Blepharitis - Medizinische Experten

Bei einer Blepharitis – auch Lidrandentzündung genannt – handelt es sich um eine Entzündung der Lidkanten des Auges. Ist die vordere Lidkante entzündet, spricht man von einer anterioren (vorderen) bzw. squamösen (schuppigen) Blepharitis. Eine Entzündung der hinteren Lidkante wird dagegen als posteriore (hintere) bzw. seborrhoische Lidrantentzündung bezeichnet. Die Behandlung einer Lidrandentzündung erfolgt durch eine sogenannte Lidrandhygiene sowie die Anwendung von Augensalben und Augentropfen.

Weitere Informationen zur Blepharitis finden Sie im Text weiter unten.

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Blepharitis - Weitere Informationen

Definition: Blepharitis

Auf der Lidkante treffen vorne die Haut mit ihren Anhangsgebilden (Wimpern, Hautdrüsen) und die für die Feuchthaltung der Hornhautoberfläche wichtige Bindehaut (eine Schleimhaut) aufeinander. Entzündungen an diesen Geweben führen zu einer anterioren (vorderen) und/oder einer posterioren (hinteren) Lidrandentzündung bzw. Blepharitis, je nachdem ob die vordere Lidkante (Wimpernreihe) oder die hintere Lidkante entzündet ist. Diese liegt dem Augapfel an und enthält die Meibomdrüsen.

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Die anteriore Blepharitis ist mit Schuppen- und Krustenbildung um die Wimpern assoziiert und wird squamöse (schuppige) Lidrandentzündung genannt. Die posteriore Blepharitis ist durch eine Fehlfunktion der Meibom-Drüsen charakterisiert und wird seborrhoische Blepharitis (Seborrhoe = vermehrte Talgproduktion) oder nach neuerer Nomenklatur Meibomdrüsen-Dysfunktion (MDD) genannt. Ist auch die Bindehaut mitbeteiligt, spricht man von einer Blepharokonjunktivitis.

Ursachen einer anterioren Blepharitis

Eine Blepharitis an der Lidrandvorderseite entsteht vor allem durch Störungen der lokalen Hautflora und durch vermehrte Bakterienbesiedelung der Wimpernböden mit Staphylokokken. Die Staphylokokkentoxine sind für die Lidrandentzündung mit verantwortlich. Typisch für eine Staphylokokkeninfektion sind Krusten und Schuppen an den Wimpernböden und evtl. auch kleine Abszesse/Furunkel.

Patienten, die unter einer Neurodermitis, einer Akne und insbesondere unter einer Rosacea leiden, weisen stark gehäuft auch Lidrandentzündungen auf. Wenn nötig in Zusammenarbeit mit einem Dermatologen muss dann abgeklärt werden, ob eine systemische Hautkrankheit vorliegt.

Ursachen einer posterioren Lidrandentzündung

Bei der hinteren Lidrandentzündung besteht eine Sekretionstörung der Meibomdrüsen. Neuere Untersuchungen belegen, dass bei über 75 Prozent der Trockenen Augen auch eine Meibomdrüsen-Dyskfunktion besteht. Die etwa 30 Meibomdrüsen liegen senkrecht zur Lidkante auf der Innenseite des Unter- und Oberlids und münden auf der Lidkante. Die eingedickten Sekrete sind manchmal als gelbliche Pfropfen erkennbar.

Im Prinzip spielt sich in den Meibomdrüsen die gleiche Pathologie ab wie an den Talgdrüsen der Haut: Recht oft kommt es zu Sekretionsstörungen und Entzündungen. Wenn der Schmelzpunkt der Meibomlipide zu hoch ist, wird zu wenig Öl an die Tränen abgegeben: Die Tränen verdunsten dann stärker als normal, es besteht eine evaporative Form des trockenen Auges. Paradoxerweise tränt das Auge dann leicht, obwohl die Ursache ein trockenes Auge ist, weil die Fettschicht des Tränenfilms fehlt. In den Meibomdrüsengängen kommt es zum Rückstau, und die Fette werden in das umgebende innere Lidrandgewebe fehlgeleitet. Das kann dann zu einer besonderen Fremdkörperreaktion führen: die Bildung eines Hagelkorns (Chalazion).

Symptome einer Blepharitis

Bei der Blepharitis ist der Lidrand rot und geschwollen. Bei der schuppigen Lidrandentzündung klagen die Patienten über verklebte und verkrustete Augen morgens, am Tag über Brennen, Tränen und ein Druckgefühl um die Augen.

Bei der Meibomdrüsen-Dysfunktion ist der Lidrand rot und verdickt, die Öffnungen der Meibomdrüsen sind mit öligem und eingedicktem Sekret gefüllt, das durch Druck auf den Lidrand ausgedrückt werden kann. Oft sind kleine gelblich schimmernde Propfen/Perlen vom Drüsensekret auf der Lidkante sichtbar. Meist besteht auch ein trockenes Auge.

Diagnose einer Lidrandentzündung

Die Diagnose wird vom Augenarzt an der Spaltlampe gestellt.

Behandlung einer Blepharitis

Das Prinzip der Behandlung sowohl der schuppigen als auch der seborroischen Lidrandentzündung besteht darin, dass man eine Lidrandhygiene durchführt. Diese wird in drei Schritten durchgeführt:

  1. Feucht-warme Kompressen mit 40 bis 45 Grad warmem Wasser auf die Augen auflegen (Prinzip der Fangopackung). Damit werden die eingedickten Sekrete verflüssigt.
  2. Massage der Lidränder, um die Drüsen auszudrücken.
  3. Reinigen der Lidränder von den Schuppen und Krusten mit einer speziellen Reinigungslösung, Lidpflegetüchern oder Wattestäbchen mit Babyshampoo.

Behandlung einer anterioren Lidrandentzündung

Schuppige Lidrandentzündungen sind meist chronisch und treten besonders in der kälteren Jahreszeit auf. Lokale Augensalben auf die Lidränder über Nacht, wie Tetrazyklinsalben mit Cortisonanteilen, sind sinnvoll. Auch Augentropfen wie Azyter Augtr. zweimal täglich. über 3 bis 5 Tage helfen oft gut. In hartnäckigeren Fällen entscheidet man sich auch zu länger dauernden Antibiotika-Kuren: Minocyclin oder Doxycyclin 50 bis 100 mg oral pro Tag für drei Monate oder Metronidazol für drei Wochen sind empfehlenswert.

Die Therapie muss regelmäßig durchgeführt werden, wie z.B. auch Kopfschuppen regelmäßig behandelt werden müssen.

Behandlung einer posterioren Lidrandentzündung

Bei der Meibomdrüsendysfunktion oder seborrhoischen Blepharitis werden lipidhaltige Augentropfen/-Gele (Systane ultra, Artelac lipids u.a.) und liposomhaltige Sprays (Tears again u.a.) angewendet. Ein ernährungsphysiologischer Therapieansatz besteht in der Gabe von Omega-3-und Omega-6-Fettsäuren (Fischölkapseln). Damit wird die Zusammensetzung der Lipide verändert und ihr Schmelzpunkt herabgesetzt.

Autor: Dr. med. Wolfgang Hanuschik