Stuhlinkontinenz – oft verschwiegenes Leiden

Der Begriff Stuhlinkontinenz bezeichnet das Unvermögen, den Inhalt des Darms im Enddarm zurückzuhalten. Dadurch kommt es zum unwillkürlichen Abgang von Stuhl zwischen den Toilettengängen. In der medizinischen Fachsprache wird die Stuhlinkontinenz auch als anorektale Inkontinenz oder incontinentia alvi bezeichnet. Die Stuhlinkontinenz ist keine eigenständige Krankheit, sondern tritt als Symptom bei verschiedenen Erkrankungen auf.

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Stuhlinkontinenz - Weitere Informationen

Schätzungen zufolge leiden rund fünf Prozent der deutschen Bevölkerung unter ungewolltem Stuhlabgang – das entspricht vier Millionen Betroffenen. Mit steigendem Alter nimmt die Anzahl von stuhlinkontinenten Menschen zu, sodass 30 Prozent der geriatrischen Patienten (Patienten der Altersmedizin) von der Stuhlinkontinenz betroffen sind.

Welche Ursachen hat die Stuhlinkontinenz?

Einer anorektalen Inkontinenz können verschiedene Ursachen zugrunde liegen. So kann eine veränderte Konsistenz der Darmausscheidungen zu Kontinenzproblemen führen. Diese Stuhlveränderungen zeigen sich insbesondere bei chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen wie der Colitis ulcerosa oder dem Morbus Crohn. Ebenso kann eine Stuhlinkontinenz (vorübergehend) bei Magen- und Darminfektionen durch bakterielle oder virale Erreger auftreten.

Bauchschmerzen

 

Bei einer Malabsorption kann sich der Stuhl ebenfalls krankhaft verändern. Menschen mit einer Malabsorption können die Nahrungsbestandteile nur unzureichend aufspalten und aufnehmen, sodass es vermehrt zu Durchfällen kommt. Auch eine gestörte Darmkapazität führt zu ungewolltem Stuhlabgang.

Die Aufnahmefähigkeit des Dickdarms kann durch Rektumtumore oder Kollagenosen eingeschränkt sein. Kollagenosen sind systemische chronische Erkrankungen, die durch Veränderungen des Bindegewebes gekennzeichnet sind. Nach Operationen, die eine Beeinträchtigung des hinteren Dickdarms zur Folge haben, leiden ebenfalls viele Patienten unter einer Stuhlinkontinenz.

Des Weiteren beeinflusst der Beckenboden die Stuhlausscheidung: Kommt es hier durch eine Unterbrechung der nervalen Leitung – bedingt durch Beckenbodensenkungen oder eine Funktionsstörung des Pudendusnervs – zu Nervenstörungen, kann die Stuhlausscheidung nicht mehr bewusst kontrolliert werden. Häufige Ursache der Stuhlinkontinenz sind Störungen des Schließmuskels (Sphinkter). Diese können hervorgerufen werden durch:

  • ein Trauma während der Geburt
  • lokale Entzündungen (beispielsweise bei Morbus Crohn)
  • Komplikationen bei Operationen
  • Krebserkrankungen des Afters und des Enddarms
  • Verletzungen
Eine gestörte Sensibilität, wie sie beispielsweise bei Menschen mit Demenz, Nervenerkrankungen, Trauma oder Krebserkrankungen auftritt, ist eine weitere Ursache der anorektalen Inkontinenz.

Wie äußert sich die Stuhlinkontinenz?

Die anorektale Inkontinenz kann in drei Schweregrade eingeteilt werden. Beim ersten Grad kommt es zum unkontrollierten Abgang von Darmgasen. Gelegentlich zeigt sich auch das sogenannte Stuhlschmieren. Hierbei gehen nach dem eigentlichen Stuhlgang kleinere Mengen Stuhl ab, die als Schmierspuren in der Unterwäsche auftreten.

Patienten, die unter der Stuhlinkontinenz vom Grad II leiden, können ebenfalls ihre Darmgase nicht halten. Ferner können sie den Stuhlabgang bei flüssigem Stuhl nicht kontrollieren.

Der Schweregrad III ist durch einen totalen Kontrollverlust über die Entleerung des Darms charakterisiert. Die Betroffenen können den Darminhalt, unabhängig von der Konsistenz, nicht mehr willentlich zurückhalten, sodass auch fester Stuhl verloren wird. Die Stuhlinkontinenz vom Grad III ist zudem mit ständigem Stuhlschmieren verbunden. Die Erkrankung hat einen großen Einfluss auf die Lebensqualität der Betroffenen. Sie berichten über Scham, Unsicherheiten und Ängste, die nicht selten zu familiärer und sozialer Isolation, in einigen Fällen sogar zum Berufsverlust führen.

Wie wird die Stuhlinkontinenz diagnostiziert?

Zunächst führt der Arzt mit dem Patienten ein ausführliches Gespräch, in dem er sich genau nach den Beschwerden erkundigt. Er erfragt die Toilettengewohnheiten sowie Konsistenz und Farbe des Stuhls. Von Interesse ist ferner, ob er den Stuhlgang bewusst verzögern kann und ob er überhaupt wahrnimmt, dass der Darm mit Stuhl gefüllt ist.

Nach dieser Anamnese tastet der Arzt den Bauch ab und hört ihn zudem mit dem Stethoskop ab. So liefern die Darmgeräusche Hinweise auf eine Transportstörung des Darmes, Verhärtungen können auf Entzündungen oder Kotverklebungen hinweisen. Durch Abtasten des Enddarms bestimmt der Arzt ferner die Spannung des Schließmuskels und kann zudem Polypen oder Tumoren des Rektums nachweisen bzw. ausschließen.

Die Spiegelung des Dick- und des Enddarms dient der Ursachenfindung. Ebenso wie die Proktoskopie, bei der der Analkanal gespiegelt wird, gehört sie zur Basisdiagnostik bei der anorektalen Inkontinenz. Zur Spiegelung führt der Arzt einen dünnen Schlauch mit einer Kamera in den After ein. Über diese kann er den Zustand des Darms beurteilen und Entzündungen, Tumoren oder Polypen finden.

Ein weiteres Diagnoseverfahren, das bei stuhlinkontinenten Menschen zum Einsatz kommt, ist die Ultraschalluntersuchung. Bei dieser Endosonographie wird eine kleine Sonde in den Analkanal eingeführt. Mithilfe dieses Verfahrens lassen sich insbesondere Verletzungen des Schließmuskels gut nachweisen.

Die Funktion des Analsphinkters kann ferner mittels der schmerzlosen Analsphinktermanometrie geprüft werden. Anspannung und Entspannung der rektalen Muskeln werden hingegen mit der analen Manometrie gemessen. Funktionelle Abläufe während des Stuhlgangs lassen sich mit der Defäkographie analysieren.

Hierbei wird der Enddarm mit einem Röntgenkontrastmittel befüllt. Während des Stuhlgangs kann dann ein Röntgenvideofilm angefertigt werden, der auch Aus- und Einstülpungen der Darmwand nachweisen kann. Besteht der Verdacht, dass der Stuhlinkontinenz eine Nervenstörung zugrunde liegt, fertigt der Arzt zusätzlich ein Elektromyogramm an.

Wie wird die Stuhlinkontinenz behandelt?

Die Behandlung der Stuhlinkontinenz hängt von der Ursache ab. Basiert die Inkontinenz auf einer Veränderung der Stuhlkonsistenz, führen häufig bereits einfache Ernährungsanpassungen zu einer Besserung der Symptomatik. Entscheidend ist hier die ausgewogene Zufuhr von Ballaststoffen und Flüssigkeit. Weizenkleie oder Plantagosamen können ebenfalls die Stuhlkonsistenz verbessern.

Gesunde Ernährung

 

Ein spezielles Toilettentraining kann ferner die Betroffenen bei der Stuhlentleerung unterstützen. Liegt der Inkontinenz eine Darmerkrankung zugrunde, sollte diese behandelt werden. So erhalten Patienten mit Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa bestimmte Medikamente, die die entzündlichen Prozesse im Darm eindämmen sollen.

Medikamente, die die Darmpassage verlangsamen, können die Stuhlkonsistenz zudem so verbessern, dass Menschen mit einer anorektalen Inkontinenz ihren Stuhl besser halten können. Je nach Ursache können auch chirurgische Eingriffe zur Behandlung erforderlich sein.

Wie ist die Prognose der Stuhlinkontinenz?

Die Prognose unterscheidet sich von Patient zu Patient deutlich. So spielen die Ursache und auch das Alter eine Rolle. Geeignete Therapiemaßnahmen können die Symptome jedoch häufig lindern und die Lebensqualität der Betroffenen verbessern.

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