Das Lymphsystem - Aufbau, Funktionen und Erkrankungen

Wussten Sie, dass das lymphatische System ein wichtiger Bestandteil unseres Immunsystems ist?! Das fein verästelte Netzwerk, das wie ein Kanalsystem parallel zu den Blutgefäßen verläuft, transportiert überschüssige Stoffe ab und filtert zugleich Krankheitserreger und Fremdpartikel aus. Lesen Sie weiter und erfahren Sie spannende Details über die Funktionsweise Ihres Körpers.

Themenübersicht dieses Artikels

Was sind Lymphe?

Das Wort Lymphe kommt vom lateinischen „lympha“, was so viel bedeutet wie „klares Wasser“. Tatsächlich ist Lymphe eine wässrige, gelblich gefärbte Substanz, die in meterlangen, feinsten Kanälchen unseren ganzen Körper durchströmt. Sie entsteht aus dem nährstoffreichen Blutplasma, von dem beim Übergang aus den arteriellen in die venösen Blutgefäße etwa 10 Prozent (das sind etwa zwei Liter pro Tag!) als Gewebswasser in den Zellzwischenräumen verbleiben.

Ein pralleles Netzwerk: Die Lymphgefäße

Überall in den Zellzwischenräumen unseres Körpers beginnen hauchdünne Lymphkapillaren. Sie nehmen die dort verbliebene Gewebsflüssigkeit auf und transportieren sie als Lymphe weiter in Richtung Herz, wo sie in der oberen Hohlvene wieder mit dem Blut zusammengeführt wird.

Die zunächst sehr verästelten Lymphkapillaren vereinigen sich zu größeren Lymphgefäßen, die meist parallel zu den venösen Blutgefäßen verlaufen. Teile dieser Gefäße, die sogenannten Lymphherzen, ziehen sich durch Muskelkontraktion etwa zehnmal pro Minute zusammen und sorgen so für die nötige Pumpbewegung.

Lymphknoten
Lymphknoten © arsdigital / Fotolia

Die Lymphknoten

An bestimmten Stellen, zum Beispiel unter der Achsel, am Hals und in der Leiste, sind den Lymphgefäßen Unterbrechungen in Form von Knoten zwischengeschaltet. Hier wird die Lymphe von

  • Krankheitserregern,
  • Zelltrümmern und
  • Fremdkörpern

gereinigt, um den Organismus vor Schaden zu bewahren.

Die etwa 1-20 mm großen Lymphknoten zählen zu den lymphatischen Organen. Sie enthalten Lymphozyten und Makrophagen – das sind spezielle, zu den weißen Blutkörperchen zählende Abwehrzellen, die Viren und Bakterien erkennen und angreifen. Wenn Sie zum Beispiel bei einer Virusgrippe Ihre Lymphknoten am Hals spüren, dann liegt das daran, dass diese aufgrund der Infektion ihre Leistung steigern und entsprechend anschwellen.

Lymphsystem

Weitere lymphatische Organe

Neben den Lymphknoten gehören zum System noch weitere lymphatische Organe, in denen sich Lymphozyten vermehren oder differenzieren. Sie ergänzen sich gegenseitig in ihren Funktionen:

Das Knochenmark

Hier nimmt alles seinen Anfang. Im Knochenmark findet die sogenannte Lymphopoese statt, bei der aus Lymphozyten-Stammzellen zunächst Lymphoblasten entstehen. Aus diesen wiederum gehen zweierlei Lymphozyten-Vorläufer hervor (Pro-T-Lymphozyten und Pro-B-Lymphozyten), die das Knochenmark durchlaufen und sich dann in den diversen anderen lymphatischen Organen ansiedeln.

Der Thymus

Im Thymus werden die aus dem Knochenmark kommenden Pro-T-Lymphozyten in T-Lymphozyten umgewandelt. Sie durchlaufen zunächst eine Selektion und dann die Prägung, die sie auf ihre wichtige Aufgabe im Immunsystem vorbereitet.

Die Milz

Sie produziert unter anderem die bereits genannten Makrophagen (auch Abwehr- oder Fresszellen genannt), speichert Lymphozyten und baut überalterte Blutzellen ab. 

Die Tonsillen oder der lymphatische Ring (bestehend aus Rachen-, Zungen- und Gaumenmandeln)

Der lymphatische Rachenring zerstört diejenigen Erreger, die sich aus der Atemluft und über die Schleimhäute im Körper ausbreiten wollen. In den Tonsillen vermehren sich außerdem die B-Lymphozyten.

Lymphatisches Gewebe im Darm (Peyer-Plaques)

Die Peyer-Plaques, auch Peyer-Platten oder Peyer-Drüsen genannt, finden sich in der Schleimhaut des Dünndarms bis hin zum Wurmfortsatz (Blinddarm). Sie bestehen aus einer Ansammlung mikroskopisch kleiner Kolonien von B-Lymphozyten, sogenannter Lymphfollikel. Sie leisten einen wichtigen Beitrag zur Infektionsabwehr im Darm und leiten immunologische Informationen weiter.

Zusammenfassend lassen sich die Aufgaben des Lymphsystems in 3 Bereiche aufteilen:

  1. Es ist wichtiger Teil des Immunsystems.
  2. Es reguliert das Flüssigkeitsvolumen im Gewebe.
  3. Es transportiert Nahrungsfette aus dem Bauchraum direkt zu den Zellen. 

Erkrankungen des Lymphödems - Symptome und Behandlung

Wenn der Abfluss stockt: Lymphödem

Ist der Lymphfluss gestört oder unterbrochen, dann kommt es zu vermehrter Flüssigkeitsansammlung im Gewebe. Meist treten solche Lymphödeme an den Extremitäten auf. Die betroffene Körperregion schwillt an und das Unterhautfettgewebe entwickelt eine teigige Konsistenz. Wird das Lymphödem nicht behandelt, besteht auf Dauer die Gefahr von Durchblutungsstörungen und Nervenschäden mit entsprechender Funktionseinschränkung.

Wirkliche Abhilfe verschafft hier nur eine regelmäßig durchgeführte manuelle Lymphdrainage. Dabei regt ein Masseur mit leichten, kreisförmigen Bewegungen das Gefäßsystem an, damit die Lymphe besser abfließen kann.

Wenn sich ein Lymphgefäß entzündet: Lymphangitis

Meist tritt die Entzündung von Lymphgefäßen an einer der oberflächlich verlaufenden Lymphbahnen auf. In der betroffenen Region rötet sich die Haut, vom Entzündungsherd breitet sich ein roter Strang in Richtung Körpermitte aus. Die Stelle ist meist schmerzhaft und leicht geschwollen.

Ist die Lymphangitis durch Bakterien verursacht, lässt sie sich gut mit Antibiotika behandeln. Gehen Sie rechtzeitig zum Arzt, da es sonst zu Komplikationen, schlimmstenfalls sogar zur Blutvergiftung (Sepsis) kommen kann.

Wenn es ernst wird: Hodgkin-Lymphom und andere Krebserkrankungen

Neben Viren und Bakterien filtern Lymphknoten im Falle einer Krebserkrankung auch Tumorzellen aus. Diese sammeln sich im Knoten an und verbreiten sich dann über das Lymphsystem allmählich im ganzen Körper. Um das zu verhindern, kann der Arzt einzelne, in der Nähe eines Tumors befindliche Lymphknoten entnehmen.

Andere Krebserkrankungen wie die lymphatische Leukämie oder das Hodgkin-Lymphom betreffen ganz direkt das Lymphsystem. Maligne (bösartige) Lymphome, bei denen typischerweise die Lymphknoten anschwellen, treten in unterschiedlicher Form auf und sind unterschiedlich gut behandelbar.

Die Brust und angeschlossenes Lymphsystem
Die Brust und angeschlossenes Lymphsystem. Die Lymphknoten in den Achselhöhlen schwellen bei Brustkrebs an

Fazit zum Lymphsystem

Geschwollene Lymphknoten sind ein ernstzunehmendes Krankheitszeichen, aber kein Grund zur Panik. Sie treten oft schon bei gewöhnlichen Erkältungen oder auch beim Pfeifferschen Drüsenfieber auf.

Wenn die Schwellung nach einigen Tagen nicht zurückgeht, Sie starke Beschwerden oder (nach einer Verletzung) gar den Verdacht auf eine Blutvergiftung haben, konsultieren Sie bitte Ihren Arzt.