Aneurysma - Ursachen, Symptome, Diagnose und Therapie

Bei einem Aneurysma handelt es sich um eine krankhafte, örtlich begrenzte und spindel- oder sackförmig aussehende Ausbuchtung bzw. Ausweitung eines Blutgefäßes, die durch angeborene oder erworbene Schwächen bzw. Veränderungen der Gefäßwand entsteht.

Themenübersicht dieses Artikels

Definition und Formen: Aneurysma

Definition: Was ist ein Aneurysma?

Der Begriff „Aneurysma“ leitet sich dabei aus dem altgriechischen Wort „aneúrysma“ ab, das wörtlich übersetzt „Erweiterung“ bedeutet. Grundsätzlich können alle Blutgefäße von einem Aneurysma betroffen sein. In den meisten Fällen bildet sich eine solche Gefäßerweiterung aber entlang der Arterien, sprich jener Blutgefäße, die das mit Sauerstoff angereicherte Blut vom Herzen weg zu den Organen, Muskeln und Geweben des Körpers transportieren. Ein Aneurysma wird deshalb auch als Arterienerweiterung oder arterielle Aussackung bezeichnet. An den Venen, also den Blutgefäßen, die das sauerstoffarme Blut zum Herzen hin führen, tritt ein Aneurysma nur selten auf.

In welchen Arterien treten Aneurysmen auf?

Ein Aneurysma kann sich grundsätzlich an jeder Arterie bilden. Am häufigsten tritt es aber an der Hauptschlagader, auch Aorta genannt, auf. Diese Form des Aneurysmas wird auch als Aortenaneurysma bezeichnet. Tritt ein solches Aortenaneurysma an der unteren Hauptschlagader im Bauchraum, sprich der Bauchaorta, auf, sprechen Ärzte von einem Bauchaortenaneurysma. Das Bauchaortenaneurysma stellt dabei mit einem Anteil von über 90 Prozent das am häufigsten auftretende Aneurysma dar.

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Ist das Aortenaneurysma an der oberen Hauptschlagader, die im Brustkorb verläuft, sprich der Brustaorta, lokalisiert, wird es auch als thorakales Aneurysma bezeichnet. Eine solche Gefäßerweiterung an der oberen Hauptschlagader im Brustkorb kommt wesentlich seltener vor. So macht sie nur etwa 3 Prozent aller Aortenaneurysmen aus.

Neben der oberen und unteren Hauptschlagader können in seltenen Fällen auch die Hirngefäße (intrakranielles bzw. zerebrales Aneurysma), die herznahen Gefäße sowie die Arterien der Arme, Beine und der inneren Organe von einer krankhaften Gefäßerweiterung betroffen sein. Zudem kann sich nach einem Herzinfarkt auch an der Herzwand der linken Herzkammer ein sogenanntes Herzwandaneurysma bilden.

Formen von Aneurysmen

Je nachdem, welche Art der Gefäßerweiterung vorliegt, lassen sich mit dem „echten“ Aneurysma (Aneurysma verum), dem gespaltenen Aneurysma (Aneurysma dissecans) und dem „falschen“ Aneurysma (Aneurysma spurium bzw. falsum) drei verschiedene Formen von Aneurysmen unterscheiden. Beim Aneurysma verum, dem echten Aneurysma im eigentlichen Sinn, sind alle drei Schichten der Blutgefäßwand durchgängig erhalten, stülpen sich aber sackartig nach außen hin aus und bilden eine sackförmige Gefäßerweiterung.

Beim Aneurysma dissecans ist eine Schicht der Blutgefäßwand gerissen, so dass Blut zwischen die verschiedenen Gefäßwandschichten läuft und dort einen erweiterten Hohlraum bildet. Das Aneurysma spurium bzw. falsum wird auch als falsches Aneurysma bezeichnet, da es keine arterielle Aussackung im eigentlichen Sinn ist. Es entsteht, wenn sich nach einer Gefäßwandverletzung ein Bluterguss (Hämatom) um das Blutgefäß herum bildet, der nach einiger Zeit von einer Bindegewebskapsel überzogen wird.

Ursachen und Risikofaktoren für ein Aneurysma

Aneurysmen entstehen in der Regel an Stellen, an denen die Gefäßwand geschwächt ist. Diese Schwächen können sowohl angeboren als auch erworben sein. So gehen beispielsweise angeborene Bindegewebsstörungen wie das Marfan-Syndrom oder das Ehlers-Danlos-Syndrom sowie angeborene Fehlbildungen der Blutgefäße mit einem erhöhten Risiko für Aneurysmen einher. Erworbene Schwächen und Veränderungen der Gefäßwand können zum Beispiel auf Gefäßverletzungen, die etwa im Rahmen einer Herzkatheteruntersuchung verursacht wurden, zurückgehen.

Daneben ist eine Reihe von Risikofaktoren bekannt, die die Gefahr, dass sich ein Aneurysma bildet, erhöhen. Hierzu gehören insbesondere die Arteriosklerose, der Bluthochdruck, die Koronare Herzkrankheit (KHK), die periphere arterielle Verschlusskrankheit (pAVK), ein erhöhter Cholesterinspiegel und das Rauchen. Auch bakterielle Infektionen wie die Syphilis oder die Tuberkulose können in seltenen Fällen die Entstehung von Aneurysmen begünstigen.

Auch genetische Faktoren spielen eine Rolle bei der Bildung von Aneurysmen. So konnte beobachtet werden, dass Aneurysmen innerhalb einer Familie gehäuft auftreten. Wurde bei mindestens einem Verwandten ersten Grades bereits ein Aneurysma entdeckt, ist das Risiko, selbst ein Aneurysma zu bekommen, deshalb etwas erhöht. Darüber hinaus haben Männer ein höheres Risiko als Frauen und ältere Menschen ein höheres Risiko als Jüngere.

Symptome eines Aneurysmas

Ein Aneurysma verursacht oftmals lange Zeit keinerlei Symptome. Beschwerden treten meist erst dann auf, wenn der Durchmesser der Gefäßerweiterung so groß geworden ist, dass Druck auf die umliegenden Organe oder Strukturen ausgeübt wird. Welche Symptome ein Aneurysma dann genau hervorruft, hängt von seiner Lage ab.

So treten bei einem Bauchaortenaneurysma beispielsweise meist Beschwerden wie Bauchschmerzen im Unterbauch, Rückenschmerzen, die in die Beine ausstrahlen können und ein erhöhter Harndrang auf. Reißt ein Bauchaortenaneurysma kann es im schlimmsten Fall zu einer lebensgefährlichen inneren Blutung kommen, die sich durch plötzliche, sehr starke, stechende und anhaltende Schmerzen in den Flanken äußert.

Ein thorakales Aortenaneurysma, sprich ein Aneurysma an der Hauptschlagader im Brustbereich, kann sich durch Symptome wie Brustschmerzen, Husten, Heiserkeit, Schluckbeschwerden, Atemnot und krankhafte Atemgeräusche äußern. Und auch Durchblutungsstörungen in den Armen oder im Gehirn sind möglich. Reist ein thorakales Aortenaneurysma, treten meist starke Brustschmerzen, die den Symptomen eines Herzinfarktes ähneln, auf.

Bei Blutungen aus einem Aneurysma der Gehirnarterien, sprich einem intrakraniellen bzw. zerebralen Aneurysma, können Symptome wie plötzliche, starke Kopfschmerzen, Gesichtsschmerzen, Übelkeit und Bewusstlosigkeit auftreten. Herzwandaneurysmen und Aneurysmen der herznahen Aorta können Herzrhythmusstörungen, Blutungen in den Herzbeutel und eine lebensbedrohliche Herzschwäche auslösen.

Diagnose eines Aneurysmas

Ein Aneurysma wird in der Regel im Rahmen einer körperlichen Untersuchung, bei der der behandelnde Arzt die Bauch- oder Beckenarterien abtastet, sowie mithilfe weiterer bildgebender Untersuchungen diagnostiziert. Zu den bildgebenden Untersuchungen, die sich zur Diagnose eines Aneurysmas eigenen, gehören insbesondere die Ultraschalluntersuchung (Sonographie), die Computertomographie (CT), die Magnetresonanztomographie (MRT) und die Angiographie.

Behandlung eines Aneurysmas

Ob ein Aneurysma behandelt werden muss und wie die Therapie genau aussieht, hängt unter anderem von der Lage und Größe der Gefäßerweiterung sowie der Zunahme des Querdurchmessers des Aneurysmas ab. Grundsätzlich stehen dabei sowohl konservative als auch operative Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung.

Die konservative Behandlung kommt hauptsächlich bei kleineren Aneurysmen, die keine Beschwerden verursachen, zum Einsatz und zielt auf die Therapie und Vermeidung der zugrundeliegenden Ursachen und Risikofaktoren wie beispielsweise Bluthochdruck, Fettstoffwechselstörungen, Nikotinkonsum, ungesunde Ernährung und mangelnde Bewegung, ab. Dadurch soll verhindert werden, dass das Aneurysma sich vergrößert oder einreißt.

Je größer ein Aneurysma ist, umso größer ist das Risiko, dass es reißt. In diesen Fällen empfehlen Ärzte in der Regel eine Operation zur Entfernung des Aneurysmas. Hierbei stehen verschiedene Operationsmethoden zur Auswahl, darunter der Einsatz einer sogenannten Gefäßprothese oder eines Stents in dem betroffenen Blutgefäß. Bei einem Aneurysma der Hirnarterien kommen mit dem sogenannten Clipping oder Coiling grundsätzlich zwei Operationsverfahren in Frage.