Neuroblastom - Medizinische Experten

Das Neuroblastom ist die dritthäufigste bösartige Krebserkrankung im Kindesalter. In vielen Fällen beginnt die Entartung der Zellen schon vor der Geburt. Die genauen Ursachen sind bisher unbekannt.

Hier finden Sie weitere Informationen und Spezialisten für die Behandlung von Neuroblastomen.

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Neuroblastom - Weitere Informationen

Jedes Jahr erkranken mehr als 100 Kinder an Neuroblastomen. Am häufigsten trifft es Neugeborene und Säuglinge. Nur zehn Prozent aller Patienten sind älter als sechs Jahre. In Einzelfällen kann das Neuroblastom aber auch bei Erwachsenen vorkommen. Der Tumor entwickelt sich beim Neuroblastom aus entarteten Zellen des Nervensystems. Deshalb können Neuroblastome überall dort entstehen, wo sich Gewebe des sympathischen Nervensystems findet. Häufigste Lokalisation ist allerdings das Nebennierenmark. Rund 70 Prozent aller Neuroblastome finden sich im Bauchraum. Nur 20 Prozent der Tumore manifestieren sich im Hals- oder Brustbereich.

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Ursachen für das Neuroblastom

Das Neuroblastom entwickelt sich aus embryonalen und somit unreifen Zellen des Nervensystems. In vielen Fällen beginnt die Entartung der Zellen sogar schon vor der Geburt. Die genauen Ursachen sind bisher unbekannt. Zwar gilt eine Vererbung der Erkrankung als unwahrscheinlich, es gibt jedoch Familien, in denen der Tumor gehäuft auftritt. Vermutlich liegt dem Tumorgeschehen eine Veränderung von Genen oder Chromosomen zugrunde. Ob äußere Einflüsse wie beispielsweise der Konsum von Alkohol oder Nikotin in der Schwangerschaft sowie der Kontakt zu Umweltgiften bei der Krankheitsentstehung eine Rolle spielen, ist nicht abschließend geklärt.

Symptome des Neuroblastoms

Da das Neuroblastom oft für lange Zeit kaum oder gar keine Beschwerden macht, wird der Tumor häufig rein zufällig bei einer Routineuntersuchung entdeckt. Symptome treten erst dann auf, wenn der Tumor schon recht groß ist. Sie variieren je nach Lage der Geschwulste. Große Neuroblastome können tastbar sein. Bei den betroffenen Kindern treten sie dann als Schwellungen am Hals oder am Bauch in Erscheinung. Tumore im Bauchraum oder im Bereich der Nebennieren können andere Organe komprimieren. So kann es durch eine Einengung der Harnleiter beispielsweise zu einem Harnstau bis hin zum kompletten Harnverhalt kommen. In einem solchen Fall droht eine akute Niereninsuffizienz.

Bei Tumoren im Halsbereich kann die sogenannte Horner-Trias auftreten. Durch eine Nervenschädigung eines Teils des unwillkürlichen Nervensystems kommt es zu einem charakteristischen dreiteiligen Beschwerdekomplex:

  • Pupillenverengung (Miosis)
  • herabhängendes Oberlid (Ptosis)
  • ein in die Augenhöhle eingesunkener Augapfel (Enophtalmus)

Bei fortgeschrittener Erkrankung im Hals- oder Kopfbereich können sich rund um die Augen Blutergüsse bilden. Man spricht hier auch vom Brillen- bzw. Monokelhämatom. Ebenso kann es zu flächigen Hautblutungen im Bereich der Augenlider, zur sogenannten Lidekchymose, kommen. In seltenen Fällen leiden die betroffenen Kinder unter dem Opsomyoklonus-Ataxie-Syndrom. Dieses ist durch kurze und unregelmäßige Augenbewegungen in verschiedene Richtungen sowie durch kurze Zuckungen der Beine und Arme charakterisiert. Bei einem fortgeschrittenen Neuroblastom fühlen sich die Patienten müde, lustlos und schwach. Mäßiges Fieber ohne eine erkennbare Ursache in Kombination mit vermehrtem Schwitzen ist ebenfalls ein Symptom des Neuroblastoms.

Je nach Lokalisation des Tumors können auch folgende Beschwerden auf diese Krebserkrankung hinweisen:

  • Lymphknotenschwellungen
  • Durchfälle, Bauchschmerzen und Verstopfung
  • Appetitlosigkeit
  • Übelkeit und Erbrechen
  • Knochenschmerzen

Insbesondere bei sehr jungen Kindern wächst das Neuroblastom sehr schnell und metastasiert zudem in das Knochenmark, die Knochen, die Leber und Lymphknoten. Bei Neuroblastomen, die im frühen Säuglingsalter auftreten, wird aber auch in einigen Fällen eine spontane Rückbildung des Tumors beobachtet.

Therapie eines Neuroblastoms

Bei der Therapieplanung wird insbesondere das Krankheitsstadium der Kinder berücksichtigt. Beim Neuroblastom basiert die Einteilung sowohl auf der Größe des Tumors als auch auf der Beteiligung von Lymphknoten und dem Vorliegen bzw. dem Ausmaß einer Metastasierung. In den Tumorstadien 1 und 2 kann der Tumor häufig allein durch eine Operation entfernt werden. In fortgeschritteneren Erkrankungsstadien erfolgt vor der Operation in der Regel eine Chemotherapie mit verschiedenen Zytostatika. Findet sich nach Operation und/oder Chemotherapie noch entartetes Gewebe, kann eine Bestrahlung indiziert sein. Ergänzend oder alternativ können Therapieverfahren wie die MIBG-Therapie oder die Hochdosis-Chemotherapie eingesetzt werden. Bei der MIBG-Therapie erhalten die Patienten radioaktiv markiertes Methyljodbenzylguanidin (MIBG). Diese Substanz soll das Tumorgewebe von innen zerstören. Im Rahmen der Hochdosis-Chemotherapie verabreicht der Arzt den Patienten besonders hohe Dosen von Zytostatika, die das Zellwachstum hemmen sollen. Ihr Ziel ist es, sämtliche bösartige Zellen im Körper zu eliminieren. Allerdings wird bei dieser Therapie das Knochenmark so stark geschädigt, dass im Anschluss an die Hochdosis-Chemotherapie eine autologe Stammzelltransplantation erfolgen muss. Dabei werden dem Patienten körpereigene Stammzellen transplantiert, die ihm vor der Chemotherapie aus dem Knochenmark oder dem Blut entnommen wurden.

Je nach Ausprägung des Neuroblastoms kann auch eine Behandlung mit Retinsäure, einer synthetischen Vitamin-A-Säure, erfolgen. Die 13-cis-Retinolsäure soll bei Neuroblastomen eine verminderte Zellteilung bewirken. Retinsäure kann ferner zur Vorbeugung von Krankheitsrückfällen im Rahmen der Erhaltungstherapie zum Einsatz kommen. Seit einigen Jahren werden vermehrt Antikörper nach abgeschlossener Therapie beim Neuroblastom mit Metastasenbildung eingesetzt. Diese sollen verbliebene Zellen des Neuroblastoms erkennen und die körpereigene Abwehr zur Eliminierung anregen.

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