Sulcus-Ulnaris-Syndrom: Taubheit in Ring- und kleinem Finger

Beim plötzlichen Aufwachen in der Nacht oder bei einer anstrengenden Bewegung sind schlagartig Empfindungen im Unterarm gestört: Ring- und Zeigefinger sind eingeschlafen und lassen sich vielleicht gar nicht mehr bewegen. In vielen Fällen tut auch der sogenannte Musikantenknochen weh. Wer unter diesen Beschwerden leidet, hat sich oftmals einen Nerv im Ellenbogen eingeklemmt und leidet infolgedessen am Sulcus-Ulnaris-Syndrom.

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Sulcus-Ulnaris-Syndrom - Weitere Informationen

Der Nervus Ulnaris verläuft durch den Ellbogen und ist für viele verschiedene motorische Bewegungen der Hand verantwortlich. So gewährleistet er zum Beispiel die Bewegung des vierten und fünften Fingers. Des Weiteren sorgt er aber auch dafür, dass die Muskulatur des Daumenballens und des Handrückens aktiviert werden kann. Ist der Nerv eingeklemmt oder beschädigt, behindert dies die Funktionen der Handmuskulatur und schränkt die Bewegungsfreiheit ein.

Ursachen des Sulcus-Ulnaris-Syndroms

Der Nervus Ulnaris ist im Ellbogen lokalisiert. Aufgrund seiner Nähe zur Hautoberfläche und der exponierten Lage ist er grundsätzlich anfällig für die Ausbildung eines Engpasses. Eine Engpassbildung kann auch in körperlicher Ruhe erfolgen. Wenn Sie beispielsweise in einer ungesunden Haltung einschlafen oder in der Schule, in der Universität oder auf der Arbeit die Arme auf dem Tisch abstützen, wird der Nerv einem Druck ausgesetzt. Dabei wird er buchstäblich in den Arm hineingedrückt und abgeklemmt.

Ellenbogen

Aber auch Zugbewegungen können zur Engpassbildung beitragen. Besonders fortgeschritten ist es, wenn das Sulcus-Ulnaris-Syndrom aus einer Fehlstellung der Armknochen resultiert. In diesem Fall stellt eine Operation zumeist den letzten Ausweg dar. Das Syndrom kann auch als Folge einer Polyneuropathie auftreten. Polyneuropathien kennzeichnen sich durch Erkrankungen an mehreren Nerven des peripheren Nervensystems und befallen vor allem Menschen mit einem erhöhten Alkoholkonsum, Diabetiker und Patienten mit Lepra Ursachen und Risikofaktoren:

  • Druckbelastungen auf dem Ellbogen durch Aufstützen oder eine ungesunde Liegeposition
  • Zugbelastungen (z.B. bei schweren körperlichen Arbeiten)
  • Fehlstellungen im anatomischen Aufbau
  • Polyneuropathien (u.a. Folge von Alkoholismus und Diabetes)

Symptome

Das Syndrom äußert sich in Empfindungsstörungen wie Kribbeln (als wäre der Arm eingeschlafen) oder Taubheit, aber auch, in schwereren Fällen, in partiellen oder kompletten Lähmungen der Muskulatur. Betroffene fühlen sich oftmals im Alltag eingeschränkt, vor allem wenn das Syndrom die dominante Hand betrifft. Durch die gelegentlich auftretende Muskellähmung gestalten sich viele Tätigkeiten schwer.

Dies ist nicht nur ärgerlich im Alltag, sondern kann sich je nach Beruf auch auf die Arbeit auswirken. Wer mit schweren Lasten, am Schreibtisch oder in einem Handwerkbetrieb arbeitet, ist aufgrund der Komplikationen zumeist arbeitsunfähig, mindestens aber einem gewissen Leistungsverlust ausgesetzt. Überdies berichten die meisten Betroffenen auch von starken, ausstrahlenden Schmerzen in der Hohlhand, im Unterarm und im Ellbogen. Bei einem chronischen Verlauf kann es zu einer Reduktion der Muskulatur in der Hand kommen. Es kommt zur Bildung der sogenannten Krallenhand. Im Überblick:

  • Kribbeln in den Fingern
  • Taubheitsgefühle in Fingern und Hand
  • Unfähigkeit, den Ringfinger und Zeigefinger durchzustrecken oder zu beugen
  • Einschränkung der Handrückenmuskulatur
  • Probleme beim Greifen
  • Muskelabbau
  • Krallenhand

Diagnose des Syndroms

Als verantwortliche Mediziner kommen in erster Linie Neurologen in Frage. Auch Orthopäden können bei der Untersuchung einen ersten Verdacht formulieren, werden die Patienten in der Folge aber an einen Neurologen überweisen. Neurologen sind Experten für Nervenerkrankungen und -probleme und verfügen in ihrer Praxis über ein breit gefächertes diagnostisches Instrumentarium, um zu überprüfen, ob ein Sulcus-Ulnaris-Syndrom vorliegt.

Zunächst einmal wird die Leitgeschwindigkeit der Nerven gemessen. Schäden an den Nerven schlagen sich in der Funktionsweise der Nerven nieder. Je nach Bedarf schließt sich daran eine Röntgenuntersuchung an. In Einzelfällen ist es außerdem aufschlussreich, den Ellbogen mittels Sonografie (Ultraschall) und Magnetresonanztomografie zu untersuchen. Mittels der genannten Verfahren kann das Vorliegen eines Sulcus-Ulnaris-Syndroms in der Regel zweifelsfrei bestätigt werden. Anschließend muss die Schwere des Syndroms erhoben werden, um einen Behandlungsplan aufzustellen.

Sulcus-Ulnaris-Syndrom: Behandlung und Prognose

Wenn der Nervus Ulnaris einen Engpass hat, sollte der betreffende Arm zunächst geschont werden. In leichten Fällen sorgt eine Erholungsphase dafür, dass der Nerv selbstständig an seine normale Position zurückkehrt. Abschwellende und entzündungshemmende Medikamente können die Schonung begleiten und für eine zusätzliche Entlastung des Nervs sorgen. Darüber hinaus erweist sich häufig eine Unterstützung des Arms durch eine Lagerungsschiene als hilfreich.

Gelegentlich kommt es vor, dass der Nerv nicht von selbst aus der Engpassstellung befreit werden kann. In diesem Fall reicht die konservative Therapie nicht aus. Es muss über einen operativen Eingriff zur Freilegung des Nervs nachgedacht werden. Im Rahmen einer operativen Neurolyse (Freilegung des Nerven via Operation) werden bei einem simplen Eingriff Verklebungen gelöst und Irritationen beseitigt. Tritt das Syndrom als Folge einer chronischen Fehlstellung in der Anatomie auf, muss möglicherweise ein größerer operativer Eingriff erfolgen. Hierbei wird der Nerv umgelagert.

Der operative Eingriff ist in der Regel mit einem sofortigen Nachlassen der Schmerzen verbunden. Gefühl und Beweglichkeit können jedoch vorerst eingeschränkt sein. Nach dem operativen Eingriff ist der Ellenbogen normalerweise sofort wieder funktionstüchtig. Das bedeutet, dass er benutzt werden kann, grundsätzlich jedoch geschont werden sollte. Die Länge der Schonzeit ist von der Art der Operation abhängig (für gewöhnlich 2 - 6 Wochen). Mit etwas Abstand (z.B. nach einem halben Jahr) sollte die Nervenleitgeschwindigkeit überprüft werden, um sicherzustellen, dass die Operation erfolgreich war.

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