Proktitis - Medizinische Experten

Die Proktitis ist eine Entzündung, die sich ausschließlich auf den Bereich des Enddarms, das 20 Zentimeter lange Ende des Dickdarms, beschränkt. Häufig zeigt sich eine Mitbeteiligung des Anus. Die Hüft- bzw. Leistenregion kann durch Schmerzen ebenfalls in Mitleidenschaft gezogen werden.

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Proktitis - Weitere Informationen

Die möglichen Ursachen für die Entzündung sind sehr vielfältig. So kann die Proktitis infektiös bedingt sein oder aber im Rahmen anderer Darmerkrankungen auftreten.

Ursachen und Risikofaktoren

Eine Großzahl der Erkrankungsfälle basiert auf ungeschütztem, empfangendem Analverkehr. Verschiedene sexuell übertragbare Erreger können eine Proktitis auslösen. So zeigt sich beispielsweise bei der Gonorrhoe, einer Geschlechtskrankheit, die auch unter dem Namen Tripper bekannt ist, das Bild einer eitrigen Proktitis. Die sexuell übertragbare Erkrankung Ulcus molle geht dagegen eher mit sehr schmerzhaften, weichen Geschwüren einher, und bei der Lymphogranuloma inguinale entstehen Fisteln. Entzündungen des Enddarms, die nicht abheilen oder nässen, können auf eine Infektion mit dem HI-Virus beziehungsweise auf AIDS hinweisen. Ebenso können Herpesinfektionen des Genitalbereichs, Infektionen mit Chlamydien, das Humane Papilloma-Virus (HPV) und die Donovanosis, eine tropische Geschlechtskrankheit, eine Proktitis hervorrufen.

Insbesondere Personen, die häufig ungeschützten Analverkehr mit wechselnden Geschlechtspartnern haben, weisen ein erhöhtes Erkrankungsrisiko auf. Durch Gegenstände, die im Rahmen des Geschlechtsverkehrs in den After eingeführt werden, können sich kleine Verletzungen der Darmwand ergeben, die die Entstehung einer Proktitis ebenfalls begünstigen. Doch die Entzündung kann auch im Zusammenhang mit chronisch entzündlichen Darmerkrankungen (CED) wie Colitis ulcerosa oder Morbus Crohn auftreten. Eine Colitis ulcerosa, die sich ausschließlich auf den Enddarm beschränkt, wird als Proktitis ulcerosa bezeichnet. Im Gegensatz zu den Entzündungen, die durch Geschlechtskrankheiten hervorgerufen werden, besteht bei den Proktitiden der chronisch entzündlichen Darmerkrankungen keine Ansteckungsgefahr. Eine Proktitis kann ferner als allergische oder toxische Reaktion auf Medikamente wie Zäpfchen oder Abführmittel sowie Kondome oder Gleitmittel entstehen. Auch eine Strahlentherapie, die vor allem in der Behandlung von Krebstumoren zum Einsatz kommt, gehört zu den Risikofaktoren.

Die Symptome der Proktitis

Zu Beginn der Entzündung zeigen sich kaum Beschwerden. Die Betroffenen bemerken allenfalls, dass ihre Afterregion etwas empfindlicher ist als sonst. Auch Schmerzen beim Stuhlgang können auftreten. Wenn sich die Entzündung ausgebreitet hat, kommt es zu einem blutig-eitrigen Ausfluss. Ferner zeigen sich im Stuhl blutige und eitrige Beimengungen. Die Patienten verspüren ständig das Gefühl, auf die Toilette gehen zu müssen, der Stuhlgang findet aber eher unregelmäßig statt. Einige der Betroffenen leiden unter Stuhlinkontinenz, können den Stuhl also nicht halten. Zusätzlich entweicht häufig Luft aus dem Darm. In der medizinischen Fachsprache bezeichnet man dies auch als Flatulenz. Der After juckt und erscheint gerötet sowie wulstförmig vorgetrieben. Im weiteren Krankheitsverlauf können Analfissuren entstehen. Es handelt sich dabei um sehr schmerzhafte Einrisse der Haut oder der Schleimhaut des Afters, die strahlenförmig verlaufen. Insbesondere nach dem Stuhlgang rufen die Fissuren helle und stechende Schmerzen sowie ein Brennen hervor. Gelegentlich kommt es auch zu schwachen hellroten Blutungen. Eine weitere Erscheinung, die im Rahmen der Proktitis auftreten kann, ist die Fistel. Im Rahmen der Entzündung entwickeln sich hier Ausführungsgänge, die von dem entzündeten Darm zur Hautoberfläche führen. Aus den Fistelöffnungen tritt oftmals ein Sekret aus. Eine blutende Fistel kann zudem zu erheblichen Schmerzen führen. Grundsätzlich hängen die Beschwerden von der Ursache der Proktitis ab. So verursachen beispielsweise Entzündungen des Enddarms, die durch das Bakterium Neisseria gonorrhoeae, den Erreger der Gonorrhoe, hervorgerufen werden, kaum Beschwerden. Eine Proktitis mit Colitis ulcerosa ist für die Patienten hingegen äußerst schmerzhaft.

Die Behandlung der Proktitis

Die Therapie der Proktitis ist je nach Ursache verschieden. Liegt der Entzündung eine bakterielle Infektion zugrunde, erhalten die Patienten in der Regel ein Antibiotikum. Ein kortisonhaltiger Schaum, der auf den Analbereich aufgetragen wird, kann zudem die entzündlichen Prozesse hemmen. Um weitere Entzündungen und Infektionen zu vermeiden, sollten die Betroffenen zukünftig auf ungeschützten Analverkehr verzichten. Zäpfchen mit dem Wirkstoff Mesalazin kommen zum Einsatz, wenn die Proktitis im Rahmen einer chronisch entzündlichen Darmerkrankung auftritt. Zeigt sich dadurch keine Besserung, kann das Medikament auch in Tablettenform zur systemischen (den ganzen Organismus betreffenden) Therapie gegeben werden. Ebenso können Einläufe oder Schaumapplikationen mit Mesalazin hilfreich sein. Allerdings erleiden Patienten mit einer chronisch entzündlichen Darmerkrankung häufig Rückfälle, sodass eine lebenslange medikamentöse Therapie erforderlich sein kann. Dazu kommen folgende Medikamente zum Einsatz:
  • Immunsuppressiva wie Methotrexat oder Mercaptopurin
  • TNF-α-Blocker (Infliximab oder Adalimumab)
  • Integrin-Antagonisten
In sehr schweren Fällen kann eine chirurgische Entfernung der entzündeten Schleimhautstellen oder sogar eines gesamten Darmabschnitts erforderlich sein. Basiert die Proktitis hingegen auf einer Allergie, besteht die Therapie in der strikten Meidung des Allergens. Allergisch bedingte Entzündungen des Enddarms heilen dann meist von selbst aus. Schwere Fälle werden ebenso wie die Entzündungen bei Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa mit Mesalazin-Zäpfchen behandelt. Auch die strahlenbedingten Darmentzündungen erfordern in der Regel keine Therapie, sondern bilden sich von selbst wieder zurück. Unabhängig von der Ursache der Erkrankung können entzündungshemmende Einläufe oder Zäpfchen den Patienten Linderung verschaffen.

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