Tumorchirurgie - Ziele und häufige Tumoroperationen im Überblick

KrebsbehandlungMeist ist die Tumorchirurgie Teil eines ganzheitlichen Konzepts zur Behandlung einer Krebserkrankung, an dem Tumorspezialisten aus den Bereichen der Chirurgie, Onkologie, Pathologie und Strahlentherapie, aber auch der betreuende Haus- oder Facharzt mitwirken. Je nach Lokalisation der Krebserkrankung können weitere Spezialisten (z. B. aus der Urologie oder Gynäkologie) hinzugezogen werden.

Diese individuelle Vorgehensweise und die Nachbehandlung werden für jeden Patienten in der wöchentlich stattfindenden interdisziplinären Tumorkonferenz (Tumor-Board) besprochen und festgelegt. Der Behandlung liegen die Empfehlungen nationaler und internationaler Fachgesellschaften (z.B. die AWMF-Leitlinien) zugrunde. Über das Tumorboard wird auch die ambulante Weiterbehandlung und Nachsorge für den Patienten festgelegt.

Voraussetzung für ein optimales Therapiekonzept ist die Kenntnis über den Tumortyp, Ausdehnung der Krebserkrankung und über den Metastasierungsgrad (Tumorstadium, Tumor-Staging). Dabei beeinflussen auch Erkenntnisse aus der molekularbiologischen Forschung und die technologische Entwicklung die moderne onkologische Chirurgie wesentlich. Eine exakte Diagnostik (z. B. CT, MRT, Angiographie, Ultraschall, Kontrastmittelsonographie, Endoskopie, Histologie) zu Beginn jeder Krebsbehandlung ist daher entscheidend.

Abhängig von den Ergebnissen der Diagnostik kann die Krebsbehandlung aus einer Chemotherapie, einer Strahlentherapie oder einer Tumor-OP oder aus einer Kombination dieser drei Therapieoptionen bestehen. Dabei kann die Tumorchirurgie vorangestellt werden oder/und einer Chemo- und/oder Strahlentherapie folgen. Man spricht dann von einer präoperativen (neoadjuvanten) oder postoperativen (adjuvanten) Chemotherapie bzw. Strahlentherapie.

Themenübersicht dieses Artikels

Ziele einer Tumoroperation

Das vorrangige Ziel der Tumorchirurgie besteht in der Heilung des Krebses, wobei eine möglichst hohe Lebensqualität erhalten bleiben soll. Daher soll mittels onkologischer Chirurgie meist immer der Tumor und die umgebenden Lymphknoten vollständig entfernt werden. Das umgebende gesunde Gewebe muss aber weitestgehend geschont und die Gefahr eines Wiederauftretens der Tumorerkrankung minimiert werden.

Eine kurative Tumoroperation hat die Heilung des Patienten, also die Tumorentfernung unter Vermeidung eines Rezidivs zum Ziel. Die palliative Tumorchirurgie beseitigt, lindert oder vermeidet Symptome bei nicht heilbaren Tumoren. Bei der zytoreduktiven Tumorchirurgie soll eine möglichst weitgehende Entfernung des Tumorgewebes (Debulking) mit dem Ziel erreicht werden, die Ausgangssituation für andere Verfahren (Chemotherapie, Strahlentherapie) zu verbessern.

Spezialisten für Onkologische Chirurgie finden

Während noch vor wenigen Jahren eine Heilung mittels Tumoroperation schwierig war, ist heute die Tumorchirurgie durch das bessere Verständnis der Krebserkrankung und moderner Verfahren in der onkologischen Chirurgie ein entscheidender Bestandteil der Krebsbehandlung. Mittlerweile werden in der chirurgischen Onkologie zunehmende minimal-invasive Techniken angewendet. Befindet sich die Krebserkrankung noch in einem frühen Stadium, kann der Krebs oft durch alleinige onkologische Chirurgie geheilt werden. Bei einer fortgeschrittenen Krebserkrankung sind in der Regel kombinierte Therapieansätze mit Tumorchirurgie und Strahlen- und Chemotherapie erforderlich, um den Tumor zu behandeln.

Wann ist eine Tumoroperation notwendig?

Solide Tumoren

Grundsätzlich kann nur eine solide Krebserkrankung operiert werden, also feste Tumoren, die zunächst örtlich begrenzt sind, später aber in das umgebende Gewebe oder gar als Metastasen streuen können. Solide Tumoren können von verschiedenen inneren Organen ausgehen und gutartig (benigne) oder bösartig (maligne) sein. Dagegen können beispielsweise Krebserkrankungen der Lymphbahnen oder des blutbildenden Systems nicht mit Methoden der onkologischen Chirurgie therapiert werden.

Aussicht auf Heilung

Besteht die Möglichkeit, dass mit Verfahren der chirurgischen Onkologie die Krebserkrankung komplett entfernt werden kann, ist eine Therapie in der Tumorchirurgie angezeigt.

Linderung der Symptome

Bestehen aufgrund der Krebserkrankung körperliche Symptome oder Beeinträchtigungen (z. B. eingeschränkte Nahrungsaufnahme, Darmverschluss), die in der onkologischen Chirurgie behoben oder gelindert werden können, ist ebenfalls eine Behandlung in der Tumorchirurgie indiziert.

Entfernung von Metastasen

Eine Behandlung in der onkologischen Chirurgie wird auch dann erfolgen, wenn der Tumor bereits Tochtergeschwüre (Metastasen) gebildet hat, die über eine Tumoroperation entfernt werden können.

Häufig durchgeführte Krebs-Operationen

Besonders häufig werden in der Tumorchirurgie Tumoren des Verdauungstraktes (z. B. Dickdarmkarzinome), aber auch Tumoren der Schilddrüse operativ behandelt. Daneben werden in der onkologischen Chirurgie Portimplantationen durchgeführt. Dabei wird ein dauerhafter Zugang zum Körper gelegt, der beispielsweise bei einer Chemotherapie oder zur Schmerzbehandlung benötigt wird.

Tumorchirurgie: Schilddrüsenkarzinom

Die Behandlung eines Schilddrüsenkarzinoms erfolgt in der onkologischen Chirurgie meist dadurch, dass die komplette Schilddrüse und die um die Luftröhre und Speiseröhre befindlichen Lymphknoten entfernt werden.

Tumorchirurgie: Tumoren der Speiseröhre

Befindet sich ein bösartiger Tumor an der Speiseröhre, ist es in der Regel erforderlich, dass in der onkologischen Chirurgie der Brustraum und der Bauchraum eröffnet werden. Wenn die Speiseröhre entfernt werden muss, kann sie oft aus Teilen des Magens wieder hergestellt werden.

Tumorchirurgie: Magenkrebs (Magenkarzinom)

Sehr häufig ist es bei Magenkarzinom notwendig, dass in der onkologischen Chirurgie neben den entsprechenden Lymphknoten auch der Magen komplett entfernt werden muss. Dies hat zur Folge, dass der Patient nach einer vollständigen Magenentfernung seine Ernährungsweise umstellen muss. So kann er nur noch kleinere Mahlzeiten zu sich nehmen, dies aber mehrmals am Tag.

Spezialisten für Magenkrebs-OP finden

Tumorchirurgie: Bauchspeicheldrüsenkrebs (Pankreaskarzinom)

Operationen an der Bauchspeicheldrüse gehören technisch zu den anspruchsvollsten Eingriffen der onkologischen Chirurgie. Häufige Eingriffe bei Bauchspeicheldrüsenkrebs sind Entfernung des „Kopfteils“ der Bauchspeicheldrüse und Linksresektion der Bauchspeicheldrüse. Bei der Pankreaslinksresektion wird der „Schwanzteil“ der Bauchspeicheldrüse entfernt. Um den gesamten Tumor im Kopfteil der Bauchspeicheldrüse zu entfernen, wird bei der Whippleschen Operation neben dem Pankreaskopf auch der Zwölffingerdarm, die Gallenblase, der Gallengang und ein Drittel des Magens entfernt. Bei der totalen Pankreatektomie wird die komplette Bauchspeicheldrüse zusammen mit dem Zwölffingerdarm, der Milz, der Gallenblase und dem unteren Teil des Gallengangs entfernt.

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Tumorchirurgie: Darmkrebs (Kolonkarzinom, Rektumkarzinom)

Sehr häufig wird in der onkologischen Chirurgie eine Operation zur Behandlung des Dickdarmkrebses (Kolonkarzinom) durchgeführt. Dabei werden Teile des Darms entfernt. Während früher nach Tumoroperation am Darm häufig ein künstlicher Darmausgang angelegt werden musste, ist dieser durch verbesserte Operationsverfahren in vielen Fällen vermeidbar.

Ein kleines und lokal begrenztes Rektumkarzinom (Mastdarmkrebs) kann in der onkologischen Chirurgie entfernt werden. Bei größeren Tumoren muss häufig vor der Tumoroperation eine Strahlentherapie und Chemotherapie durchgeführt werden. Gelegentlich ist eine abdominoperineale Rektumexstirpation, d. h. eine komplette Entfernung von Rektum und Anus, erforderlich. Dann sind die Patienten auf einen künstlichen Darmausgang angewiesen.

Heute können bereits viele Eingriffe in der onkologischen Chirurgie, insbesondere bei Tumoroperation des Darms, in minimal-invasiver Technik (Schlüsselloch-Tumoroperation) durchgeführt werden. Die heutigen Erfolge in der Tumorchirurgie bei Darmkrebs gehen neben den verbesserten Operationsverfahren auch auf das Fast-Track-Konzept (Fast-Track-Chirurgie) zurück. Die wesentlichen Säulen dieses Behandlungskonzepts bestehen aus guter Patientenaufklärung vor der Operation, moderne Narkoseführung, Verzicht auf Sonden, Drainagen und Katheter im Wundgebiet, optimaler Schmerztherapie, raschem Kostaufbau sowie frühzeitiger und intensiver Mobilisation.

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Tumorchirurgie: Metastasen

Gelingt es nicht, einen Tumor frühzeitig zu erkennen, besteht häufig die Gefahr, dass er Tochtergeschwulste zum Beispiel in der Leber bildet. Aber auch solche Metastasen sind heute in der onkologischen Chirurgie häufig durch operative Maßnahmen behandelbar.

Onkologische Chirurgie: Entfernung der Lymphknoten

Prophylaktische Lymphknotenentfernung (elektive Lymphknotendissektion)

Mit zunehmender Größe des Tumors nimmt die Wahrscheinlichkeit zu, dass sich Krebszellen in den Lymphknoten befinden, die das betroffene Körperareal drainieren (sog. regionäre Lymphknoten). Da die Krebszellen in den Lymphknoten nicht immer makroskopisch sichtbar sind, werden in der onkologischen Chirurgie meist neben dem Tumor auch die Lymphknoten des tumorabhängigen Lymphabflussgebiets entfernt, auch wenn zum Zeitpunkt der Tumoroperation weder klinisch noch histologisch ein Lymphknotenbefall vorliegt. Man spricht von einer elektiven Lymphknotendissektion oder einer prophylaktische Lymphknotenentfernung. Neben kurativen (heilenden) Gründen (zur Vermeidung eines Rezidivs in den Lymphknoten) erfolgt die elektive Lymphknotendissektion auch aus diagnostischen Gründen, damit das Tumorstadium und die Prognose bestimmt werden können.

Therapeutische Lymphknotenentfernung (selektive Lymphknotendissektion)

Werden die Lymphknoten nur deshalb entfernt, weil sie entweder vergrößert oder bereits befallen sind, spricht man in der onkologischen Chirurgie von einer selektiven Lymphknotenentfernung. Dieses Vorgehen kommt in der onkologischen Chirurgie allerdings eher selten vor.

Sentinel-Lymphonodektomie

Das Konzept der Wächterlymphknoten (auch Sentinel-Lymphknoten) dient der Diagnose und Behandlung bösartiger Tumoren (insbesondere Brustkrebs, schwarzer Hautkrebs und Prostatakrebs). Hierbei werden in der onkologischen Chirurgie als Wächterlymphknoten die Lymphknoten bezeichnet, die im Abflussgebiet der Lymphflüssigkeit eines bösartigen Tumors an erster Stelle liegen. Sind in diesen Sentinel-Lymphknoten bereits Tumorzellen mit dem Lymphfluss verschleppt worden, so sind vermutlich auch nachfolgende Lymphknoten befallen. Ist der Wächterlymphknoten nicht befallen, sind die nachfolgenden Lymphknoten vermutlich ebenso nicht befallen. Bei der Sentinel-Lymphonodektomie wird häufig nicht nur der Wächterlymphknoten entfernt, sondern auch das gesamte betroffene lymphatische Gewebe.

Onkologische Chirurgie: Metastasenchirurgie

Auch Fernmetastasen, also weiter entfernt liegende Tochtergeschwulste, können in der onkologischen Chirurgie entfernt werden. Die Operation kann kurativ (heilend) sein, wenn der Primärtumor oder das Rezidiv entfernt wurde oder entfernbar ist, wenn keine Fernmetastasen vorliegen, die nicht entfernbar sind, wenn die Metastasen vollständig entfernt werden können, wenn das Operationsrisiko gering ist und wenn gleichwertige Therapiemöglichkeiten fehlen. In der onkologischen Chirurgie werden vor allem Lungen- und Lebermetastasen von kolorektalen Karzinomen, von Weichteil- und Knochensarkomen und von Hypernephromen durchgeführt, aber auch Metastasen anderer Primärtumoren können in der Tumorchirurgie entfernt werden.

Onkologische Chirurgie: kurative Tumorchirurgie

Die kurative Tumoroperation verfolgt das Ziel, dass der Patient nach der Tumorentfernung vollständig geheilt ist und sich kein Rezidiv (erneutes Tumorwachstum) bildet. Eine kurative (heilende) Tumorchirurgie setzt in der Regel ein lokal begrenztes Tumorwachstum voraus. Des Weiteren muss eine Tumorentfernung im Gesunden möglich sein, d. h. mit dem Tumor wird aus Sicherheitsgründen auch ein Teil des umgebenden gesunden Gewebes entfernt, und entnommene Organe müssen in ihrer Funktion wieder rekonstruiert werden können (z. B. über einen künstlichen Darmausgang).

Dieser kurative Therapieansatz führte in der Vergangenheit zu immer ausgedehnteren Eingriffen, was unter Umständen mit verringerter Lebensqualität und erhöhter Morbidität einherging. Deshalb verfolgt der heutige Ansatz der onkologischen Chirurgie, dass weniger zerstörende Eingriffe mit adjuvanten Therapiemaßnahmen kombiniert werden. Dieses Therapieprinzip findet sich beispielsweise in der brusterhaltenden Tumorchirurgie mit adjuvanter Strahlentherapie wieder, die eine radikale Mastektomie (vollständige Entfernung der Brust) ersetzen kann.

Onkologische Chirurgie: zytoreduktive Tumorchirurgie

In der onkologischen Chirurgie verfolgt die zytoreduktive Tumorchirurgie das Ziel, eine gute Ausgangssituation für nachfolgende Therapien zu schaffen. Es wird versucht, möglichst viel Tumorgewebe zu entfernen (sog. Senkung der Tumorlast). Dadurch sollen die Chancen erhöht werden, dass das restliche, nicht entfernte Tumorgewebe durch Strahlentherapie und/oder Chemotherapie abgetötet werden kann. Dieses Vorgehen, das auch als Debulking bezeichnet wird, wird nur dann in der onkologischen Chirurgie angewandt, wenn neben der Tumorchirurgie weitere wirksame Behandlungsoptionen zur Verfügung stehen. Debulking wird beispielsweise bei weit fortgeschrittenem Eierstockkarzinom eingesetzt.

Onkologische Chirurgie: präventive Tumorchirurgie

Aufgrund der technologischen Fortschritte in der molekularbiologischen Diagnostik können in zunehmendem Maße Personen identifiziert werden, die zwar klinisch noch keine Tumorerkrankung zeigen, bei denen aber ein deutlich erhöhtes Risiko besteht, dass sie im Laufe ihres Lebens eine bestimmte Krebserkrankung entwickeln werden. So führen Veränderungen im BRCA1- oder BRCA2-Gen mit höherer Wahrscheinlichkeit dazu, dass die betroffenen Frauen Brustkrebs (Mammakarzinome) bekommen werden. Je nach Genveränderung kann die Therapie in einer engmaschigen Überwachung des Patienten oder in der präventiven Entfernung des Organs oder Körperteils in der onkologischen Chirurgie liegen.

Onkologische Chirurgie: palliative Tumorchirurgie

In der onkologischen Chirurgie verfolgt die palliative Tumorchirurgie bei nicht heilbaren Tumoren das Ziel, das Wohlbefinden des Patienten zu verbessern, indem Symptome der Tumorerkrankung oder gleichzeitig bestehender Erkrankungen beseitigt oder gelindert werden. Daneben kann eine palliative Tumorchirurgie vorbeugend erfolgen, um Komplikationen durch Metastasierung zu vermeiden und einen möglichst langen Zustand ohne Beschwerden zu erhalten. Dazu gehören Entfernung des Primärtumors und selten von Metastasen, tumorbelassende Eingriffe, endoskopische Maßnahmen oder Eingriffe, die unterstützende (supportive) Maßnahmen vorbereiten (z.B. Portimplantation).