Prostatahyperplasie - Medizinische Experten

Prostatahyperplasie nennt man in der Medizin eine krankhaft vergrößerte Prostata. Da die Veränderung gutartig ist, bezeichnet man sie auch als benigne Prostatahyperplasie (BPH). Die meisten von der Erkrankung Betroffenen sind Männer ab dem mittleren Lebensalter. Vereinzelt kommt es jedoch auch bei Männern im vierten Lebensjahrzehnt zum Auftreten einer Prostatahyperplasie.

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Prostatahyperplasie - Weitere Informationen

Was ist eine Prostatahyperplasie?

Die Prostatahyperplasie ist die bei männlichen Patienten am häufigsten diagnostizierte urologische Erkrankung. In der Altersgruppe der 50- bis 60-jährigen Männer ist sogar jeder zweite von ihr betroffen.

Bei der BPH kommt es zu einem verstärkten Wachstum der Gewebezellen in der Vorsteherdrüse (Prostata). In der Folgezeit nimmt das Volumen des Organs zu. Die sich vermehrenden Zellen verhalten sich jedoch nicht-invasiv, das heißt, sie wachsen nicht in benachbarte Gewebe hinein. Es handelt sich also um einen gutartigen Tumor.

Da sich die männliche Vorsteherdrüse direkt vor dem Mastdarm und unter der Harnblase befindet, treten Beschwerden auf, wenn sich das normalerweise nur 25 Gramm schwere und etwa kastaniengroße Organ vergrößert und dann bis zu 150 Gramm wiegt.

Der benignen Prostatahyperplasie kann man nicht vorbeugen. Allerdings kann man mit einer gesunden Lebensweise (Reduzierung von Übergewicht, Verzicht auf Nikotin) und regelmäßiger körperlicher Bewegung das persönliche Risiko verringern, an ihr zu erkranken.

In der Literatur findet sich häufiger der Begriff Prostata-Adenom als Synonym für die BPH. Er ist medizinisch nicht korrekt, da bei der benignen Prostatahyperplasie nicht nur die Anzahl der Drüsenzellen - wie das bei einem Adenom typisch ist - sondern auch die der Muskel und Bindegewebszellen erhöht ist.

Symptome der benignen Prostatahyperplasie

Die Vergrößerung der Prostata zeigt sich vor allem mit den folgenden Symptomen:

  • schwacher Harnstrahl bis hin zum Harnverhalt
  • unterbrochener Harnstrahl
  • verzögertes Wasserlassen
  • Pressen beim Wasserlassen
  • häufiger Harndrang, aber nur geringe Harnmengen
  • nächtlicher Harndrang
  • Nachträufeln
  • Restharngefühl
  • Schmerzen beim Wasserlassen (in Einzelfällen)
  • männliche Impotenz

Falls Sie eines oder mehrere der genannten Symptome bei sich beobachten, empfiehlt es sich, möglichst bald die Hilfe eines Facharztes für Urologie in Anspruch zu nehmen.

Wenn Sie gar keinen Harn mehr lassen können, sollten Sie sich schnellstens in die Notaufnahme der Klinik einliefern lassen. Dann kommt es zum Harnstau bis hoch in die Nieren, der eine Urämie verursacht. Bei der Harnvergiftung gehen Gifte aus dem Urin ins Blut über, sodass Lebensgefahr besteht.

Prostatahyperplasie / Prostatavergrößerung

Diagnose der benignen Prostatahyperplasie

Am Anfang der Diagnose steht die digital-rektale Untersuchung (DRU) durch einen Facharzt für Urologie. Dabei führt einen Finger in den Mastdarm des Patienten ein und betastet die Vorsteherdrüse. Ist die Prostata durch die BPH vergrößert, hat sie eine glatte elastische Oberfläche. Danach überprüft der Untersuchende die Funktion des Schließmuskels und die Reflexe, um andere Erkrankungen wie Morbus Parkinson auszuschließen.

Um eine mögliche Harnröhren-Infektion auszuschließen, lässt er eine Urinprobe vom Patienten im Labor untersuchen. Eine winzige Gewebeprobe aus der Prostata, die vom Mastdarm aus genommen wird, gibt Auskunft darüber, ob die Zellen auch wirklich gutartig sind oder aber auf einen Prostatakrebs hindeuten.

Das Ultraschallbild macht mögliche Komplikationen wie Divertikel (Ausstülpungen der Organ-Wand) und Blasensteine sichtbar. Dazu verwendet man den transrektalen Ultraschall (TRUS). Er wird in das Rektum (Mastdarm) des Kranken eingeführt. Der herkömmliche Ultraschall des Unterbauches zeigt die Größe der Prostata und die Restharnmenge an.

Mithilfe der Uroflowmetrie misst man die Stärke des Harnflusses. Sie beträgt bei gesunden Patienten zirka 20 Milliliter pro Sekunde. Liegt der Wert jedoch unter 10 Milliliter, ist das ein Hinweis auf eine verengte Harnröhre. Bei der Uroflowmetrie uriniert der Kranke in einen mit Spezial-Sensoren versehenen Trichter.

In bestimmten Fällen setzt man auch eine Blasenspiegelung (Zystoskopie) ein, um die Verdachtsdiagnose benigne Prostatavergrößerung abzuklären.

Wie entsteht eine benigne Prostatahyperplasie?

In der männlichen Vorsteherdrüse stellt eine Vielzahl kleiner Drüsen ein Sekret her, das die Samenzellen schützt und zu erhöhter Aktivität anregt. Die Flüssigkeit wird in die Harnröhre abgegeben. Die in der Prostata befindlichen Drüsen sind von glatten Muskelzellen und Bindegewebszellen umgeben.

Bei der BPH nimmt die Anzahl dieser Muskel und Bindegewebszellen stark zu. Außerdem lässt sich noch ein Übermaß an von den Drüsen hergestellten Zellen feststellen. Laut aktuellen medizinischen Erkenntnissen geschieht das dadurch, dass die alternden Zellen verspätet absterben. Dadurch wird die Außenschicht der Prostata dünner. Darüber hinaus ist das Organ nicht mehr in der Lage, genügend Sekret herzustellen.

Was die Zellen dazu bringt, länger als normal zu leben, konnte die medizinische Forschung bislang noch nicht hundertprozentig klären. Eine Schlüsselrolle scheint jedoch dabei das Dihydrotestosteron (DHT) zu bilden. Das ist die im Körper stärker wirksame Variante des männlichen Geschlechtshormons Testosteron.

Auch das weibliche Geschlechtshormon Östrogen, das im männlichen Körper ebenfalls vorkommt, fördert nach Meinung der Mediziner das Entstehen einer vergrößerten Vorsteherdrüse. Es kommt bei Männern nach den Wechseljahren in höherer Konzentration vor als bei jüngeren Männern, wohingegen der DHT-Spiegel im Blut niedriger ist. Dieser Östrogen-Anstieg wiederum erhöht das Risiko, an einer BPH zu erkranken.

Männliche Patienten mit starkem Übergewicht haben ein generell höheres Risiko, eine Prostata-Vergrößerung zu bekommen, da der hohe Anteil von Fettzellen in ihrem Körper die Östrogen-Konzentration im Blut noch zusätzlich steigert.

Der zwischen den Drüsen befindliche Zwischenraum ist ebenfalls an der Entstehung der Erkrankung beteiligt: Bindet er im Übermaß Wachstumsfaktoren, fördert das die Vermehrung der Zellen oder verhindert ihr natürliches Absterben (Apoptose, Zelltod).

Eine genetische Ursache hat die BPH meist nur bei den Patienten, bei denen sie in früheren Lebensjahrzehnten auftritt. So gehen Mediziner davon aus, dass nur etwa 9% der benignen Prostatahyperplasien bei Männern über 60 genetisch bedingt sind.

Wie behandelt man eine benigne Prostatahyperplasie?

Falls die Erkrankung noch keine Beschwerden verursacht, reicht es aus, sie in regelmäßigen Abständen zu kontrollieren.

Medikamentöse Behandlung

In Stadium I der Erkrankung oder - bei leichteren Fällen - im Stadium II erhält der Patient Medikamente verabreicht. Zu den am häufigsten eingenommenen Mitteln gehören pflanzliche Präparate. Sie sind sehr gut verträglich, aber nur bei leichteren Beschwerden einsetzbar. Dazu gehören beispielsweise Präparate mit Brennnessel-Wurzel, Kürbiskernen, Roggen, Afrikanischer Pflaume oder Sägepalme. Sie verhindern die Bildung von Wachstumsfaktoren, der 5-Alpha-Reduktase - das ist das Enzym, das Testosteron in DHT umwandelt - oder lassen die Zellen schneller absterben. Außerdem blockieren sie das männliche Geschlechtshormon.

Alphablocker sind synthetisch hergestellte Medikamente, die die Prostata und Harnröhren-Muskeln entspannen und so ein weniger behindertes Wasserlassen ermöglichen. Zu dieser Wirkstoffgruppe gehören beispielsweise Tamsulosin, Doxazosin und Alfuzosin.

Chemische 5-Alpha-Reduktase-Hemmer sind die Wirkstoffe Dutasterid und Finasterid. Da es bei Patienten, denen man diese Mittel verschreibt, häufiger zu Potenz-Problemen und sexueller Unlust kommt, verabreicht man neuerdings bevorzugt PDE-Hemmer wie Tadalafil.

Sie haben eine ähnliche Wirkung wie die pflanzlichen Enzym-Blocker. Um den starken Harndrang zu reduzieren, setzt man Mittel ein, die den Muskel der Blase in seiner Aktivität hemmen.

Alle zur Behandlung der gutartigen Prostatavergrößerung verwendeten Medikamente verlangsamen das Fortschreiten der Erkrankung. Mitunter kommt es sogar zur Schrumpfung der Prostata.

Prostataembolisation

Die noch recht junge Methode der Prostataembolisation (PAE) - sie wurde erstmals 2008 durchgeführt - hat sich immer mehr zu einer Alternative zur medikamentösen Therapie oder einer TURP (s. unten) entwickelt. Es handelt sich um ein minimal-invasives Verfahren, das ohne Allgemeinnarkose auskommt und ambulant durchgeführt werden kann.

Aktuelle Studien zeigen, dass bei der Prostataembolisation gleichzeitig wesentlich weniger Komplikationen auftreten als bei einem operativen Eingriff wie TURP:

  • geringes Infektionsrisiko
  • keine Blutungen und keine Nachblutungen über die Harnwege
  • kein Risiko einer Inkontinenz

Das Prinzip der Prostataembolisation beruht darauf, die Blutzufuhr der Prostata zu verringern. Dies erreichen die Ärzte mithilfe eines Katheters, der durch einen winzigen Einstich durch die Beckenarterie in die Prostataarterie geführt wird. Die Lage des Katheters kontrollieren die Ärzte während des Eingriffs mittels CT. Über den Katheter werden nun winzige Kunststoffteilchen in die verästelten Arterien der Prostata eingebracht, bis die Blutzufuhr unterbunden ist.

Durch die verringerte Blutversorgung kann sich in den Wochen oder Monaten danach die krankhaft vergrößerte Prostata wieder verkleinern und der Patient erhält seine Lebensqualität zurück. Bei 75-94% aller Eingriffe verzeichnen die Ärzte einen Erfolg.

Eine Prostataembolisation kann jedoch nicht immer durchgeführt werden. Ausschlusskriterien sind verschiedene Erkrankungen, darunter eine akute Harnweginfektion, ein Prostatakarzinom und unter Umständen auch eine chronische Niereninsuffizienz.

Operative Behandlung

Bei der Operation zur Beseitigung der benignen Prostatavergrößerung gibt es verschiedene Verfahren. Welches letztlich zum Einsatz kommt, hängt vom Individuum ab. Goldstandard ist noch immer die transurethrale Resektion der Prostata (TURP). Der Eingriff ähnelt dem der Blasenspiegelung: Der Chirurg führt ein schmales Röhrchen in die Harnröhre ein, das am freien Ende mit einer hochauflösenden Kamera und Licht ausgestattet ist. Die unter Strom gesetzte Metallschlinge trägt das überflüssige Gewebe Schicht für Schicht ab. Das heutzutage angewandte technisch verbesserte TURP-Verfahren führt nur vereinzelt zu unerwünschten Nebenwirkungen. Allerdings steigt die Komplikationsrate, je größer die Prostata ist.

Die transurethrale Inzision der Prostata (TUIP) kommt nur bei noch nicht zu starker Prostatahyperplasie in Betracht. Man schneidet überschüssiges Gewebe lediglich am Übergang zwischen Prostata und Blasenhals ein, damit die Harnröhre nicht eingeengt ist.

Eine weitere Operationsmethode ist die TUMT (transurethrale Mikrowellen-Therapie): Die Wellen zerstören das gutartige Gewebe durch Hitze, sodass die Prostata schrumpft.

Auch Laser kommen bei der benignen Prostatahyperplasie zum Einsatz. Sie zerstören das Prostata-Gewebe oder tragen es schichtweise ab. Vor allem die HoLEP-Methode hat einen ähnlich hohen Wirkungsgrad wie das Standardverfahren.

Eine offene Operation ist nur bei einer sehr stark vergrößerten Prostata notwendig. Der Chirurg schneidet die Blase auf und entfernt von dort aus die Vorsteherdrüse (Prostataenukleation).


Der Abschnitt zur Prostataembolisation wurde überprüft von unserem Experten Prof. Dr. rer. physiol. Dr. med. Johannes T. Heverhagen.

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