Glaskörperabhebung - Medizinische Experten

Die hintere Glaskörperabhebung ist eine normale Alterserscheinung: Etwa drei Viertel der über 60-Jährigen sind betroffen. Sehr oft bleibt sie völlig symptomfrei. Manchmal treten infolge einer Glaskörperabhebung Glaskörpertrübungen, Lichtblitze oder Trübungen der Sicht durch kleine Blutungen auf.

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Glaskörperabhebung - Weitere Informationen

Glaskörperabhebung: Bei Lichtblitzen oder „Rußregen“ rasch zum Augenarzt!

Symptome wie Glaskörpertrübungen, Lichtblitze oder Trübungen der Sicht durch kleine Blutungen bedeuten meist nichts Dramatisches. Allerdings kann eine Glaskörperabhebung zu Rissen in der Netzhaut führen. Solche Risse bergen die Gefahr einer Netzhautablösung – und diese ist ein augenmedizinischer Notfall.

Symptome einer Glaskörperabhebung

  • Verstärktes Auftreten von Glaskörpertrübungen: Sie werden als kleine, halbtransparente stäubchen- oder spinnwebartige Erscheinungen (Mouches Volantes) oder sogar größere „Klumpen“ im Gesichtsfeld wahrgenommen. Da sie alle Bewegungen des Auges mitmachen, erscheinen Trübungen, die nicht in der optischen Achse des Auges liegen, als beweglich: Versucht man, sie zu fixieren, scheinen sie davonzuhuschen, um sich wieder zu nähern, wenn man den Blick auf etwas anderes richtet. Trübungen, die direkt in der optischen Achse liegen, sind besonders lästig, da sie stets in der Mitte des Gesichtsfelds erscheinen. Abhängig von ihrer Größe können sie die Sicht mehr oder weniger stark beeinträchtigen.
  • Wahrnehmung von Lichtblitzen: Meist hat der abgelöste Glaskörper punktuell noch Verbindung zur Netzhaut. Dann können Augenbewegungen, aber auch Lageänderungen beziehungsweise Beschleunigung/Abbremsung des Kopfes einen Zug des sich im Augapfel bewegenden Glaskörpers an der Netzhaut bewirken. Der mechanische Reiz wirkt auf die Lichtrezeptoren der Netzhaut wie ein Lichtreiz. Es kommt zu plötzlichen kurzen Helligkeitsempfindungen.
  • Wahrnehmung von Trübungen durch Blutungen: Reißt die Verbindung zwischen Glaskörper und Netzhaut, können kleine und kleinste Blutgefäße platzen. Dies führt zu entsprechend kleinen und kleinsten Blutungen, die eine Zeitlang die Sicht trüben können. Die Effekte kleinster Blutungen sind winzige dunkle Punkte („Rußregen“). Etwas größere Blutungen führen auch zu größeren Ausfällen im Gesichtsfeld. Diese Trübungen verschwinden gewöhnlich nach einigen Tagen.

Die beschriebenen Symptome bedeuten in den meisten Fällen nichts Schlimmes. Um jedoch Netzhautrisse/Netzhautlöcher/Netzhautablösungen auszuschließen beziehungsweise rasch behandeln zu können, sollten Betroffene bei Lichtblitzen und plötzlich neu auftretenden Trübungen unbedingt noch am selben Tag einen Augenarzt aufsuchen und die Erscheinungen abklären lassen.

Ursachen und Verlauf der Glaskörperabhebung

Ursache der Glaskörperabhebung ist meist die altersbedingte Schrumpfung des Glaskörpers. Bei pathologischer Myopie (starker fortschreitender Kurzsichtigkeit) kann auch fortgesetztes Längenwachstum des Augapfels zu einer Glaskörperabhebung führen.

Schrumpfende „Götterspeise“

Als gelartige Substanz füllt der Glaskörper (Corpus vitreum) den größten Teil des Augapfels aus: Er reicht von der Rückfläche der Augenlinse bis zur Netzhaut. Der Glaskörper besteht zu 98 Prozent aus Wasser. Für die gallertige Konsistenz ist Hyaluronsäure verantwortlich, ein Stoff, der ähnlich wie Gelatine extrem viel Wasser binden kann. Außerdem enthält der Glaskörper fein verteilte Bindegewebsfasern.

Die äußere Begrenzung des Glaskörpers bildet eine dünne Bindegewebsschicht, die Glaskörper-Grenzmembran. Diese hat an mehreren Stellen Verbindung zur Wand des Augapfels und haftet auch an einigen Punkten der Netzhaut mehr oder weniger fest. Die stärksten Anheftungen liegen seitlich der Mitte der Netzhaut an der Einmündungsstelle des Sehnervs und am äußersten Rand der Netzhaut.

Dass der Glaskörper mit der Zeit schrumpft, liegt an einer stellenweisen Verflüssigung des Hyaluronsäure-Wasser-Gels. Eine ähnliche Schrumpfung ist auch bei gelatinehaltigen Speisen zu beobachten. Diese führt nach Abfließen der entstandenen Flüssigkeit zu einer Verkleinerung des Glaskörpervolumens. Im Zuge der Verflüssigung miteinander können verklumpte Bindegewebsfasern bei hellem Licht Schatten auf die Netzhaut werfen, die als Mouches volantes wahrgenommen werden. Besonders große Trübungen sind meist Fehlstellen in der Glaskörper-Grenzmembran, die nach ihrer Abhebung von der Netzhaut sichtbar geworden sind.

Risikofaktor Kurzsichtigkeit: langer Augapfel

Kurzsichtigkeit ist fast immer dadurch bedingt, dass der Augapfel im Verhältnis zur Stärke der Augenlinse zu lang ist. Weltweit nimmt die Kurzsichtigkeit in alarmierendem Maße zu. Der Anteil der Menschen, die von einer durch fortgesetztes Längenwachstum des Augapfels verursachten fortschreitenden Kurzsichtigkeit betroffen sind, steigt.

Ein zu langer Augapfel verstärkt den Effekt der Glaskörperschrumpfung. Ab etwa -6 Dioptrien und erst recht bei fortschreitender Kurzsichtigkeit kann es auch ohne Glaskörperschrumpfung, also bereits in jüngeren Jahren, zu einer Glaskörperabhebung kommen.

Diagnose und Behandlung der Glaskörperabhebung

Besteht aufgrund der Symptome Verdacht auf eine Glaskörperabhebung, muss rasch eine sorgfältige Untersuchung des Augenhintergrunds erfolgen, um Netzhautschäden auszuschließen. Dazu wird die Pupille mit speziellen Augentropfen erweitert und der Augenarzt betrachtet Glaskörper und Netzhaut durch das Spaltlampenmikroskop. Dabei können Trübungen, Blutungen und Netzhautrisse diagnostiziert werden.

Die Glaskörperabhebung selbst wird nicht behandelt, sollte jedoch nach dem ersten Auftreten der Symptome ein Zeitlang unter Beobachtung bleiben. Empfohlen wird ein erneuter Termin beim Augenarzt nach sechs Wochen.

Netzhautrisse, Netzhautablösung

Finden sich Netzhautrisse oder hat sich die Netzhaut schon teilweise von ihrer Unterlage abgelöst, ist eine schnelle Behandlung nötig. Netzhautrisse werden rund um den Riss durch punktuelles „Verschweißen“ der Netzhaut mit der darunterliegenden Aderhaut mithilfe eines Laserstrahls repariert. Dies geschieht direkt durch die mit einer Spezialkontaktlinse bedeckte Pupille hindurch, ist also kein aufwendiger Eingriff.

Eine Netzhautablösung erfordert eine Operation. Manchmal kann die abgelöste Netzhaut durch leichtes Eindrücken der Hinterseite des Augapfels mithilfe aufgenähter Silikonplomben oder -bänder wieder angelegt werden. In schwereren Fällen ist die Entfernung des Glaskörpers (Vitrektomie) nötig. Dann wird die Netzhaut durch ein eingeleitetes Gasgemisch oder Silikonöl wieder an ihren Platz gedrückt. Später füllt sich der Augapfel mit dem vom Auge selbst produzierten Kammerwasser, das fortan den Glaskörper ersetzt.

Starke Glaskörpertrübungen

Mit Glaskörpertrübungen müssen Betroffene in den meisten Fällen einfach leben – das Behandlungsrisiko lässt Eingriffe zu ihrer Beseitigung oft ungerechtfertigt erscheinen. Größere Trübungen sinken manchmal, der Schwerkraft folgend, im Glaskörper nach unten und sind dann weniger störend. Für starke, extrem hinderliche Trübungen gibt es zwei Behandlungsoptionen:

  • Mouches volantes können durch Laser aufgelöst werden. Die Behandlung ist allerdings nur für Trübungen geeignet, die sich in sicherem Abstand zur Netzhaut befinden. Laserbehandlungen von Mouches volantes werden nur von sehr wenigen Spezialisten angeboten.
  • Bei starken Trübungen des Glaskörpers durch viele Mouches volantes, Einblutungen oder große „Verklumpungen“ auf der Glaskörper-Grenzmembran ist die Entfernung des Glaskörpers prinzipiell eine Option. Jedoch bringt diese Operation Risiken mit sich (Linsentrübung, Infektionen, Netzhautprobleme). Im Fall der Vitrektomie bei Netzhautablösung ist das Behandlungsrisiko ganz klar kleiner als das Risiko des behandelten Problems. Bei Glaskörpertrübungen ist das jedoch normalerweise nicht der Fall.

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