Laktoseintoleranz - Medizinische Experten

Die Laktoseintoleranz ist eine Verdauungsstörung, bei der der Körper aufgrund eines Mangels an dem körpereigenen Enzym Laktase nicht oder nur eingeschränkt in der Lage ist, Milchzucker (Laktose) zu verdauen. Menschen mit Laktoseintoleranz leiden deshalb nach dem Genuss von Milch und Milchprodukten an mehr oder weniger ausgeprägten Beschwerden wie Blähungen, Übelkeit, Bauchschmerzen und Durchfall. Schätzungen zufolge sind etwa zwei bis fünf Prozent der Deutschen von einer Laktoseintoleranz betroffen. Die Behandlung der Laktoseintoleranz besteht je Schweregrad der Erkrankung in einer laktosearmen oder laktosefreien Diät.


Medizinischer Lektor Dr. Claus Puhlmann

Dieser Artikel wurde nach den Vorgaben aktueller medizinischer Fachliteratur, Leitlinien und wissenschaftlichen Standards verfasst und sorgfältig von Medizinern geprüft.

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Laktoseintoleranz - Weitere Informationen

Definition: Was ist eine Laktoseintoleranz (Milchzuckerunverträglichkeit)?

Bei der Laktoseintoleranz – auch Milchzuckerunverträglichkeit genannt – handelt es sich um eine Nahrungsmittelunverträglichkeit gegenüber Milchzucker (Laktose), die auf eine Störung im Enzymhaushalt zurückzuführen ist. Der Körper ist dabei aufgrund eines Mangels an dem körpereigenen Enzym Laktase nicht in der Lage, den natürlicherweise in Milch und Milchprodukten vorkommenden Milchzucker zu verdauen. In der Folge treten bei Menschen mit Laktoseintoleranz nach dem Verzehr von Milch und Milchprodukten wie etwa Milchpulver, Käse, Joghurt, Quark, Sahne, Eiscreme oder Schokolade Beschwerden wie Blähungen, Übelkeit, Bauchschmerzen und Durchfall auf.

Milchzucker (Laktose) ist ein Zweifachzucker, der normalerweise von dem in der Schleimhaut des Dünndarms gebildeten Enzym Laktase in seine beiden Bestandteile Glukose und Galaktose aufgespalten wird, die dann anschließend durch die Darmwand ins Blut übertreten können. Bildet der Dünndarm zu wenig oder gar keine Laktase, findet diese Spaltung des Milchzuckers nur eingeschränkt bzw. überhaupt nicht statt. Da der ungespaltene Milchzucker aber nicht vom Dünndarm aufgenommen werden kann, verbleibt er zum einen im Dünndarm, wo er Wasser bindet und so Durchfall verursacht. Zum anderen gelangt er weiter in den Dickdarm, wo er von Bakterien zu Milchsäure, Essigsäure, Kohlendioxid und Wasserstoff vergoren wird, was zu den für Laktoseintoleranz typischen Blähungen führt.

Häufigkeit der Laktoseintoleranz (Milchzuckerunverträglichkeit)

Laktoseintoleranz ist – weltweit betrachtet – eine häufige Eigenschaft, bei Kindern unter fünf Jahren kommt sie allerdings selten vor. Auch tritt sie von Region zu Region bzw. zwischen den Ethnien unterschiedlich häufig auf. Besonders verbreitet ist die Laktoseintoleranz in asiatischen, hispanischen, lateinamerikanischen und schwarzafrikanischen Bevölkerungsgruppen. Weniger häufig kommt der Enzymmangel bei Menschen nordeuropäischen und westafrikanischen Ursprungs sowie bei Menschen des Mittleren Ostens vor. Die folgende Übersicht zeigt eindrucksvoll die regionalen Unterschiede und welcher Anteil der Bevölkerung an einer mehr oder weniger ausgeprägten Laktoseintoleranz leidet:

  • Zwei bis fünf Prozent in Nordeuropa (Skandinavien, Deutschland, Großbritannien)
  • 17 Prozent in Finnland and Nordfrankreich
  • Etwa 50 Prozent in Südamerika und Afrika
  • Zwischen 90 und 100 Prozent in Südostasien
  • Nordamerika: 79 Prozent bei indigenen, 75 Prozent bei afroamerikanischen, 51 Prozent bei hispanischen und 21 Prozent bei kaukasischen Ethnien 

Ursachen einer Laktoseintoleranz (Milchzuckerunverträglichkeit)

Die meisten Neugeborenen können die in der Muttermilch vorhandene Laktose verdauen. Somit sind nahezu alle Menschen auch in der Lage, als Säuglinge Laktase zu bilden. Wie kommt es dann aber dazu, dass viele Menschen eine Laktoseintoleranz entwickeln?

Grundsätzlich können mit dem genetisch bedingten (primären bzw. kongenitalen) und dem erworbenen (sekundären) Laktasemangel mehrere Formen der Laktoseintoleranz unterschieden werden.

Die häufigste Ursache und die Erklärung dafür, dass nahezu alle Säuglinge Laktose vertragen, ist der primäre (natürliche) Laktasemangel (auch Hypolaktasie und im englischen Sprachraum "lactose non-persistence" bezeichnet). Bei ihm nimmt die Laktasebildung nach dem Abstillen im Laufe der Lebenszeit allmählich ab. Etwa 70 Prozent der Weltbevölkerung leiden an dieser Form der Laktoseintoleranz. Da die Bildung der Laktase in der Regel aber nicht komplett zum Erliegen kommt, tolerieren die meisten Personen mit primärer Laktasemangel geringe Mengen an Laktose in der Nahrung.

Allerdings variiert die für die primäre Laktoseintoleranz verantwortliche genetische Eigenschaft zwischen den Ethnien, sodass beispielsweise Asiaten deutlich häufiger laktoseintolerant sind als Europäer (siehe oben unter Häufigkeit). Einer aktuellen Hypothese zufolge trat vor etwa 5.000 bis 10.000 Jahren eine genetische Veränderung im nördlichen Europa auf, wo die Aufnahme von Säugermilch auch nach dem Abstillen fortgesetzt wurde. Die Träger dieser neuen genetischen Eigenschaft hatten plötzlich einen Überlebensvorteil, sodass sich die Fähigkeit zum lebenslangen Laktoseabbau weiter ausbreiten konnte.

Eine weitere genetisch bedingte Form ist der kongenitale (angeborene) Laktasemangel, der allerdings sehr selten vorkommt. Bei ihm besteht bereits von Geburt an ein Enzymmangel, oder das Enzym fehlt komplett (so genannte Alaktasie). Die Beschwerden treten bei betroffenen Neugeborenen mit Beginn des Stillens ein.

Die sekundäre Laktoseintoleranz entsteht als Folge von Erkrankungen des Magen-Darm-Trakts – wie etwa chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen (zum Beispiel Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa), Zöliakie und Morbus Whipple – oder als Behandlungsfolge, etwa nach Operationen des Magen-Darm-Trakts oder nach der längeren Einnahme von Medikamenten wie Antibiotika oder Zytostatika.

Symptome einer Laktoseintoleranz (Milchzuckerunverträglichkeit)

Die Beschwerden einer Laktoseintoleranz treten in der Regel innerhalb von 30 bis 60 Minuten nach dem Verzehr von Milch – insbesondere Kuhmilch, aber auch Ziegen- oder Schafsmilch – und Milchprodukten – beispielsweise Milchpulver, Käse, Joghurt, Quark, Sahne, Molke, Eiscreme oder Schokolade – auf. Typischerweise verursacht eine Laktoseintoleranz dann Symptome wie krampfartige Bauchschmerzen, Blähungen, laute Darmgeräusche, Völlegefühl, Durchfall, Verstopfung, starken Stuhldrang, Übelkeit und Erbrechen. Aber auch untypische Symptome, die nicht auf den Verdauungstrakt bezogen sind, können bei einer Laktoseintoleranz auftreten. Hierzu gehören unter anderem Kopfschmerzen, Schwindel, Müdigkeit, Abgeschlagenheit, Gliederschmerzen oder Hautprobleme wie Akne.

Wie stark die Symptome ausgeprägt sind, hängt davon ab, ob der Betroffene unter einer leichten oder schweren Laktoseintoleranz leidet und welche Menge von laktosehaltigen Lebensmitteln er verzehrt hat. So vertragen einige Betroffene zumindest geringe Mengen an Milchzucker ohne Symptome zu entwickeln, während andere nur dann beschwerdefrei sind, wenn sie komplett auf Milchzucker verzichten.

Diagnose einer Laktoseintoleranz (Milchzuckerunverträglichkeit)

Die Verdachtsdiagnose Laktoseintoleranz kann meist schon aufgrund der typischen Beschwerden nach Verzehr von laktosehaltigen Nahrungsmitteln gestellt werden. Zur Bestätigung der Diagnose einer Laktoseintoleranz stehen mit dem Selbsttest, dem H2-Atemtest und dem Laktose-Belastungstest verschiedene Möglichkeiten zur Verfügung.

Beim Selbsttest verzichtet der Betroffene zunächst einige Tage auf den Verzehr von Milch und milchhaltigen Produkten und trinkt dann ein Glas Milch. Treten unmittelbar danach typische Beschwerden wie Bauchschmerzen oder Durchfall auf, besteht der Verdacht auf eine Laktoseintoleranz. Verschwinden die Symptome nach drei bis vier Wochen ohne den Verzehr von Milchprodukten, ist die Diagnose so gut wie gesichert.

Der am weitesten verbreitete Test zur Diagnose einer Laktoseintoleranz ist der H2-Atemtest (H2 = Wasserstoff). Während der Zersetzung der Laktose entstehen Gase, so auch der farb- und geruchlose Wasserstoff. Dessen Gehalt in der Atemluft wird vor und nach der Einnahme einer Laktoselösung zu definierten Zeitpunkten gemessen. Außerdem wird beobachtet, ob der Patient Durchfall oder Anzeichen von Blähungen bekommt.

Ein anderes Verfahren, mit dem sich eine Laktoseintoleranz diagnostizieren lässt, ist der Laktose-Belastungstest. Hierbei wird dem Patienten ebenfalls eine Laktoselösung verabreicht. Anschließend wird in einer Blutanalyse gemessen, wie viel Glukose (aufgespaltener Milchzucker) im Blut enthalten ist. Ist der Anteil zu gering, ist davon auszugehen, dass es sich um eine Laktoseintoleranz handelt.

Die Bestimmung der Laktaseaktivität in einer Gewebeprobe des Dünndarms kann ebenfalls Rückschlüsse auf einen Laktasemangel geben. Da der Test aber relativ fehleranfällig und sehr teuer ist, wird er nur selten angewandt.

Darüber hinaus gibt es für kaukasische Bevölkerungsgruppen mittlerweile auch einen Gentest, der den primären Laktasemangel voraussagt, noch bevor die ersten Symptome aufgetreten sind. Allerdings ist der Einsatz dieses Tests in der Medizin umstritten, da er zu einer unnötigen und zu frühen Laktoserestriktion bei noch gesunden Personen führen könnte.

Behandlung einer Laktoseintoleranz (Milchzuckerunverträglichkeit)

Die Therapie einer Laktoseintoleranz besteht in der Regel darin, die Ernährung auf eine laktosearme bzw. laktosefreie Diät umzustellen. Betroffene sollten also – je nach Schweregrad der Laktoseintoleranz – teilweise oder vollständig auf den Verzehr von Milch oder Milcherzeugnissen verzichten und stattdessen auf laktosefreie oder laktosereduzierte Lebensmittel zurückgreifen. Infrage kommen hier unter anderem Soja-Produkte oder laktosefreie Milchprodukte. Bei letzteren besteht, bis auf den ein wenig süßlichen Geschmack, der durch die industrielle Abspaltung der Laktase entsteht, kein geschmacklicher Unterschied.

Jugendliche und Erwachsene mit primärem Laktasemangel tolerieren bis zu 12 bis 24 Gramm Laktose pro Tag, sofern der Milchzucker verteilt über den Tag aufgenommen wird. Da Laktose hauptsächlich im wässrigen Anteil der Milch zu finden ist, enthält beispielsweise Hartkäse nur relativ wenig Laktose (0,1 bis 0,9 Gramm je 30 Gramm Hartkäse) und Butter nur eine vernachlässigbar geringe Menge.

Personen mit kongenitalem Laktasemangel müssen in der Regel lebenslang vollständig eine laktosefreie Diät halten, betroffene Säuglinge dürfen nicht mehr gestillt werden. Abhängig vom Schweregrad des Enzymmangels tolerieren manche ältere Kinder und Erwachsene geringe Laktosemengen in der Nahrung.

Wer vollständig auf Milchprodukte verzichtet, sollte gegebenenfalls Kalziumpräparate einnehmen, um möglichen Mangelerscheinungen vorzubeugen. Zudem kann bei einer Laktoseintoleranz die Einnahme des fehlenden Enzyms Laktase in Form eines "Nahrungsergänzungsmittels" hilfreich sein. Das Enzym ist in flüssiger Form oder in Tablettenform erhältlich und kann unmittelbar vor oder mit einer milchhaltigen Mahlzeit eingenommen oder der Milch zugesetzt werden. Da das Enzym durch die Magensäure bzw. durch zu heiße Getränke inaktiviert wird, ist der richtige Einnahmezeit und die korrekte Anwendung sehr wichtig. Nur wenn eine aktive Laktase mit der Laktose in Verbindung kommt, kann es seine Funktion erfüllen und den Zucker aufspalten. Die Anwendungshinweise zum Präparat müssen also genau befolgt werden.

Manchen probiotischen Bakterien, die teilweise laktosespaltende Eigenschaften besitzen, wird bei Personen mit Laktoseintoleranz ebenfalls ein gesundheitsfördernder Nutzen zugesprochen. Insbesondere die Bakteriengattungen Lactobacillus and Bifidobacterium scheinen wirksam zu sein. Ein probiotischer Joghurt könnte also besser vertragen werden als ein klassisch hergestellter (erhitzter und damit "bakterienfreier") Joghurt.

Handelt es sich um eine sekundäre Laktoseintoleranz, die als Begleiterscheinung einer Darmerkrankung auftritt, ist es wichtig, die zugrunde liegende Krankheit zu behandeln.

Prognose bei einer Laktoseintoleranz (Milchzuckerunverträglichkeit)

Eine Laktoseintoleranz verläuft häufig chronisch und ist meist nicht heilbar. Lebensbedrohlich ist sie aber nicht. Und auch die Lebenserwartung wird durch eine Laktoseintoleranz nicht eingeschränkt. Betroffene sollten sich aber auf eine lebenslange laktosearme bzw. laktosefreie Ernährung einstellen. Wird diese Diät konsequent eingehalten, können die meisten Betroffenen ein beschwerdefreies Leben führen.

Quellen

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