Chronischer Husten - Medizinische Experten

Husten ist ein Reinigungs- und Abwehrmechanismus des Bronchialsystems und tritt immer dann auf, wenn der Selbstreinigungsmechanismus der Bronchien zum Beispiel durch Rauch und Staub beeinträchtigt wird. Dauert ein Husten länger als acht Wochen, wird er als chronisch bezeichnet. Weitere Informationen finden Sie weiter unten.

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Chronischer Husten - Weitere Informationen

Husten ist ein nachgeschalteter Reinigungs- und Abwehrmechanismus des Bronchialsystems. Er tritt immer dann auf, wenn der Selbstreinigungsmechanismus der Bronchien, die sogenannte mukoziliäre Clearance, beispielsweise durch Rauchen oder Fremdmaterial wie eine extreme Rauch- und Staubbelastung beeinträchtigt wird. Bei Bedarf können so unterschiedliche Atemwegsabschitte durch einen Hustenstoß gereinigt werden.

Dauert ein Husten länger als acht Wochen an, wird dieser als chronisch bezeichnet. Die Grenze von acht Wochen zur klinischen Unterscheidung zwischen akutem und chronischem Husten ist abgeleitet von dem Zeitraum, in welchem bei unproblematischen (Infektions-)Erkrankungen Husten auftritt und markiert daher den obligatorischen Beginn einer ausführlichen Hustendiagnostik.

Chronischer Husten ist in aller Regel ein Symptom einer weiteren Erkrankung und kann sehr unterschiedliche Ursachen haben. Daher sollte ein chronischer Husten in jedem Fall ärztlich abgeklärt werden.

Produktiver und nicht-produktiver Husten

Zudem wird klinisch zwischen produktivem (mit Auswurf) und unproduktivem bzw. trockenem Husten (ohne Auswurf) unterschieden, wenngleich der Übergang zwischen beiden Formen fließend ist. Als produktiv gilt Husten, wenn innerhalb von 24 Stunden 30 Milliliter (etwa 2 Esslöffel) Sekret ausgeworfen wird.

Die Abgrenzung zwischen produktivem und nicht-produktivem Husten ist für die Therapieplanung bedeutend, da beispielsweise bei produktivem Husten eher schleimfördernde und bei unproduktivem Husten hustenreizblockierende Mittel zum Einsatz kommen.

Chronischer Husten: meist liegt eine Erkrankung zugrunde

Husten ist ein bedeutender Schutzreflex der Atemwege und zugleich das Symptom von nahezu sämtlichen pulmonalen (lungenbezogenen) und auch einigen extrapulmonalen Erkrankungen. Dabei wird Husten im Gegensatz zu Brustschmerzen oder Atemnot oftmals erst spät als Anzeichen für eine Erkrankung wahrgenommen, weshalb ein frühzeitiger Arztkontakt und damit auch Diagnose zumeist ausbleibt.

In den meisten Fällen ist chronischer Husten auf wiederholte (sogenannte rezidivierende oder persistierende) Atemwegsinfekte zurückzuführen.

Bei einer Hustendauer von mehr als drei Monaten sollte ärztlich abgeklärt werden, ob eine obstruktive Lungenerkrankung (COPD) oder Asthma vorliegt. Chronischer Husten wird häufig durch einen die Bronchien schädigenden Tabakkonsum verursacht (Raucherhusten), aber auch andere inhalative Schadstoffe wie Industriestaub können einen chronischen Husten bedingen.

Die häufigsten Ursachen für chronischen Husten sind:

  • Chronische (nicht-obstruktive) Bronchitis und obstruktive Lungenerkrankung (insbesondere bei Rauchern)
  • Asthma bronchiale (chronischer Husten als Kardinalsymptom)
  • Allergische Erkrankungen im Bereich der oberen Atemwege (persistierende allergische Rhinitiden bzw. allergischer Schnupfen)
  • Chronische Nasennebenhöhlenentzündung (chronische Sinusitis)
  • Lungenentzündung
  • Tuberkulose
  • Irreversible Schädigung der Lungenbläschen im Rahmen eines Lungenemphysems
  • Pathologische Zunahme des Bindegewebsanteils in der Lunge (Lungenfibrose)
  • Bestimmte Medikamente: ACE-Hemmer, Kortison, Betablocker
  • Bronchialtumoren (chronischer Husten ist Leitsymptom bei Lungenkrebs)
  • Stimmbandlähmung (Recurrensparese)
  • Herzinsuffizienz (Husten bei körperlicher Anstrengung oder im Liegen)
  • Herzinfarkt und Herzmuskelentzündung (Myokarditis)
  • Nahrungsmittelunverträglichkeiten wie eine Laktoseunverträglichkeit
  • Rückfluss von saurem Mageninhalt in die Speiseröhre (gastroösophageale Refluxkrankheit)
  • Fremdkörperaspiration (insbesondere bei Kindern)
  • Pseudokrupp (virale Infektion, insbesondere bei Kindern)
  • Keuchhusten (Pertussis, insbesondere bei Kindern)
  • Permanent behinderte Nasenatmung (insbesondere bei Kindern)
  • Mukoviszidose (genetisch bedingte Stoffwechselstörung, die unter anderem zu einer Schädigung der Lunge führt)

Therapeutische Maßnahmen bei chronischem Husten

Vor Beginn sämtlicher therapeutischer Maßnahmen muss in jedem Fall die Ursache abgeklärt werden, um den chronischen Husten kausal therapieren zu können. Denn: Husten verschwindet zumeist mit der erfolgreichen Therapie der Grunderkrankung. So bessert sich der Husten infolge einer chronischen Bronchitis unter Nikotinkarenz in aller Regel bereits nach vier bis sechs Wochen. Die symptomatische Therapie des Husten ohne diagnostischer Abklärung ist der häufigste in der Behandlung des Hustens zu beobachtende Praxisfehler. Dennoch kann beim chronischen Husten neben der kausalen Therapie eine symptomatische Behandlung mit Hustenblockern oder Hustenlösern sinnvoll sein. Dies gilt unter anderem für:
  • akute Infekte der Luftwege zur Linderung der Beschwerden bei ausgeprägtem und schmerzhaftem Husten
  • schwere Erkrankungen im fortgeschrittenem Stadium ohne Heilungschance (u.a. bei Lungenkrebs)
  • Fälle, in denen die Ursache des Hustens nicht geklärt werden kann (sogenannter idiopathischer chronischer Husten)
  • Fälle, in denen die Wirkung der kausalen Therapie verzögert einsetzt (u. a. bei Tuberkulose)

Hustenlöser

Bei produktivem Husten mit Auswurf werden zur Therapie schleimlösende und auswurffördernde Substanzen (sogenannte Sekretolytika, Mykolytika oder Expektorantien) in Form von Tabletten, Säften und/oder Inhalationen eingesetzt. Diese setzen die Viskosität (Zähflüssigkeit) des Brochialsekrets herab, sodass dieser flüssiger wird und besser abgehustet werden kann. Die eigentlich schützende Schleimschicht auf der Schleimhaut der Atemorgane und die durch den zähen Schleim beeinträchtigten Flimmerhärchen können sich regenerieren. Als Arzneimittel können hier Acetylcystein (ACC) sowie Bromhexin, Guaifenesin und Ambroxol und aus der Gruppe pflanzlicher ätherischer Öle Fenchelöl und Anisöl zum Einsatz kommen.

Hustenblocker

Bei trockenem Husten kommen dagegen zumeist hustenreizstillende Mittel (sogenannte Antitussiva) zum Einsatz. Hustenblocker hemmen in erster Linie den Hustenreiz. Insbesondere trockener Reizhusten bedarf nachts einer Linderung durch hustenstillende Medikamente, um dem Betroffenen den zur Heilung benötigten Schlaf zu ermöglichen. Hustenblocker sollten allerdings lediglich bis zu dem Zeitpunkt eingenommen werden, bis sich zur Reinigung der Atemwege abzuhustender Schleim gebildet hat — in einigen Fällen sogar nicht länger als eine Woche, da eine Suchtgefahr besteht (vor allem bei Codein).

Zur Verfügung als Arzneimittel stehen Codein, Dihydrocodein, Clobutinol, Pentoxyverin und Dextromethorphan sowie als pflanzliche Mittel Thymian-, Drosera-, Eibisch- und Spitzwegerichextrakte. Die Wirkung von Sirups, Hustensäften, Gurgellösungen oder Lutschtabletten beruht zudem auch auf einer „Umhüllung“ der Hustenrezeptoren im Rachen mit Zuckersirup. Die Wirkdauer entspricht der Verweildauer des Zuckers an den Hustenrezeptoren und beträgt etwa 20 bis 30 Minuten. Weitere häufig enthaltende Wirkstoffe sind Lokalanästhetika, pflanzliche Antitussiva und Expektorantien.

Weitere Maßnahmen gegen Husten

Zur Linderung der Schleimhautentzündung in Hals und Bronchien können in einigen Fällen zusätzlich entzündungshemmende Substanzen (u. a. kortisonhaltige Inhalationen) verwendet werden. Antibiotika können bei bakteriell bedingten Infektionen und bei Bronchiektasen mit anhaltendem Husten (inhalative antibiotische Therapie mit Tobramycin oder Colistin) zum Einsatz kommen. In einer Atemphysiotherapie können Betroffene Hustentechniken erlernen, die das Abhusten des Schleims erleichtern oder einen nichtproduktiven Husten hemmen.

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