuchungen wie beispielsweise Ultraschall und MRT einleiten. Erst durch eine Gewebeentnahme aus der Prostata (Biopsie) besteht Gewissheit, ob ein Prostatatumor vorliegt oder nicht.

Behandlungsoptionen bei Prostatakrebs

Welche Behandlungsoptionen bei Prostatakrebs in Frage kommen, hängt von mehreren Faktoren wie Stadium der Krebserkrankung, Alter und Gesundheitszustand sowie persönliche Präferenzen des Mannes ab. Für die Stadiumskategorisierung wird geprüft, ob der Tumor noch auf die Prostata beschränkt (Frühstadium) ist, oder ob er bereits benachbartes Gewebe befallen hat oder ob bereits Metastasen vorliegen (fortgeschrittene Stadien).

Ihr Arzt wird Sie hierzu eingehend beraten. Gegebenenfalls sollten Sie sich auch von mehreren Urologen beraten lassen, damit Sie die für Sie optimale Therapie erhalten.

Je nach Stadium des Prostatakarzinoms, , gibt es verschiedene Behandlungsoptionen:

  • kontrolliertes Abwarten (aktive Überwachung) bei kleinen, weniger bösartigen Tumoren und älteren Patienten.
  • Entfernung der Prostata (Prostatektomie) bei Prostatakrebs im Frühstadium.
  • Strahlentherapie als Alternative zur Prostatakarzinom-OP bei Prostatakrebs im Frühstadium.
  • Hormontherapie oder Chemotherapie zusätzlich zur Prostatakrebs-Operation bzw. zur Strahlentherapie bei fortgeschrittenen Stadien.

Offene Operation oder minimal-invasive Laparoskopie?

Wenn die Krebserkrankung noch kein benachbartes Gewebe befallen oder Metastasen gebildet hat, kann durch die Entfernung der Prostata (Prostatektomie) der Tumor komplett entfernt werden; die Heilungschancen sind dann exzellent.

Bei der radikalen Prostatektomie werden neben der kompletten Prostata auch die Samenbläschen und die Prostatakapsel, ggf. auch die Lymphknoten des Beckens entfernt.

Neben der offenen Operation, d.h. der „klassischen“ Eröffnung der Bauchdecke wie bei der radikalen retropubischen Prostatektomie oder der radikalen perinealen Prostatektomie werden in spezialisierten Kliniken auch minimal-invasive Verfahren (z. B. die laparoskopische (transperitoneale) radikale Prostatektomie oder die endoskopische extraperitoneale radikale Prostatektomie) eingesetzt.

Die Vorteile eines minimal-invasiven Operationsverfahrens gegenüber einer offenen Operation liegen auf der Hand: Durch die kleineren Schnitte kommt es zu weniger Wundschmerzen und geringerem Blutverlust

Da-Vinci Prostatektomie

Was ist das Da-Vinci-Operationssystem?

Das Da Vinci-Operationssystem ist ein komplexes chirurgisches System, mit dem an einer speziellen OP-Station dreidimensionale Bilder in HD-Qualität dargestellt werden können. Der Operateur operiert dabei nicht am Patienten selbst, sondern mit speziellen Instrumenten an der Da-Vinci-Station. Die Roboterarme führen die Bewegungen dann äußerst präzise und absolut zitterfrei aus.

Dadurch können chirurgische Eingriffe ausgeführt werden, die mit der menschlichen Hand nicht mehr möglich sind.

Auch wenn das Da-Vinci-Operationssystem häufig auch als Da-Vinci-Operationsroboter bezeichnet wird, ist es kein Roboter, der Operationen eigenständig ausführen kann. Eine Da-Vinci-OP wird allein durch den Operateur durchgeführt. Das Da-Vinci-System erleichtert die Operation und überwindet bestimmte Grenzen der konventionellen offenen und laparoskopischen Prostatektomien.

Das in den USA entwickelte Da-Vinci-Operationssystem wird seit dem Jahr 2000 eingesetzt und hat in den USA die konventionelle Laparoskopie in vielen Bereichen nahezu komplett abgelöst. Auch in Deutschland findet die Da-Vinci-OP zunehmend Verbreitung.

Die Da-Vinci-Operation kommt nicht nur zur Behandlung von Prostatakrebs zur Anwendung, sondern auch bei anderen Erkrankungen, wie beispielsweise bei

Was sind die Vorteile einer Da-Vinci-Prostatektomie?

Bei minimal-invasiven Prostatektomien ist das Operationsgebiet sehr beengt. Auch befinden sich in diesem Bereich Nerven, die die Erektion und die Schließmuskeln an der Harnröhre beeinflussen.

Werden diese Nervenstränge während der Operation verletzt, hat dies häufig Impotenz und Harninkontinenz zur Folge.

Daher eignet sich für solche relativ komplizierten urologischen Eingriffe das Da-Vinci-Operationssystem besonders. Der Chirurg bekommt hochaufgelöste Bilder des Organs zu sehen und kann unter Vergrößerung alle Strukturen besser erkennen. Der Roboterarm agiert dabei präziser als die menschliche Hand.

Dadurch treten Komplikationen wie Harninkontinenz und Impotenz seltener auf, da die Roboter-assistierte Da-Vinci-OP äußerst genau ist und der Harnröhrenschließmuskel und die Nerven im Operationsgebiet optimal geschont werden. Laut des Herstellers des Da-Vinci-Operationssystems hat die Da-Vinci-Prostatektomie gegenüber einer offenen Prostatektomie folgende Vorteile:

  • Größere Heilungschancen: Studien haben gezeigt, dass erfahrene Chirurgen bei einer Da-Vinci-OP im Vergleich zu offenen Prostatektomien die Krebserkrankung häufiger komplett entfernen.
  • Schnellere Wiederherstellung der Erektionsfunktion: Zuvor hinsichtlich der Erektionsfunktion gesunde Männer erlangen nach einer Da-Vinci-OP schneller ihre Potenz wieder.
  • Es kommt häufiger wieder zu einer vollständigen Harnkontinenz innerhalb von sechs Monaten nach der Da-Vinci-OP.
  • Der Blutverlust ist aufgrund der nur kleinen Hautschnitte bei einer Da-Vinci-OP geringer. Deshalb ist auch der Bedarf an Bluttransfusionen bei einer Da-Vinci-Prostatektomie geringer, und der Patient hat weniger Schmerzen nach der Da-Vinci-Operation.
  • Das Komplikationsrisiko, wie beispielsweise eine Wundinfektion, ist nach der Da-Vinci-Operation geringer.
  • Der Blasenkatheter kann nach der Da-Vinci-Operation früher entfernt werden.
  • Mit der schnelleren Genesung gehen ein kürzerer Krankenhausaufenthalt und eine schnellere Wiederaufnahme des Berufs und der gewohnten Aktivitäten nach einer Da-Vinci-Operation einher.

Ablauf einer Da-Vinci-Operation

Im Folgenden erfahren Sie, wie eine Da-Vinci-OP grundsätzlich abläuft.

Vor der Da-Vinci-Operation

Hat sich der Betroffene für eine Da-Vinci-OP entschieden, findet nochmals eine körperliche Untersuchung statt. Auch kann der Arzt dem Patienten vor dem Eingriff bestimmte Übungen, Diäten oder Arzneimittel verordnen.

Der Chirurg klärt den Patienten darüber auf, wie die Da-Vinci-OP im Detail abläuft, welche Risiken bestehen und welche Komplikationen auftreten können. Ein Anästhesist informiert den Patienten meist in der Woche vor dem Eingriff über die anstehende Narkose.

Am Abend vor der Da-Vinci-OP muss der Patient die Anweisungen zur Darmvorbereitung beachten, die ihm der Arzt gegeben hat.

Am Tag der Da-Vinci-Operation

Der Patient wird für die Dauer der Da-Vinci-Prostatektomie, in der Regel sind das zwei bis vier Stunden, durch einen Anästhesisten in Narkose gelegt.

Die einzelnen Schritte der sich nun anschließenden Operation sind:

  • Kohlendioxid wird in das Abdomen eingeleitet. Dadurch bläht sich der Bauchraum auf und der Chirurg gelangt leichter zur Prostata. Durch den aufgeblähten Bauchraum hat er einen übersichtlichen Operationsbereich.
  • Sechs etwa 7 bis 13 mm große Schnitte werden an der Bauchdecke vorgenommen und die Öffnungen über Ports offen gehalten. 
  • Das Da-Vinci-Chirurgie-System wird am Patienten positioniert, und der Chirurg geht zur Bedienungskonsole des Systems. Der Assistent bleibt am Patienten und wechselt nach Bedarf die chirurgischen Instrumente.
  • Nun werden durch die Ports die chirurgischen Instrumente (Spülung, OP-Clips, Nahtmaterial, Präparier- und Nahtinstrumente), die sich an den Roboterarmen befinden, und die endoskopische Kamera eingeführt.
  • Falls notwendig werden zunächst die Lymphknoten des Beckens entfernt.
  • Mit den eingeführten Instrumenten löst der Chirurg die Prostata und das umliegende Gewebe heraus. Über die Kamera hat er die Situation im Operationsbereich in hochauflösender Qualität auf einem Bildschirm stets im Blick. Bei den Bewegungen im Körper wird er durch das Da-Vinci-Chirurgie-System unterstützt. So können mit der computerunterstützten Übertragung und der optimalen Beweglichkeit der Instrumente feinste Hand- und Fingerbewegungen ausgeführt werden.

Der Chirurg versucht - falls die Tumorausdehnung es zulässt - die an der Prostata ansetzenden Nerven zu erhalten. Diese feinen Nerven umgeben spinnennetzartig die Prostata und reagieren sehr empfindlich auf Druck und Hitze. 

Ist die Prostata und das umliegende Gewebe mithilfe der chirurgischen Instrumente aus dem Körper entfernt worden, werden die Ports aus der Bauchdecke herausgelöst und die Schnitte mit einer Naht oder einem Pflaster geschlossen. 

Nach der Da-Vinci-Operation

Die erste Nacht nach der Da-Vinci-OP verbringt der Patient meist noch im Krankenhaus, um sich von der Narkose zu erholen. So können auch Beschwerden, die mit der Narkose zusammenhängen, behandelt und etwaige Komplikationen erkannt werden. Der Patient sollte allerdings rasch wieder sitzen, aufstehen und umhergehen, was dem Genesungsprozess zu Gute kommt.

Wenn keine Komplikationen aufgetreten und die Beschwerden abgeklungen sind, darf der Patient nach Hause. Zwar sollte er sich in der ersten Woche erholen, doch wird empfohlen, dass er in dieser Zeit häufig und viel geht. Viele Patienten können bereits wenige Tage nach der Da-Vinci-OP ihren Tagesablauf wie gewohnt gestalten. Es dauert allerdings etwa vier Wochen, bis der Patient wieder schwere Lasten heben und anstrengende Tätigkeiten ausführen darf. So lange dauert etwa das Heilen der Wunden im Körperinneren.

Um die Harnausscheidung nach der Prostataentfernung zu ermöglichen, wurde dem Patient während der Da-Vinci-OP ein Katheter in die Harnblase eingeführt. Dieser bleibt etwa sieben Tage liegen. In dieser Zeit muss der Patient einige Verhaltensregeln befolgen, damit der Katheter einwandfrei funktioniert. Nach etwa einer Woche wird der Katheter entfernt und die Harnblasenfunktion mithilfe einer Kochsalzlösung und natürlichem Urinieren überprüft. Dabei wird häufig eine gewisse Harninkontinenz festgestellt. Diese wird medikamentös behandelt und legt sich normalerweise wieder.

Wenn Nervenfasern verletzt wurden, kann es zu Impotenz (zu einer so genannten erektilen Dysfunktion) kommen. Auch diese Komplikation kann mit der Zeit nachlassen oder komplett wieder verschwinden. Sie kann meist medikamentös behandelt werden.

Wie nach jeder operativen Behandlung des Prostatakarzinoms muss der Patient auch nach einer Da-Vinci-Operation regelmäßig untersucht werden. Im Nachsorgeplan sind die Untersuchungsintervalle und die Nachsorgeuntersuchungen (PSA-Wert, digital-rektale Untersuchung) festgehalten.

Mit Bestimmung des PSA-Wertes kann oft schon frühzeitig festgestellt werden, ob das Karzinom erneut wächst oder ob sich Metastasen gebildet haben. Deshalb werden im Anschluss an die Da-Vinci-Prostatektomie häufig kürze Intervalle für die PSA-Bestimmung empfohlen. Langfristig wird der PSA-Wert dann wieder einmal pro Jahr kontrolliert.

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