Otosklerose - Medizinische Experten

Die Otosklerose ist eine langsam fortschreitende Ohrenerkrankung, die zur Schwerhörigkeit oder gar Taubheit führen kann. Die krankhaften Veränderungen ähneln Entzündungen und sind oft auf das Innenohr beschränkt, das sich im sogenannten Felsenbein befindet. Neben dem schwindenden Hörvermögen können bei einer Otosklerose mitunter auch Ohrgeräusche auftreten.

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Was versteht man unter Otosklerose?

Im Felsenbein sitzt ein Gehörknöchelchen (Steigbügel, Stapes). Es leitet den Schall vom Trommelfell in das Innenohr weiter: Die akustischen Signale versetzen den Steigbügel und die anderen beiden Gehörknöchelchen (Hammer und Amboss) in Schwingungen, sodass sie dann letztlich im Gehirn ankommen.

Bei der Otosklerose löst sich das Felsenbein-Knochengewebe auf und verhärtet letztlich. Der versteifte Steigbügel ist immer weniger imstande, den bei ihm ankommenden Schall an das Innenohr zu übermitteln.

Zuerst ist nur ein Ohr betroffen, später auch das zweite. Daher sollten Personen, die bei sich einen zunehmenden Hörverlust bemerken, schnellstmöglich einen Hals-Nasen-Ohren-Spezialisten aufsuchen.

Die sehr seltene Otosklerose kommt nur bei zirka einem Prozent der Bundesbürger vor. Die meisten der Betroffenen sind zwischen 20 und 40 Jahre alt. In vereinzelten Fällen zeigt sich die Erkrankung in Form einer Innenohr-Schwerhörigkeit.

Was sind die Symptome einer Otosklerose?

Ein auffälliges Symptom, das bei einer Vielzahl von Patienten mit Otosklerose auftritt, ist Tinnitus. Mit diesem Fachausdruck bezeichnet der Mediziner Ohrgeräusche (Klingeln, Summen, Piepsen). Otosklerose-Betroffene hören nur tiefe Tinnitus-Geräusche.

Bei manchen von ihnen kommt es noch zusätzlich zu Schwindel. Das ist besonders dann der Fall, wenn auch das Innenohr am Krankheitsgeschehen beteiligt ist.

Die Otosklerose selbst zeigt sich in bindegewebeartigen Wucherungen, die zuerst die Steigbügel-Fußplatte umgeben, sodass er sich nicht mehr ungehindert bewegen kann (Stapesankylose). Das Fortschreiten der Krankheit bewirkt schließlich eine Schallleitungsschwerhörigkeit.

Charakteristisch für die Ohr-Erkrankung ist, dass sie umso schneller fortschreitet, je früher sie im Leben des Betreffenden auftaucht. Im weiteren Krankheitsverlauf kann es auch zur kurzfristigen Besserung des Hörvermögens kommen.

Wie diagnostiziert man eine Otosklerose?

Der Facharzt für Hals-Nasen-Ohren-Erkrankungen diagnostiziert die Gehörgangsverknöcherung mithilfe mehrerer Hörtests. So findet er heraus, ob die Signalweiterleitung ins Innenohr geschädigt ist und - falls ja - in welchem Umfang das der Fall ist.

Allerdings ist die Diagnose im Anfangsstadium der Hörminderung sogar für medizinische Experten äußerst schwierig, da sich oft keine deutlichen Veränderungen im Mittelohr und am Trommelfell feststellen lassen. Manche Betroffene haben das Schwartze-Zeichen. Das ist eine durch das Trommelfell erkennbare rötliche Verfärbung.

Bildgebende Verfahren wie die Computertomografie (CT), Kernspintomografie (MRT) und das Röntgenbild lassen entzündliche Vorgänge in der Felsenbein-Gegend deutlich erkennen. Wo sich die aktuell vorhandenen Entzündungsherde befinden, kann man auch mithilfe einer nuklearmedizinischen Untersuchung (TCS) herausfinden.

Der HNO-Arzt führt noch eine Stapediusreflex-Messung durch: Sie zeigt, inwieweit die Fähigkeit des Steigbügels beeinträchtigt ist, ankommende akustische Signale weiterzugeben.

Ein Vergleich mit der Stimmgabel-Prüfung, bei der das angeschlagene metallene Instrument an die Schläfen-Knochen gehalten wird, ergibt, ob der Patient den derart weitergeleiteten Schall besser hört als den normalen akustischen Reiz.

Mithilfe einer Sprach-Audiometrie (Sprachtest) kann der Facharzt feststellen, ob gesprochene Sätze und Wörter schlechter zu verstehen sind.

Was sind die Ursachen einer Otosklerose?

Welche Ursachen für das Entstehen der Innen- und Mittelohr-Verknöcherung verantwortlich sind, ist wissenschaftlich noch nicht völlig geklärt. Dass die Erkrankung eine genetische Komponente hat, gilt inzwischen jedoch als fast gesichert: Wissenschaftler fanden vor kurzem das Gen TGFB1, das bei den Otosklerose-Kranken immer an derselben Stelle verändert ist.

Andere mögliche auslösende Faktoren sind Virusinfektionen (Mumps, Masern) und hormonelle Umstellungen. Letztere scheinen einen großen Einfluss zu haben, denn bei vielen Betroffenen - es sind meist weibliche Personen - tritt die Erkrankung erstmals nach einer Schwangerschaft auf. Außerdem verschlechtert sich eine bestehende Otosklerose unter der Einnahme oraler Kontrazeptiva ("Pille").

Nach Ansicht mancher Mediziner könnten auch Autoimmunreaktionen zu einer Otosklerose führen. Dabei bekämpft das Immunsystem irrtümlicherweise die eigenen Zellen und Gewebe, da es sie für Fremdkörper hält, die es zu beseitigen gilt.

Wie wird eine Otosklerose behandelt?

Die Otosklerose lässt sich nicht medikamentös therapieren. Bei Patienten mit starkem Hörverlust ist nur noch ein operativer Eingriff (Stapedektomie) hilfreich. Der Mediziner injiziert die örtliche Betäubung in den äußeren Gehörgang. Danach schneidet er den Gehörgang mit einem winzigen Schnitt auf und klappt das Trommelfell nach vorne, sodass die Gehörknöchelchen zu erkennen sind.

Nach dem Entfernen des Steigbügels oder seiner Fußplatte mit einem Laser oder chirurgischen Mikro-Besteck und dem Anbringen der Prothese (oder Teilprothese) bringt er das Trommelfell wieder an seinem ursprünglichen Platz an. Die Prothese/Teilprothese bezeichnet man als Stapes-Plastik. Sie sorgt dafür, dass die Gehörknöchelchen wieder besser schwingen.

Eine Operation ist immer dann erforderlich, wenn der Betroffene sprachliche Äußerungen von weniger als 30 Dezibel nicht mehr versteht. Patienten, die es vorziehen, sich nicht operieren zu lassen, oder solche, bei denen ein solcher Eingriff keinen Erfolg haben würde (bei Innenohrschwerhörigkeit) können sich ein Hörgerät verschreiben lassen.

Manche Otosklerose-Betroffene müssen nach ihrem operativen Eingriff dennoch Hörgeräte tragen. In der Regel verläuft die Operation jedoch erfolgreich. Die Hörgeräte verbessern zwar das Hörvermögen deutlich, können aber das Fortschreiten der Erkrankung nicht aufhalten.

Ein weiteres operatives Verfahren nennt sich Stapedotomie. Sie hat den Vorteil, dass es bei ihr zu weniger Komplikationen kommt, da man dem Patienten dabei nur den Schenkel des Steigbügels entfernt. Mittels spitzer Nadel oder Laser bohrt der Otosklerose Spezialist ein winziges Loch in die Steigbügel Fußplatte, wo er dann eine Prothese (Piston) aus Platin, Teflon, Gold oder Titan einsetzt und sie am Amboss fixiert.

Während des Eingriffs überprüft der Mediziner mehrmals die Hörleistung seines Patienten. Etwa 2 bis 3 Wochen danach kann er wieder zur Arbeit gehen. Ist die Operation komplikationslos verlaufen, kann er einige Monate später sogar Flugreisen unternehmen.

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