Chronische Mittelohrentzündung - Medizinische Experten

Bei einer chronischen Mittelohrentzündung handelt es sich um ein wiederholtes Auftreten von Entzündungsprozessen innerhalb des Mittelohrs. Ärzte unterscheiden dabei zwischen verschiedenen Formen.

Weitere Informationen zur chronischen Mittelohrentzündung finden Sie im Text weiter unten.

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Chronische Mittelohrentzündung - Weitere Informationen

Was ist eine chronische Mittelohrentzündung?

Von einer chronischen Mittelohrentzündung (Otitis media chronica) ist die Rede, wenn das Mittelohr immer wieder unter Entzündungen leidet. Oftmals liegt dabei ein Loch im Trommelfell vor. Es wird zwischen drei unterschiedlichen Formen differenziert. Dies sind:

  • das Cholesteatom
  • die chronische Schleimhauteiterung
  • die chronische Schleimhaut- und Knocheneiterung

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Von Welleschik - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, Link

Ohne eine fachkundige Therapie ist bei keiner dieser Formen eine Heilung möglich. Es drohen sogar ernstzunehmende Komplikationen wie:

Im schlimmsten Fall tritt eine Meningitis (Hirnhautentzündung) oder ein Hirnabszess ein.

Was sind die Ursachen einer chronischen Mittelohrentzündung?

Die Ursachen einer chronischen Mittelohrentzündung hängen von der jeweiligen Form der Erkrankung ab. Im Falle einer chronischen Schleimhaut- und Knocheneiterung wird diese im Vorfeld durch wiederholte Nasennebenhöhlenentzündungen oder eine akute Mittelohrentzündung ausgelöst. Dafür verantwortlich sind oftmals

  • Defekte an der Nasenscheidewand,
  • Tumore innerhalb des Nasen-Rachenraums (HNO-Tumore) oder
  • Allergien wie ein Heuschnupfen.

Eher selten rufen Unfälle oder Verletzungen, die einen Trommeldefekt verursachen, die chronische Mittelohrentzündung hervor.

Als häufige Ursache für eine Otitis media chronica bei Kindern kommen Nasenpolypen infrage. Dabei handelt es sich um vergrößerte Mandeln, die Belüftungsstörungen des Mittelohrs zur Folge haben. Außerdem wird der Druckausgleich durch die Eustachische Röhre (Ohrtrompete) in Mitleidenschaft gezogen. Dringen via Ohrtrompete Keime wie Bakterien ins Mittelohr vor, droht dadurch eine chronische Entzündung.

Ursachen eines Cholesteatoms

Ein Cholesteatom wird in der Regel durch Belüftungsstörungen des Mittelohrs hervorgerufen. Dabei kommt es innerhalb des Mittelohrs zu Unterdruck, was wiederum das Trommelfell in den Mittelohrbereich einziehen kann. Der Arzt spricht dann von einer Trommelfell-Retraktion. Aus einer solchen Einziehung entsteht mitunter ein Cholesteatom. Eine weitere mögliche Ursache ist das Auftreten eines Lochs am Oberrand des Trommelfells. In seltenen Fällen wird es aufgrund von Verletzungen wie Brüchen des Schädelbeins oder des Felsenbeins hervorgerufen. Bei manchen Menschen ist das Cholesteatom bereits angeboren.

Welche Symptome treten bei einer chronischen Mittelohrentzündung auf?

Viele Patienten bemerken zunächst gar nicht, dass sie unter einer chronischen Entzündung ihres Mittelohrs leiden. So ruft die Erkrankung im Anfangsstadium nicht immer Schmerzen hervor. Darin liegt auch ein großer Unterschied zur akuten Mittelohrentzündung, die plötzlich einsetzt und stechende Ohrenschmerzen, Schwindelgefühle und Fieber verursacht. Dagegen nehmen die Symptome der Otitis media chronica einen schleichenden Verlauf. Bevor es zur ihrer Diagnose kommt, ist die chronische Form deshalb oft schon weit fortgeschritten. Als typische Anzeichen für die chronische Ohrerkrankung gelten:

  • Ohrensausen
  • eine Verminderung der Hörfähigkeit
  • das anhaltende Ausscheiden von Flüssigkeit aus dem Gehörgang
  • das Wuchern von entzündetem Gewebe

Außerdem sind auch bei einer chronischen Mittelohrentzündung ausgeprägte Schmerzen möglich. Durch das Voranschreiten der Entzündung leidet der Patient nicht selten unter Schwindel. Im Unterschied zur akuten Form schreiten die Beschwerden jedoch erheblich langsamer voran.

Wann muss ein Arzt aufgesucht werden?

Kommt es zum Auslaufen von Flüssigkeit aus dem Ohr, egal ob sie klar oder trüb ist, empfiehlt es sich, so schnell wie möglich einen Arzt zu Rate zu ziehen. Gleiches gilt bei starken Ohrenschmerzen oder Druckgefühlen im Ohr. Vor allem bei Erkrankungen von Kindern gilt es, sich rasch an einen Hals-Nasen-Ohren-Arzt zu wenden, der sich auf die Therapie von chronischen Mittelohrentzündungen spezialisiert hat.

Diagnose

Der Hals-Nasen-Ohren-Arzt erkundigt sich zunächst nach der Krankengeschichte des Patienten. Dabei möchte er über eventuelle Vor- oder Begleiterkrankungen Bescheid wissen. Auf diese Weise kann er feststellen, ob es sich tatsächlich um eine chronische Mittelohrentzündung handelt.

Mithilfe eines Ohr-Mikroskops wird anschließend das Trommelfell genau untersucht. So ist in den meisten Fällen im Zentrum des Trommelfells ein Loch von unterschiedlicher Größe vorhanden. Entdeckt der Arzt dagegen am hinteren oberen Trommelfellrand eine Retraktionstasche oder eine zwiebelartige Perlgeschwulst, gilt dies als Hinweis auf ein Cholesteatom.

Als weitere Diagnosemöglichkeiten kommen ein Hörtest, Laboruntersuchungen, Röntgenaufnahmen oder eine Computertomographie infrage.

Wie wird eine chronische Mittelohrentzündung behandelt?

Ohne eine medizinische Behandlung der auslösenden Ursachen kann die chronische Mittelohrentzündung im Unterschied zur akuten Form nicht abheilen. Mitunter erfordert dies sogar eine Operation. Diese erfolgt zum Beispiel, wenn übergroße Polypen für die Otitis media chronica verantwortlich sind, was zumeist bei Kindern geschieht. Im Falle von anatomischen Ursachen bei erwachsenen Patienten lassen sich Nase und Nasennebenhöhlen ebenfalls operativ behandeln.

Nicht selten liegt bei einer chronischen Mittelohrentzündung auch ein Riss des Trommelfells vor, wodurch der Zugang zum Mittelohr offen ist. Für den Patienten ist es daher ratsam, beim Waschen der Haare darauf zu achten, dass kein Wasser bis in seine Ohren vordringt. Gelangen dadurch Bakterien in das Mittelohr, besteht die Gefahr einer Verschlimmerung der Beschwerden. Ebenso möglich ist ein akuter Schwindelanfall. Aus diesem Grund wird beim Baden oder Duschen stets das Anlegen einer Badehaube empfohlen.

Gegen das Absondern von Eiter helfen in der Regel spezielle Ohrentropfen. Im Falle von Komplikationen verordnet der Arzt meist Antibiotika.

Fazit

Der Verlauf bei einer chronischen Mittelohrentzündung hängt davon ab, um welche Erkrankungsform es sich handelt. Eine wichtige Rolle spielt außerdem der Zeitpunkt des Therapiebeginns. Am günstigsten fällt die Prognose bei einer chronischen Schleimhauteiterung aus.

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