Pseudarthrose - Medizinische Experten

Ein Knochenbruch ist schmerzhaft und erfordert vom Patienten viel Geduld. Je nachdem, welcher Knochen in Mitleidenschaft gezogen wurde, kann die Heilung mehrere Wochen oder gar Monate in Anspruch nehmen. Wenn ein Knochen aber auch nach mehr als sechs Monaten noch nicht vernünftig zusammengewachsen ist und Probleme verursacht, dann kann sich eine Pseudarthrose entwickelt haben.

Der Text weiter unten klärt darüber auf, was eine Pseudoarthrose ist, welche Merkmale sie hat und welche Therapieformen hierbei erfolgsversprechend sein können.

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Was ist eine Pseudarthrose?

Bei diesem Beschwerdebild sollte man sich nicht zwingend nur vom Namen leiten lassen. Denn mit einer normalen Arthrose, die in der Regel durch Verschleiß entsteht, hat es nichts zu tun. Eine Pseudoarthrose (PSA) entsteht dann, wenn Bruchstellen nach einer Knochenfraktur nicht ausreichend verheilt sind. Die Knochen weisen eine Diskontinuität auf und können sogar hypermobil (überbeweglich) sein. Es entwickelt sich ein Falschgelenk, welches zu erheblichen Problemen wie etwa Schmerzen und Bewegungseinschränkungen führen kann. Pseudogelenk und Scheingelenk sind weitere Begriffe, unter denen die PSA bekannt ist.

Besonders anfällig für Pseudarthrosen sind Schaftknochen. Hierzu zählen Oberschenkel, Kahnbein, Elle mit Speiche sowie der Oberarm. Eine Pseudarthrose kann zudem in verschiedene Kategorien eingeteilt werden. Man unterscheidet eine "hypertrophe vitale" und eine "atrophe avitale" Variante. Bei einer vitalen Pseudarthrose ist der Bruch instabil, aber das Gewebe intakt und noch ausreichend versorgt. Bei einer avitalen Pseudoarthrose ist der Bruch zwar ebenfalls instabil, jedoch ist das umliegende Gewebe angegriffen oder gar mangels Durchblutung abgestorben.

Wie erkennt man eine Pseudarthrose?

Es gibt verschiedene Merkmale, die auf eine PSA hindeuten. Zum Beispiel kann ein sehr langsam verheilender Knochenbruch ein erstes Anzeichen sein. Wenn eine Fraktur innerhalb von vier bis sechs Monaten ausheilt, dann spricht man von einer verzögerten Frakturheilung, nach Ablauf der sechs Monate handelt es sich um eine Pseudoarthrose. Darüber hinaus verursacht sie auch eine Reihe von teils sehr starken Beschwerden. Hierzu zählen Schmerzen im Bereich der betreffenden Knochen oder Gelenke. Zudem kann es zu Schwellungen, Rötungen oder aber auch zu Bewegungseinschränkungen kommen. Hypermobilität - das Gegenteil der fehlenden Beweglichkeit - sowie Instabilität der betroffenen Gelenke sollten ebenfalls abgeklärt werden, da sie ein Symptom der Pseudarthrose sein können.

Anzeichen einer Pseudarthrose:

  • schlecht heilende Knochenbrüche
  • Bewegungseinschränkungen
  • Hypermobilität
  • Schmerzen
  • Schwellung
  • Rötung
  • Instabilität der Gelenke

Was sind die Ursachen einer Pseudarthrose?

Nicht ordentlich verheilte Knochenbrüche können eine Ursache sein. Und auch hier muss man schauen, woran es liegt, dass eine Fraktur nicht so verheilt, wie sie sollte. Möglicherweise wurde der verletzte Knochen zu schnell wieder mobilisiert. Wenn das Knochengewebe zu diesem Zeitpunkt noch nicht wieder fest und stabil genug war, kann die zu frühe Bewegung letztlich mehr schaden als nutzen und im schlimmsten Fall zu einer Pseudoarthrose führen.

Auch die Verschiebung von Weichteilen in die Bruchregion, eine zu geringe Wundkompression sowie die Verschiebung der Bruchstellen gegeneinander können Ursachen sein. Bei den hier aufgeführten Beispielen spricht man von mechanischen Ursachen. Morbide Ursachen müssen ebenfalls ins Kalkül gezogen werden. Wenn ein Knochen übermäßig heilt, aber nicht richtig, zählt dies zur Familie der morbiden Ursachen. Ebenfalls dieser Kategorie zuzuordnen sind Infekte, arterielle Erkrankungen oder Diabetes Mellitus. Eine angeborene Ursache ist eher selten der Grund.

Wie wird eine Pseudarthrose behandelt?

Die Therapie hängt davon ab, welche Form der PSA vorliegt. Die Behandlungsmethoden müssen an die jeweilige Ursache angepasst werden. Bei der vitalen Form kann eine etwas leichtere Therapie in Angriff genommen werden, die Chancen auf Heilung sind gut. Mithilfe so genannter osteosynthetischer Maßnahmen kann hier ein guter Behandlungserfolg erzielt werden. Ein Ringfixateur ist eine Variante, die zur Stabilisierung des Knochens eingesetzt wird. Der Clou liegt hierbei in der Ruhigstellung des betreffenden Körperteils. Bei einem Ringfixateur handelt es sich also um eine Art Haltesystem.

Etwas komplizierter sieht dagegen die Behandlung bei avitaler Pseudarthrose aus. Zwar können auch osteosynthetische Maßnahmen (Osteosynthese) eingesetzt werden, jedoch werden diese allein nicht ausreichen. Darüber hinaus muss schließlich wieder gute Knochensubstanz aufgebaut werden. Diese kann in den Bruchspalt eingebracht werden. Außerdem können die Patienten mit speziellen Nahrungsergänzungen die Regeneration der Fraktur beschleunigen. Ebenfalls wichtig: Abgestorbenes oder infiziertes Gewebe muss entfernt werden. Aktuell wird auch viel über einen Bluttest diskutiert, der die Anfälligkeit für eine Pseudoarthrose voraussagen soll. Wenn dies gelänge, dann kann man direkt bei der Erstfraktur entsprechende Maßnahmen ergreifen.

Folgende Therapiemaßnahmen gibt es bei einer Pseudarthrose:

  • osteosynthetische Methoden (zum Beispiel Ringfixateur)
  • Einbringen von Knochensubstanz in den Bruchspalt
  • Entfernen von abgestorbenem und infiziertem Gewebe
  • Gabe von bestimmten Nahrungsergänzungen
  • evtl. bald möglich: Bluttest zur Bestimmung der Anfälligkeit für Pseudoarthrose

Wer behandelt eine Pseudarthrose?

Bei einer PSA können mehrere Fachärzte hinzugezogen werden. Zum Beispiel können Mediziner aus der Knochenchirurgie ebenso zum Einsatz kommen wie Spezialisten aus der Orthopädie. Der behandelnde Arzt wird den Patienten an den richtigen Fachmann überweisen.

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