Blutgerinnungsstörung - Medizinische Experten

Mehr als ein Prozent der weltweiten Bevölkerung ist von Blutgerinnungsstörungen betroffen. Die Folgen einer Gerinnungsstörung können lebensbedrohlich sein. Es gibt jedoch effektive Vorbeugungsmaßnahmen und gute Behandlungsmöglichkeiten. Weitere Informationen finden sie unten.

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Blutgerinnungsstörung - Weitere Informationen

Zu den Blutgerinnungsstörungen (Koagulopathien) gehören verschiedene Erkrankungen, bei denen die Blutgerinnung (Hämostase) zu stark oder zu schwach ist. Bei der Gerinnung des Blutes wird flüssiges Blut fest, verklumpt oder stockt. Dieser komplexe Vorgang ist lebenswichtig und verhindert beispielsweise einen zu großen Blutverlust bei Verletzungen. Ist die Gerinnung des Blutes zu schwach, kann es selbst bei kleinen Wunden zu starken Blutungen kommen. Bei einer zu starken Blutgerinnung hingegen, können sich gefährliche Blutgerinnsel bilden.

An der Gerinnung sind verschiedene Substanzen beteiligt. Eine entscheidende Rolle spielen die Blutplättchen (Thrombozyten), die sich miteinander vernetzen, Klumpen bilden und dadurch für den Verschluss eines verletzten Blutgefäßes sorgen. Außerdem wirken bei der Blutgerinnung Enzyme und verschiedene Gerinnungsfaktoren (Gerinnungseiweiße) mit. Bei offenen Verletzungen lagern sich Eiweißfasern (Fibrin) an die Blutplättchen ab und verkleben die Wunde endgültig. Damit die Blutgerinnung nur an der Stelle der Verletzung aktiv wird, geschieht der Prozess in mehreren Schritten. Die Gerinnungsfaktoren aktivieren sich gegenseitig, bevor der nächste Schritt einsetzt. Ist die Schrittfolge an einer Stelle gestört, gerinnt das Blut nur verzögert oder gar nicht.

Welche Arten von Blutgerinnungsstörungen gibt es?

Mediziner unterscheiden zwischen sogenannten Minus- und Plus-Blutgerinnungsstörungen. Während bei einer Minus-Blutgerinnungsstörung die Gerinnung des Blutes zu schwach oder gar nicht vorhanden ist, verklumpt das Blut bei einer Plus-Blutgerinnungsstörung zu schnell.

Die bekannteste Minus-Blutgerinnungsstörung ist die Bluterkrankheit (Hämophilie), die fast ausschließlich Männer betrifft. Je nachdem, welcher Gerinnungsfaktor fehlt beziehungsweise inaktiv ist, unterscheidet man zwischen Hämophilie A und B. Eine weitere Minus-Blutgerinnungsstörung ist das Von-Willebrand-Jürgens-Syndrom, das zusammen mit der Bluterkrankheit mehr als 95 Prozent der Minus-Blutgerinnungsstörungen ausmacht. Bei dieser Krankheit ist das Von-Willebrand-Gerinnungseiweiß inaktiv oder nicht vorhanden.

Zu den Plus-Blutgerinnungsstörungen, die insgesamt häufiger als die Minus-Gerinnungsstörungen auftreten, gehört die Thromboseneigung (Thrombophilie). Bei Patienten mit Thromboseneigung sind bestimmte Eigenschaften des Blutes wie Blutzellen, Blutplasma oder Blutströmung verändert. Es besteht ein hohes Risiko, einen Gefäßverschluss durch Blutgerinnsel (Thrombose) zu erleiden.

Welche Ursachen hat eine Blutgerinnungsstörung?

Blutgerinnungsstörungen können genetisch oder erworben sein. Die Minus-Blutgerinnungsstörungen sind in den meisten Fällen angeboren. Fehler im Erbgut führen dazu, dass gewisse Blutgerinnungseiweiße nicht vorhanden oder inaktiv sind. Erworbene Blutgerinnungsstörungen können auch erst in höherem Alter auftreten. Häufig sind sie eine Folge der Einnahme von Medikamenten, Erkrankungen des Immunsystems oder Krebserkrankungen. Zudem gibt es bestimmte Faktoren, die eine Thromboseneigung fördern.

Folgende Risikofaktoren können zu einer Verstärkung der Blutgerinnung beitragen:

  • erhöhtes Lebensalter (Frauen über 40 und Männer über 50)
  • Übergewicht
  • andauernder Bewegungsmangel
  • Krampfadern
  • Verletzungen
  • größere Operationen
  • Flüssigkeitsmangel
  • Rauchen
  • Einnahme der Pille
  • Schwangerschaft

Welche Symptome treten bei einer Blutgerinnungsstörung auf?

Die Symptome sind davon abhängig, um welche Gerinnungsstörung es sich handelt. Es gibt schwach oder auch stark ausgeprägte Symptome bei Blutgerinnungsstörungen. Bei leicht ausgeprägten Gerinnungsstörungen treten im Alltag in der Regel keine Beschwerden auf, sodass Patienten die Krankheit oft gar nicht bemerken. Eine deutlich verringerte Blutgerinnung führt dazu, dass Wunden lange bluten. Es können spontane und mitunter schmerzhafte Blutungen in Geweben auftreten. Zudem bilden sich bereits bei leichtem Druck blaue Flecken.

Weitere typische Beschwerden bei verringerter Blutgerinnung sind:

  • häufiges Nasenbluten
  • Zahnfleischbluten
  • Blut im Stuhl/Urin
  • starke Regelblutung
  • Kopfschmerzen
  • Sehstörungen
Blutgerinnungsstörungen mit verstärkter Blutgerinnung verursachen erst Beschwerden, wenn es bereits zu Blutgerinnseln gekommen ist. Die Thrombosen können alle Organe und Körperteile betreffen – am häufigsten die Beine. Typische Anzeichen beim Gefäßverschluss einer Beinvene sind:
  • Schwellung der Beine/Füße
  • Schweregefühl und Schmerzen im betroffenen Bein/Fuß
  • Wärmegefühl
  • rötliche oder bläuliche Verfärbung
  • Wadenschmerzen

Die Beschwerden verbessern sich oft, wenn die Beine hochgelagert werden. Als Folge einer Thrombose kann es zu einer Lungenembolie kommen, welche sich in der Regel durch Schwindel und Luftnot äußert. Wird die Blutversorgung im Gehirn durch ein Blutgerinnsel unterbrochen, kann ein Schlaganfall ausgelöst werden. Typische Symptome eines Schlaganfalls sind Kopfschmerzen, Schwindel, Lähmungen, Verwirrtheit und Seh- und Sprachstörungen. In allen Fällen sollte unverzüglich ein Arzt gerufen oder aufgesucht werden.

Wie wird eine Blutgerinnungsstörung diagnostiziert?

Zunächst führt der Arzt eine gründliche Anamnese durch, um eine mögliche genetische Vorbelastung oder Vorerkrankungen festzustellen. Mithilfe einer körperlichen Untersuchung kann der Arzt Blutungen in Geweben oder Hämatome identifizieren. Verschiedene Bluttests sind die wichtigsten Methoden der Diagnose und liefern aussagekräftige Gerinnungswerte sowie die Anzahl der Blutplättchen. In speziellen Labors werden Gerinnungstests durchgeführt. Zusätzlich kann eine Untersuchung des Knochenmarks Aufschluss über die Anzahl der Blutplättchen geben. Der Nachweis von Gefäßverschlüssen erfolgt durch Blutuntersuchungen, Ultraschall oder Computertomografie.

Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es bei einer Blutgerinnungsstörung?

Die Behandlung richtet sich nach der Ursache der Blutgerinnungsstörung. Bei erworbenen Gerinnungsstörungen muss die jeweilige Ursache, zum Beispiel eine andere Erkrankung, therapiert werden. Patienten mit stark reduzierter Blutgerinnung erhalten in regelmäßigen Abständen Injektionen mit den fehlenden Gerinnungsfaktoren oder Blutplättchen. Bestimmte Medikamente dürfen nicht eingenommen und das Risiko von Verletzungen muss durch den Patienten gesenkt werden.

Bei zu starker Blutgerinnung werden verschiedene Medikamente (Acetylsalicylsäure, Heparin) in Form von Injektionen, Tabletten oder Infusionen verabreicht. Diese Medikamente lösen das Blutgerinnsel auf. In schweren Fällen sind Operationen notwendig, um das Blutgerinnsel zu entfernen. Vor bestimmten Risikosituationen (zum Beispiel Langstreckenflug) können vorbeugende Maßnahmen, wie das Tragen von Kompressionsstrümpfen oder die Einnahme gerinnungshemmender Arzneimittel, getroffen werden.

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