Akute lymphatische Leukämie (ALL) - Medizinische Experten

Die akute lymphatische Leukämie, kurz auch als ALL bezeichnet, ist eine bösartige Erkrankung des blutbildenden Systems. In der Umgangssprache ist die Krankheit deshalb auch als Blutkrebs bekannt.

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Akute lymphatische Leukämie (ALL) - Weitere Informationen

Es gibt mehr als einhundert verschiedene Leukämiearten. Bei allen Arten vermehren und verbreiten sich die weißen Blutkörperchen außergewöhnlich schnell und ungebremst. Die akute lymphatische Leukämie ist durch eine unkontrollierte Vermehrung der Vorläuferzellen der Lymphozyten, einer speziellen Unterform der weißen Blutkörperchen, gekennzeichnet. Die Lymphozyten treten dadurch in großen Mengen im Blut auf, sie sind aber nicht funktionstüchtig und können dementsprechend auch keinerlei Aufgaben mehr im Immunsystem übernehmen. Man spricht hier von lymphatischen Blasten. Durch die Ausbreitung im Knochenmark wird die Blutbildung gesunder Zellen gestört, sodass zwar die Anzahl der Lymphozyten im Blut steigt, die Zahl der roten Blutkörperchen (Erythrozyten), der Thrombozyten (Blutplättchen) und der restlichen weißen Blutkörperchen hingegen sinkt. Insgesamt betrachtet gehört die ALL mit 1,5 Neuerkrankungen pro 100.000 Einwohner und Jahr zu den selteneren Krebserkrankungen. Allerdings ist sie mit einem Anteil von 80 Prozent die häufigste Leukämieform bei Kindern und Jugendlichen. Insbesondere Kinder unter vier Jahren sind von dieser bösartigen Erkrankung des blutbildenden Systems betroffen.

Die Ursachen der akuten lymphatischen Leukämie (ALL)

Die genauen Ursachen der Leukämie sind bisher noch nicht vollständig geklärt. Man geht davon aus, dass eine Kombination verschiedener genetischer Veränderungen die Grundvoraussetzung für die Entstehung einer Leukämie ist. Warum diese Genveränderungen auftreten, ist ebenfalls noch nicht bekannt. Jedoch gelten beispielsweise die Einwirkung ionisierender Strahlung sowie giftige Stoffe wie Benzol als gesicherte Risikofaktoren. Auch Zytostatika (zellwachstumshemmende Substanzen), die bei der Behandlung von Krebserkrankungen zum Einsatz kommen, können in seltenen Fällen die Entstehung einer Leukämie begünstigen.

Symptome der akuten lymphatischen Leukämie (ALL)

Die Beschwerden, die im Rahmen einer Leukämie auftreten, können sehr unterschiedlich sein. Bei der akuten lymphatischen Leukämie ist meist eine sehr schnelle Verschlechterung des Allgemeinzustandes zu beobachten. Die Patienten sind müde, haben wenig bis keinen Appetit und verlieren an Gewicht. Bei Kindern kommt es häufig zu Fieber sowie zu Knochen- und Gelenkschmerzen. Durch die Ausbreitung der unreifen weißen Blutkörperchen im Knochenmark und die daraus resultierende Unterdrückung der Blutbildung können weitere Symptome entstehen. Der Mangel an Blutplättchen führt zu einer erhöhten Blutungsneigung. Schon bei geringer Einwirkung von außen oder sogar ohne erkennbaren Grund kommt es beispielsweise zu Nasenbluten, blauen Flecken oder kleinen punktförmigen Hauteinblutungen, den sogenannten Petechien. Der Mangel an weißen Blutkörperchen, die Leukopenie, hat hingegen eine verstärkte Infektanfälligkeit zur Folge. Die Infektionen können jedes Organ betreffen. So leiden die Patienten gehäuft unter Lungenentzündungen oder Entzündungen der Harnwege. In fortgeschritteneren Erkrankungsstadien können die Infektionen aufgrund der mangelnden Immunfunktion lebensbedrohlich sein. Infolge der fehlenden roten Blutkörperchen entwickelt sich eine Anämie (Blutarmut). Typische Symptome sind Müdigkeit, Blässe und ein ausgeprägtes Schwächegefühl. Wenn Milz und Leber von den Leukämiezellen befallen werden, äußert sich dies durch eine Vergrößerung der Organe, die häufig mit Bauchschmerzen einhergeht. Ein weiteres charakteristisches Symptom der ALL ist eine Lymphknotenschwellung. So sind die Lymphknoten in der Leiste, unter den Achseln oder am Hals tastbar. In seltenen Fällen befallen die unreifen Lymphoblasten Teile des Nervensystems wie das Rückenmark, die Hirnhaut oder das Gehirn. Das kann zu folgenden Symptomen führen:
  • Lähmungen der Hirnnerven mit Doppeltsehen oder herabhängenden Mundwinkeln
  • Sensitivitätsstörungen
  • Kopfschmerzen mit oder ohne Erbrechen

Die Behandlung der akuten lymphatischen Leukämie (ALL)

Die Therapie der ALL besteht aus mehreren Bausteinen. Wichtigster Bestandteil der Behandlung ist die Chemotherapie. Dabei erhalten die Patienten Zytostatika als Infusion oder in Form von Tabletten. Diese sollen die Vermehrung der Lymphozyten hemmen. Da die verschiedenen Zytostatika an unterschiedlichen Stellen in die Zellteilung eingreifen, hat sich die Kombination mehrerer Wirkstoffe bewährt. Die Chemotherapie zur Behandlung der ALL ist sehr intensiv und erstreckt sich über mehrere Therapiezyklen, die wiederum jeweils mehrere Wochen dauern. Jedoch sprechen nicht alle Patienten gleich gut auf die klassischen Zytostatika an. Da die Leukämiezellen häufig auch das Hirn befallen, werden ergänzend zur chemotherapeutischen Behandlung Zytostatika direkt in das Nervenwasser gespritzt, welches das Gehirn und das Rückenmark umgibt. Zusätzlich kann eine Bestrahlung des Schädels erforderlich sein. Auch bösartig veränderte Lymphknoten können mithilfe der Strahlentherapie behandelt werden. Tyrosinkinaseinhibitoren wie Imatinib oder monoklonale Antikörper wie Rituximab und Alemtuzumab gehören zu den neueren, spezifischeren Therapieansätzen in der Behandlung der Leukämie. Nur bei einem Teil der Patienten lässt sich mit den oben genannten Therapieverfahren eine dauerhafte Heilung erreichen. Häufig kommt es zu Rezidiven, also zu einem Wiederauftreten der Krankheit. Bei vielen Patienten lassen sich die Heilungschancen durch eine Knochenmark- oder Blutstammzelltransplantation erhöhen. Hierfür erhalten sie zunächst eine hoch dosierte Chemotherapie und eine Ganzkörperbestrahlung, sodass erst einmal das gesamte Knochenmark und damit auch alle krankhaften Zellen zerstört werden. Anschließend erfolgt eine Übertragung gesunder blutbildender Stammzellen. Wurden diese dem Patienten vor der Chemotherapie entnommen, spricht man von einer autologen Stammzelltransplantation. Bei einer allogenen Stammzelltransplantation erhält der Patient hingegen Knochenmark- oder Blutstammzellen von einem passenden Spender. Die durchschnittliche Behandlungsdauer der akuten lymphatischen Leukämie liegt zwischen zwei und drei Jahren. In 60 bis 80 Prozent der Fälle lässt sich eine komplette Remission (Nachlassen der Krankheitssymptome) erreichen, die Rückfallrate liegt jedoch bei 50 bis 60 Prozent. Dabei treten die ersten Rezidive (Rückfälle) meist schon innerhalb der ersten ein bis zwei Jahre nach der Therapie auf.

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