Haarentfernung - Medizinische Experten

In Abhängigkeit vom kulturellen Umfeld gilt die Enthaarung von Körperteilen als Teil der routinemäßigen Körperpflege. Das Entfernen von Haaren wird in der Regel aus optisch-ästhetischen Gründen durchgeführt. Ein medizinischer Vorteil oder gar eine Notwendigkeit zur Haarentfernung besteht bei entzündlichen Erkrankungen der Haut, die sich schwerpunktmäßig im Bereich der Haarfollikel manifestieren und bei denen eine Enthaarung des betroffenen Hautareals ein Rezidiv der entzündlichen Erkrankung verhindern kann, wie dies beispielsweise bei der Akne inversa diskutiert wird.

Weitere Informationen zur Haarentfernung bzw. Enthaarung finden Sie im Text weiter unten.

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Haarentfernung - Weitere Informationen

Was ist bei der Haarentfernung zu beachten?

Haarwachstumszyklus

Beim Aufbau des Haares ist der Haarbalg (lokalisiert in der Tiefe der Haut) die verantwortliche Struktur zum Haarwachstum. Haare durchlaufen dabei mit ihrem Follikelzyklus Phasen des Wachstums und des Ausfallens. Während eines solchen Wachstumszykluses unterscheidet man die eigentliche Wachstumsphase (= Anagenphase) von der sich anschließenden Atrophiephase (Katagenphase) und der Ausfallphase (Telogenphase).

Die Dauer der einzelnen Zyklusphasen ist abhängig von der anatomischen Lokalisation, in der das Haarwachstum stattfindet. Die Haarfollikel eines Areals sind nicht synchronisiert, d.h. sie befinden sich zeitgleich in verschiedenen Stadien des Wachstumszyklus. Im gesunden Zustand stehen die drei Phasen in ihrer Dauer in einem natürlichen Gleichgewicht.

Haarmode

Während bei Männern eine dezent sprießende Körperbehaarung bis zu einem gewissen Grad als ästhetisch empfunden wird, geht der Trend bei Frauen zur dauerhaften Haarentfernung bestimmter Körperregionen. Zu den bevorzugt haarlosen Körperregionen gehören

  • die Beine,
  • die Bikinizone,
  • die Achselregion,
  • das Kinn und
  • die Oberlippe.

Bei Männern geht der Trend zur Enthaarung im Bereich von Brust, Achselregion und Rücken. Hierbei spielen nicht nur optische Gründe eine Rolle; dichte Haare stören auch beim Sport und Schwitzen.

Ursachen übermäßiger Behaarung

Eine krankhafte Ursache übermäßiger Behaarung muss in jedem Einzelfall ausgeschlossen sein. Hieran ist insbesondere dann zu denken, wenn sich die übermäßige Behaarung besonders ausgeprägt oder besonders rasch entwickelt oder andere Virilisierungserscheinungen wie z.B. Menstruationsstörungen angegeben werden. Ursächlich in Frage kommen

  • hormonelle Erkrankungen der Nebennierenrinde,
  • Erkrankungen der Eierstöcke, z.B. ein polyzystisches Ovarialsyndrom,
  • Morbus Cushing,
  • Tumore sowie
  • bestimmte Medikamente (z.B. Glucocorticoide, Minoxidil, Ciclosporin).

In den meisten Fällen ist die übermäßige Behaarung nicht krankhaft, sondern anlagebedingt vererbt. Es besteht lediglich eine anlagebedingte erhöhte Androgenempfindlichkeit der Haarfollikel, aber keine nachweisbare gesteigerte Androgenproduktion.

Welche Methoden der Enthaarung gibt es?

Zum Entfernen von Haaren steht eine Vielzahl an Epilations- und Depilationsverfahren zur Verfügung, wobei die Epilationsverfahren in temporäre und dauerhafte Verfahren kategorisiert werden können:

  • Unter Depilation versteht man die Entfernung ausschließlich des sichtbaren Teils der Haare (Rasur, Enthaarungscreme).
  • Bei der Epilation hingegen wird das Haar aus dem Haarfollikel entfernt. Bei der temporären Epilation wird das Haar entfernt ohne die Haarwurzel zu zerstören, weshalb das Haar mit einer gewissen zeitlichen Latenz wieder nachwachsen kann. Bei der dauerhaften Epilation wird die Haarwurzel mit zerstört.

Depilationsverfahren zur Haarentfernung

  • Rasieren: Rasieren ist die bekannteste und schnellste Methode zur Haarentfernung. Insbesondere Männer wenden die tägliche Bartrasur an. Das Haar wird direkt an der Hautoberfläche abgeschnitten. Mit modernen Rasierern ist das Risiko, sich zu schneiden, sehr gering. Nachteil: Die Rasur muss in Abhängigkeit von der Körperregion täglich bzw. alle zwei Tage wiederholt werden. Der Nachwuchs kann im Verlauf dicker „aussehen“, da beim Rasieren die feinen Spitzen gekappt werden. Die Ansicht eines abgeschnittenen Haarschaftes gegenüber der Haarspitze eines ungeschnittenen Haares lässt die nachwachsenden Haare „dicker“ erscheinen. Der Haardurchmesser wird jedoch nicht messbar verändert.
  • Enthaarungscremes (chemische Depilatoren): Als Wirkstoffe enthalten die Epilationscremes zumeist substituierte Mercaptane, 2 bis 10 Prozent Thioglykolate, die mit 2 bis 6 Prozent Natronlauge gemischt sind. Die Chemikalien werden in Form von Pasten, Cremes oder Lotionen auf die Haut aufgetragen. Sie zersetzen das Haar direkt an der Hautoberfläche, was wiederum zu einer Hautreizung führen kann. Eine lokale Rötung oder ein „Ausschlag“ kann die Folge sein. Um eine großflächige Hautreizung zu vermeiden, werden die Enthaarungscremes idealerweise zunächst an einer kleinen Teststelle ausprobiert und nach 48 Stunden beurteilt. Das Auftragen der Cremes ist schmerzfrei. Die Wirkung hält bis zu 14 Tage an.

Epilationsverfahren zur temporären Entfernung von Haaren

Beim Epilieren wird das Haar aus dem Haarfollikel entfernt. Da nicht alle Haare zeitgleich im selben Wachstumszyklus wachsen, muss zu Beginn öfter epiliert werden. Mit der Zeit wird der Nachwuchs schwächer, die Haare werden dünner. Der Epiliervorgang ist leicht schmerzhaft. Nachteil: Es können Haare unter der Haut einwachsen. Das Ergebnis der temporären Enthaarung kann bis zu fünf Wochen anhalten.

  • Zupfen: Das Ausreißen von Haaren mit der Pinzette ist wegen des hohen Zeitaufwandes nur für vereinzelte Härchen oder sehr schmale Regionen geeignet, z.B. die Augenbrauen. Das Verfahren kann im Einzelfall etwas schmerzhaft sein. Wenn die Haare in Wuchsrichtung gezupft werden, ist die Methode weniger schmerzhaft. Bei wiederholten Anwendungen nimmt der Haarwuchs ab.
  • Wachsen: Epilationswachse bestehen aus Harz (Kolophonium) und Wachs (Bienenwachs, Paraffin). Zur Verfügung stehen Kalt- oder Heißwachs. Kaltwachsstreifen sind in Drogeriemärkten erhältlich und leicht anzuwenden. Die Streifen werden mit den Fingern leicht angewärmt, aufgeklebt und entgegen der Wuchsrichtung der Haarfollikel abgerissen. Beim Heißwachs ist die Technik identisch. Die Behandlung muss jedoch von professioneller Hand durchgeführt werden. Das auf die Haut aufgetragene und erstarrte Wachs schließt die Haare ein. Es wird ruckartig entgegen der Follikelrichtung wieder abgezogen, die Haare damit ausgerissen. Voraussetzung für den Erfolg des Wachsens ist, dass die Haare eine bestimmte Länge haben. Das Enthaarungsergebnis beim Heißwachs hält länger als beim Kaltwachs. In orientalischen Ländern werden statt Epilationswachse alternativ gerne Zuckermischungen angewandt. Die klebrige Zuckerpaste heißt Halawa. Das Wachsen bzw. „sugaring“ ist mäßig schmerzhaft. Unerwünscht können im behandelten Areal Hautreizungen und bräunliche „Flecken“ (postinflammatorische Hyperpigmnentierungen) auftreten sowie Haare einwachsen.
  • Fadenepilation: Hierbei handelt es sich um eine insbesondere in asiatischen Ländern alternativ zum Wachs und zur Pinzette sehr verbreitete Methode. Der Behandler dreht den Faden sehr schnell zwischen den Fingern beider Hände und führt ihn so über den Körper, dass sich beim Drehen die Haare dazwischen verfangen und so entfernt werden. Die Methode wird an allen zu enthaarenden Körperarealen angewandt und ist fast schmerzlos.
  • Elektrische Epilierer: Es handelt sich um elektrische Rasierapparate, die mit sich drehenden Walzen oder Federn das Haar samt der Wurzel herausziehen.

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Von Othertree - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, Link

Epilationsverfahren zur dauerhaften Haarentfernung

Eine Haarentfernung wird definitionsgemäß als dauerhaft bezeichnet, wenn die Haarfreiheit im behandelten Areal länger als drei Monate andauert. Die nachfolgend angeführten Methoden haben die Zerstörung des Haarfollikels zum Ziel. Der dauerhafte Erfolg der Enthaarung ist abhängig von der Zerstörung der gesamten Haaranlage, d.h. sowohl der Haarmatrix als auch der Haarpapille, da bei isolierter Zerstörung einer dieser b

eiden Teile trotzdem ein neues Haar hervorgehen kann.

Die dauerhaften Enthaarungsmethoden können nur in der Wachstumsphase der Haare wirken. Da aber jeweils nicht alle Haare sich zeitgleich in diesem Wachstumszyklus befinden, sind immer Mehrfach-Behandlungen (im Durchschnitt ca. 5 bis 7 Sitzungen im Abstand von ca. 6 Wochen) essentiell.

  • Elektroepilation: Hierbei führt der Behandler eine sehr feine Stahlsonde in jeden Haarfollikel. Die über die Sonde abgegebene elektrische Energie schädigt die Haarwachstumszellen.
  • Lasern: Zur Anwendung kommen langgepulste Dioden-, NdYag-, Rubin- und Alexandritlaser. Das zu behandelnde Areal wird mit dem Laserkopf „abgescannt“, in Abhängigkeit vom angewandten System nach vorangegangener lokaler Betäubung mit einer anästhesierenden Creme. Der Laser arbeitet mit genau einer Wellenlänge und ist daher sehr präzise auf seine Zielstruktur gerichtet. Moderne Geräte haben zum Schutz der oberen Hautschicht eine Oberflächenkühlung integriert.
  • IPL-Behandlung: Bei den sog. Blitzlampen handelt es sich um hochenergetische gepulste Lichtsysteme (IPL / intense pulsed light). Zu den technischen Spezifikationen gehören ein breites Wellenlängenspektrum von 680–980 nm und eine Lichtenergie von 10–45 J/cm2. Es wird ein Gel auf die Haut aufgetragen und das zu enthaarende Areal mit dem Behandlungskopf „abgescannt“. Die physikalischen Parameter wie Impulsdauer und Impulssequenz werden in Abhängigkeit vom Hauttyp und der Haarfarbe wie beim Lasern individuell eingestellt.

Nach der Behandlung mittels Laser oder IPL-Technologie kann es zu einer lokalen Rötung, Schwellung und/oder einer umschriebenen Schorfbildung kommen, die innerhalb mehrerer Tage abheilt. Sonnenexposition muss in jedem Fall streng vermieden werden.

Da die Verfahren zur dauerhaften Haarentfernung höhere Kosten verursachen, weichen manche Interessierte in kostengünstigere Kosmetikinstitute aus. Die dort verwendeten Lichtblitzlampen enthalten jedoch deutlich weniger Energie. Folge kann sein: Die Haarfollikel werden nur beschädigt und nicht endgültig zerstört. Die Haare können in einer dünneren Form nachwachsen. Nachteil: Die so beschädigten Haarfollikel kann ein medizinischer Laser aufgrund des geschwächten Haarpigments nicht mehr erfassen. Die dauerhafte Haarentfernung ist dann damit unmöglich.

Autor: Dr. med. Sylvia Proske

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