Weaning - Medizinische Experten

Unter Weaning (englisch für „Entwöhnung“) versteht man das kontrollierte Entwöhnen eines Patienten von künstlichen Beatmungshilfen. Diese Phase ist je nach Ursache und Dauer der Beatmung unterschiedlich lang und aufwendig. Unter Umständen kommen dabei speziell geschulte Atmungstherapeuten zum Einsatz.

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Weaning - Weitere Informationen

Kann ein Patient vorübergehend nicht selbst atmen, wird eine künstliche Beatmung genutzt. Die Gründe dafür können ganz unterschiedlich sein. Bei einer Operation in Vollnarkose wird zum Beispiel routinemäßig künstliche Beatmung eingesetzt. Aber auch bei schweren Verletzungen, Vergiftungen oder Atemstillstand wird das Verfahren nötig. Dabei wird ein Atemgasgemisch direkt in die Lunge geblasen, ohne dass der Körper des Patienten aktiv beim Atmen mithelfen muss. Nach einer kurzzeitigen Beatmung von wenigen Stunden, wie sie zum Beispiel bei einer Operation üblich ist, ist meist keine spezielle Entwöhnung nötig. Die natürliche Atmung setzt nach Abklingen der Narkose von selbst wieder ein. Bei längerer Beatmung von einer Woche oder mehr, manchmal auch schon nach wenigen Tagen, wird jedoch nach und nach die Atemmuskulatur schwächer. Dazu kommen Fälle, bei denen die Atemmuskulatur oder die Lunge direkt geschädigt wurden und der Patient deshalb noch nicht in der Lage ist, selbst zu atmen. Um das eigenständige Atmen zu ermöglichen, muss diese Fähigkeit deshalb in vielen Fällen wieder schrittweise trainiert werden. Dieser Prozess wird als Weaning bezeichnet.

Ablauf des Weanings

Wenn ein Patient sehr lange künstlich beatmet wurde, stellt das Weaning eine große Herausforderung dar. Dabei werden unterschiedliche Techniken eingesetzt. Möglich ist zum Beispiel die Assistierte Spontanbeatmung, bei der die Beatmung allmählich verringert wird und so die Atmung nach und nach wieder einsetzen kann. Häufig finden auch kontrollierte Wechsel zwischen Phasen der Beatmung und der Spontanatmung statt. Die Atemmuskulatur muss in solchen Fällen für kurze Zeit die gesamte Atmung übernehmen, kann sich dann aber wieder während der Beatmung ausruhen. Die Phasen der Spontanatmung werden nach und nach immer weiter ausgedehnt. Auf diese Weise soll die Atemmuskulatur trainiert werden, bis sie wieder in der Lage ist, die Atmung vollständig zu leisten. Je nach Einzelfall werden weitere Maßnahmen eingesetzt, um die Atmung zu erleichtern.

Dazu gehören zum Beispiel:

  • Körperpositionen, die das Atmen erleichtern
  • die sogenannte Trachealkanüle, ein kurzer Schlauch, der die Luftröhre offenhält und damit den Atemwiderstand verringert
  • Maßnahmen, die das Sekret in den Atemwegen verringern, zum Beispiel Inhalationen, Absaugen oder Hilfe beim Abhusten
  • physiotherapeutische Maßnahmenzur Aktivierung des Zwerchfells, aber auch des restlichen Körpers
  • die Reduktion von Überblähungen in der Lunge (bei bestimmten Lungenkrankheiten)
  • der Abbau der Sedierung (bei Patienten im künstlichen Koma)

Wichtig ist, dass genaue Protokolle über die Weaning-Maßnahmen geführt werden und die Patienten gut überwacht werden.

Wo Weaning durchgeführt wird

Nach einfachen Operationen wird für gewöhnlich im Aufwachraum überprüft, ob die Patienten ihre Atmung vollständig wieder aufnehmen. In solchen Fällen gibt es meist keine Probleme. Dauerte die Beatmung länger an, wird das Weaning auf der Intensivstation durchgeführt. Für kompliziertere Fälle gibt es in einigen Kliniken spezielle Weaningstationen. Auch eigene Weaning-Zentren, die sich vollständig auf die Beatmungsentwöhnung spezialisiert haben, befinden sich in einigen Städten.

Wer das Weaning durchführt

Im Jahr 2004 wurde in Deutschland ein neues Berufsbild eingeführt: der Atmungstherapeut. Diese Therapeuten können in unterschiedlichem Umfeld eingesetzt werden, zum Beispiel in Weaningstationen, auf der Intensivstation oder auch in der Vorbereitung zur Heimbeatmung und sind Spezialisten für die Betreuung von Patienten mit Atemschwierigkeiten. Sie arbeiten eng mit Lungenspezialisten zusammen und übernehmen die Versorgung der Patienten in allen notwendigen, mit der Atmung zusammenhängenden Bereichen. Atmungstherapeuten werden vor allem bei komplizierten Fällen eingesetzt. Funktioniert das Weaning problemlos, wird es vom üblichen Personal auf der Intensivstation oder nach einer Operation im Aufwachraum durchgeführt.

Mögliche Komplikationen beim Weaning

Künstliche Beatmung rettet vielen Patienten das Leben, ist aber gleichzeitig auch mit großen Risiken verbunden. Zum Beispiel kommt es leichter zu Entzündungen und Infektionen der Atemorgane. Bei zu heftiger Beatmung kann außerdem die Lunge geschädigt werden. Deshalb, und weil die Beatmung eine sehr große Einschränkung in der Selbstständigkeit und Lebensqualität des Patienten dargestellt, wird so schnell wie möglich mit dem Weaning begonnen. Auch hierbei muss der Patient allerdings gut überwacht werden, um bei möglichen Komplikationen schnell reagieren zu können. Zum Beispiel muss die Herzfrequenz und die Sauerstoffsättigung im Blut überwacht werden.

Problematisch können auch psychische Probleme sein: Das Gefühl, nicht atmen zu können, löst bei vielen Patienten große Ängste aus, die wiederum zu einer Verschlechterung der Atmungsfähigkeit führen. In einigen Fällen müssen hier entspannende Medikamente gegeben werden, um Angstzustände einzudämmen und einen Trainingseffekt durch das eigene Atmen zu ermöglichen.

Nicht bei allen Patienten gelingt das Weaning. Etwa ein Prozent der Betroffenen ist dauerhaft auf künstliche Beatmung angewiesen, weil sich die Fähigkeit zum selbstständigen Atmen nicht mehr vollkommen herstellen lässt. Das ist vor allem dann der Fall, wenn Lunge oder andere Atmungsorgane dauerhaft geschädigt sind. In einem solchen Fall dient das Weaning dazu, die künstliche Beatmung auf ein nötiges Minimum herunterzufahren. Dann werden, wenn möglich, Beatmungsmethoden eingesetzt, die für den Patienten zu Hause anwendbar sind. Ziel ist auch in einem solchen Fall, die größtmögliche Selbstständigkeit für den Patienten zu erreichen.

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