Morbus Sudeck - Medizinische Experten

Unter einem komplexen regionalen Schmerzsyndrom (CRPS) - oder nach dem Erstbeschreiber auch Morbus Sudeck genannt - verstehen die Mediziner anhaltende und starke Schmerzen meist an Bein oder Arm, häufig begleitet von einer eingeschränkten Beweglichkeit der betroffenen Gliedmaße.

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Übersicht

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Morbus Sudeck - Weitere Informationen

Bei etwa 50% der Personen, die an einem CRPS leiden, gehen den Schmerzen eine Verletzung oder eine Operation an dem betroffenen Arm oder Bein voraus. Aufgrund der vielfältigen Ausprägungen, die bei diesem Krankheitsbild auftreten können, haben sich weitere synonyme Bezeichnung etabliert: Sudeck-Dystrophie, Algodysthrophie, Neurodystrophie, Schulter-Hand-Syndrom, Kausalgie und sympathische Reflexdystrophie. Daher wurde der Oberbegriff komplexes regionales Schmerzsyndrom eingeführt.

Ursachen von Morbus Sudeck

Die Ursachen für die Entstehung eines CRPS sind noch nicht geklärt. Frauen sind etwas häufiger betroffen als Männer, wobei die genauen Zahlen nicht bekannt sind.

Damit sich ein CRPS entwickeln kann, muss es im Vorfeld nicht zwangsläufig zu einer Verletzung (z.B. Knochenbruch oder Quetschung) oder größeren Operation gekommen sein - auch eine leichte Verstauchung oder Prellung oder ein Gefäßverschluss (Thrombose) kann Auslöser dieses Schmerzsyndroms sein. Je nachdem, ob dem Schmerzsyndrom eine Nervenschädigung vorausging oder nicht, unterscheiden die Ärzte aber zwei CRPS-Typen:

  • CRPS Typ I: Zu einem Morbus Sudeck vom Typ I kommt es, wenn Weichteilgewebe und Knochen geschädigt sind oder wenn die Extremität über längere Zeit ruhig gestellt wurde, es aber zu keiner Nervenschädigung kam.
  • CRPS Typ II: Wenn es im Rahmen einer Verletzung, Operation oder eines Unfalls zu einer Schädigung eines peripheren Nerven kam, spricht man von einem komplexen regionalen Schmerzsyndrom vom Typ II.

Warum es beim Morbus Sudeck zu einer Fehlregulation des sympathischen Nervensystems kommt, die die normale Heilung blockiert, ist nicht bekannt. Es wird aber vermutet, dass Entzündungsreaktionen im Bereich der Verletzung zu einer veränderten zentralen Schmerzverarbeitung führen.

Symptome von Morbus Sudeck

Typisches Symptom für einen Morbus Sudeck sind die starken und anhaltenden Schmerzen an Bein (meist Fuß - „Morbus-Sudeck-Fuß“) oder Arm (meist Hand - „Morbus-Sudeck-Hand“), die nach einer Verletzung, Operation oder eines Unfalls auftreten und sich nicht - wie normalerweise üblich - mit der Zeit bessern. Die Schmerzen können sich als starker brennender oder stechender Schmerz äußern, manchmal werden sie auch als starkes Kribbeln beschrieben. Die Schmerzen, die auch in Ruhe bestehen, verstärken sich bei Bewegung. Berührung wird als sehr unangenehm empfunden.

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Neben den Schmerzen können, insbesondere zu Beginn der Erkrankung, weitere Symptome auftreten, wie beispielsweise Rötung, Schwellung und Erhitzung der Haut, erhöhte Schwitzneigung, Temperaturunterschiede zwischen den Extremitäten, sowie verändertes Nagel- und Haarwachstum. Zu einem Abbau der Muskulatur mit nachfolgender Bewegungseinschränkung oder gar Gelenkversteifungen kann es in schweren Fällen ebenfalls kommen. Bei manchen Patienten finden sich auch Veränderungen im Röntgenbild.

Diagnose von Morbus Sudeck

Die Diagnose ist aufgrund der unterschiedlichen Ausprägungen des Krankheitsbildes nicht immer ganz einfach und wird hauptsächlich auf Basis der Symptomatik und der Krankengeschichte gestellt, häufig wird sie erst durch den Verlauf der Krankheit bestätigt.

Um die Diagnose zu erleichtern, wurden die Budapest-Kriterien entwickelt, eine Auflistung typischer „Sudeck-Symptome“. Wenn nun bestimmte Symptome und eine Mindestzahl von Beschwerden dieser Liste bei einem Patienten vorhanden sind, liegt gemäß Definition ein CRPS vor.

Behandlung von Morbus Sudeck

Da die Ursache nicht bekannt ist, besteht das realistische Ziel der CRPS-Therapie darin, die Schmerzen zu kontrollieren und die Funktion der beeinträchtigten Extremität wiederzuerlangen. Die Behandlung sollte immer eine Kombination verschiedener Optionen sein und sich aus medikamentösen und nicht medikamentösen Maßnahmen zusammensetzen (multimodale Therapie). Je früher die CRPS-Therapie begonnen wird, desto besser sind die Heilungschancen, auch wenn die Behandlung langwierig ist und von Rückschlägen begleitet sein kann. Folgende Therapiemöglichkeiten stehen heute zur Verfügung:

  • Medikamentöse Therapie gegen die Schmerzen, etwa im Rahmen der Schmerzmedizin
  • Lokalanästhesie mit Blockade des Sympathikus beim CRPS Typ I oder lokale Gabe von Opioiden oder eines stark verdünnten Lokalanästhetikums
  • Bei der Elektrostimulation wird eine dünne Elektrode in der Nähe des Rückenmarks implantiert und an ein Stimulationsgerät angeschlossen, das unter die Haut transplantiert wird. Über die abgegebenen Impulse sollen die Schmerzen nun maskiert werden, der Patient sollte dann nur noch ein leichtes, angenehmes Kribbeln spüren. Im Bereich der Elektrostimulation haben sich mehrere Verfahren entwickelt, so die Rückenmarkstimulation, die Neurostimulation und die Pasha-Sonde.
  • Eine Physikalische Therapie kann in jedem Stadium der Erkrankung sinnvoll sein.
  • Da die Schmerzzustände auch psychisch belastend sein können, ist eine psychologische Betreuung wichtig in der multimodalen Schmerztherapie. Neben der Psychotherapie kommen auch Verhaltenstherapie und Entspannungstechniken zur Anwendung.

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