Mammographie - Medizinische Experten

Die Mammographie ist eine Röntgenuntersuchung der weiblichen Brust und dient der Früherkennung von Brustkrebs. Bereits sehr kleine Mammakarzinome lassen sich mittels Mammographie in einem sehr frühen Stadium erkennen.

Medizinische Fachlektorin PD Dr. med. Ines Gruber

Dieser Artikel wurde nach den Vorgaben aktueller medizinischer Fachliteratur, Leitlinien und wissenschaftlichen Standards verfasst und sorgfältig von Medizinern geprüft.

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Mammographie - Weitere Informationen

Was ist eine Mammographie?

Bei der Mammographie handelt es sich um eine Röntgenuntersuchung der weiblichen Brust, die als bestes Mittel zur Früherkennung von Brustkrebs gilt. Der Grund: Durch diese Untersuchung lassen sich selbst sehr kleine Tumore, die sogenannten Mammakarzinome, bereits in einem sehr frühen Stadium erkennen - also lange, bevor sie sich als Verhärtung oder Knoten ertasten lassen. Erkennen lassen sich damit sogar kleine Kalkablagerungen, der sogenannte Mikrokalk, der histologisch mögliche Vorstadien von Brustkrebs aufzeigen kann. Der Grund: Die Mikrokalkablagerungen gelten als Signal dafür, dass innerhalb des Gewebes ein „Umbau" stattfindet.

Wann sollte die Mammographie erfolgen?

Für Frauen zwischen 50 und 69 Jahren existiert ein bundesweites Mammographie-Screening-Programm zur Brustkrebsvorsorge. Dieses richtet sich an Frauen, bei welchen eigentlich keine Risikofaktoren für Brustkrebs festgestellt wurden. Jede Frau in dieser Altersgruppe kann sich - ergänzend zur jährlichen Untersuchung zur Krebsfrüherkennung - alle zwei Jahre kostenlos untersuchen lassen. Sie erhalten dafür eine offizielle Einladung per Post.

Prinzipiell besteht von den Fachgesellschaften die Empfehlung, die Mammographie im Rahmen der Früherkennung frühestens ab dem 40. Lebensjahr durchzuführen. Die Kosten einer beidseitigen Mammographie liegen zwischen 100 und 200 Euro und müssen ggf. von der Patientin außerhalb des Mammographie-Screening-Programms selbst getragen werden. 

Welcher Arzt führt die Mammographie durch?

Frauen, die eine Mammographie durchführen lassen wollen, sollten dies in jedem Fall bei einem Experten - also in einer radiologischen Praxis - machen lassen. Der Grund: Neben geschulten und routinierten Mitarbeitern stehen hier hochwertige Geräte zur Verfügung, die regelmäßig überprüft werden. Dadurch setzen sich die Patientinnen keiner übermäßigen Strahlenbelastung aus. Diese liegt bei einer beidseitigen Mammographie in zwei Ebenen im Schnitt zwischen 0,2-0,4 Milli-Sievert. Dieser Wert entspricht etwa zehn Prozent der Strahlenbelastung, welcher jeder Bundesbürger pro Jahr durch natürliche Umwelteinflüsse ausgesetzt ist.

Den Radiologen, also den Röntgen-Fachärzten, steht zur Brustkrebs-Frühuntersuchung die digitale Mammographie zur Verfügung. Hier werden die Röntgenbilder nicht belichtet, sondern elektronisch gespeichert. Sie lassen sich also auf dem Monitor begutachten und jederzeit vergrößern.

Wie läuft eine Mammographie ab?

Bevor Frauen zur Mammographie gehen, sollten sie darauf achten, kein Deo zu benutzen. Der Grund: Durch das Deo kann ein Schleier auf dem Röntgenbild entstehen. Bei der eigentlichen Untersuchung wird jede Brust einmal von oben und einmal aus einer schräg-seitlichen Position geröntgt, wodurch insgesamt vier Aufnahmen resultieren. Sieht der Arzt auf einem der Bilder Veränderungen an der Brust, die unklar erscheinen, werden gegebenenfalls weitere Aufnahmen gemacht. Damit die Gewebsschichten möglichst dünn dargestellt werden können, wird die Brust von zwei Plexiglasscheiben fixiert, was möglicherweise etwas unangenehm sein kann.

Frauen, die noch nicht in den Wechseljahren sind, ist zu raten, sich der Mammographie in der ersten Hälfte des Zyklus zu unterziehen. Der Grund: Zwischen dem Ende der Regelblutung und dem nächsten Eisprung ist die Brust weicher und weniger schmerzempfindlich. Die Frau sollte sich während der Mammographie möglichst nicht bewegen, damit ein unscharfes Bild vermieden werden kann. Die Belichtungszeit liegt allerdings im Bereich von wenigen Sekunden.

Wie zeigen sich Tumore auf dem Röntgenbild?

Ein gutartiger Tumor erscheint auf dem Röntgenbild als dichte und gleichmäßige Struktur mit einer glatten Begrenzung. Bösartige Tumore unterscheiden sich dadurch, dass sie oft sogenannte Krebsfüßchen - also sternförmige Ausläufer - besitzen. Darüber hinaus haben sie eine unscharfe Begrenzung. Durch die Mammographie lässt sich jedoch nicht immer eindeutig feststellen, ob ein Tumor gut- oder bösartig ist. In diesen Fällen, um eindeutig sicherzugehen, muss im Rahmen einer Biopsie Gewebe entnommen werden. Das macht der Arzt unter sterilen Bedingungen mit einer Hohlnadel. Anschließend werden die entnommenen Gewebeteile im Labor unter dem Mikroskop untersucht. Übrigens: Patientinnen brauchen nicht zu befürchten, dass durch die Gewebenentnahme Krebszellen im Körper verteilt werden können.

Der Risikofaktor Kalk in der Brust

In der weiblichen Brust können durch die Mammographie sowohl Mikro- als auch Makrokalkpartikel festgestellt werden. Letztere haben eine Größe von mehr als 0,5 Millimetern. Während Makrokalk eindeutig eine gutartige Veränderung darstellt, kann Mikrokalk sowohl eine gutartige als auch eine bösartige Veränderung anzeigen. Ob die Kalkpartikel eine gut- oder bösartige Veränderung anzeigen, schätzt der Arzt anhand der Form und des Verteilungsmusters der Partikel ein. Im Falle von suspektem Mikrokalk sollte die Abklärung durch eine Gewebeprobe erfolgen.

Gibt es eine Alternative zur Mammographie?

Zur Früherkennung von Brustkrebs kann statt der Mammographie auch die Kernspintomographie genutzt werden. Hierbei handelt es sich um ein bildgebendes Verfahren ohne Strahlenbelastung, welches das Gewebe des menschlichen Körpers mittels Kontrastmittel detailliert dargestellt und damit krankhafte Veränderungen sichtbar machen kann. Internationale Studien haben ergeben, dass dieses erheblich teurere Verfahren zur Früherkennung von Brustkrebs ebenfalls geeignet ist.

In Deutschland ist die Kernspintomographie als generelle Methode zur Früherkennung von Brustkrebs allerdings noch umstritten. Die Methode hat bei der Brustkrebsfrüherkennung ihre Vor- und Nachteile. Allgemein kann die Kernspintomographie der Brust Brustkrebsvorstufen wie das DCIS (duktales Carcinoma in situ; Karzinom im Milchgang) oder solche Karzinomvorstufen, die in der Mammographie unauffällig bleiben, oder auch gutartige Gewebeveränderungen, die aber operative entfernt werden sollten, wie ADH (atypische duktale Hyperplasie) zuverlässig erkennen. Auch liefert der Kernspin bei jungen Frauen mit dichten Brustdrüsengewebe und erblichen Formen des Brustkrebses bessere Ergebnisse. Andererseits lässt sich Mikrokalk in den Brüsten mittels MRT weniger gut erkennen, als mit einer Mammographie.

Neben den erheblich höheren Kosten der Kernspintomographie, die bei mindestens 400 Euro liegen, erweist sich für die Screening-Untersuchungen auch die erheblich längere Untersuchungsdauer als nachteilig. Denn während die Mammographie innerhalb von zwei Minuten durchgeführt ist, dauert die Untersuchung im Kernspin ca. 30 Minuten. Für die flächendeckende Screening-Untersuchung stellt der Einsatz des Kernspins also auch ein logistisches Problem dar.

Sind randomisiert-kontrollierte Studien zum Kernspin notwendig?

Bei randomisiert-kontrollierten Studien handelt es sich um Studien, in welchen die Patienten zufallsmäßig zwei Behandlungsgruppen zugeordnet werden. Derartige Studien gelten in der Medizin als bestes Modell, um bestimmte Fragestellungen zu beantworten. In entsprechenden Studien konnten Experten nachweisen, dass sich die Sterblichkeitsrate an Brustkrebs durch den Einsatz der Mammographie zur Früherkennung von Krebs um 30 Prozent senken ließ. Es existieren auch Vergleichsstudien zwischen Mammographie und Kernspintomographie, aus denen sich sinnvolle Einsatzmöglichkeiten der Kernspintomographie ableiten lassen:

  • Zur Brustkrebsfrüherkennung bei Hochrisikopatientinnen (familiärer Brust-und Eierstockkrebs),
  • bei eingeschränkter Beurteilbarkeit in der Mammographie,
  • beim histologisch gesicherten invasiv lobulärem Mammakarzinom.

Auch zur besseren Operationsplanung bei Verdacht auf multifokalen bzw. multizentrischen Brustkrebs kann die Kernspintomographie eingesetzt werden. Dies ist der Fall, wenn das Mammakarzinom in mehreren Krankheitsherden bzw. Brustquadranten auftritt.

Zusammenfassend ist die Mammographie eine durch Studien belegte Untersuchungsmethode zur Früherkennung von Brustkrebs. Aufgrund der Röntgenstrahlenbelastung sollten die Vor- und Nachteile mit dem behandelnden Arzt jedoch immer individuell und sorgfältig abgewogen werden.

Zuletzt aktualisiert am 16.08.2019